Coronavirus in Andalusien und Spanien – die aktuelle Lage

Coronavirus Andalusien
Der Coronavirus (Covid-19) hat Spanien derzeit fest im Griff ( alexeynovikov / Depositphotos.com )

Bei allen Fragen zum Coronavirus kann man bei der andalusischen Landesregierung die kostenfreie Hotline 900400061 anrufen. Bitte kein Anruf bei der allgemeinen Notfall-Hotline 112, um diese nicht zu überlasten! Wer am Virus erkrankt ist oder in Quarantäne muss, ruft in Andalusien die Hotline 900877037 oder 955545060 an.

Update: Stand 1. April 2020 – 10 Uhr

Am 1. April wurden in Spanien 94.417 Infizierte gezählt, ein Anstieg zum Vortag um 9.222 Fälle. Die Zahl der Toten stieg um 849 auf 8.189. Während Madrid immer noch die meisten Infizierten beherbergt, ist der tägliche Anstieg in Barcelona am höchsten. In Barcelona hat jetzt auch die höchste Anzahl an Patienten auf den Intensivstationen. Andalusien nimmt mit 5.818 Infizierten den 6. Platz unter den Regionen ein.

Die Frau von Ministerpräsident Pedro Sánchez ist ebenso vom Coronavirus infiziert wie drei seiner Minister und Ministerinnen, die am 8. Mai an der Demonstration zum Weltfrauentag teilgenommen hatten. Vermutlich wirkte Sánchez auch deshalb so resigniert, als er am Freitag im Parlament die Verlängerung des Ausnahmezustands bis zum 11. verkündete. Er bietet nach wie vor keine Erklärung, warum Spanien parallel zu Italien keine Fortschritte in der Entwicklung der Corona-Krise erkennen lässt. María José Sierra, die Direktorin für Notfallmedizin berichtet, dass die Notfall-Einrichtungen in sechs Regionen ihre Belastungsgrenze überschreiten.

Im Rahmen der »Operation Balmis« sendet die spanische Marine das Hospitalschiff »Galicia« mit 800 Betten in die spanische Enklave Melilla an der marokkanischen Küste. Zur Operation Balmis gehören zudem die Lazarettschiffe »Juan Carlos I«, »Castilla«, »Patiño« und »Cantabria«, die vor der Costa del Sol stationiert wurden, um mit 300 Notfallbetten Entlastung zu bringen, wenn es nötig wird.

John Cortes, der Gesundheitsminister von Gibraltar, hat angekündigt, dass zufällige Tests in den Straßen von Gibraltar stark ausgeweitet werden. Bisher hat Gibraltar keinen Corona-Toten zu beklagen. Alle Vermieter wurden angehalten, sich besonders um alte Menschen in ihren Mietwohnungen zu kümmern.

Sechzig spanische Fremdenlegionäre patrouillieren seit Samstag auch in den Straßen von Marbella, Benahavís, Mijas, Ojén und Istán. Die Disziplin in der Bevölkerung ist noch verbesserungsfähig. In Málaga und in Nerja wurden unabhängig voneinander zwei infizierte Personen auf offener Straße festgenommen, die aus einem Krankenhaus in Madrid ausgebüchst waren.

In Spanien herrscht Empörung darüber, dass Bestattungsunternehmen, die durch das Virus bedingte erhöhte Nachfrage nach Särgen und Bestattungen dazu nutzen, ihre Preise schamlos zu erhöhen. In der Twitter-Plattform »Afectados Memora« hat sich eine Gruppe der »Betroffenen, Geschädigten und Betrogenen« mit bereits einigen Hundert Followern gebildet. Daraufhin hat die Regierung umgehend ein Dekret erlassen, dass keine höheren Gebühren für Bestattungen berechnet werden dürfen als vor dem 14. März. Ab sofort dürfen an Beerdigungen nur noch maximal 3 Personen teilnehmen, zuzüglich des Priesters.

Die Mieterverbände in Katalonien und Madrid verlangen, dass die Mieten für Familien, Kleinunternehmer und Selbstständige während der Krise ausgesetzt werden. »Die wirtschaftlichen Kosten sollten nicht vom Staat oder kleinen Vermietern getragen werden, sondern von Unternehmen und Finanzunternehmen«, betonte ein Sprecher. Bei kleinen Vermietern, die auf das Einkommen aus der Miete angewiesen sind, sollte der Staat eingreifen, um ihnen zu helfen. In Barcelona hat der Gemeinderat die Aussetzung der Miete von mehr als 8.000 städtischen Wohnungen und von ca. 400 Gewerbeimmobilien genehmigt.

Die Regierung hat entdeckt, dass zunehmend Hunde aus Tierheimen adoptiert werden um so eine Möglichkeit zu haben, das strikte Ausgehverbot zu umgehen. Da nun auch keine Stierkämpfe stattfinden dürfen, hat die Vereinigung der Stierkämpfer von Kultusminister José Manuel eine Kompensation über 700 Millionen Euro für den Ausfall der Veranstaltungen verlangt. Tierschutzgruppen haben dem Ansinnen energisch widersprochen. 2008 waren 16.000 Stiere bei Stierkämpfen getötet worden, 2018 waren es noch 7.000 Tiere.

Ein kleiner deutscher Zirkus aus Berlin mit 16 Artisten und drei Kindern ist mittellos in der Axaquía gestrandet. Er wird von Vélez-Málaga aus mit Lebensmittelspenden am Leben erhalten.

