Coronavirus in Andalusien und Spanien – die aktuelle Lage

Coronavirus Andalusien
Aktuelle Informationen zum Coronavirus (Covid-19) in Andalusien und Spanien ( alexeynovikov / Depositphotos.com )

Bei allen Fragen zum Coronavirus kann man bei der andalusischen Landesregierung die kostenfreie Hotline 900400061 anrufen. Bitte kein Anruf bei der allgemeinen Notfall-Hotline 112, um diese nicht zu überlasten! Wer am Virus erkrankt ist oder in Quarantäne muss, ruft in Andalusien die Hotline 900877037 oder 955545060 an.

Update: Stand 28. Mai 2020 – 19 Uhr

In Spaniens Politik brach großer Jubel aus, als Ursula von der Leyen, die Präsidentin der EU-Kommission, ein Rettungspaket mit dem Titel »Reparieren und Vorbereiten für die nächste Generation« im Wert von 750 Milliarden Euro für die am meisten von der Corona-Krise gebeutelten Staaten in der EU verkündete. Für das Rettungspaket soll die EU in ihrem Haushalt erstmals gemeinsame Schulden aufnehmen und ca. die Hälfte der Summe an die Not leidenden Staaten als nicht rückzahlbare Beihilfe, die andere Hälfte als niedrig verzinsbares zurück zu zahlendes Darlehen auszahlen. Positiv an dem Paket ist, dass die EU endlich Verantwortung übernimmt für seine ärmeren Mitglieder und dies nicht mehr alleine der EZB überlässt.

Für Spanien sind 140 Milliarden Euro vorgesehen. Das sind nur 20 Milliarden weniger als der italienische Anteil aber weit mehr als der deutsche Anteil von 27 Milliarden Euro. Josep Borrell, der spanische Vizepräsident der EU-Kommission bezeichnete das Paket als einen Quantensprung in der Solidarität zwischen den EU-Mitgliedern. Im spanischen Jubel ging unter, dass dem Paket nicht nur das EU-Parlament, sondern noch alle 27 Mitgliedsstaaten einstimmig zustimmen müssen.

Finnland, Österreich, Dänemark und die Niederlande sträuben sich dagegen, dass den Empfängern 50% der Zuwendungen geschenkt werden sollen und gegen die lange Laufzeit von 30 Jahren für die Rückzahlung des Gemeinschaftsdarlehens. Es wäre der Einstieg in die Gemeinschaftshaftung für die Schulden einzelner Mitgliedstaaten (Bailout), und die Nettozahler in der EU befürchten bereits, dieses neue Prinzip könnte sich nach Bewältigung der Corona-Pandemie auch auf andere Schuldenszenarien ausdehnen.

Einige träumen bereits davon, dass Spanien nur jene 77,3 Milliarden tatsächlich abruft, die es nicht zurückzuzahlen braucht. Viele Spanier haben wohl überlesen, dass die EU-Finanzhilfen mitnichten dazu dienen sollen, den zusammengebrochenen Tourismus wieder auf die Beine zu bringen. Vielmehr muss die spanische Regierung bei der EU-Kommission einen nationalen Wiederaufbau- und Reformplan einreichen, der den Prioritäten der EU nicht widersprechen darf, die da lauten:

  • den Klimaschutz stärken
  • die Widerstandskraft der EU erhöhen (gegenüber China und USA sowie bei Pandemien)
  • die Digitalisierung vorantreiben.

Zusätzlich muss die spanische Regierung die individuellen wirtschaftspolitischen Empfehlungen berücksichtigen, welche die EU-Kommission jedes Jahr für das Land erarbeitet.

Hygieneregeln für Tourismus

Die spanische Regierung hat umfangreiche Anweisungen veröffentlicht, welche Hygieneregeln touristische Betriebe befolgen müssen, damit sie wieder öffnen und Gäste empfangen dürfen. Diese Regeln kann man von der Webseite der Regierung herunterladen.

Hotels müssen z.B. dafür sorgen, dass Keycards für das Öffnen der Zimmertüren in einem Desifektionsbad aufbewahrt werden. Die Hotelangestellten müssen ihre Straßenkleidung in einem Beutel verschließen und im Dienst Dienstkleidung tragen. Wenn es sich nicht vermeiden lässt, dass ein Handwerker oder ein Hotelangestellter sich im Zimmer eines Gastes aufhält, muss der Gast eine Maske tragen.

Alle Personen, die älter als 5 Jahre sind, müssen in Spanien in der Öffentlichkeit drinnen und draußen Masken tragen, falls der Hygieneabstand von zwei Metern nicht eingehalten werden kann. Zusätzlich gilt ein Maskenzwang im öffentlichen Personenverkehr. Zuwiderhandlungen können mit 100 bis 600 Euro geahndet werden, im Wiederholungsfall oder bei Widerstand gegen die Staatsgewalt mit bis zu 600.000 Euro.

In Murcia müssen Personen, die dabei erwischt werden, dass sie gebrauchte Masken und Handschuhe auf öffentlichem Gelände wegwerfen, 2.500 Euro bezahlen. In Málaga wurden drei Shisha Bars gemaßregelt, weil sie Jugendlichen erlaubt hatten, Wasserpfeifen gemeinsam zu benutzen. Desgleichen vier Jugendliche am Strand, die gemeinsam aus einer Bierflasche tranken. 28 Personen wurden bestraft, weil ihr Abstand zueinander kleiner als 2 Meter war, 23 Personen, weil sie keine Masken trugen.

Im Zuchthaus von Córdoba ist es zu Häftlingsrevolten gekommen, weil die Häftlinge wegen des Ausnahmezustands seit zwei Monaten keinen Besuch empfangen dürfen. Einige Häftlinge setzten ihre Zelle unter Wasser während andere die Gefängniswärter mit Glasscherben bedrohten, die sie aus der Deckenbeleuchtung gerissen hatten. Die Gefängnisverwaltung hatte schnell alles unter Kontrolle.

Vom 27. Mai bis zum 6. Juni gilt in Spanien eine landesweite Trauerperiode in der der über 27.000 Corona-Toten gedacht werden soll. Die Fahnen aller öffentlichen Gebäude und der spanischen Kriegsflotte stehen in der Zeit auf Halbmast. Am Ende der Trauerperiode wird König Felipe eine Trauerzeremonie abhalten. Es ist die längste Trauerperiode in der Geschichte Spaniens. Die bisher längste Trauerperiode galt dem Tod von Doña Maria de las Mercedes de Orleans, der Mutter von König Carlos, die im Januar 2000 gestorben war.

Die andalusische Regierung will im Sommer im Rahmen eines »Beschäftigungsplans für sichere Strände 2020« dreitausend Personen anheuern, die helfen sollen, die Hygieneregeln an den Stränden durchzusetzen. Das zusätzliche Personal wird an der andalusischen Schule für öffentliche Sicherheit ausgebildet und der lokalen Polizei in den Orten an der Küste unterstellt. Die 3.000 Personen werden aus einem Pool von 564.000 Freiwilligen ausgewählt, die sich der andalusischen Regierung vor einigen Monaten angedient hatten. Zusätzlich erhalten die Küstenregionen 10,5 Millionen Euro für die Entwicklung von Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie.

Von den jährlichen Tourismuseinnahmen in Höhe von 77 Milliarden Euro stammen 40 Milliarden von ausländischen Touristen. José Luis Zoreda, der Vizepräsident des spanischen Reisebüroverbandes Exceltur ist unzufrieden mit den Einreisehürden zwischen Großbritannien und Spanien. Es genüge nicht, dass die spanische Regierung verkündet, die 14-tägige Quarantäne bei der Einreise werde im Juli abgeschafft, wenn man nicht weiß, wann die britische Quarantäne für Spanienrückkehrer fällt und ob das alles am 1. oder am 31. Juli passiert. Der Unterschied wirkt sich mit 10 Milliarden Euro im spanischen Tourismus aus. Der potentielle Tourist aus Birmingham will mindestens 6 Wochen vorher wissen, wohin er im Sommer reisen kann. Die spanischen Reiseveranstalter müssen den Termin erst mal an die britischen Reisebüros melden und die müssen ihn dann ihren Kunden anbieten. Zoreda plädiert für direkte Vereinbarungen zwischen einzelnen britischen und spanischen Regionen, die als »sicher« gelten.

In Gibraltar sollen 35.000 Einwohner mit Antikörpertests der Firma Abbott getestet werden um die Ausbreitung des Virus in der Bevölkerung zu ermitteln. Mit dem Nachweis von Antikörpern kann man feststellen, wer bereits eine Covid-19-Infektion hinter sich hat. Die Tests von Abbott gelten als besonders genau. Täglich sollen 500 derartige Tests durchgeführt werden. Zusätzlich sollen täglich bis zu 300 Personen getestet werden, ob sie aktuell eine Covid-19-Infektion haben.


Update: Stand 25. Mai 2020 – 13 Uhr

Präsident Pedro Sánchez stellt die Öffnung Spaniens für den internationalen Tourismus für Juli in Aussicht, während die spanische Umweltministerin Teresa Ribeira, die im Kabinett Sánchez den Plan zur schrittweisen Lockerung der Beschränkungen organisiert, für alle Gebiete, die sich dann im Schritt 3 des Planes befinden, den 22.Juni für möglich hält.

Es kann dabei durchaus passieren, dass Touristen aus Ländern, in denen das Virus noch sehr aktiv ist, wie z.B. Großbritannien, nicht nach Spanien einreisen dürfen. Dem hält der andalusische Vizepräsident Juan Marín entgegen, dann müssten die Briten eben bei der Ankunft im Flughafen auf das Virus getestet werden. Insgesamt macht die spanische Politik bei dem Thema eher einen Eindruck der Ratlosigkeit und Konfusion, wie seinerzeit bei Günter Schabowskis Ankündigung der Öffnung der Berliner Mauer:

Spanien Grenzöffnung
Wann dürfen Touristen wieder in Spanien einreisen? ( zixia / Shutterstock.com )

Hotel-Verbände haben bereits detaillierte Hygieneregeln für den Umgang mit Touristen in den Hotels und an den Stränden erarbeitet. Was davon Gesetz wird, steht noch in den Sternen. Eine Zeitungsannonce für einen Urlaub in einem spanischen Hotel könnte dann vielleicht so aussehen:

Endlich wieder Urlaub in Spanien!
4 Sterne Hotel, all-inclusive
Tische mit Plexiglas-Abstandshalter
eigener Strand mit Drohnenüberwachung
täglicher Corona Test vor dem Frühstück
exklusiv für unsere Hotelgäste:
Klinik-Intensivbetten vorrätig

Für den Tourismus sind die berühmten spanischen Weltkulturerbestätten besonders wichtig. Ab heute dürfen in Andalusien – mit Ausnahme der Provinzen Málaga und Granada (also leider noch nicht die Alhambra!) – alle historischen Sehenswürdigkeiten wieder geöffnet werden. Die Mezquita-Kathedrale in Córdoba darf z.B. für 30% der bisherigen Besucherzahlen geöffnet werden. 50% der bisherigen Kirchenbesucher dürfen an Gottesdiensten teilnehmen.

Regionen, die sich bereits in Stufe 2 der Lockerungsmaßnahmen befinden, müssen die zeitlichen Beschränkungen der verschiedenen Personengruppen beim Ausgang ins Freie nicht mehr anwenden. Auch Bars und Restaurants dürfen dort den Betrieb mit 50% der Kapazität wieder aufnehmen. Derzeit gilt Stufe 2 nur für 3 Kanarische Inseln. Andalusien hofft, diese Woche in Stufe 2 zu rutschen.

In Granada eröffnet am 25. Juni »auf jeden Fall«, tatsächlich aber nur, wenn Granada bis dahin die Stufe 3 des Lockerungsplans erreicht hat, das Internationale Tanz- und Musikfestival. Laut seinem neuen künstlerischen Direktor Antonio Moral wird dieses Festival das erste sein, welches seit Beginn der Corona-Krise in Europa wieder stattfinden wird. Eröffnet werden soll das Festival in der Kathedrale von Granada mit Mozarts »Requiem«, durchgeführt vom städtischen Chor und Orchester unter Leitung von Andrea Marcon. Für alle Veranstaltungen des Festivals gilt eine Obergrenze von 800 Zuschauern.

Rechtspopulisten rufen zu Demonstrationen auf

Waren die Menschen in Spanien bisher offenbar durch die Androhung saftiger Geldstrafen abgeschreckt, die Maßnahmen der Regierung offen zu kritisieren, so hat jetzt die rechtspopulistische VOX Partei landesweit zu Protestdemonstrationen gegen die Verlängerung des Ausnahmezustands bis zum 7. Juni (und gegen die von der Regierung angestrebte weitere Verlängerung bis zum 24.Juni) aufgerufen. VOX hatte nach eigenen Angaben die Genehmigung für die Demonstrationen erhalten, mit Ausnahme einiger Provinzen in Katalonien und Castilla y León.

Wobei VOX nicht als offizieller Organisator auftritt, sondern nur zur Teilnahme und zu »Sanchez raus« Rufen aufruft. In Autokorsos – um die Hygiene Distanzregeln einzuhalten – fuhren die Demonstranten hupend durch mehrere spanische Städte. In Palma de Mallorca war dadurch die Innenstadt blockiert. Jorge Campos der Parteiführer von VOX auf den Balearen freute sich, dass dies die größte Autorallye in der Geschichte der Balearen gewesen sei. Auf Málagas Calle Larios demonstrierten Hunderte VOX Anhänger, Topf schlagend und eingehüllt in spanische Flaggen. Dabei wurden die Distanzregeln oft nicht eingehalten. Die Polizei schritt aber nicht ein. In Córdoba und Marbella soll es heute weitere Demonstrationen geben.

Pedro Sanchez hat angekündigt, dass die Vereine der spanischen Fußball-Liga ab 8. Juni wieder spielen dürfen. LigaPräsident Javier Tebas hofft, dass die ersten Spiele ab 12. Juni stattfinden können. Bereits jetzt dürfen 10 Spieler eines Vereins miteinander trainieren. Von den bisher getesteten Spielern waren 5 Corona-positiv. Um den diesjährigen Meister zu ermitteln, müssen noch 11 Runden gespielt werden.

In Gibraltar haben die aktuellen Lockerungen der Phase 2 schon zu einigem Kopfzerbrechen bei der Regierung geführt. Die Polizei hat am Strand von Little Bay eine nächtliche Ansammlung von 300 betrunkenen Jugendlicher auflösen müssen, die sich nicht an das Abstandsverbot gehalten hatten. Erlaubt sind derzeit in der Öffentlichkeit Gruppen von maximal 12 Personen. Bei der Benutzung der Strände behält sich die Regierung vor, den Aufenthalt pro Person auf 30 Minuten am Tag zu begrenzen, falls es dort zu voll werden sollte. In der öffentlichen Bibliothek dürfen maximal 6 Personen etwas lesen und müssen dabei Mundschutz und Handschuhe tragen. Die »neue Realität« eben!