Die spanische Sportartikel-Kette Decathlon S.A.U. produziert jetzt aus Taucherbrillen professionelle Masken für das medizinische Personal in Notfallzentren. Auf 3D-Druckern werden Plastikhalter erzeugt, die anstelle des Schnorchels mit der Taucherbrille verbunden werden und einen Schutz des gesamten Gesichtes ermöglichen. Die Idee geht auf eine Anregung des belgischen Arztes Dr. Frederic Bonnier zurück, einem Lungenarzt am Erasmus Krankenhaus in Brüssel. Italienische Ingenieure haben das Design der Kopfhalter auf dem 3D-Drucker beigesteuert.


Update: Stand 29. März 2020 – 14 Uhr

Am 29. März meldet Spanien 73.235 Infizierte und 5.982 am Coronavirus Verstorbene. Das sind 832 Tote mehr als am Vortag und der bisher höchste Anstieg. Bereits 5.400 medizinische Fachkräfte sind infiziert. Seit dem Ausbruch der Epidemie hat Spanien erst 350.000 Tests durchgeführt. Die Regierung will nun 6 Millionen Schnelltests importieren.

Mangelhafte Corona-Tests

Der Mangel an geeigneter Schutzkleidung und Testkits führt insbesondere in Altenheimen zu immer schlimmeren Zuständen. Die spanische Regierung hatte bei der chinesischen Firma Shenzen Bioeasy Technology 640.000 Testkits bestellt und geliefert bekommen. Nun behauptet die chinesische Botschaft in Madrid, diese Firma habe in China gar keine Erlaubnis, Medizinprodukte zu verkaufen. Ein entsprechender Warnhinweis fehlt jedoch auf der Webseite der Firma. Chinesische Spenden an andere Länder enthielten laut der chinesischen Botschaft keine Produkte von Shenzen Bioeasy. Die spanischen Behörden hätten eine Liste der in China zugelassenen Lieferanten erhalten, auf denen Shenzen Bioeasy nicht aufgeführt sei. Das nationale Zentrum für Mikrobiologie in Madrid hat 50.000 Schnelltests von Shenzen Bioseasy getestet. Nur 30% lieferten ein korrektes Ergebnis. Normal und akzeptabel wären 84 bis 90%. Die Chinesen behaupten nun, die getesteten Kits seien gar nicht von ihnen, sondern in Spanien hergestellt worden. Auch tschechische Mediziner berichten, Testkits aus China lieferten unzuverlässige Ergebnisse.

Ein Militärtransporter Airbus A400M ist gestern vom Militärflughafen Saragossa zu einem Nonstop-Flug nach Shanghai aufgebrochen um dort 650.000 Masken abzuholen. Weitere 650.000 Masken aus dem französischen Toulouse sind auf dem Militärflughafen Getafe eingetroffen. Auf Mallorca wird morgen eine russische Tupelow TU-134 mit Hilfsgütern aus Schanghai erwartet. Auf den Balearen ist besonders viel medizinisches Personal infiziert. In Palma de Mallorca wurde ein 26-jähriger Schweizer festgenommen, der vor einem Supermarkt die Kunden aufforderte, Selbstmord zu beginnen, weil das Ende der Welt bevorstehe.

Gestern sind die ersten Patienten in dem neuen Krankenhaus eingetroffen, welches die Behörden im Madrider IFEMA Konferenzzentrum eingerichtet haben. Es hat 1.400 Betten und kann bei Bedarf auf 5.500 Betten erweitert werden. König Felipe hat das Krankenhaus am 25. März besichtigt.

Die spanische Regierung hat noch keine Entscheidung getroffen, wie sie kleinen Selbständigen und Hypothekenschuldnern finanziell unter die Arme greifen möchte. Ein Problem dabei ist, dass die autonomen Regionen zustimmen und die Auszahlung umsetzen müssten.

Lage in Gibraltar

Gibraltar meldet jetzt 50 Infizierte, darunter zwei Pflegerinnen in einem Altersheim. Die Regierung will jetzt mit Massentests beginnen. Die 53-jährige Reinigungskraft Ana Gingell wurde überführt, im St. Bernhards Hospital Desinfektionsmittel und klinische Ausrüstung im Wert von 325 Pfund entwendet zu haben, die man in Ihrer Wohnung fand. In Gibraltar gehen immer noch 10% der Schüler in die Schule. Eigentlich sollten es viel mehr sein, aber die Eltern weigern sich, ihre Kinder da hin zu schicken. Gibraltar weist alle ausländischen Schiffe ab. Ein deutscher Segel-Katamaran mit Touristen aus Mallorca durfte den Hafen von Gibraltar nicht anlaufen.

Corona-Parties und verbotene Aktivitäten

Noch immer nehmen viele Spanier die strengen Auflagen zur Eindämmung der Ansteckung nicht richtig ernst. Noch immer werden in Privaträumen der Urbanisationen wilde Corona-Parties gefeiert, von denen die Polizei nur etwas erfährt, wenn andere Bewohner sich beschweren. Die Stadt Torrevieja an der Costa Blanca hat in den letzten 14 Tagen 1.000 Strafen wegen der Verletzung der Pandemiebestimmungen verhängt.

In Madrid wurde ein Pärchen von der Polizei verwarnt, weil es Sex im Auto hatte. Den Polizisten war nicht so sehr ein Dorn im Auge, dass das in aller Öffentlichkeit geschah, sondern weil es zu den verbotenen ‚nicht notwendigen Aktivitäten’ außerhalb der Wohnung gehört. Das Pärchen rechtfertigte sein Tun damit, dass es zuhause nun keine ungestörte Möglichkeit dazu hätte.

Die spanische Arbeitsministerin Yolanda Diaz hat verboten, dass Menschen während der Corona-Krise entlassen werden. Stattdessen soll Kurzarbeitergeld beantragt werden, das nach fünf Tagen bewilligt werde. Leiharbeitsverträge können zwar während der Krise ruhen, müssen danach aber wieder fortgeführt werden. Ab morgen bis zum 9. April dürfen nur noch Menschen aus kritischen Branchen zur Arbeit gehen. In dieser Zeit müssen alle Löhne weiter gezahlt werden. Zeitungsverlage sind kritisch, Baufirmen nicht.

Das Carranque Sportzentrum in Málaga wird zu einem 400-Betten Feldlazarett umgebaut. Der andalusische Gesundheitsdienst SAS behält sich vor, weitere Sporteinrichtungen zu requirieren. Außerdem werden alle im öffentlichen Dienst angestellten Sportärzte und Physiotherapeuten als Helfer im Kampf gegen die Corona-Epidemie eingesetzt.

Auf der US Militärbasis im andalusischen Rota ist ein Soldat positiv getestet und mit all seinen Kontaktpersonen in Quarantäne gesteckt worden.

In der letzten Woche haben nur noch 25 Personen einen Asylantrag gestellt. In der Vorwoche waren es noch 3.865. Venezolaner und Kolumbianer können ja jetzt nicht mehr mit dem Flugzeug einreisen. Die Anzahl illegaler Immigranten ging von 350 pro Woche auf 93 zurück, da der Verkehr nach Ceuta und Melilla eingestellt wurde.

Haben Fußballfans das Virus nach Spanien gebracht?

Georgio Gori, der Bürgermeister der norditalienischen Stadt Bergamo befürchtet, dass die Covid-19 Katastrophe ihren Ursprung in dem Champions-League-Spiel zwischen Atalanta Bergamo und dem FC Valencia hat, welches am 19. Februar vor 45.702 Zuschauern im Mailänder San Siro Stadion ausgetragen wurde, darunter 2.500 Gäste aus Valencia, die den Virus nach Spanien brachten. Auch mehrere Spieler aus Valencia wurden infiziert. Zu der Zeit ahnte niemand, dass sich das Virus bereits in Italien befand. Erst am 23. Februar wurde der erste Infizierte in Italien gemeldet.

Der spanische Fußballverband (RFEF) hat 500 Millionen Euro zugesagt, um spanischen Vereinen zu helfen, die durch Covid-19 finanzielle Probleme haben. Man vergleiche das mit den zwanzig Millionen, welche die vier deutschen Champions-League-Aspiranten Not leidenden Vereinen in Deutschland zugesagt haben. RFEF-Präsident Luis Rubiales stellt außerdem das nationale Trainingszentrum samt Therapeuten dem spanischen Gesundheitswesen zur Verfügung.

Die spanischen Tankstellen gehören gemäß dem Regierungserlass zur kritischen Infrastruktur und müssen daher geöffnet sein. Nun haben die Tankstellenbetreiber gebeten, viele Tankstellen schließen zu dürfen, um die Gesundheit der 53.000 Mitarbeiter nicht unnötig zu gefährden. An den Autobahnen ist die Benzinnachfrage um 60% eingebrochen, in den Städten um 75% und auf dem Land um 90%.

Durch den Stillstand der wirtschaftlichen Aktivitäten und das verringerte Verkehrsaufkommen ist die Luftqualität in Spanien sehr viel besser geworden. In Málaga ging die Stickoxid-Belastung um 52% zurück, in Barcelona um 83% und in Madrid um 73%. Zum ersten Mal seit 2010 hat Spanien die EU Grenzwerte unterschritten. Da dieser Effekt weltweit auftritt, rechnet Greenpeace dieses Jahr mit 4,5 Millionen weniger Toten durch Luftverschmutzung.


Update: Stand 26. März 2020 – 9 Uhr

Am 26. März beklagt Spanien 49.384 Infizierte und 3.643 Tote. In Andalusien sind es 3.010 Infizierte und 113 Verstorbene. Das spanische Parlament hat gestern den Ausnahmezustand um 15 Tage verlängert. Da es immer noch zu wenig Schutzkleidung gibt, sind bereits 5.400 Krankenschwestern und Ärzte mit Corona infiziert. Vor zwei Tagen waren es noch 3.472.

Besonders traurig ist die Entwicklung in den Altersheimen. In dem Dorf Alcalá del Valle nahe der Stadt Setenil de la Bodegas in der Serranía de Ronda, mussten die Behörden der Provinz Cádiz das Altenheim Dolores Ibarruri schließen. Dort waren 39 Insassen und 19 Betreuer infiziert. Ein Insasse war bereits tot. Obwohl Bürgermeister Rafael Aguilera auf die unhaltbaren Zustände aufmerksam gemacht und sich selbst als Altenbetreuer betätigt hatte, war niemand von außerhalb zur Hilfe gekommen. Nun wurden die Heimbewohner in das 100 km entfernte La Línea de la Concepción umgesiedelt.

In Spanien gibt es immer noch zu viele Menschen, die den Ernst der Lage nicht begriffen haben. Die Polizei hat seit Beginn der Ausgangsbeschränkungen am 14. März bereits 81.000 Anzeigen wegen Verletzung der Bestimmungen ausgestellt. In Madrid musste die Polizei vier Patienten wieder einfangen, die sich im Severo Ochoa de Leganés Hospital hatten auf Corona testen lassen, ohne das Testergebnis abzuwarten. Einen 77-jährigen schnappte die Polizei auf der Straße. Der Mann rechtfertigte sich, er sei auf der Suche nach seinem Pokémon. Die Polizei in vielen ländlichen Gegenden werden jetzt durch die Armee und durch Einheiten der spanischen Fremdenlegion verstärkt.

Der 107 Jahre alte Jose Ameal Peña ist beunruhigt über das neue Virus. Er hatte noch die Spanische Grippe 1918 miterlebt und überlebt.