Update: Stand 21. Mai 2020 – 11 Uhr

Der Ausnahmezustand für Spanien wurde vom Parlament bis 7. Juni verlängert. Die von Ministerpräsident Sánchez angestrebte Verlängerung bis 27. Juni, um nicht noch einmal um eine Verlängerung bitten zu müssen, fand offenbar keine Mehrheit. Bleibt es beim 7.Juni, dann würde automatisch am gleichen Tag auch die 14-tägige Quarantäne für ausländische Einreisende enden.

Ab heute ist das Tragen von Masken in öffentlichen Räumen obligatorisch, sobald der Sicherheitsabstand von 2 Metern nicht eingehalten werden kann. Als öffentlicher Raum gelten öffentliche Straßen sowie offene oder geschlossene Räume, die der Öffentlichkeit zugänglich sind. Anders als in Deutschland muss man also in Spanien keine Maske tragen, wenn man sich alleine in einem Geschäft befindet, jedoch sehr wohl, wenn man sich auf einer belebten Straße bewegt. Diese Anordnung gilt für alle Personen ab 6 Jahren und wird für Kinder zwischen 3 und 5 Jahren empfohlen. Ausnahmen sind gestattet, wenn das Tragen der Masken aus gesundheitlichen Gründen unmöglich ist sowie bei Aktivitäten, die mit dem Tragen einer Maske unvereinbar sind. Außerdem in einer Notfallsituation oder bei höherer Gewalt.

Nachdem das Schlimmste vorbei zu sein scheint, beschäftigen sich auch die Spanier wieder mit dem Thema Urlaub. Die eine Hälfte will dieses Jahr wegen Corona auf einen Urlaub verzichten, 56% sind es sogar in Galizien. Am meisten auf Urlaub erpicht sind die Einwohner von Madrid und Barcelona, wo die Epidemie am heftigsten gewütet hat. Unter denen, die Urlaub machen wollen, kommt für 40% das Fliegen nicht in Frage. 19% wollen in Spanien Urlaub machen. Zu ihnen stoßen weitere 8%, die normalerweise ins Ausland gereist wären. Viele wollen an die Costa del Sol, wo 65% der Ferienwohnungen Spaniern gehören. 9% freuen sich auch dieses Jahr auf einen Auslandsurlaub. Obwohl z.B. Großbritannien gerade angekündigt hat, jeden einreisenden Touristen erst mal für 14 Tage in Quarantäne zu schicken. 42% wollen diesmal weniger ausgeben. Allerdings sagen 70%, sie wären bereit, etwas mehr zu zahlen, wenn man ihnen bei den Storno-Bedingungen und bei Änderungswünschen entgegen kommt.

Während des Ausnahmezustands werden in ganz Spanien nur 13 Eingangsstellen offen gehalten für Spanier und Ausländer, die einen wichtigen Grund für eine Einreise nach Spanien haben. Es handelt sich dabei um die Flughäfen Madrid Barajas, Barcelona El Prat, Málaga, Gran Canaria und Palma de Mallorca sowie um die Seehäfen Barcelona, Málaga, Bilbao, Valencia, Vigo, Teneriffa, Las Palmas de Gran Canaria und Palma de Mallorca. Es kann sein, dass diese 13 Eingangspunkte später auch als Korridore dienen, in denen Touristen ausschließlich nach Spanien einreisen dürfen.

Obwohl auf Mallorca in Stufe 1 der Lockerungen alle Hotels wieder öffnen dürfen, bleiben die meisten geschlossen, weil der Betrieb mit nur wenigen Gästen teurer ist, als das Hotel gar nicht erst zu öffnen. 32 Hotels wollen jedoch eine Ausnahme machen für Gäste, die etwas zu feiern haben wie z.B. eine Hochzeit.

Die spanische Regionalfluglinie Air Nostrum hat bekannt gegeben, dass sie am 24. Mai die Inlandsflüge zwischen den Hauptinseln der Balearen wieder aufnehmen wird. Residenten der Balearen profitieren von einem 75-prozentigen Preisnachlass.

Für das Jahr 2019 vermeldet Ryanair 149 Millionen Passagiere und einen Reingewinn von 1 Milliarde Euro. Allein im 1. Quartal 2020 kam es jedoch zu einem Verlust von 200 Millionen Euro, da 99% der Flüge ausfallen mussten. Der Vorstandsvorsitzende O’Leary verzichtet auf öffentliche Beihilfen. Stattdessen hat er seiner Mannschaft eine 20-prozentige Gehaltskürzung verordnet und droht 3.000 Mitarbeitern mit Kündigung. Er begründet die Maßnahmen mit den 30 Milliarden Euro an öffentlichen Beihilfen, welche konkurrierende Fluggesellschaften wie z.B. die Lufthansa von ihren Regierungen erhalten.

Die zahlreichen spanischen Lotterien, die für acht Wochen ihren Betrieb einstellen mussten, bieten jetzt wieder ihre Lose an. Man kann sie sowohl online als auch bei kleinen unabhängigen Lotterieständen kaufen. Nur Lotto-Annahmestellen in Einkaufszentren bleiben vorerst geschlossen. Sogar Lose, die noch vor dem Ausnahmezustand gekauft worden waren, behalten ihre Gültigkeit und nehmen an Sonderziehungen teil, deren Termine extra veröffentlicht wurden. Z.B. wird der Ziehungstermin für die Lotería Nacional, der für den 16.April vorgesehen war, auf den 9.Juli verlegt.

Der bekannte Wanderweg Caminito del Rey bei El Chorro wird nun doch nicht am 29. Mai geöffnet, sondern frühestens am 12.Juni, und dann auch nur jeweils von Freitag bis Sonntag. Pro Tag werden dann 550 Besucher akzeptiert. Um den Wanderweg zu begehen, muss man sich vorher online anmelden.

Die technische Aufrüstung für ein sicheres Urlaubserlebnis geht weiter:

  • Die Stadt Marbella will ein engmaschiges Video-Überwachungssystem installieren um schnell auf Menschenansammlungen und zu geringe Abstände zwischen Menschen reagieren zu können.
  • Die bekannte Mietwagenfirma Helle Hollis setzt zur Desinfektion ihrer Mietwagen am Flughafen Málaga jetzt Ozon-Generatoren ein. Das Ozon tötet alle Keime. Die Behandlung dauert pro Wagen fünf Minuten.

Andalusien rüstet nicht nur technisch auf gegen die Ausbreitung des Coronavirus, sondern investiert dieses Jahr 171 Millionen Euro in die vorbeugende Waldbrandbekämpfung. Bereits Ende dieser Woche soll es an einigen andalusischen Orten schon wieder 38 Grad heiß werden. Unter anderem werden 3 zusätzliche Löschflugzeuge, neunzehn Pumpenwagen und neun Löschfahrzeuge angeschafft. Außerdem werden 25 SUVs gegen neuere Modelle ausgetauscht. Die Löschfahrzeuge waren während der Epidemie zur Desinfektion andalusischer Straßen im Einsatz.

Die Provinz Málaga will 25.000 Mitarbeitern der spanischen Gesundheitsdienste je einen Gutschein über 100 Euro spendieren, den diese bei einem Hotelaufenthalt in Málaga zur Bezahlung der Hotelrechnung einsetzen können. Damit soll laut Margarita del Cid, der Vizepräsidentin der Provinz, die touristische Attraktivität von Málaga in Spanien bekannter werden.


Update: Stand 15. Mai 2020 – 8 Uhr

Eine Gemeinschaftsstudie der Universität Oxford und des Katalanischen Gesundheitsinstituts hat ermittelt, dass die Pandemie in Spanien unter den Infizierten eine Todesrate von 4% gefordert hat. Während 60% aller Infizierten weiblich sind, gab es unter den Männern mit 4,8% mehr Tote als bei den Frauen mit 3,4%. Bei den über 75-jährigen sind 20% verstorben. Damit ist Covid-19 fünf bis zehn Mal so tödlich wie eine normale Grippe.

Es gibt nun verbindliche Hygienevorschriften für alle Restaurants auf den Balearen:

  • Alles, was Gäste anfassen könnten, muss regelmäßig desinfiziert werden.
  • Es sollen Einmaltischdecken verwendet werden. Wo das nicht möglich ist, müssen die Tischdecken nach jeder Benutzung mit 60 bis 90 Grad gewaschen werden.
  • Am Eingang des Lokals müssen Desinfektionsspender für die Gäste aufgestellt werden.
  • Anstelle von Menü-Karten sollen die verfügbaren Gerichte auf Tafeln an der Wand geschrieben werden oder elektronisch angezeigt werden.
  • Gläser, Besteck, Gewürze, Tischdecken u.ä. müssen unzugänglich für die Gäste aufbewahrt werden.
  • Dinge, die von Gästen gemeinsam genutzt werden könnten, wie Serviettenhalter, Zahnstocherbehälter oder Gewürzständer, sind verboten.
  • Zu einer Zeit darf sich nur ein Gast auf der Toilette aufhalten, es sei denn, er benötigt eine Begleitperson. Die Toiletten müssen sechsmal am Tag gereinigt und desinfiziert werden.
  • Nur 50% der vorhandenen Kapazität darf von Gästen belegt sein, wobei maximal zehn Personen an einem Tisch sitzen dürfen.

So haben wir jetzt einen Vorgeschmack, was uns im Sommer im Urlaub in Spaniens Restaurants erwartet.

Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, dass Länder mit einem vergleichbaren Infektionsgeschehen miteinander verabreden sollen, wann die Reiseverbote für Touristen gelockert werden können. Entsprechende Verhandlungen gibt es bereits zwischen Deutschland und den Balearen.

Mit der angestrebten Öffnung von Spaniens Stränden für Urlauber aus anderen Ländern für Anfang Juli verbindet sich die Hoffnung, dass in den Restaurants, Hotels und an den Stränden wieder mehr Spanier in Brot und Arbeit kommen.

Die Technisierung des Tourimus

Der neueste Trend weist allerdings in eine andere Richtung: Die Abstands- und Desinfektionsregeln lassen sich am wirkungsvollsten gewährleisten, wenn auf Seite der Anbieter von Tourismusleistungen möglichst gar keine Menschen tätig sind, die als potentielle Virenschleudern fungieren könnten. Wenn nämlich Maschinen die Arbeit erledigen, dann kann sich an denen auch kein Gast anstecken.

Die Bar La Gitana Loca in Sevilla macht hier bereits einen Anfang. Sie hat am Tresen pünktlich zum Beginn der Stufe 1 des spanischen Lockerungsplans einen Roboter installiert, der pro Stunde an einer konventionellen Bierzapfsäule 600 Cañas (Glas Bier) zapfen und dem Gast überreichen kann. Das Bier zu 70 Cent pro Caña wird an einem Touchscreen geordert und durch den Roboterarm in einen recyclebaren Plastikbecher gefüllt. Bezahlt wird am Roboter mit einer Plastikkarte. Den Roboter hat die spanische Firma Macco Robotics in Sevilla konstruiert. Er kann auch als Spender von Desinfektionsmitteln eingesetzt werden.

Zu Ende gedacht entstehen also gerade in der spanischen Roboterindustrie ein paar Hundert hochwertige Arbeitsplätze, während in der Gastronomie Tausende einfache Tätigkeiten für immer entfallen. Denn der Roboter wird ja nach Beendigung der Krise nicht wieder eingemottet. Dieser Trend zur Digitalisierung und Automatisierung wird von Arbeitsmarktforschern schon lange vorhergesagt, schien aber in der Realwirtschaft noch weit weg zu sein. Nun liefert das Virus einen Grund, diese Entwicklung schneller voranzutreiben.

Über den Plan der Stadt Fuengirola, Künstliche Intelligenz einzusetzen um die Überfüllung der Strände zu vermeiden, hatten wir bereits berichtet.

Canet d’En Berenguer in der Provinz Valencia will seine Strände in lauter kleine Parzellen zerteilen, die man über eine Smartphone App buchen kann. Es wird dann Timeslots für vormittags oder nachmittags geben. Im valencianischen Cullera soll der Strand mit Drohnen überwacht werden um Menschenansammlungen zu erkennen und aufzulösen. Hotels werden sich ihr Empfangspersonal sparen und die Gäste per Smartphone und Smartkey ein- und auschecken lassen.

Durch Corona ging das Preisniveau in Spanien um 0,7% leicht zurück. Allerdings stehen einer Verbilligung der Energiekosten um 20%, Preiserhöhungen bei Frischfisch und Obst von 13% gegenüber. Hingegen haben sich Juwelierwaren »nur« um 12% verteuert. Die Entwicklung bei den Energiekosten ist verständlich. Wer seine Ferienwohnung nicht nutzen darf, produziert dort auch keine Stromkosten, während gleichzeitig international die Ölpreise eingebrochen sind.

Auf den Balearen regt sich Widerstand gegen eine Verordnung des Gesundheitsministers, die Werbeaktionen in realen Geschäften verbietet, während diese in Onlineshops gestattet sind. Die Einzelhandelsgeschäfte auf den Balearen haben in der Coronakrise einen Verlust von 120 Millionen Euro erlitten. Die vielen kleinen Händler der Realwirtschaft auf den Inseln, wollten eigentlich jetzt in einer Rabattaktion ihre nutzlosen Lagervorräte an die lokale Bevölkerung verhökern, da ja Touristen derzeit ausbleiben, die sonst 60% des Umsatzes bringen. Damit würde auch jenen Inselbewohnern, die ihre Arbeit verloren haben, geholfen, viele Sachen billig zu erwerben. Der Gesundheitsminister hingegen will durch seine Verordnung vermeiden, dass es zu einem Gedränge um die besten Schnäppchen kommt. Auch hier führt das Virus dazu, dass sich der Trend zur Digitalisierung in Form des Onlineshopping beschleunigt.

Wandelt sich Südspanien jetzt zum Wintersportland? In der Sierra Nevada ist durch das Virus die diesjährige Skisaison größtenteils ausgefallen. Die Firma Citursa Sierra Nevada macht daraus eine neue Geschäftsidee. Sie nimmt 1,8 Millionen Euro in die Hand um 100 modernste Schneekanonen anzuschaffen und damit 43 alte Schneekanonen zu ersetzen. Mit dem modernen Equipment kann Citursa ab dem nächsten Winter ein schneesicheres Gebiet zwischen der Liftstation in 3.000 Meter Höhe und Pradollano in 2100 Meter Höhe garantieren.