Interessant sind die Auswirkungen des Ausnahmezustands auf die Entwicklung der Kriminalität. Seit so viel Polizeipräsenz auf den Straßen konzentriert ist, hat die Alltagskriminalität, wie z.B. Taschendiebstahl und Raub, spürbar abgenommen. Weil so viele Menschen zu Hause hocken, gehen auch die Wohnungseinbrüche zurück. In Katalonien hat ein Serientäter an einem Tag drei Supermärkte und eine Tankstelle ausgeraubt. Er hatte sich mit einer Anti-Corona-Maske vermummt.

Hingegen vermuten die Drogenbanden, insbesondere im Raum Algeciras, dass ihrem Treiben nun weniger Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die Polizei versucht, dagegen zu halten. Einige Drogendealer gehen der Polizei bei den allgemeinen Polizeikontrollen zufällig ins Netz. Für die Mafia und andere kriminelle Banden brechen harte Zeiten an, da die Geldwäsche wegen der geschlossenen Restaurants kaum noch möglich ist. Man vermutet, dass die Mafia stattdessen versuchen wird, öffentliche Hilfsgelder für die wirtschaftlichen Opfer der Pandemie abzuschöpfen.

Die Cyberkriminalität nimmt zu und trifft auf mehr alte Menschen im Netz, die sich darunter nichts vorstellen können. Betrüger verschaffen sich Zutritt zu Wohnungen alter Menschen mit der Behauptung, sie kämen vom Gesundheitsamt um einen Virentest zu machen. Die Prostitution blüht nun im Verborgenen weiter und wird ausgiebig genutzt. Es handelt sich dabei oft um Zwangsprostituierte, aber auch um Personen mit prekärem Aufenthaltsstatus, die ihren Lebensunterhalt und den ihrer Familie nur durch diese Einnahmequelle sichern können. Die spanische NGO Medicos del Mundo (Ärzte ohne Grenzen) versucht, diesen Frauen öffentliche Finanzhilfen zugänglich zu machen.

Aufgrund der beengten Wohnsituation und der seit 12 Tagen bestehenden Bewegungseinschränkungen steigen die Fälle von häuslicher Gewalt. Viele spanische Apotheken bieten sich jetzt als Anlaufstelle für Opfer häuslicher Gewalt an. Die Frauen müssen dort nur »mascarilla-19« rufen, dann werden sie vom Personal in Sicherheit gebracht.

In Alicante kam es in der Haftanstalt Fontcalent zu einer Gefängnisrevolte, nachdem dort zwei Fälle von Corona Ansteckung bekannt wurden. Die Häftlinge zündeten in ihren Zellen Papier an und stiegen aufs Dach der Anstalt.

Das Kreuzfahrtschiff Costa Pacifica hatte Buenos Aires am 3. März verlassen. Das Anlegen in einem spanischen Hafen wurde dem Schiff aufgrund der spanischen Ausgangssperre verweigert. In Marseille durften nur französische Passagiere aussteigen. Die 170 spanischen Passagiere, die im italienischen Hafen Savona von Bord gehen durften, wissen jetzt nicht, wie sie nach Spanien zurückkehren können.

Viele britische Urlauber stecken in Spanien fest, weil die meisten Flughäfen geschlossen sind und keine Flüge nach Großbritannien angeboten werden. Auch Ryanair hat den Flugbetrieb eingestellt. Für deutsche Urlauber scheint die Luftbrücke der Lufthansa zu funktionieren.

In der Landwirtschaft wird es als schwierig empfunden, die neuen Abstandsregeln zwischen den Landarbeitern einzuhalten. Insbesondere das Verbot, dass mehrere Personen in einem Auto oder im überfüllten Linienbus zur Arbeit fahren können. Nun sollen Schulbusse, die wegen der geschlossenen Schulen nur herumstehen, zum Transport der Landarbeiter eingesetzt werden.

Die ökonomischen Auswirkungen der Pandemie werden nun sichtbar. Im März wurden in der ersten Woche des Ausnahmezustands 85% weniger Autos verkauft. Bei der Ausleihe von Mietwagen beträgt der Rückgang sogar 95%.

Die gute Nachricht des Tages lautet: Die Anis-Schnaps Brennerei Machaquito im andalusischen Rute hat ihre Produktion nun auf Desinfektionsmittel umgestellt um dem Gesundheitswesen aus der Patsche zu helfen.


Update: Stand 24. März 2020 – 14 Uhr

Der Tod wird zum Alltag in Spanien

Madrid verzeichnete am 23. März 10.575 Infizierte und 1.263 am Coronavirus Verstorbene.

Wegen des Mangels an Masken und Schutzkleidung reichen die Beerdigungsinstitute in Madrid nicht mehr aus um dort die am Coronavirus Verstorbenen aufzubahren. Daher wurde jetzt die 1.800 qm große städtische Eishalle zum Aufbewahrungs-Zentrum für die Leichen umfunktioniert. Wegen der konstanten Temperatur von Null Grad ist dort die Lagerung längere Zeit möglich, ehe die Särge in die überlasteten Krematorien abtransportiert werden können.

Die spanischen Krankenhäuser möchten die ethischen Dilemmata zu vermeiden, in welche die Ärzte in der italienischen Region Lombardei bereits gedrängt wurden. Die Ärzte in Norditalien müssen entscheiden, welchen Patienten die Aufnahme auf die Intensivstation verweigert werden soll, weil es an medizinischer Ausrüstung mangelt, um alle intensivmedizinisch zu versorgen.