Seit 11. Mai haben in Spanien die Prüfstationen des ITV (TÜV) wieder geöffnet. Allerdings muss man den Prüftermin vorher vereinbaren und muss bargeldlos bezahlen. Während der Inspektion müssen Masken getragen werden. Die Abgasuntersuchung ist ausgesetzt, es sei denn, es handelt sich um einen Euro 6 Diesel.


Update: Stand 14. Mai 2020 – 11 Uhr

Nur etwa die Hälfte der Spanier konnten am Montag von der Stufe Null in die Stufe Eins der Corona-Lockerungen übergehen. Es ist nicht nur unübersichtlich, wo man die Erleichterungen der Stufe 1 bereits genießen kann, sondern auch, was dabei den Menschen, die noch in Stufe 0 ausharren müssen, alles entgeht.

Hier ein Überblick:

In Stufe 1 dürfen die Spanier sich in der Öffentlichkeit oder privat mit bis zu 9 anderen Personen treffen. Wenn alle unter der gleichen Adresse wohnen, dürfen sich auch mehr als 10 Personen versammeln. Bis zu 9 Personen, die zusammen wohnen, dürfen ohne Maske im gleichen Fahrzeug reisen. Zwei Personen aus dem gleichen Haushalt, dürfen zusammen auf einem Motorrad sitzen, wenn sie dabei Helme mit Visier und Handschuhe tragen. All diese Erleichterungen gelten nicht für Personen, die infiziert sind, sich in Quarantäne befinden oder zu einer Risikogruppe gehören.

In Bussen muss die erste Sitzreihe hinter dem Fahrer frei bleiben. Alle Passagiere müssen sitzen und neben jedem Sitz muss ein Sitz frei bleiben, es sei denn, diese Passagiere leben zusammen.

Zu Sport oder Freizeitzwecken dürfen Schiffe und Boote zwischen den Häfen der gleichen Gemeinde sowie zu vorgelagerten Inseln verkehren. Touristische Aktivitäten in der Natur sind erlaubt. Innerhalb der gleichen Provinz darf man zwischen der Hauptwohnung und der Zweitwohnung pendeln. Flüge in andere Provinzen sind nur aus wichtigem Grund gestattet. Die bisher gültige Tabelle für die zeitliche Begrenzung des Aufenthalts im Freien bleibt in Kraft. Gemeinden dürfen aber die Zeitfenster für Kinder und Senioren um 2 Stunden verschieben.

Bibliotheken, Märkte im Freien, Museen, Sportanlagen im Freien und Geschäfte mit weniger als 400 qm dürfen mit Einschränkungen öffnen. Geschäfte müssen ihre Zugangs-Kapazität auf 30% beschränken und ein gesondertes Zeitfenster nur für ältere Personen anbieten.

Bars und Restaurants dürfen ihre Terrasse wieder öffnen und mit einer Kapazität von 50% bewirtschaften, solange ein Abstand von 2 Metern zwischen den Tischen eingehalten wird. Hotels dürfen öffnen, solange Gemeinschaftsräume wie z.B. Speisesäle nicht genutzt werden.

Spanien Phasen Corona
Corona-Lockerungen in Spanien nach Provinz ( (Stand: 14.05.2020) )

21,6 % aller ausländischen Touristen in Spanien sind Briten. Sie geben jedes Jahr 20 Milliarden Euro in Spanien aus. Juan Marin, der Vizepräsident Andalusiens hat die Tourismussaison an den andalusischen Küsten jetzt für tot erklärt. Schuld daran ist nicht nur die Tatsache, dass Großbritannien und Spanien sich gegenseitig mit einer Quarantäne von 14 Tagen belegen für alle Briten, die nach Spanien einreisen oder aus Spanien nach UK zurückkehren. Welcher Tourist möchte für einen Kurzurlaub in Spanien, vier Wochen eingesperrt in einem Zimmer verbringen?

Hinzu kommt noch, dass einige britische Reiseversicherer bereits angekündigt haben, dass eine Ansteckung mit Covid-19 im Ausland nicht mehr versichert sein wird. Die Kosten für medizinische Behandlungen einer Corona-Infektion, verlängerte Aufenthalte oder gar für die Rückführung Verstorbener müssten dann vom Touristen alleine getragen werden.

Marin hofft noch, dass Spanien und Großbritannien einen Verzicht der Zwangsquarantäne bei Rückkehrern aus dem jeweiligen anderen Land vereinbaren, wie es bereits zwischen Irland und Großbritannien sowie zwischen Frankreich und Großbritannien geregelt ist. Auch Gibraltar bemüht sich um solch eine Ausnahmeregelung gegenüber Großbritannien. Ryanair hat angekündigt, ab 1. Juli 40% seines Flugbetriebs wieder aufzunehmen. Aber auch für Ryanair gilt, dass die derzeit bestehenden Einreiseverbote in die meisten europäischen Länder und die angedrohten Quarantänen bei Einreise zuerst beseitigt werden müssten. Immerhin hat die EU-Kommission heute darauf verzichtet, dass jeder dritte Sitz im Flugzeug frei bleiben muss. Stattdessen sollen die Passagiere während des Flugs Masken und Handschuhe tragen.

Die Vereinigung der Stierkämpfer befürchtet ein völliges Verschwinden des Stierkampfs aus der spanischen Kultur, da bis mindestens Oktober 2020 keine Stierkämpfe erlaubt sind. Die Vereinigung beziffert den wirtschaftlichen Verlust mit 700 Millionen Euro. Erste Stierzüchter würden bereits ihre Stiere schlachten. Die Tierschutzvereinigungen wenden sich hingegen vehement gegen jede Staatshilfe für den Stierkampf. Für sie ist das Virus eine gute Gelegenheit, diesem brutalen Zeitvertreib den Garaus zu machen. Bereits nach der Finanzkrise 2009 hatte sich die Zahl der Stierkämpfe in Spanien halbiert.

Die drakonischen Strafen, die in Spanien bei Verstößen gegen die Bestimmungen des Ausnahmezustands drohen, halten offenbar nur wenige Menschen von Zuwiderhandlungen ab. In Sevilla hat die Polizei eine Ansammlung von 120 Personen aufgelöst, die beim Austragen von Hahnenkämpfen erwischt wurden. Sieben Hähne, die bei den Kämpfen gestorben waren, sowie 40.000 Euro Wettgelder wurden sichergestellt. 83 Personen wurden bestraft wegen Verletzung des Ausnahmezustands und wegen Tierquälerei. Die Polizei in Madrid hat alleine am letzten Wochenende 400 Haus-Partys und 93 Ansammlungen von Menschen in öffentlichen Parks aufgelöst. Zusätzlich wurden 3.847 einzelne Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen des Ausnahmezustands geahndet.

Die 28 älteren Menschen, die aus einem mit Covid-19 verseuchten Pflegeheim in Alcalá del Valle in ein Heim in La Línea umgesiedelt werden mussten, sind wieder in ihr Heimatdorf zurückgekehrt.

Gibraltars Stufenplan

Fabian Picardo, der Chief Minister von Gibraltar, hat gestern Gibraltars Sieben-Stufenplan »Unlock the Rock« zur Aufhebung der Corona bedingten Einschränkungen veröffentlicht, der bei optimalem Verlauf Gibraltar bis zum 1. August 2020 die Normalität zurückbringen soll. Gibraltar befindet sich derzeit in Stufe 1, was bedeutet, dass die Menschen die drei Hauptstraßen zum Einkaufen nutzen dürfen.

Mit Stufe 2 dürfen ab 18. Mai Museen, Ausstellungen und Galerien geöffnet werden. Ebenso Schulen, das Parlament, Baustellen und Fitnesscenter, natürlich unter Beachtung der Distanz- und Hygieneregeln. Die Krankenhäuser sind wieder für nicht notwendige Operationen geöffnet. Ab 21. Mai dürfen Personen, die älter als 70 Jahre alt sind oder einen Body Mass Index über 30 aufweisen, erstmals ihre Wohnungen verlassen. Es wird diesem Personenkreis aber weiterhin empfohlen, zuhause zu bleiben.

In Stufe 3 werden ab 1. Juni wieder Gottesdienste gestattet. Restaurants, die eine behördliche Erlaubnis haben, dürfen mit 50% ihrer Kapazität öffnen. Zwei der wichtigsten Innenstadtstraßen werden für den Verkehr gesperrt, so dass Fußgänger mehr Platz haben und die Luftqualität verbessert wird. Eine Tracing App für Smartphones wird eingeführt. Theateraufführungen müssen als »Geisterspiele« in geschlossenen Räumen vor leeren Rängen stattfinden, werden aber im Fernsehen und den sozialen Medien übertragen.

Mit Stufe 4 dürfen die Menschen ab 16. Juni wieder jene Bars, Restaurants und Cafes besuchen, die in Stufe 3 keine behördliche Erlaubnis erhalten hatten. Normales Baden an den Stränden soll wieder möglich werden unter Wahrung von ausreichender Distanz.

In Stufe 5 und 6 wird alles geöffnet, was bis dahin noch geschlossen war. Hochzeiten und Beerdigungen dürfen wieder mit der üblichen Anzahl an Teilnehmern stattfinden.

Bisher wurden 4.000 Personen getestet, das sind 13% der Gesamtbevölkerung. Darunter waren 147 bestätigte Infektionen. Aktiv sind derzeit noch 4 Infektionen. Niemand ist an Covid-19 gestorben.


Update: Stand 11. Mai 2020 – 11 Uhr

Vom 17. bis 28. Oktober 2019 fanden in Wuhan die militärischen Weltfestspiele statt. Dort traten auch 170 Athleten aus Spanien an, von denen zwei an Corona ähnlichen Symptomen litten und weitere zwei diese nach der Rückkehr aufwiesen. Man hielt es damals für eine normale Erkältung oder Grippe. Soldaten aus Frankreich wiesen ähnliche Symptome auf. Aber das ist Schnee von gestern. Spanien blickt mit Euphorie in die Zukunft:

  • Alle andalusischen Provinzen erfüllen die Voraussetzungen (0 bis 9,9 Infizierte pro 100.000 Einwohner) um am 11. Mai in die Phase 1 der Erleichterungen des Ausnahmezustands einzutreten. Die Provinz Málaga wird allerdings erst am 18. Mai in die Stufe 1 übergehen, obwohl die Zahl der Neuinfizierten von 65 auf 15 zurückging. Das sorgt für Unmut in den kleineren Städten, wo es überhaupt keine Neuinfektionen gibt. 52% aller Neuinfektionen in der Provinz Málaga konzentrieren sich auf die Stadt Málaga. Auch die Provinz Granada wurde vorerst vom andalusischen Gesundheitsminister Jesus Aguirre Muñoz von den Lockerungen ausgenommen. Dort darf man sich noch nicht mit Freunden treffen, Beerdigungen, Seminare, Open Air Veranstaltungen und Straßen-Märkte sind ebenfalls verboten. Und an die Öffnung der Restaurant-Terrassen ist nicht zu denken.
  • Barcelona, Castilla-La Mancha, der größte Teil von Valencia und die Hauptstadt Madrid führen ebenfalls noch nicht die Stufe 1 ein. In Madrid fehlen von 1.400 vorgeschriebenen Notfall-Betten 50, von 24.750 Krankenhausbetten fehlen 7.750. Die Generaldirektorin des Madrider Gesundheitswesens Yolanda Fuentes ist deshalb am Donnerstag von ihrem Posten zurückgetreten. Nur 52% der spanischen Bevölkerung erreichen am Montag die Stufe 1. Weiterhin werden täglich 15.000 gebührenpflichtige Verwarnungen ausgesprochen wegen Verletzung der Bestimmungen des Ausnahmezustands.
  • In Sevilla und anderen andalusischen Städten steigt das Thermometer schon jetzt auf 32 Grad. Zunehmend beschweren sich Eltern, dass die Kinder nur in der Nachmittagshitze zwischen 12 und 19 Uhr nach draußen gehen dürfen. Daher will der spanische Gesundheitsminister Salvador Illa jetzt über eine Veränderung des sehr starren Zeitplans für den Ausgang ins Freie nachdenken.

Das spanische Kurzarbeitergeld ERTE wurde von der Regierung bis zum 30.Juni verlängert. Das Parlament muss die Vereinbarung noch bestätigen. Derzeit erhalten 3,3 Millionen Menschen Kurzarbeitergeld. 1,9 Millionen Spanier beziehen Arbeitslosengeld.

Baskisches Pokalfinale soll nicht als Geisterspiel ausgetragen werden

Athletic Bilbao und Real Sociedad San Sebastian sind die diesjährigen Finalisten der Copa del Rey (entspricht dem deutschen Fußball-Pokal). Wegen der Corona-Krise können sie diese Saison das Finale nicht spielen, welches für den 18. April vorgesehen war. Die UEFA hat beide Clubs nun unter Druck gesetzt, dass der mit dem Pokalsieg verbundene Europa League Platz an den Tabellen-Siebten der spanischen ersten Liga vergeben wird, falls das Pokalfinale nicht rechtzeitig stattfindet. Beide spanische Finalisten haben aber entschieden, dass sie das Finale auf Ende 2020 oder auf das Jahr 2021 verschieben möchten. Es ist beiden Clubs wichtiger, in einem vollen Stadion zu spielen statt ein Geisterspiel durchzuführen, nur um einen Europa-League Platz zu ergattern. Die Entscheidung ist auch deshalb bemerkenswert, weil beide Clubs in den letzten 30 Jahren keinen einzigen Titel gewonnen haben und weil das letzte Finale zwischen zwei baskischen Mannschaften 1927 stattgefunden hat. Damals gewann Real Union Irún mit 1:0 gegen Arenas Club de Getxo.

Spanien hofft auf deutsche Touristen

Die IATA (International Air Transport Association) prognostiziert, dass die Preise für Flugtickets nach der Corona-Krise um 52% ansteigen werden. Easyjet hat bereits angekündigt, dass die mittleren Sitzreihen nicht besetzt werden. Nicht nur die um 1/3 verringerte Sitzplatzkapazität und die höheren Kosten für die Desinfizierung, sondern auch der allgemein trostlose Zustand der Luftfahrtbranche werden zu der Preiserhöhung führen.

Viele Hoteliers auf Mallorca dringen darauf, dass der Flughafen von Palma zum 1. Juli wieder geöffnet werden muss, damit wenigstens die Hälfte der Sommersaison gerettet werden kann. Der Flughafen Palma müsse Fiebermessungen, Antikörpertests und einen Gesundheitspass anbieten. Große Anbieter wie TUI verkaufen schon wieder Pauschalreisen zu den Balearen und es wäre verheerend, wenn diese dann abermals storniert werden müssten. Andererseits herrscht große Angst, dass die Touristen wieder das Virus nach Spanien bringen.