Nach Angaben der Agentur Reuters sterben in Italien 50% der Patienten, die derzeit wegen Covid-19 auf einer italienischen Intensivstation aufgenommen werden. Die »übliche« Sterblichkeitsrate auf einer italienischen Intensivstation beträgt hingegen 12% bis 16%. »Auch wenn es keine Überlebens-Chance gibt, muss man dem Patienten ins Gesicht schauen und sagen, dass alles in Ordnung ist. Und diese Lüge zerstört dich«, sagt Marco Resta, der Leiter der Intensivstation des San Donato-Krankenhauses in Mailand

Das Kriterium für die Entscheidung, wer Vorrang hat, wenn auf der Intensivstation Betten fehlen, nennt man Triage. Es ist das Protokoll, das von den Rettungsdiensten befolgt wird, um den Schweregrad der Krankheit eines Patienten schnell zu beurteilen und fest zu legen, welche Patienten betreut werden und welche man sterben lassen muss.

In Spanien verteilte das Gesundheitsministerium am Dienstag, dem 17. März, ein Triage-Protokoll mit dem Titel »Covid-19 Notfall Management«.

Dieses Protokoll bezieht sich auf Triage im engeren Sinne. Also auf Kriterien, anhand derer das medizinische Personal die schweren Fälle identifizieren muss, sobald sie die Notaufnahme erreichen. Für Patienten unter 60 Jahren ohne Fieber, Atemversagen und ohne weitere potentiell tödliche Krankheiten schreibt das Protokoll die Bewertung und Abweisung nach den üblichen Kriterien vor. Das Protokoll legt fest, dass ein Covid-19-Test bei Patienten, die abgewiesen werden sollen, nicht durchgeführt werden sollte.

Für Patienten unter 60 Jahren mit Fieber, jedoch ohne Atemstillstand und ohne andere schwere Krankheiten, sieht das Protokoll vor, dass eine Röntgenaufnahme der Lunge durchgeführt wird. Wenn er keine Lungenentzündung hat, sollte der Patient auf Covid-19 getestet und dann entlassen werden.

Für Patienten über 60 Jahre oder mit weiteren schweren Krankheiten erfordert das Protokoll immer eine Röntgenaufnahme und eine Untersuchung.

Das Protokoll sagt jedoch nichts über die Kriterien aus, die bei der Auswahl von Patienten im Falle einer Überfüllung einer Intensivstation einzuhalten sind.

Eine Gruppe von Bioethikern unter der Leitung von Olga Rubio, nationale Koordinatorin der Bioethik-Arbeitsgruppe der spanischen Gesellschaft für Intensivmedizin, Kritische Medizin und Herz-Kreislauf Krankheiten (SEMICYUC) hat ein Dokument mit dem Titel »Ethische Empfehlungen für Entscheidungen in der außergewöhnlichen Krisensituation durch die Pandemie Covid-19 auf Intensivstationen« erstellt.

Das SEMICYUC-Dokument enthält Richtlinien, die von den meisten öffentlichen und privaten spanischen Krankenhäusern für die Triage von Patienten in Ausnahmesituationen befolgt werden. Eine Covid-19 Infektion soll wie eine »katastrophenmedizinische Situation behandelt werden, in der eine außergewöhnliche Krisenversorgung auf der Grundlage von Verteilungsgerechtigkeit und angemessener Zuweisung von Gesundheitsressourcen erfolgen soll, mit dem Ziel, Schäden für Menschen, das Gesundheitssystem und die Gesellschaft zu mindern«.

Das Dokument unterteilt Patienten in vier Gruppen:

  • Patienten mit Priorität 1: Kritische und instabile Patienten, die eine intensive Überwachung und Behandlung benötigen, die nicht außerhalb der Intensivstation bereitgestellt werden kann.
  • Patienten der Priorität 2: Patienten, die eine intensive Überwachung erfordern und möglicherweise sofortige Eingriffe benötigen. Es handelt sich um Patienten, die nicht invasiv beatmet werden, sondern erst dann eine Sauerstofftherapie benötigen, wenn ein anderes Organ versagt.
  • Patienten mit Priorität 3: Dies sind Patienten in einem instabilen kritischen Zustand, die nur geringe Chancen aufweisen, sich von ihrer Grunderkrankung zu erholen. Sie können eine intensive Behandlung erhalten, um ihre akute Erkrankung zu lindern, es können aber auch therapeutische Grenzen gesetzt werden, z. B. keine Intubation und / oder kein Versuch einer kardiopulmonalen Wiederbelebung.
  • Bei Patienten mit Priorität 4 ist der Nutzen der Behandlung von vorne herein minimal oder unwahrscheinlich, oder es steht durch ihre unheilbare und irreversible Erkrankung der Tod unmittelbar bevor. Im Falle von Komplikationen oder eines zu erwartenden schlechten Krankheitsverlaufs soll der therapeutische Entzug unverzüglich als sinnlos betrachtet und die Anwendung palliativer Maßnahmen eingeleitet werden.

Dem Dokument zufolge sollten Intensivstationen im Falle eines Mangels an Ressourcen für Patienten mit Priorität 1 reserviert werden. Personen mit Priorität 2 müssen zeitweise zur Behandlung an den Geräten zugelassen werden. Patienten mit Priorität 3 und 4 sollen nicht auf die Intensivstation aufgenommen werden. Es soll auch niemand zur Intensivpflege aufgenommen werden, der mittels Patientenverfügung eine Intensivpflege oder mechanische Beatmung abgelehnt hat.

Haben zwei Patienten eine ähnliche Heilungsprognose, soll die Person mit der höheren Lebenserwartung bevorzugt werden. Auch soziale Faktoren spielen bei der Auswahl eine Rolle, z.B, ob so eine Person wichtige Entscheidungen für die Gemeinschaft treffen muss. Solltest du also neben einem andalusischen Politiker vor der Notaufnahme stehen, dann rechne dir nicht allzu große Chancen aus, aufgenommen zu werden.

Aber es gibt auch Lichtblicke: In Valencia ging jetzt eine Webseite für Alzheimer-Patienten online, welche eine permanente kognitive Stimulation benötigen, die derzeit wegen des Ausnahmezustands vor Ort nicht geleistet werden kann. Die Webseite ist für jedermann zugänglich und bietet kognitive, physikalische und spielerische Übungen sowie Musiktherapie an. Näheres die Webseite von AFAV.


Update: Stand 21. März 2020 – 9 Uhr

In Spanien werden heute 21.571 Infizierte, 1.093 Verstorbene und 1.588 Genesene gezählt. In Andalusien gibt es jetzt 1.287 Infizierte, davon ein Drittel in der Provinz Málaga. Andalusien rechnet mit 7.000 bis 15.000 Infizierten. 2 Millionen Masken sind für Personen bestellt, welche die Versorgung und medizinische Betreuung aufrechterhalten müssen.

In Madrid gibt es einen Mangel an Notfallbetten, Beatmungsgeräten, medizinischem Personal und Masken. Das Leganes Krankenhaus in Madrid musste wegen Überfüllung geschlossen werden.

In Vigo bat ein 44-jähriger Mann die Polizei, ihn in eine Gefängniszelle zu stecken. Er wohnt bei seiner Mutter und hält das Zusammenleben mit ihr während des Ausnahmezustands nicht mehr aus.

Viele ausländische Touristen machen derzeit Langzeiturlaub auf Campingplätzen. Sie sollen von dort vertrieben werden, indem die sanitären Anlagen geschlossen werden. Bis 24. März sollen auch alle Hotels geschlossen werden. Hoteliers und Gäste haben 7 Tage Zeit, die Anordnung umzusetzen.

Die Abschiebung illegal eingereister Ausländer ist zum Erliegen gekommen, weil außer Brasilien kein Land mehr die Einreise aus Spanien akzeptiert. 75% der betroffenen Personen stammen aus Marokko und Algerien.

Die 296 spanischen Soldaten der internationalen Atalanta Mission in Djibuti gegen Piraten im Pazifischen Ozean werden nach Spanien zurückbeordert, nachdem sich 22 von Ihnen am Coronavirus infiziert haben. Eigentlich hätte der spanische Konteradmiral gerade die Leitung der gesamten Mission von den Portugiesen übernehmen sollen.

Einige private Krankenhäuser wurden unter die Aufsicht der Regierung gestellt um dort Notfallkapazitäten für Viruspatienten zu beschlagnahmen. Die Jugend-Hostals in Andalusien wurden zu Krankenhäusern für Corona-Patienten umfunktioniert. In Madrid errichtet das Militär ein 5.500.Betten-Notkrankenhaus für Corona-Fälle auf dem IFEMA Feria-Gelände.

In Andalusien stehen derzeit 2.960 Krankenhausbetten, darunter 892 Notfallbetten für Corona-Patienten bereit. Die spanische Regierung arbeitet an einer Anweisung, welche Patienten bevorzugt behandelt werden sollen, falls nicht genügend Notfallbetten und Beatmungsgeräte verfügbar sind.

Was im Ausnahmezustand verboten ist und was erlaubt:

Fußgänger dürfen zum nächstgelegenen Lebensmittelladen, zur Apotheke und zur Bank. Man darf sich zwischen der Wohnung und der Arbeitsstelle bewegen. Um die Einhaltung zu prüfen, darf die Polizei nach Supermarktquittungen und Arbeitsbescheinigungen fragen. Gewerbetreibende dürfen reisen oder zu Fuß gehen. Die Identität darf festgestellt werden um bei wiederholten Zuwiderhandlungen Strafen zu verhängen. Eine einzelne Person darf mit dem Hund Gassi gehen, sich aber dabei nicht weit von seiner Wohnung entfernen.

In Autos darf nur eine Person sitzen, außer es gibt eine triftige Ausnahme. Das kann z.B. sein: Ein Kranker muss transportiert werden. Minderjährige müssen ein Elternteil begleiten. Der Mitfahrer muss dann hinten sitzen. Der Passagier und der Fahrer müssen Masken tragen. Bei Fahren zur Arbeit dürfen beliebig viele Personen im Auto sitzen. Alle müssen eine Maske tragen.

Das Aufsuchen von Feldern oder Gewächshäusern ist gestattet um diese zu bearbeiten.

Autowerkstätten dürfen Reparaturen anbieten, aber keine Autos oder Zubehör verkaufen. Der TÜV-Termin (ITV) darf ohne Strafe überschritten werden, weil viele Prüfzentren geschlossen sind, allerdings bezahlen die Kfz-Versicherungen keine Schäden, falls der TÜV-Termin überschritten wurde! Notfalls muss ein Mietwagen gemietet werden, solange kein TÜV gemacht werden kann. Tankstellen dürfen Benzin verkaufen, müssen aber ihren Shop schließen. Toiletten und Kaffee dürfen nur Lkw-Fahrern, Busfahrern, Ambulanzen usw. angeboten werden.

Alle Geschäfte sind zu schließen. Offen bleiben dürfen nur Geschäfte, die erlaubte Produkte anbieten wie Nahrungsmittel, Getränkeshops, Telefonshops, Drogerien, Tabakgeschäfte. Geschäfte (z.B. Supermärkte), die auch andere Waren anbieten, dürfen nur die erlaubten waren verkaufen. Öffnen dürfen auch Apotheken, Ärztezentren, Optiker, Orthopädiegeschäfte, Zeitungsshops, Tierbedarf (nur Tiernahrung!), Chemische Reinigungen und Wäschereien. Alle Geschäfte müssen dafür sorgen, dass in den Warteschlangen die Mindestabstände sowie sämtliche Hygiene-Regeln eingehalten werden.

Fastfood Restaurants und Catering-Betriebe sind geschlossen, dürfen aber Mahlzeiten ausliefern. Baufirmen dürfen arbeiten. Sanitär- und Baumaterialgeschäfte dürfen an Selbständige und Wiederverkäufer verkaufen, nicht aber an Privatkonsumenten.