Die Hoteliers verwiesen auf Griechenland, wo die Regierung alles tue um Touristen dorthin zu locken. Griechenland hofft auf wohlhabende Touristen, die Yachten mieten oder Ausflüge im Landesinneren machen, während Spanien auf den üblichen Strandtourismus setzt. Im Letzten Jahr kamen 11 Millionen deutsche Touristen nach Spanien, darunter 1,5 Millionen auf die Balearen.

Die Hoteliers haben mit Bestürzung ein Interview im ZDF mit dem deutschen Staatssekretär für Tourismus im Wirtschaftsministerium Thomas Bareiß zur Kenntnis genommen, der zusammen mit dem Präsidenten der Bundesärztekammer Dr. Klaus Reinhardt davon ausgeht, dass sich Reisen nach Spanien, Griechenland und in die Türkei nur schleppend erholen werden. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet riet für 2020 sogar ganz von Auslandsreisen ab und bewarb stattdessen den innerdeutschen Tourismus. In Anbetracht weitgehend leer stehender Hotels im Sommer 2020 sollen bereits zwei Hotelketten auf den Balearen beschlossen haben, ihre Häuser erst wieder zu Ostern 2021 zu öffnen um ihre Liquidität zu schonen.

Geplante Schulöffnungen in Spanien

Die Schulen in Spanien sollen erst wieder im September öffnen. Davon abweichend möchte die andalusische Landesregierung die andalusischen Schulen bereits zum 18. Mai wieder öffnen. Am 11. Mai sollen sich Lehrer und Verwaltungsmitarbeiter zur Vorbereitung der Schulöffnung treffen. Betroffen sind 1.445.148 andalusische Schüler. Zusätzlich haben alle Eltern ein Problem, die JETZT entscheiden müssen, auf welche Schule ihre Kinder im September 2020 überhaupt gehen sollen. Denn sie können während des Ausnahmezustands die ins Auge gefassten Schulen nicht persönlich besuchen. Nicht so die internationale Schule »Laude San Pedro« in Marbella. Die Privatschule informiert an drei Terminen ganztägig interessierte Eltern online über ihr Angebot. Es beginnt mit einer virtuellen Besichtigungstour durch die Klassenräume, das Lehrangebot und die Sporteinrichtungen. Danach kann man online dem Lehrerteam Fragen stellen.

Bedürftige Schüler in Madrid müssen auf frisches Obst verzichten und mit Fastfood vorlieb nehmen. Wegen der Schließung der Schulen fällt auch die Schulspeisung aus. Die Madrider Stadtverwaltung hat daher auf die Schnelle Liefervereinbarungen mit den Unternehmen Tele Pizza und Sandwich Shop Rodilla abgeschlossen. Platano de Canarias wollte wöchentlich 12.000 Bananen beisteuern. Die Firma aus den Kanaren beliefert in Madrid nur den zentralen Markt Mercamadrid. Der gehört jedoch nicht zu den Verteilzentren von Tele Pizza und Rodilla. Daher kam keine Vereinbarung zwischen den drei Firmen zustande. Platano de Canarias beliefert bereits Schulspeisungen in Andalusien, Castilla-La Mancha und Extremadura. Die Firma hat dort jedoch Vereinbarungen mit lokalen Anbietern von Schulspeisungen, nicht mit Stadtverwaltungen.

Die ultrarechte VOX Partei hat beantragt, dass die Jagd von der Liste der nicht notwendigen Aktivitäten gestrichen wird. Der Antrag fand im Parlament keine Mehrheit.

In Palma haben die Gastronomen moniert, die Regel, dass Terrassen nur mit 50% der üblichen Zahl an Tischen belegt sein dürfen und zusätzlich ein Streifen von 2,50 m für Fußgänger frei zu halten ist, kein auskömmliches Wirtschaften ermöglicht. Daher wird den Restaurants nun bis zum Ende der Pandemie gestattet, Parkplätze mit zu benutzen. Parkende Autos müssen wegfahren und dann kann der Gastronom die frei gewordene Parkfläche als Terrasse einzäunen.

Aus Deutschland kennen wir die Posse eines Golfplatzes, der zur Hälfte im Land Bremen, zur anderen Hälfte in Niedersachsen liegt. Zu den unterschiedlichen Lockerungen der Corona-Einschränkungen gehört, dass auf dem Bremer Teil des Golfplatzes Golf gespielt werden darf, auf dem niedersächsische jedoch nicht. In Spanien haben ganze Dörfer solche Probleme. Der Weiler Ventorros de Balerma hat 370 Einwohner, die sich auf die Städte Loja in der Provinz Granada und Iznájar in der Provinz Cordoba verteilen. Gemäß dem 4-Stufen Plan der spanischen Regierung dürfen bis 1. Juni alle erlaubten Aktivitäten nur innerhalb EINER Provinz ausgeübt werden. Die Einwohner im Cordobeser Teil von Ventorros de Balerma dürften zwar 200 km zum Bäcker in Córdoba fahren, aber nicht um die Ecke zum Bäcker in Loja.

Kritik an Amazon auch in Spanien

Amazon ist in Spanien in die Kritik geraten. Weil während der Corona-Krise der Umsatz von Amazon Spanien um 30% gestiegen ist, hat Amazon Spanien zusätzlich zu seinen 879 spanischen Angestellten noch 1.500 Kurzzeitkräfte angeheuert. Die spanischen Gewerkschaft CCOO bemängelt, dass bei den Zusatzkräften die Hygienevorschriften nicht eingehalten würden. In den spanischen Lagerhäusern von Amazon sind 8 Personen an Covid-19 erkrankt und 80 befinden sich in Quarantäne.

Beklagt wurde auch, dass Amazon in Spanien während des Ausnahmezustands »nicht notwendige« Waren verkauft, während das den »realen« Läden in Spanien verboten ist. So abwegig ist diese Idee gar nicht. In Frankreich wurde Amazon France aus dem gleichen Grund zu einer täglichen Geldbuße von 100.000 Euro verurteilt.

Aus Protest gegen das Urteil hat Amazon France seine sieben französischen Lagerhäuser bis zum 13. Mai geschlossen. Die für Amazon Italien und Spanien zuständige Managerin Marseglia wies darauf hin, dass Amazon in Spanien 6.000 Händler von seiner Handelsplattform verbannt habe, weil diese während des Lockdowns bei Masken und anderen wichtigen Gütern unangemessene Preiserhöhungen vorgenommen hätten. Bei 500.000 Artikeln seien von Amazon Preiskorrekturen angemahnt worden.

Trotz Corona werden andere wichtige und weniger wichtige Vorhaben der Regierung Sánchez nicht vergessen. Das Ministerium für den ökologischen Wandel hat den zweiten nationalen Plan zur Anpassung an den Klimawandel veröffentlicht. Es beinhaltet neue Regeln und Handlungsempfehlungen, mit denen Spanien bis 2050 klimaneutral werden soll.

Neben Griechenland, Rumänien, Slowakei und Zypern ist Spanien das einzige EU-Mitglied welches die Unabhängigkeit des Kosovos nicht anerkennt. Die spanische Regierung verweigert die Anerkennung deswegen, weil sie keinen Präzedenzfall für die Unabhängigkeit Kataloniens schaffen will. Auf einem EU Treffen vor zwei Jahren in Sofia blieb der spanische Stuhl deshalb leer. Dieses Mal jedoch wird es wegen Corona eine virtuelle Konferenz geben. Der spanische Ministerpräsident Sánchez hat seine Teilnahme unter folgenden Bedingungen zugesagt: Im Bildhintergrund dürfen keine staatlichen Symbole wie z.B. Flaggen zu sehen sein. Wenn jemanden das Wort erteilt wird, darf der Sprecher seinen Namen nennen, aber nicht seine Nationalität und seinen politischen Titel.

Zwar sieht Spanien großen wirtschaftlichen und finanziellen Einbußen durch die Corona-Epidemie entgegen. Das ficht aber die Stadtverwaltung von Estepona nicht an, für 11 Millionen Euro einen protzigen 8-stöckigen Betonklotz als neues futuristisches Rathaus an den Rand der Altstadt zu setzen, der die schöne Silhouette von Estepona verschandeln wird.

Immerhin ging die allgemeine Kriminalität in Spanien während der ersten zwei Wochen der Ausgangssperre um 73% zurück. Nicht enthalten sind die Zahlen für Morde, Sexualdelikte und Cyberkriminalität.

Gibraltars Chef Minister Fabian Picardo würdigte am 75. Jahrestag des Sieges über Hitler- Deutschland, dass Gibraltar im 2. Weltkrieg das einzige freie Land in Kontinental-Europa gewesen sei. So wie sich Gibraltar gegen den Faschismus behauptet habe, werde es sich auch gegen das Coronavirus behaupten. Er dankte vor allem den Veteranen, die während der Corona-Krise eingesperrt in ihren Wohnungen durchhalten mussten. Gibraltar fühlt sich wie im Krieg, weil die EU ihre Außengrenzen bis Mitte Juni geschlossen hat.


Update: Stand 7. Mai 2020 – 9 Uhr

Heute geht es mal um die Faszination der Zahlen in der Corona-Krise. In Andalusien waren statistisch gesehen vor allem kleine Gemeinden Zentren der Corona-Pandemie. Das 1.392 Seelen Dorf Cuevas Bajas tief im Inneren der Provinz Málaga führt die Hitliste an mit 11,5 Infizierten pro 1.000 Einwohner. Das sind ganze 14 Fälle. Rute in der Provinz Córdoba folgt mit 9,34 pro 1.000 Einwohner. Verglichen damit war in der Stadt Málaga mit 2,91 Infizierten pro 1.000 Einwohner eher wenig los. Absolut waren aber 1.655 Personen betroffen!

Bürgermeister Manuel Lara ist überrascht und verärgert, dass Cuevas Bajas die Liste anführt. Er hat nur durch Zufall erfahren, dass sein Dorf es auf diesen »prominenten« Platz geschafft hat. Er fühlt sich von der Landespolitik im Stich gelassen, die trotz großer Versprechungen für 44 Tage nur 344 Masken geliefert hat. Lara kann sich selbst nichts vorwerfen. Er hatte sein Dorf jede Nacht durch eine Spezialfirma desinfizieren lassen und ältere Mitbürger durch einen Lieferservice mit Lebensmitteln beliefert.

Zahlen sind ja immer relativ. Die Metro in Madrid beförderte gestern 29% mehr Fahrgäste als vorgestern. Toll, es geht aufwärts! In absoluten Zahlen liest sich das nüchterner: Vorgestern waren es noch 1.821 Fahrgäste, gestern »schon« 2.351. Vier Tage vor Verhängung des Ausnahmezustands immerhin 10 Mal so viele, nämlich 24.778. Aber an normalen Werktagen im Februar waren es halt 1.577.233! Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Hoffnung ist die Nahrung, welche die Welt in Zeiten der Corona-Pandemie gierig aufsaugt wie ein Schwamm. Die spanische Regierung steht unter hohem Druck von Gesellschaft und Politik, das Land 50 Tage nach Ausrufung des Notstands schnellstens in den Normalmodus zurück zu führen. Die Opposition hatte bereits angekündigt, dass sie eine weitere Verlängerung des Ausnahmezustands nicht mittragen wird. Dennoch konnte Sánchez mit Hilfe der kleineren Parteien den Ausnahmezustand nochmals bis zum 24. Mai verlängern.

Da kommt wie ein Geschenk des Himmels eine Studie der theoretischen Biologen der Universität Singapur daher, die für Spanien das Ende der Pandemie (99 Prozent der Ansteckungen sind vorbei) für den 19. Mai 2020 vorhersagt. Wenn es der Computer so »errechnet« hat, muss es ja wohl stimmen!

Corona Studie Spanien
Theoretische Berechnungen zur Corona-Pandemie in Spanien ( Singapore University of Technology and Design (SUTD) )

Die Wissenschaftler verwendeten für ihre theoretischen Berechnungen das in der Pandemieforschung bekannte SIR-Modell (Susceptible-Infected Recovered model). Zwar stellten sie ihrer Studie die nachstehende Warnung voran:

»Der Inhalt dieser Website dient NUR Bildungs- und Forschungszwecken und kann Fehler enthalten. Das Modell und die Daten entsprechen nicht den komplexen, sich verändernden unterschiedlichen Realitäten verschiedener Länder. Vorhersagen sind von Natur aus unsicher. Leser müssen Vorhersagen mit Vorsicht treffen. Übergroßer Optimismus aufgrund einiger vorhergesagter Enddaten ist gefährlich, da er unsere Disziplin und unsere Kontrollen lockern, ein Wiederaufflammen des Virus und der Ansteckung verursachen kann und daher vermieden werden muss.«

So etwas liest aber kein Politiker. Genauso gut hätten die Wissenschaftler schreiben können: »Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker«.

Die entsprechenden Daten für das Ende der Pandemie lauten übrigens für:

  • Deutschland: 29.05.2020
  • USA: 18.06.2020
  • Die ganze Welt: 14.12.2020

Zu Weihnachten ist also der Spuk garantiert vorüber?

Wie geht es mit dem Tourismus in Andalusien weiter?

Der Tourismus trägt mit 12% zur Wirtschaftskraft Andalusiens bei. Die andalusische Regierung will bereits am 25. Mai wieder die Strände öffnen und damit im Stufenplan der Regierung Sánchez gleich die Stufe 2 überspringen und mit Stufe 3 weitermachen.

Es soll zeitliche Vorgaben, Einlass- und Ausgangskontrollen geben, die Gäste müssen ihre eigenen Handtücher mitbringen und 2 Meter Abstand einhalten. Strandliegen dürfen keine Matratzen haben. Die beliebten Strandrestaurants ‚Chiringitos’ sollen von der »Kanonen-Steuer« befreit werden, was ja nicht anderes heißt, als dass sie ebenfalls geöffnet sein sollen.

Der Sand toll täglich desinfiziert werden. Dabei sollte man das Kind aber nicht mit dem Bade ausschütten. Die Stadtverwaltung des bei Touristen wegen seines Thunfischs beliebten Hafenstädtchens Zahara de los Antunes in der Provinz Cádiz hat den schönen Sandstrand in einer nächtlichen Aktion mit chemischen Bleichmitteln behandelt und eine Umweltkatastrophe ausgelöst.

Die Stadt Torremolinos will Künstliche Intelligenz (KI) einsetzen um den Zugang zu den Stränden zu regeln. Die Firma Juma Fuengirola hat dazu eine App entwickelt. Mit 70 Sensoren, die an Beleuchtungsmasken angebracht werden, soll gemessen werden, wie viele Menschen zu den sieben Stränden strömen oder sie verlassen. Wenn das Abstandsgebot von zwei Metern rechnerisch überschritten ist, wird ein Alarm ausgelöst und der Zutritt zu dem jeweiligen Strandabschnitt unterbrochen. Solange die App Grün anzeigt, ist alles in Ordnung. Sie springt auf Orange um, wenn 75% der Kapazität erreicht ist und auf Rot, wenn es zu Überfüllung kommt. Diese App ließe sich auch in Hotels und Einkaufszentren einsetzen.