Zur Durchsetzung der Anordnungen stehen 264.000 Polizisten und 132.000 Soldaten bereit.

Der Leiter der Guardia Civil, Generalleutnant Laurentino Ceña warnt, dass insbesondere überprüft wird, ob jemand von seiner regulären Wohnung zu seinem Ferienhaus reist. Wer bereits im Ferienhaus wohnt, für den ist für die Dauer des Ausnahmezustands das Ferienhaus die gewöhnliche Wohnung.

Innenminister Fernando Grande Marlaska weist darauf hin, dass Gruppenbildung in öffentlichen Räumen verboten ist. Das gilt insbesondere auch für abgelegene ländliche Gegenden. Selbst neu geborene Kinder dürfen nicht von Ihren Verwandten im Krankenhaus besucht werden.

Es gibt auch positive Effekte des Ausnahmezustands: Der Verbrauch von Elektrizität ist zurückgegangen, ebenso die Luftverschmutzung. Das Ansehen der Regierung von Pedro Sánchez in der Bevölkerung ist gestiegen, allerdings von einem Allzeit-Tief auf nunmehr lediglich 36%. Allerdings, ebenfalls 36% der Bevölkerung fürchten, dass ihr Arbeitgeber die Krise nicht überlebt.


Update: Stand 19.03.2020 – 15 Uhr

Heute wurde die Zahl von 15.000 Infizierten überschritten. 600 Menschen sind am Coronavirus verstorben, darunter ein gesunder 34-jähriger Offizier der Guardia Civil. Spanische Virologen rechnen in einem Worst-Case-Szenario mit bis zu 87.000 Corona-Toten. Dabei hätte man in Europa seit 2013 wissen können, wie man mit so einer Krise umgehen muss. Das deutsche Innenministerium hat damals eine Studie des Bundestags über eine mögliche Virus-Epidemie aus China veröffentlicht. Nur hatte jetzt offenbar niemand Zeit, diese zu lesen.

Einen aktuellen Überblick über den Stand der weltweiten Corona-Pandemie findest du auf der interaktiven Weltkarte der John Hopkins Universität.

Die andalusische Landesregierung rechnet mit einem Corona bedingten wirtschaftlichen Verlust von 5,5 Milliarden Euro. Anstelle von geplanten 32 Millionen Touristen werden nur noch 24 Millionen erwartet. In Andalusien schlossen bis gestern 512 Hotels, davon 80 an der Costa del Sol, wobei 12.000 Angestellte ihre Jobs verloren.

Die Ausgangssperre der spanischen Regierung, die seit dem 14.3.2020 in Kraft ist, bezieht sich auf das königliche Dekret 463/2020. Bei Zuwiderhandlungen drohen drakonische Strafen zwischen 30.000 und 600.000 Euro, die auf dem Artikel 45.3, Section b des Gesetzes 17/2015 über den spanischen Zivilschutz basieren. Das Problem ist die Durchsetzung, da die Spanier gewohnt sind, dass jede Verordnung ein 'Angebot' der Regierung ist, welches man befolgen kann, aber nicht muss.

In Málaga wurde der Priester der evangelikalen Sekte »Jesus con Nosotros« mit einem Bußgeld von 30.000 Euro belegt, weil er in seiner Kirche einen Gottesdienst mit 100 Gläubigen abgehalten hat. Der Priester behauptet, er habe alle Auflagen in Absprache mit seinem Anwalt eingehalten. Viele Urlauber halten die angeordneten Einschränkungen für Spaß. Auf Teneriffa und auf Mallorca wurden Touristen in Handschellen abgeführt, weil sie im Pool badeten oder sich provokativ auf der Straße zusammenrotteten.

Ab morgen werden alle Inlandsflüge vom spanischen Festland auf die Balearen, die Kanaren, Ceuta und Melilla eingestellt. Easyjet und TUI haben alle Flüge nach Spanien eingestellt, Ryanair hat seine Flüge um 80% reduziert. Mittlerweile gibt es auch Störungen im Luftverkehr, weil eine wichtige Fluglotsenstation wegen der Infizierung mehrerer Mitarbeiter geschlossen werden musste.

Wo alles so traurig und angespannt ist, gibt es auch Lustiges und Aufmunterndes. Da es Menschen verboten ist, ohne einen triftigen Grund auf die Straße zu gehen, hat sich ein Spaßvogel als Dinosaurier verkleidet, weil er dachte, das gelte für Tiere ja nicht. Da man Hunde noch einzeln zum Gassi gehen ausführen darf, hat ein anderer Spaßvogel einen Spielzeughund auf Rädern hinter sich her gezogen. Die Polizei ließ sich aber in beiden Fällen nicht von der Ausübung ihrer Pflicht abhalten. Die Online-Zeitung »The Olive Press« aus Gibraltar hat in einem Video eine Methode der Guardia Civil publiziert, wie man sich zuhause mit Hilfe von Kaffeefiltern eine Schutzmaske basteln kann.

Gesichtsmaske Kaffeefilter
The Olive Press ( Screenshot )

Der kubanische Künstler Ariel hat den fetzigen Corona-Song »Quedate en casa« (»Bleibt zuhause!«) ins Netz gestellt, der das Zeug hat, zum spanischen Song des Jahres zu werden:

In Madrid traten die Menschen auf ihre Balkone und machten Lärm mit ihren Kochlöffeln und Töpfen. Damit protestierten sie gegen die Nachricht, dass der ehemalige spanische König Juan Carlos von Saudi Arabien 100 Millionen US Dollar erhalten hat, die der Ex-Monarch auf einem Privatkonto in Panama parkte. Die Menschen verlangen nun, dass das Geld einem Fond für Opfer der Corona-Krise zur Verfügung gestellt. Der Sohn von Juan Carlos und derzeitige spanische König Felipe hat seinem Vater sofort die königliche Apanage gestrichen und ihm mitgeteilt, dass er sein Erbe ausschlagen wird.