Gemäß einer aktuellen Umfrage der auf Tourismus spezialisierten Beratungsfirma DNA würden 80% der Spanier Urlaub machen, sobald das erlaubt wird, obwohl der Virus noch im Land ist. Nur 6% lehnen für sich Urlaub aus Furcht vor dem Virus ab. 76% der Urlaubshungrigen bevorzugen Urlaub in Spanien, 20% im Ausland. 33% der Urlauber würden sofort nach Andalusien aufbrechen. Die Balearen und Valencia folgen mit jeweils 10%. Die Kanaren würden gemieden, weil dort das Virus zuerst auftrat. 60% würden mit dem Auto anreisen, aber nur 1,6% trauen sich, einen Mietwagen zu nehmen.

Man darf sich Sorgen machen, ob die spanische Bevölkerung und die sonnenhungrigen Touristen die vorgeschlagenen Kontrollen und Einschränkungen ernst nehmen. Etwa so wie der spanische Frisörsalon, der vorgestern bei Start der Stufe Null dabei erwischt wurde, dass viel mehr Kunden anwesend waren als nach der Quadratmeterzahl zulässig gewesen wäre. Die Kunden hatten keine Voranmeldungen und die angestellten Frisöre keine Arbeitserlaubnis.

Oder wie Tennis-Star Novak Djokovic, der beim Tennis-Spiel mit seinem Partner Carlos Gomes Herrera auf dem Tennisplatz im Puente Romano in Marbella gefilmt wurde. Die Ausübung dieser Sportart ist eigentlich während des Schrittes Null des spanischen Lockerungsplans noch verboten. Bisher wurden in Spanien 800.000 Personen wegen Verletzung des Ausnahmezustands gebührenpflichtig verwarnt. Alleine am letzten Wochenende waren es 40.000.

Die Touristen müssen ja überhaupt erst mal nach Spanien kommen. Dazu braucht man Flugzeuge. Die niederländische KLM hat den Flugbetrieb von Amsterdam nach Madrid und Barcelona wieder aufgenommen. Bis August sollen während des Flugs Masken getragen werden. Der Flugplan kann sich aber wöchentlich ändern. Denn man braucht ja auch eine Einreiseerlaubnis der Spanier. Ende Mai sollen 15% des früheren Flugplans wieder durchgeführt werden, Ende des Jahres 75%.

Die Niederländer befeuern die spanischen Hoffnungen auch noch auf andere Weise: In acht Jahren soll der Hochgeschwindigkeitszug Hyperloop Amsterdam mit Barcelona in einer Fahrtzeit von 80 Minuten verbinden. Die rasende Zigarre wäre mit 965 km/h unterwegs. Ein europäisches Hyperloop Netzwerk soll eine Gesamtlänge von 10.000 km erreichen und stündlich 200.000 Passagiere befördern. Dabei wären die Menschen an der Costa del Sol schon froh, wenn es in acht Jahren endlich die oft versprochene Bimmelbahn von Nerja nach Algeciras gäbe. Die Firma Hardt Hyperloop im holländischen Delft wird von einem Konsortium unterstützt, dem u.a. die Deutsche Bahn AG, der Risiko-Kapitalgeber Frank Thelen und die Firma Continental beteiligt sind. Die Hyperloop Technologie eines Zuges, der durch eine Röhre mit Teil-Vacuum gleitet, ist eine Idee des Tesla-Gründers Elon Musk.


Update: Stand 3. Mai 2020 – 11 Uhr

Da Anfang Mai die Neuinfektionen mit 1.175 Fällen weiter rückläufig sind, hat der spanische Gesundheitsminister Salvador Illa einen Stufenplan für die Rückkehr des Landes aus dem Ausnahmezustand in den Normalzustand verkündet. Am Montag, 4. Mai, beginnt die Stufe Null (Orden SND/380/2020, de 30 de abril, sobre las condiciones en las que se puede realizar actividad física no profesional al aire libre durante la situación de crisis sanitaria ocasionada por el COVID-19). Nur die Inseln Formentera, La Gomera, La Graciosa and El Hierro beginnen sofort mit Stufe 1. Der zeitliche Übergang zwischen den Stufen soll in Zukunft auf Provinzebene entschieden werden.

Am gestrigen Samstag war ein besonderer Tag für viele Spanier. Erstmals durften sie vor ihre Tür gehen, ohne einen besonderen Grund dafür nachweisen zu müssen. Man darf jetzt wieder Spazieren gehen, Joggen und Rad fahren. Beim Joggen und Radfahren gibt es keine Kilometerbegrenzung. Man muss aber alleine sein und 2 Meter Abstand zu anderen Personen einhalten. Man soll Menschenansammlungen meiden und nicht unnötig stehen bleiben. Sportstätten dürfen nicht betreten werden. Beim Spazierengehen darf man sich maximal 1 km von seiner Wohnung entfernen und von maximal einer Person aus dem gleichen Haushalt begleitet werden. Für Personen, die mit dem Hund Gassi gehen, bleibt es bei den bisherigen Einschränkungen. Das Tragen einer Maske wird empfohlen, ist aber nicht verpflichtend.

Allerdings gelten eine Reihe weiterer Einschränkungen:

Man darf die Gemeinde, in der man wohnt, nicht verlassen. Je nachdem, zu welcher Personengruppe man gehört, darf man nur zu bestimmten Tageszeiten draußen sein.

  • 6 bis 10 Uhr: Erwachsene zwischen 14 und 69 Jahren mit maximal einer Begleitperson aus dem gemeinsamen Haushalt
  • 10 bis 12 Uhr: Hilfsbedürftige und Personen ab 70 Jahren
  • 12 bis 19 Uhr: Kinder bis 13 Jahren, eine Stunde Spazieren gehen in Begleitung eines Erwachsenen
  • 19 bis 20 Uhr: Hilfsbedürftige in Begleitung eines Betreuers und Personen ab 70 Jahren
  • 20 bis 23 Uhr: Erwachsene zwischen 14 und 69 Jahren mit maximal einer Begleitperson aus dem gemeinsamen Haushalt

Die genannten Zeitfenster entfallen in Gemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern. In der Provinz Málaga betrifft das 75 Gemeinden. Dort können alle Personen zwischen 6 und 23 Uhr nach draußen gehen.

Seit gestern darf jede Privatperson einzeln nicht professionelle Arbeiten der Bearbeitung und Ernte landwirtschaftlicher Produkte in der eigenen Gemeinde oder in einer Nachbargemeinde durchführen. Eine unterhaltsberechtigte Person oder ein Kind darf auf das Feld mitgenommen werden.

Alle genannten Aktivitäten sind solchen Personen verboten, die COVID-19 Symptome haben oder sich in Quarantäne befinden. Die Anreise mit einem motorisierten Fahrzeug oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu einem bestimmten Ort, um dort die oben genannten Aktivitäten durchzuführen, ist verboten.

Ab Montag, dem 4. Mai dürfen Einrichtungen, in denen Kunden individuell bedient werden, also z.B. Frisöre, nach Terminvereinbarung aufgesucht werden. Restaurants dürfen Take away Service anbieten, aber keinen Verzehr vor Ort. Bevorzugte Öffnungszeiten werden dort für Personen über 65 Jahren festgelegt. Wenn die professionelle Dienstleistung den Körperkontakt mit Kunden erfordert (z.B. Friseure, Physiotherapeuten) müssen Masken und Handschuhe getragen werden.

Mit Beginn der Stufe 1 ab 11. Mai soll man wieder seine Verwandten und Freunde besuchen dürfen, die in der gleichen Provinz wohnen. Allerdings möglicherweise nicht in deren Wohnungen, sondern nur auf der Terrasse eines Restaurants oder einer Bar, die dann aber nur mit 30% der normalen Besucherkapazität gefüllt sein darf. Details, wie viele Personen an solch einem Treffen wie lange teilnehmen dürfen, müssen noch ausgearbeitet werden. Da es gar nicht so viele Restaurant-Terrassen gibt, rechnet man damit, dass letztlich doch Besuche in Privatwohnungen gestattet werden. Die Lockerung der Besuchseinschränkungen würde auch voraussetzen, dass man dann in seinem privaten Auto auch wieder Mitglieder seines eigenen Haushalts mitnehmen darf.

Ab 11. Mai sollen wieder Sportarten mit geringem Körperkontakt, wie z.B. Tennis, möglich sein. Unklar ist, ob das z.B. auch für Kitesurfen und andere Wassersportarten gelten wird. Kommerzielle Sportarten sollen wieder trainieren dürfen. Gottesdienste mit 30% der Kapazität sollen erlaubt werden.

In Stufe 2 ab dem 25. Mai sollen Sportveranstaltungen mit bis zu 800 Personen möglich sein. Kulturelle Veranstaltungen mit 50 Personen innen oder 800 Personen draußen, sollen gestattet werden. Restaurants sollen auch innen mit der Kapazität von 30% der verfügbaren Plätze öffnen dürfen. Kindergärten sollen für Kleinkinder von berufstätigen Eltern geöffnet werden. Man soll wieder sein Ferienhaus aufsuchen dürfen, vorausgesetzt, es befindet sich in der gleichen Provinz wie die Hauptwohnung. Das ist also nichts für deutsche Besitzer von spanischen Ferienwohnungen.

Bis mindestens 9. Mai gelten die Einreiseverbote für EU-Ausländer, die ihre spanische Ferienimmobilie aufsuchen wollen. Wer eine Residentenbescheinigung »Empradonada« vorweisen kann, soll danach möglicherweise einreisen können. Allerdings gilt dann möglicherweise immer noch, dass man sich nach der Rückkehr aus Spanien in Deutschland für zwei Wochen in Quarantäne begeben muss. Man sollte also auch die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland immer im Auge behalten.

In Stufe 4 sollen ab Anfang Juni Restaurants in geschlossenen Räumen 50% der Kapazität nutzen dürfen.

Der Schulbetrieb wird erst ab September wieder aufgenommen. Die kulturellen Unterschiede zwischen Spanien und Deutschland werden da schon deutlich. Während Deutschland Kitas und Schulen möglichst schnell öffnen will, sorgen sich die Spanier um Restaurantbesuche.

Eine Umfrage vom 25. April ergab, dass nur 31,3% der Bevölkerung die Maßnahmen der Regierung unterstützen, 55,6% sind dagegen und 13,1% unentschlossen. Nur 46,1% würden eine Regierung der Nationale Einheit, gebildet aus PSOE und PP, befürworten.

Man darf gespannt sein, wie die Polizei die vielen Einzelbestimmungen überprüfen will. In Toledo beobachtete die Polizei einen Mann, der mit einem perfekten Haarschnitt herumlief. Sie schnüffelten herum und stießen auf einen Frisörsalon, der verbotenerweise geöffnet hatte. Der Frisör und die anwesenden zwei Kunden mussten Geldstrafen bezahlen, wobei der eine Kunde mit einer halben Frisur nach Hause geschickt wurde.

Dreifach gestraft wurde ein Mann, der in den Bergen bei Valencia von Pferd gefallen war und sich schwer verletzt hatte. Er musste nicht nur die Strafe wegen Verletzung des Ausnahmezustands bezahlen, sondern auch noch den Helikopterflug ins Krankenhaus. Und sein Pferd verfügte weder über die nötigen Papiere und einen Mikrochip, noch über die vorgeschriebenen Impfungen.

Die Lockerungen werden dringend benötigt, um die am Boden liegende Wirtschaft wieder auf die Beine zu bringen. Die spanische Regierung hat nach Brüssel gemeldet, dass 2020 die Wirtschaftsleistung um 9,2% einbrechen wird. Dabei soll der private Konsum um 8,8% zurückgehen, private Investitionen stürzen um 25,5 % ab, die Exporte sogar um 27,2%. Die Arbeitslosigkeit steigt auf 19%.

Zur Wiederbelebung des daniederliegenden Immobilien-Geschäfts gewährt die Stadt Marbella jetzt allen Interessierten einen vereinfachten Zugang zu einer Bescheinigung, dass für den Erstbezug einer neuen Immobilie alle erforderlichen Bedingungen eingehalten wurden (Licencia de primera ocupación). Diese Bescheinigung kann man über einen Architekten auch rückwirkend beantragen, was für zehntausende Besitzer von Alt-Immobilien eine enorme Erleichterung darstellt. Dauerte die Ausstellung der Bescheinigung bisher eher 12 Monate, so soll das jetzt in wenigen Tagen möglich sein. Die Bescheinigung wird benötigt, wenn man seine Immobilie verkaufen oder vermieten möchte.

Unter dem Codenamen »Seroprevalencia« läuft in Spanien seit einer Woche ein landesweiter Feldtest mit 90.000 Bürgern, an dem 24 Institute beteiligt sind. Der Test in 36.000 repräsentativ ausgewählten Familien soll ein klareres Bild über Infektionsrate sowie über den Anteil der Menschen mit Antikörpern geben. Der Test soll helfen zu beurteilen, wie schnell der Ausstieg aus dem Ausnahmezustand angegangen werden kann. In einem Abstand von drei Wochen werden die Getesteten nochmals untersucht.

Lockerungen auch in Gibraltar

Unter dem Slogan »Unlock the Rock« wurden auch für Gibraltar Lockerungen der Corona bedingten Einschränkungen verkündet: Am gestrigen Samstag durften Gibraltars Bürger erstmals wieder auf der Mainstreet zum Shopping gehen. Wegen der reduzierten Umsatzerwartungen unterstützt die Regierung die Einzelhandelsgeschäfte weiterhin mit direkten »Beat Covid«-Zuschüssen, bisher 5,7 Millionen Pfund. Allerdings gilt die Hilfe nur für Firmen, die keine Rückstände bei Steuern und Sozialabgaben haben.

Ältere Mitbürger dürfen sich von 10 bis 12 Uhr in bestimmten Zonen im Freien aufhalten. Restaurants und Cafes bleiben bis auf weiteres geschlossen, Take away Service ist aber möglich. Fitnessstudios bleiben geschlossen, aber Personal Trainer dürfen wieder arbeiten. Baustellen, die eine Erlaubnis des Chief Technical Officers von Gibraltar haben, werden ab Montag geöffnet. Die Notfallbetten in Krankenhäusern dürfen wieder von Patienten genutzt werden, die kein Corona haben.