Neben den erwartbaren Gewinnern der Krise wie Supermärkte, Lieferdienste, Netflix und Klopapierhersteller gibt es auch unerwartete Profiteure: So stiegen die Zugriffe auf die Webseite pornhub.com stark an. Online Dating-Dienste melden wachsende Nutzerzahlen. Hersteller von Sexspielzeug freuen sich über erhöhte Bestellungen. Ebenso Betreiber von Online Spielcasinos. Ende des Jahres dürften dann Hersteller von Babyartikeln eine Geschäftsbelebung erleben.

Die Polizei hat eine Hotline für Opfer von häuslicher Gewalt eingerichtet, weil solche Delikte wegen des andauernden Zusammenlebens der Familien in engen Wohnungen zunehmen. Zusätzlich wird die Auslastung der Scheidungsanwälte steigen, wie aus China berichtet wird.


Am Freitag dem 13. März 2020 verhängte der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez die erste Stufe des gesetzlichen Ausnahmezustands über Spanien. An diesem Tag gab es in Spanien mehr als 4.400 erkannte Infizierte und 123 Tote. Dies ist nur eine Momentaufnahme in einem sehr dynamischen Ausbreitungsprozess des Coronavirus und eine Verschärfung des Ausnahmezustands ist zu erwarten. Als nächstes werden wohl die Osterprozessionen verboten.

In Andalusien waren an diesem Freitag dem Dreizehnten 219 Corona-Fälle bekannt, darunter 69 innerhalb der letzten vier Stunden sowie 12 Fälle auf den Intensivstationen von Krankenhäusern. Ein 70-jähriger Patient ist gestorben. Er war im Xanit International Hospital in Benalmádena wegen einer anderen Krankheit in Behandlung und hatte sich dort angesteckt.

Neben den Einschränkungen, die derzeit überall in Europa wegen der Corona-Epidemie in Kraft treten, sind in Andalusien und in Gibraltar einige Besonderheiten zu beachten:

Mit Bestürzung hat man in Málaga, wie auch in Murcia und Valencia registriert, dass derzeit massenhaft Menschen aus dem mit 2.000 Infizierten besonders betroffenen Madrid in ihre Feriendomizile an der Costa del Sol und der Costa Blanca »umziehen« um den harten Einschränkungen der Bewegungsfreiheit in Madrid zu entgehen. Auf den Autobahnen A-4 und M-40 von der spanischen Hauptstadt nach Süden kam es zu langen Verkehrsstaus.

Einige hochrangige Politiker gingen dabei mit schlechtem Beispiel voran. So haben sich der frühere Premierminister José Aznar und seine Frau und ehemaligen Bürgermeisterin von Madrid Ana Botello zusammen mit ihren Bodyguards in ihre Villa in Marbella abgesetzt.

Ein 88-jähriger bereits infizierter Mann aus Madrid war mit dem Zug nach Murcia gefahren und hatte dort einen Supermarkt besucht, bevor er zusammenbrach und in das Los Arcos del Mar Menor Hospital eingeliefert wurde.

Da die Hotels nur noch zu 40% ausgelastet sind, machen drei Hotels der Soho Boutique Kette in Málaga aus der Not eine Tugend, haben den Betrieb eingestellt und ihre 150 Gästezimmer als Isolierstationen für klinische Fälle des Coronavirus zur Verfügung gestellt.

Die in Spanien lebenden Chinesen nehmen die Bemühungen der spanischen Regierung zur Eindämmung der Epidemie als chaotisch und halbherzig wahr. Daher denken viel darüber nach, nach China zurückzukehren, wo die Regierung »alles im Griff hat«.

Coronavirus in Gibraltar

In Gibraltar ist erst ein Coronafall aktenkundig. Der Mann war aus Italien zurückgekehrt, ist aber inzwischen genesen. 40 Personen, die möglicherweise Kontakte zu Infizierten hatten, befinden sich in häuslicher Quarantäne.

Dennoch wurde in Gibraltar das öffentliche Leben stark eingeschränkt um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Z.B. wurde ein geplantes Referendum über Abtreibung abgesagt.

Allerdings fallen einige Maßnahmen anders aus als in den meisten europäischen Ländern: Schulen und Kitas werden nicht geschlossen, um die älteren Menschen, die sonst als Kinderbetreuer einspringen müssten, nicht zu gefährden. Öffentliche Busse fahren nur noch zu bestimmten Zeiten, mit Ausnahme der Buslinie von der spanischen Grenze in die Innenstadt.

Dies ist nötig, weil viele Ärzte und Krankenschwestern aus Spanien nach Gibraltar einpendeln. Personen, die über 60 Jahre alt sind, dürfen überhaupt keinen Bus benutzen. Die Bezahlung mit Bargeld wurde verboten. Stattdessen soll nur noch unbar bezahlt werden. Wer kein Konto hat, bekommt eines eingerichtet. Die Lotterie wurde für drei Monate eingestellt, damit sich vor den Lottoannahmestellen keine Schlangen bilden. Der Verkehr mit Marokko wurde eingestellt.

Für Bars, Restaurants, kleine Hotels, Künstler, Kinos, Reiseveranstalter und -agenturen sowie Immobilienmakler in Spanien und Gibraltar brechen Existenz bedrohende Zeiten an. Selbst wenn die dortigen Regierungen mit Steuerstundungen und Kurzarbeitsgeld einspringen, können die meisten dieser kleinen Betriebe einen mehrmonatigen Geschäftsausfall finanziell nicht überleben.

Verfasst am 1. April 2020
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