Die Schulen haben wieder geöffnet, wobei die eine Hälfte der Klasse vormittags, die andere Hälfte nachmittags beschult wird. Die Schüler sollen ihre eigenen Lernmaterialien mitbringen. Auch der Spanisch-Unterricht des Instituto Cervantes ist in Gibraltar wieder möglich.

Jede Woche verkehrt ein Flieger von British Airways mit 70 Passagieren zwischen Großbritannien und Gibraltar. Wöchentlich bringen 600 Lkw aus Spanien Güter nach Gibraltar. Die Regierung vermutet, dass der Tourismus erst wieder 2022 Fahrt aufnimmt. Chief Minister Fabian Picardo sagte: »Wir haben damit gerechnet, dass die Wirtschaftsleistung wegen des Brexit vorübergehend zurückgeht. Aber auf eine Rezession infolge eines weltweiten Virus-Tsunamis waren wir nicht vorbereitet«.

Die irische Billigfluglinie Ryanair rechnet für April und Mai mit einem Verlust von 100 Millionen Euro. Ryanair hat angekündigt 3.000 Mitarbeiter zu entlassen und bis März 2021 nur 50% der Löhne zu bezahlen sowie den Flugbetrieb – von wenigen Ausnahmen abgesehen – erst wieder ab Juli 2020 aufzunehmen. Die Flugpreise würden dann sinken, weil Ryanair sich gegen Fluglinien behaupten müsse, die mit 30 Milliarden Euro von den Staaten am Leben gehalten werden. Zwischen Juli und September 2020 rechnet Ryanair mit einer Halbierung der mit 44,6 Millionen geplanten Zahl der Passagiere.

Spanien zieht vorzeitig sein 600 Mann starkes Kontingent der UN Friedenstruppe aus dem Libanon ab. Gleichzeitig übernimmt Spanien das Kommando über die NATO Flugplätze im Baltikum.

Wale und Delfine werden an den Stränden in Katalonien, Murcia und den Balearen jetzt immer öfter in Küstennähe gesichtet.


Update: Stand 28. April 2020 – 19 Uhr

Am 28. April gibt es in Spanien 209.465 bestätigte Infektionen. 23.190 Menschen sind an COVID-19 verstorben. Bei den Neuinfektionen werden jetzt auf Anweisung des Gesundheitsministeriums diejenigen nicht mitgezählt, bei denen mit dem neu eingeführten Antikörper-Test Antikörper gefunden wurden. Begründet wird das mit der wissenschaftlichen Vermutung, dass Antikörper auch durch Kontakt mit anderen (harmloseren) Coronaviren gebildet worden sein könnten. Das führte zur Verwirrung über die Aussagekraft der Zahlen. Denn ohne die Antikörper-Tests gab es im Vergleich zu gestern 2.700 Neu-Infektionen, mit den Tests hingegen 6.700.

36.000 Angehörige des medizinischen Personals sind mit dem Coronavirus infiziert, das sind 20% dieser Personengruppe. In Italien sind nur 10% infiziert, in China 4% und in den USA 3%. Die hohe Ansteckungsrate in Spanien wird damit erklärt, dass hier lange Zeit zu wenig Schutzkleidung verfügbar war. Es gibt immer noch nicht genügend Testkits für Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern.

In den letzten zwei Wochen haben sich 41.399 Spanier neu angesteckt. Das ist immer noch ein sehr hoher Wert, zeigt aber, dass sich das Infektionsgeschehen auf hohem Niveau beruhigt, wenn man es mit anderen Ländern vergleicht, deren Kurve sich noch in der Aufwärtsbewegung befindet. Unter diesen Ländern haben die USA, Russland, die Türkei, Brasilien, Großbritannien und Bangladesch in den letzten zwei Wochen höhere Zuwächse zu verzeichnen als Spanien. Es ist daher begreiflich, dass in Spanien jetzt Ausstiegsszenarien aus dem sehr strengen Lockdown diskutiert und bereits teilweise umgesetzt werden.

Seit Sonntag dürfen Kinder im Alter unter 14 Jahren erstmals wieder an die frische Luft, wovon sie auch reichlich Gebrauch gemacht haben. Natürlich muss draußen der 2 m Abstand eingehalten werden.

Allerdings ist die Lockerung sehr eingeschränkt: Die Kinder dürfen nur in Begleitung eines Erwachsenen nach draußen. Ein Erwachsener darf maximal 3 Kinder begleiten. Bei einer Familie mit 5 Kindern müssten also Vater und Mutter rausgehen, der Vater mit drei Kindern, die Mutter mit zwei, oder umgekehrt. Ein Kind darf pro Tag nur 1 Stunde rausgehen und zwar zwischen 9 Uhr und 21 Uhr. Das Kind darf also z.B. nicht erst eine Stunde mit dem Vater und später eine Stunde mit der Mutter das Haus verlassen. Spielzeug, ein Ball, ein Fahrrad, ein Roller und ein Kinderwagen dürfen mitgenommen werden. Das Kind mit seinem erwachsenen Begleiter darf sich maximal 1 km von der Wohnung entfernen.

Zwar darf nun auch an vielen Stränden Spazieren gegangen werden, z.B. in Palma de Mallorca oder in Marbella, in vielen Städten aber eben auch nicht. Schwimmen darf man auf keinen Fall. Und wer weiter als 1 km von einem Strand entfernt wohnt, wird noch viele Tage keinen Strand sehen. Vielerorts darf man öffentliche Parks nicht betreten. Spielplätze sind völlig tabu. Das Tragen von Masken wird empfohlen, ist aber nicht vorgeschrieben. Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren dürfen das Haus weiterhin nur aus »notwendigen« Gründen verlassen. Die Polizei hat zahlreiche »Unregelmäßigkeiten« auf den Stränden registriert, vor allem: Zwei oder mehr Erwachsene ohne Kinder, Kinder, die miteinander spielen, statt alleine. Corona stellt leider alle natürlichen Arten des sozialen Miteinanders auf den Kopf.

Bußgelder in Spanien

Bei Zuwiderhandlungen gegen die obigen Regeln wird gemäß des Bußgeldkatalogs des Ley de Seguridad Ciudadana sofort ein Bußgeld von 601 Euro fällig, bei »Zusammenrottung« mehrerer untereinander fremder Personen sogar 1.501 Euro. Allerdings lassen sich die drastischen Geldstrafen halbieren, wenn der Delinquent sie innerhalb einer Woche bezahlt.

  • Da hat man schon mehr Verständnis, dass die Polizei in einer Villa in Sant Josep de sa Talaia auf der Insel Ibiza eine Privatparty mit 20 Gästen hochgenommen hat. Das wurde für die Beteiligten ein sehr teures Vergnügen.
  • In Galizien gab eine von der Polizei angehaltene Autofahrerin an, sie müsse zur Beerdigung ihrer Mutter. Die Beamten ließen die Frau weiter fahren, recherchierten aber anschließend, dass die Mutter bereits vor sechs Wochen verstorben war. Auch diese Notlüge wurde nachträglich teuer.
  • In einer Klinik in Palma de Mallorca wurde an einem Patienten, der wegen eines gebrochenen Beins dort lag, ein COVID-19 Test gemacht, der positiv war. Der Mann hielt das Testergebnis für falsch, da er keine Symptome verspürte und verließ daraufhin die Klinik. Er wurde von der Polizei gefasst und in Handschellen in eine andere Klinik verbracht, wo er nun in einem Einzelzimmer mit Polizeibewachung auf seinen Strafprozess wartet.
  • In dem Dorf Vilafranca de Bonany auf Mallorca wurden 4 alkoholisierte Personen, darunter der Bürgermeister, von der Polizei bei einer zünftigen Party überrascht. Die Strafe betrug 3.000 Euro pro Person. Der Bürgermeister vom Partido Popular will weiter im Amt bleiben.
  • In einem Krankenhaus in Madrid drehte ein falscher »Immunologe« dem Klinikpersonal teure Schutzkleidung an, das dieses in Ermangelung offizieller Ausstattung auf private Rechnung kaufte. Er arbeitete dabei mit einem anderen falschen Arzt zusammen, der noch nicht identifiziert werden konnte.

Für in Spanien lebende Briten gibt es immer noch reichlich Angebote für käuflichen Sex. In den englischsprachigen Zeitungen erscheinen viele Anzeigen mit Texten wie «Beautiful blonde. Offer Covid19: 40€«. Prostitution gehört während des Ausnahmezustands zu den verbotenen »nicht existenziellen Betätigungen«. Sex-Worker müssen aber irgendwie während der Pandemie ihren Lebensunterhalt verdienen, denn sie fallen unter keines der finanziellen Hilfsprogramme der Regierung. Die UN führt Spanien als »Bordell Europas«. 300.000 Prostituierte erwirtschaften in normalen Zeiten in Spanien einen jährlichen Umsatz von 24,5 Milliarden Euro. Offenbar ist die Sparte doch »systemrelevant«.

Falls sich die Menschen vernünftig verhalten, stellte Ministerpräsident Sánchez für den 2. Mai in Aussicht, dass Erwachsene wieder in die Natur gehen und dort Einzelsportarten ausführen dürfen. Sánchez hob hervor, dass sich der Grad der Erleichterungen zukünftig danach richten wird, wo die Menschen wohnen. »Es wird abgestuft und asymmetrisch gelockert und es wird darauf ankommen, in welcher Gegend Spaniens jemand wohnt. Wir werden nicht alle mit der gleichen Geschwindigkeit vorankommen«.

In Andalusien hat sich das Infektionsgeschehen sehr beruhigt. Dort liegt niemand mehr wegen COVID-19 auf der Intensivstation. Der andalusische Präsident Juanma Moreno Bonilla will jetzt zügig weitere Lockerungen durchsetzen und hat offenbar das Plazet von Ministerpräsident Sánchez erhalten, da ja einzelne Regionen in Zukunft von den für gesamt Spanien geltenden Regeln abweichen dürfen. In der Provinz Málaga gibt es noch 3.006 Fälle. In vielen kleinen Bergdörfern wie Istán, Parauta oder Iznate gibt es überhaupt keinen Infizierten mehr. Spitzenreiter sind die Stadt Málaga mit 1.652 Infizierten; es folgen Marbella (222), Rincón de la Victoria (113), Benalmádena (101), Torrremolinos (100) und Ronda (97).

Moreno hat angekündigt, dass kleine Läden, Frisöre und Nagelstudios am 11. Mai öffnen dürfen. Ab 18. Mai sollen Beerdigungen ohne Begrenzung der Zahl der Trauergäste wieder möglich sein. Ab 25. Mai sollen sogar Bars und Restaurants wieder in Betrieb gehen. Die Gäste sollen durch Plexiglasscheiben getrennt und durch Wärmebildkameras wegen Fieber überwacht werden. Moreno wollte auch die Schulen ab 15. Mai wieder öffnen, wogegen die Eltern- und Lehrerverbände aber Sturm liefen. Nun werden sie wohl frühestens im September öffnen.

Die ungarische Billigfluglinie Wizz will Ihre Flüge von London-Luton auf die Kanaren ab 1. Mai wieder aufnehmen. An die Passagiere werden Masken und Desinfektionsmittel ausgegeben. Das ganze Flugzeug wird jede Nacht desinfiziert. Ryanair will am 8 Mai und easyJet am 18. Mai wieder an den Start gehen.

Die Paradores-Hotelkette hat Vorschläge für eine Öffnung der Hotels im Sommer ausgearbeitet. Check-in und Check-out werden virtuell ohne Beteiligung realer Menschen erfolgen. Auf jedem Flur werden Masken, Handschuhe und Desinfektionsmittel für die Gäste bereitgestellt. Der Lift wird bei jeder Fahrt nur eine Person befördern. Es wird keinen Roomservice geben. Zu essen gibt es Vorgekochtes wie im Flugzeug. Die Zimmer werden nach der Abreise des Gastes gründlich desinfiziert und bleiben einen Tag leer bis zur nächsten Buchung.

Ausbreitung des Coronavirus in Spanien

Wissenschaftler des Carlos III Gesundheitsinstituts in Madrid haben die Ausbreitung des Coronavirus in Spanien untersucht. Sie studierten die Gene von 1.600 Varianten des SARS Cov-2 Genoms und fanden heraus, dass der erste Fall in Spanien bereits Ende Januar 2020 aufgetreten sein muss, man weiß allerdings nicht wo.

Für Spanien wurden 28 komplette Genome identifiziert, die sich auf drei Typen S, G und V verteilen. Die gute Nachricht dabei ist, dass es so einfacher sein wird, einen Impfstoff zu finden, der alle Varianten für Spanien abdeckt.

Am 24. November trat das Virus erstmals in Wuhan auf. Der erste dokumentierte Fall in Spanien war am 1. Februar ein deutscher Tourist auf der Insel La Gomera, der kurz vorher in München an einem Seminar teilgenommen hatte, zusammen mit einem chinesischen Kollegen aus Wuhan. Kurz darauf wurde ein Hotel auf Teneriffa unter Quarantäne gestellt, weil ein italienischer Arzt das Virus eingeschleppt hatte.

Am 14. Februar trat der dritte Fall in Madrid auf, von wo es sich nach Frankreich ausbreitete. Um den 25.Februar kam es zu den ersten Infektionen in Valencia im Gefolge des Champions-League-Spiels zwischen dem FC Valencia und Atalanta Bergamo. Von Valencia breitete es sich nach Chile, Brasilien, den Niederlanden und den USA aus. Es konnte also kein »Patient Zero« dingfest gemacht werden, sondern das Virus kam an 15 unterschiedlichen Orten nach Spanien.

Es häufen sich Fälle, wo Ausländer, die eine Ferienimmobilie in Spanien besitzen, keinen Onlinezugriff auf ihr spanisches Konto haben oder keine Überweisungen tätigen können, so dass sie z.B. mit den monatlichen Tilgungen für die Hypothek in Verzug kommen. Viele Zweigstellen von spanischen Geldinstituten wurden wegen Corona geschlossen. Die automatischen spanischen Ansagen der zentralen Telefonnummern dieser Banken sind schwer zu verstehen. Auf Englisch sprechende Bankangestellte wartet man stundenlang vergeblich oder die spanische Servicenummer ist vom Ausland aus nicht anwählbar. Viele spanische Gebäude- und Hausratversicherungen haben in ihren Verträgen eine Klausel, dass der Versicherungsnehmer mindestens alle 6 Monate in seiner Immobilie persönlich oder durch einen Bevollmächtigten nach dem Rechten sehen muss. Während der Corona-Pandemie können jedoch viele ausländische Immobilienbesitzer dieser Forderung nicht nachkommen. Daher wurde die Bestimmung von vielen Versicherungsgesellschaften während der Corona-Krise ausgesetzt.

Die Firma Specsavers Opticas macht darauf aufmerksam, dass die erhöhte Benutzung von elektronischen Geräten im Home Office während der Ausgangssperre nicht gut für die Augen ist. Man soll nicht stundenlang im gleichen Abstand auf den Bildschirm starren, sondern immer mal wieder aus dem Fenster sehen.

Am 28. Februar waren eine Italienerin und ein Brite von Teneriffa aus mit ihrem Segelboot zu einer Atlantiküberquerung aufgebrochen. Bis zu ihrer Ankunft am 25. März auf der Karibikinsel Becquia hatten sie keinerlei Funkkontakt und waren schockiert, als sie von dem Corona-Ausbruch in Europa hörten. Auf Becquia gibt es keinen einzigen Infizierten.

Die 106 Jahre alte Ana del Valle ist von ihrer Corona-Infektion genesen. Sie gehörte zu den 60 Insassen eines Altersheims im andalusischen Alcalá del Valle, das wegen der Masseninfektion geschlossen werden musste. Die Heimbewohner waren in ein leer stehendes Heim im 100 km entfernten La Línea de la Concepción umquartiert worden, wo sich die alte Dame wieder erholt hat.


Update: Stand 23. April 2020 – 9 Uhr

Am 23. April vermeldet Spanien 208.389 festgestellte Corona Infektionen, darunter 21.717 Tote. Sowohl die Anzahl der Neuinfektionen als auch die Anzahl der Verstorbenen sind im Vergleich zum Vortag wieder leicht gestiegen. Das macht es für die Regierung nicht einfacher, die strengen Beschränkungen zu lockern. Andalusiens Präsident Juanma Moreno hat bereits bei der Regierung in Madrid angemahnt, dass Andalusien unter den ersten Regionen sein müsse, für welche die Corona Restriktionen gelockert werden.

Diskussionen um Lockerungen

Irene Montero, die Ministerin für Gleichstellung, ist von ihrer COVID-19 Krankheit genesen, befindet sich aber noch im Home Office. Die 32-jährige Montero ist mit Pablo Iglesias liiert, dem Parteiführer von Podemos und stellvertretenden Ministerpräsidenten.

Spanien sucht den verantwortbaren Ausstieg aus dem Lockdown. Freiheiten, die in Deutschland während der Ausgangsbeschränkungen nie in Frage standen, müssen in Spanien mühsam erkämpft werden. Neben Indien, Peru, Argentinien, Malaysia, den Philippinen und Bangladesh ist Spanien das einzige Land welches jede sportliche Betätigung im Freien verbietet.

In Kürze möchte Pedro Sánchez verkünden, dass ab dem 27. April Kinder unter 15 Jahren täglich eine Stunde nach draußen gehen dürfen, sogar ohne Begleitung durch Erwachsene. Ab dem 15. Mai sollen zudem einzelne Erwachsene draußen zum Joggen oder Fahrradfahren gehen dürfen. Unklar ist noch, ob dabei eine Maske getragen werden muss und ob die Aktivität im Freien zeitlich oder räumlich begrenzt wird. Andere Sportarten bleiben verboten.

Sollen also 15 bis 17-jährige und Bewohner von Altenheimen weiter weggesperrt bleiben? In Andalusien soll für alle über 65-jährigen dieses Jahr eine Impfung gegen die gewöhnliche Grippe obligatorisch gemacht werden.

Die Einreiseverbote für Personen aus nicht EU Ländern werden bis 15. Mai verlängert. Ausgenommen sind Gibraltar und Andorra. Für die Zeit, in der Tourismus wieder möglich werden könnte, denkt die Regierung über die Einführung eines EU weiten elektronischen Immunologie-Passes nach. Der Pass soll ausweisen, ob jemand positiv oder negativ auf das Coronavirus getestet wurde. Es würden dann nur Touristen ins Land gelassen, die negativ getestet wurden.

Erneut mangelhafte Schutzmasken geliefert

Insgesamt haben sich in Spanien bereits 31.000 medizinische Fachkräfte infiziert und 34 sind an Corona verstorben. 1.100 medizinische Fachkräfte mussten jetzt in Quarantäne geschickt werden, weil sich 350.000 von der Zentralregierung an die autonomen Regionen verteilte Schutzmasken als ungeeignet erwiesen. Nach einer Analyse des Instituts für Arbeitssicherheit und Hygiene, verfehlten viele Filter in den Masken der Firma Garry Galaxy Brand die EU Vorgaben deutlich. Es stellte sich heraus, dass nicht nur FFP2 Masken, sondern auch einfache Masken geliefert worden waren.

Es ist nach der Lieferung von 640.000 fehlerhaften Testkits aus China der zweite Fall einer Fehllieferung, für welche sich die Regierung Sánchez rechtfertigen muss. Aus Rumänien und Bulgarien werden zunehmend minderwertige Masken und Testequipment geliefert. Die spanische Regierung macht jetzt ein Geheimnis daraus, woher sie medizinisches Equipment bezieht, um Betrügern keine Anhaltspunkte zu liefern. Allerdings ist die Geheimhaltung nur beschränkt nützlich, da 80% der Lieferungen aus China kommen.

Drogen- und Cyberkriminalität

In Casarabonela machte die Guardia Civil eine Einbrecherbande dingfest, die in Wohnungen einbrachen, die wegen der Corona-Bestimmungen verlassen dastehen. Während der Ausgangssperre müssen sich auch die Drogenkuriere neue Tricks einfallen lassen. Bei Überprüfungen von Autos wegen Verletzung der Ausgangsbeschränkungen wurden Drogen gefunden in Hohlräumen in Büchern, zwischen Lasagne-Teigblättern, in Werkzeugkästen, deklariert als Kakao-Pulver oder dem Zeitgeist entsprechend im Inneren einer Schutzmaske, mit der der Täter Mund und Nase bedeckt hatte. Über die Smartphon App Glovo kann man die Drogen online bestellen.

Während der Coronakrise hat sich die Cyber-Kriminalität um 70% erhöht. Gekaperte Webseiten bieten Krankenhäusern medizinisches Equipment an und sperren den Rechner der medizinischen Einrichtung so lange durch eine Ransomware-Attacke, bis ein Lösegeld bezahlt wird. Von 415.973 Webseiten, welche die Nationalpolizei seit dem Beginn der Corona-Krise analysiert hat, erwiesen sich 120.353 als suspekt, 45.773 Domains wurden abgeschaltet. Auf den Kanarischen Inseln erhielten Privatpersonen E-Mails – angeblich von der spanischen Post Correos – in denen die Adressaten aufgefordert wurden, 1,40 Euro zu bezahlen, damit ihr Paket vor der Auslieferung desinfiziert werden kann. Andernfalls könne das Paket nicht zugestellt werden. Europol hilft bei der Eindämmung der Cyberkriminalität mit.

Die spanischen Behörden belegen jetzt Personen aus Gibraltar mit hohen Geldstrafen, die ihren Hauptwohnsitz in Spanien haben, ihr Auto aber in Gibraltar angemeldet haben. Die Bußgelder schwanken zwischen 42 Euro und 17.800 Euro. Die Autos werden von der Polizei eingezogen und erst wieder herausgegeben, wenn sie ein spanisches Nummernschild haben. Die Regel, dass das Auto am Hauptwohnsitz angemeldet sein muss, gibt es schon lange, wurde aber bisher lasch gehandhabt. Daher sieht auch die Regierung von Gibraltar keine Möglichkeit, ihren Staatsbürgern beizustehen. Seit der Corona-Epidemie interessiert sich die spanische Polizei stärker dafür, wo die Autobesitzer tatsächlich wohnen.

Eigentlich sollte man meinen, dass während der Corona-Pandemie Lebensmittelgroßmärkte gerade das Geschäft ihres Lebens machen. Die Supermarktkette Mercadona berichtet jedoch einen Einbruch des Gewinns im 2.Quartal um 95%, obwohl der Umsatz um 14% gestiegen ist. Mercadona begründet den Gewinneinbruch mit gestiegenen Kosten für die Einführung von Hygienemaßnahmen und durch Boni für die Mitarbeiter und Zusatzkosten für neues Personal. Wenig plausibel erscheint, wenn einerseits beklagt wird, der Umsatzzuwachs betreffe hauptsächlich Produkte mit geringer Gewinnspanne, wie z.B. Desinfektionsmittel, während andererseits die Kostensteigerungen mit Ausgaben von 15 Millionen Euro für Desinfektionsmittel begründet werden. Außerdem wurde beobachtet, dass die Preise in den Mercadona Supermärkten in den letzten Wochen angestiegen sind. Insbesondere Fleisch und Luxusartikel wurden teurer.

Da sich kaum noch Menschen auf den Straßen bewegen, wurden in einigen andalusischen Ortschaften nahe Sevilla Bergziegen gesichtet. In Morón de la Frontera wagte sich sogar ein Luchs in die Stadt.

Zu allem Überfluss gab es am 19. April im Meer vor Fuengirola ein Seebeben der Stärke 3,6, das keine Schäden verursachte, aber deutlich spürbar war.


Update: Stand 19. April 2020 – 11 Uhr

Die registrierten Neuinfektionen in Spanien sind mit 4.499 erstmals innerhalb einer Woche unter die Marke von 5.000 gesunken. Insgesamt sind bisher 191.726 Infizierte bekannt, von denen 20.043 an COVID-19 verstorben sind.

Die stellvertretende Ministerpräsidentin Carmen Calvo, die sich am 25. März angesteckt hatte, ist an ihrer Arbeitsplatz in der Regierung zurückgekehrt. Am selben Tag erklärte die Ministerin für innere Sicherheit Carolina Darias, dass sie von einer Corona-Infektion genesen ist. Sollte Ministerpräsident Sánchez durch eine Corona-Infektion ausfallen, würde er von Frau Calvo vertreten. Solange diese krank war, wäre der Vertreter Pablo Iglesias gewesen, der Parteichef von Podemos.

Durch ein königliches Dekret ist es jetzt möglich, dass Hausbesitzer die monatlichen Zahlungen für ihre Hypothek für 3 bis 6 Monate aussetzen können. Anschließend müssen die gestundeten Raten allerdings schrittweise zurückgezahlt werden. Die Stundung kann bis zum 3. Mai beantragt werden und gilt nur für Personen mit dauerhaftem Erstwohnsitz in Spanien. Das Haushaltseinkommen darf 1.600 Euro pro Monat nicht übersteigen und mindestens 1/3 des monatlichen Einkommens müssen feste Ausgaben wie Hypotheken, Strom, Wasser usw. sein. Insgesamt ist der Immobilienmarkt fast zum Stillstand gekommen. Notverkäufe sind aber weiterhin möglich. Darlehensgeber verlangen jetzt von den Käufern einer Immobilie die Zusicherung, dass für sie kein Kurzarbeitergeld beantragt wurde.

Verlängerung des Ausnahmezustands?

Ministerpräsident Sánchez möchte den Ausnahmezustand bis zum 9. Mai verlängern, stellt aber in Aussicht, dass Kinder unter 12 Jahren ab dem 27. April wieder zur Schule gehen sollen. Wie dabei die Hygieneregeln eingehalten werden sollen, ließ er offen.

Die Bevölkerung ist von der Verlängerung des Ausnahmezustands immer mehr genervt. Ada Calau, die Bürgermeisterin von Barcelona, fordert, dass Kinder nach draußen gehen dürfen, weil man ihnen nicht länger zumuten dürfe, still in der Wohnung zu hocken. Auch der Kinderschutzbund fordert, dass Kinder wenigstens eine Stunde pro Tag an die frische Luft gehen sollen. In Katalonien soll es Kindern, die älter als 6 Jahre sind, ab dem 29. April erlaubt werden, nach draußen zu gehen. Die Zentralregierung in Madrid widerspricht und sagt, diese Entscheidung stehe nur ihr zu.

Die Regelungen des Ausnahmezustands führen zu seltsamen Situationen:

Vidal Martínez lebt ganz alleine zusammen mit seinem Hund Pinta und vier Eseln in dem verlassenen Weiler Fuentes de Agreda in der Provinz Soria. Der 90-jährige spaziert mit seinen Tieren durch den verlassenen Weiler und seine Obstgärten, was während des Ausnahmezustands eigentlich verboten ist. Beamte der Guardia Civil versorgen ihn dennoch mit dem Nötigsten. Er kann ja in seiner Einöde niemanden anstecken oder angesteckt werden. Da seine Waschmaschine kaputt gegangen ist, muss Martínez jetzt allerdings mal in das nahe gelegene Dorf um seine Wäsche zu waschen.

Ein britisches Ehepaar wurde in Rota von der Polizei mit zwei mal 601 Euro verwarnt, weil es mit seinen beiden Hunden 350 m von seiner Wohnung entfernt Gassi gegangen war. Eigentlich wäre eine Verwarnung nur deshalb angebracht gewesen, weil sie zu zweit unterwegs waren. Dass jeder von ihnen einen Hund an der Leine hatte, war hingegen nicht zu beanstanden. In Spanien gibt es während der Ausgangssperre keine einheitlich festgelegte Regel, wie weit man sich mit seinem Hund von der Wohnung entfernen darf. Die Stadt Rota toleriert nur 50 Meter, die Zeitungen hatten sich in ihrer Berichterstattung auf 1 Kilometer geeinigt. Die Stadt Madrid erlaubt 15 Minuten Gassi gehen ohne Entfernungsangabe. Das Innenministerium fühlte sich zudem bemüßigt, darauf hinzuweisen, dass das Ausleihen eines Hundes ein Verstoß gegen den Ausnahmezustand sei, wenn die Leihe nur erfolgt, damit ein Mensch ins Freie gehen kann. Entsprechende Angebote waren in den Anzeigenspalten einiger Zeitungen aufgetaucht.

Die WHO hat jetzt sechs Empfehlungen herausgegeben, die erfüllt sein sollten, damit Spanien seine strengen Kontaktbestimmungen lockern kann:

  • Die Ansteckungsgefahr muss auf ein beherrschbares Minimum reduziert werden.
  • Es muss so viel getestet werden, dass Infektionsherde schnell entdeckt und isoliert werden können.
  • Das medizinische Personal muss vor Ansteckung geschützt sein. In Spanien sind derzeit 15% des medizinischen Personals an COVID-19 erkrankt.
  • In Fabriken, Schulen, Läden und öffentlichen Verkehrsmitteln müssen hygienische Mindeststandards eingehalten werden.
  • Das Einschleppen neuer Fälle aus dem Ausland muss minimiert werden. Die Fälle müssen sofort entdeckt und isoliert werden.
  • Die Bevölkerung muss in alle Maßnahmen eingebunden und über sie informiert werden.

30% aller Anträge auf Kurzarbeitergeld ERTE betreffen in Andalusien den Gastronomiesektor. Die Gastronomie wird sich im Jahr 2020 nicht mehr erholen, denn das Ostergeschäft ist bereits ausgefallen und bis zum Herbst werden auch kaum Touristen kommen. Auch können Restaurants und Bars die Hygienevorschriften nur schlecht einhalten.

Die spanische Arbeitsministerin Yolanda Diaz veröffentlichte jetzt einen Zweistufen Plan für eine Aufhebung des Ausnahmezustands. Demnach sollen im Juni zunächst große Firmen und Fabriken öffnen. Bis Ende des Jahres müssen warten: der Tourismus, Freizeiteinrichtungen, die Kultur, Fluggesellschaften, Kreuzfahrtschiffe. Diese Aktivitäten müssen zudem mit der EU abgestimmt werden.

An 72 Patienten soll in andalusischen Krankenhäusern erstmals getestet werden, ob eine Heilung durch die Injektion von Blutplasma möglich ist, das Antikörper gegen COVID-19 von Spendern erhält, die bereits von einer Infektion gesundet sind. Behandelt werden Patienten, die sich in einer frühen Phase der Krankheit befinden, so dass eine Notfall-Beatmung vermieden werden kann.

Mehrere Hundert spanische Soldaten der Militäreinsätze in Mali, Irak und Afghanistan wurden wegen Corona-Infizierungen nach Spanien zurück geflogen. Seit dem 31. März wurden 5.878 von 80.090 Angehörigen der Guardia Civil getestet. Von den Getesteten waren 25% infiziert. Im Rahmen der EU-Rückholaktion für im Urlaub während der CoronaKrise gestrandete Urlauber warten noch 2.000 spanische Touristen auf ihre Heimreise. Sie sitzen hauptsächlich fest in Argentinien, Australien, Equatorial-Guinea, Peru und auf den Philippinen.

Spanische Toxikologen warnen davor, sich selbst Desinfektionsmittel zusammenzumixen. Telefonanrufe bei der toxikologischen Notfallnummer 91 562 04 20 sind seit Ausbruch der Corona-Epidemie deutlich angestiegen und betreffen vor allem den Umgang mit Bleichmitteln und deren Vermischung mit Ammoniak, Essig, Alkohol oder Haushaltsreinigern, wobei giftige Dämpfe entstehen können. Dies kann zu Haut- und Augenreizungen, Atem- und Schluckbeschwerden oder sogar zum Kollaps führen.

Betrüger und Hacker

Der weltweite Mangel an Masken ruft internationale Betrügerbanden auf den Plan. Die deutsche Bundesregierung wollte Masken für 15 Millionen Euro kaufen. Sie hatte es zuerst auf einer spanischen Webseite versucht, die sich später als betrügerisch erwies, da die wahre Adresse gegen eine Adresse einer Firma ausgetauscht war, die honorig erschien. Die Webseite bot an, 10 Millionen Masken zu vermitteln, die über einen »vertrauenswürdigen« Händler in Irland geliefert werden sollten. Dieser Händler verwies auf einen Lieferanten in den Niederlanden. Über den Iren wurde eine Vorablieferung von 1,5 Millionen Masken gegen eine Vorauszahlung von 1,5 Millionen Euro vereinbart. Einen Tag vor dem Liefertermin wurde die Bundesregierung informiert, dass die Vorauszahlung noch nicht eingegangen sei und deshalb eine Sofortzahlung von 880.000 Euro nötig werde um den Niederländer bei der Stange zu halten. Die Sofortzahlung wurde geleistet, aber es wurden keine Masken geliefert. Es stellte sich heraus, dass die niederländische Firma zwar existierte, aber dass ihre Webseite ebenfalls gekapert worden war. Mit Hilfe von Interpol gelang es, die in Irland auf einem Konto lagernden bereits gezahlten 1,5 Millionen Euro sicherzustellen. Niederländische Behörden konnten den Weg der 880.000 Euro nach verfolgen. 500.000 Euro davon waren bereits nach Großbritannien transferiert worden, von wo sie auf ein Konto in Nigeria überwiesen werden sollten. Die Überweisung konnte gestoppt werden. Zwei Personen wurden verhaftet. Nach möglichen Mittätern wird in ganz Europa gefahndet.

In Madrid wurde ein 16-jähriger Hacker verhaftet, der medizinische Daten gehackt und die Daten eines mit Corona-Infizierten prominenten Politikers ins Netz gestellt hatte. Weitere medizinische Daten stellte er auf Twitter und Instagram, um damit zu prahlen. 2019 hatte er bereits eine Video-Streaming-Plattform, sowie die Webseiten einer Hamburger-Kette und eines Fahrrad-Verleihs gehackt.

In Gibraltar wurden jetzt 6 Corona-Infektionen am Kinderkrankenhaus bestätigt. Aktuell gibt es in Gibraltar nur noch 12 aktive bestätigte Infektionen und keinen Toten. Am Nightingale Krankenhaus sind 22 Notfallbetten einsatzbereit. Über 1.200 Firmen haben Überbrückungsgelder von je 1.155 Pfund für mehr als 5.700 Angestellte beantragt. 1,5 Millionen Pfund wurden durch Spenden eingenommen. Schulen und die Universität werden voraussichtlich erst im September wieder öffnen.


Update: Stand 16. April 2020 – 9 Uhr

Bis heute sind in Spanien 177.363 Infizierte registriert. In Andalusien sind es 10.595. Erstmals gab es in der Provinz Málaga keinen COVID-19 Toten, nur ein Patient musste als Notfall neu aufgenommen werden, während Francisco de la Torre Prados, der Bürgermeister von Málaga, noch immer seine COVID-19 Krankheit auskuriert.
Die Ansteckungsgefahr geht weiterhin zurück, nur 2.400 Spanier haben sich innerhalb eines Tages neu angesteckt und 571 sind verstorben. Eine leichte Lockerung der Kontaktsperren scheint daher erstmals möglich.

Beschäftigte in Unternehmen, die nicht dem breiten Publikum zugänglich sind und die nicht bereits zu den lebensnotwendigen Firmen gehören, dürfen seit dem 13. April wieder zur Arbeit gehen. Das betrifft vor allem Industriebetriebe, Anwaltskanzleien, Hausangestellte und Baustellen.

Bars, Restaurants, Hotels, Freizeiteinrichtungen, kulturelle Einrichtungen, Sportzentren sowie Läden, die nicht dem lebensnotwendigen Bedarf dienen, bleiben weiterhin geschlossen, ebenso die Schulen und Heime.

Auf der Straße und in öffentlichen Verkehrsmitteln sollen Masken getragen und 2 Meter Abstand zu anderen Personen eingehalten werden. Man soll häufig die Hände waschen und Gegenstände desinfizieren, die man außer Haus benutzt hat wie z.B. Brillen und Handys. Das alles ist allerdings nicht verpflichtend, sondern nur eine Empfehlung.

Auf Mallorca wurde ein Ehepaar verhaftet, das neben einem Kleinkind größere Mengen Rauschgift in seinem Auto mit sich führte. Das vorbestrafte Paar versuchte sich damit herauszureden, es würde Krankenhäuser beliefern.

Am schwersten tut sich die Bevölkerung offensichtlich mit dem Verbot, sich auf dem Strand zu bewegen oder weiter als 1 km von der Wohnung entfernt spazieren oder mit dem Hund Gassi zu gehen. 650.000 Verwarnungen sind deshalb schon ausgesprochen worden, über 1.962 Regelverweigerer mussten ins Gefängnis. Filmreif landete gestern auf einem Strand bei Valencia ein Polizeihubschrauber und verhaftete einen einzelnen Spaziergänger. Auf Mallorca musste eine auf einer Bergwanderung verunglückte Frau in einer stundenlangen nächtlichen Aktion von Rettungskräften geborgen werden. Die Frau war schon zweimal wegen Verstoßes gegen die Ausgangsbeschränkungen verwarnt worden.

Da die spanischen Gerichte wegen des Lockdowns geschlossen sind, hat sich der spanische Anwalt José Ortega beim Unterausschuss für Menschenrechte des EU Parlaments über die übermäßig harten Einschnitte in die Freiheitsrechte der Spanier beschwert. Seiner Eingabe werden wenig Erfolgsaussichten eingeräumt, da er sie nicht beim Petitionsausschuss des EU Parlaments eingereicht hat.

87% der Spanier befürworten, dass die Opposition die Regierung bei der Bekämpfung der Epidemie unterstützen soll. 47% sind mit den Maßnahmen der Regierung zufrieden, 48% hingegen nicht. 54% bemängeln die Informationspolitik. Allerdings trauen mehr Bürger dem Regierungschef Pedro Sánchez vom PSOE die Bewältigung der Krise zu als dem Oppositionsführer Pablo Casado vom PP.

Die Regionalregierungen wurden jetzt verpflichtet, leer stehende Wohnungen zu requirieren, falls keine anderen Unterkünfte für Obdachlose oder für Opfer häuslicher Gewalt zur Verfügung stehen. Der Eigentümer erhält dann vom Staat eine monatliche Rente zwischen 600 und 900 Euro.

Die Lage der Landwirtschaft ist inzwischen dramatisch, da 75.000 ausländische Erntehelfer fehlen, vor allem aus Osteuropa und Nordafrika, Bisher haben sich nur 12.000 Migranten und andere fachfremde Personen als Erntehelfer beworben. Die Hälfte der Bewerbungen scheitert wegen mangelnder fachlichen Eignung oder unvollständigen Papieren. Supermärkte befürchten bereits Engpässe in der Versorgung mit Lebensmitteln.

Das wäre evtl. gar nicht so schlimm, denn aufgrund des Bewegungsmangels und der Langeweile zuhause wird prophezeit, dass jeder Spanier während der Ausgangsbeschränkungen um 3 bis 5 Kilo zunehmen wird. Der Konsum von Schokolade, Snacks und Alkoholika ist bereits um jeweils 60% gestiegen. Wer täglich nur 200 Kalorien (das entspricht 2 Schokokeksen) mehr zu sich nimmt als üblich, hat bereits nach einem Monat 1 kg mehr auf den Rippen. Derzeit leiden 17% der Erwachsenen und 10% der Kinder an deutlichem Übergewicht. Für das Jahr 2030 wird prognostiziert, dass es bereits 80% aller Männer und 55% aller Frauen treffen könnte.

Die spanische Regierung hat Preiskontrollen für die Durchführung von Corona-Tests in privaten Krankenhäusern angeordnet. Dort werden für einen Test teilweise 140 Euro verlangt. Ein Test kostet jedoch nur 8 Euro, so dass die Regierung einen Preis von 30 Euro für den Patienten für angemessen hält.

In Gibraltar dürfen alte Menschen über 70 Jahre weitere 30 Tage ihre Wohnungen nicht verlassen. Für alle anderen wird das Ende der Ausgangssperre für nächste Woche in Aussicht gestellt.

Du fragst dich vielleicht, wo die vielen Millionen medizinischer Masken eigentlich verbleiben, nachdem sie nach einmaliger Benutzung weggeworfen werden. Diese Frage hat sich die asturische Firma Therman auch gestellt. In ihren Fabriken in Córdoba und Huelva bietet Therman jetzt an, gebrauchte Masken zu desinfizieren und aufzuarbeiten, so dass sie ein zweites Mal in Krankenhäusern verwendet werden können. Die Firma gibt eine 100 Prozent Garantie, dass die aufgearbeiteten Masken voll einsatzfähig sind und die gleiche Qualität und Sterilität wie neue Masken besitzen. Ende der Woche sollen bereits die ersten aufgearbeiteten Masken an Krankenhäuser ausgeliefert werden. Die Produktion soll auf täglich eine Million Masken hochgefahren werden. Damit wäre Spanien von Lieferungen aus dem Ausland unabhängiger und der Umwelt tut es auch gut.


Update: Stand 11. April 2020 – 11 Uhr

In Spanien gibt es bis heute 158.273 Infizierte, von denen 55.668 bereits genesen sind. Ob das eine gute Nachricht ist, muss man abwarten, nachdem Südkorea 91 Fälle von Genesenen meldet, die sich eventuell erneut angesteckt haben. Laut Joeng Eun-kyeong, dem Direktor des Koreanischen Zentrums für Krankheitsbekämpfung KCDC, handelt es sich dabei aber wahrscheinlich eher um eine Reaktivierung des Virus und keine Neuinfektionen.

16.081 Spanier sind bis heute an COVID-19 verstorben. In Großbritannien sterben jetzt allerdings täglich mehr Menschen an COVID-19 als in Spanien. Von den 4.750 Toten in den 710 Madrider Altenheimen können 4.260 dem Coronavirus zugeordnet werden. Madrid ist in Spanien immer noch mit weitem Abstand die am heftigsten betroffene Region mit 42.450 Infizierten, darunter 1.450 auf der Intensivstation. 5.586 sind an COVID-19 verstorben.

An zweiter Stelle steht Katalonien mit 29.647 bestätigten Infektionen und 3.041 Toten. Castilla-La Mancha zählt 11.788 Fälle, darunter 354 auf der Intensivstation sowie 1.255 Verstorbene. An fünfter Stelle liegt Andalusien mit 8.997 Infizierten, darunter 520 auf der Intensivstation. 605 Andalusier sind verstorben, darunter 77 in den letzten 24 Stunden. 30 % der Todesfälle passieren in Altenheimen.

Statistiken zum Coronavirus

Das Carlos III Gesundheits-Institut (ISCIII) hat ermittelt, dass in Spanien zwischen dem 17. März und dem 7. April 13.954 mehr Menschen gestorben sind, als normalerweise zu erwarten gewesen wäre. Der Anstieg verteilt sich sehr unterschiedlich auf die Regionen. In Madrid waren es 49,9% mehr als sonst, in Castilla-La Mancha 63,8 %. Hierzu meint die Polytechnische Universität Kataloniens, der Zuwachs an Toten durch Corona müsse noch höher sein, da man von der normalen Sterblichkeit die Toten abziehen müsse, die wegen der Ausgangssperre im Straßenverkehr vermieden wurden. Außerdem sei wegen der Kontaktsperre mit weniger Toten durch die normale Grippe zu rechnen. Das würde die Differenz zwischen den 16.081 gemeldeten Corona Toten und der vom ISCIII rechnerisch ermittelten Anzahl von 13.954 Toten erklären.

Die Polytechnische Universität Kataloniens schätzt, dass zwischen 1,9 und 2,8 Millionen Spanier bereits eine Immunität gegen das Coronavirus erworben haben, da die meisten Infektionen unbemerkt verlaufen. Diese Zahl wurde wie folgt ermittelt: Südkorea ist das Land, dessen Zahlen am korrektesten sein dürften. Dort lag die Sterblichkeitsrate bei 1 Prozent. Ein Mensch benötigt im Schnitt 18 Tage um an Corona zu versterben. Am 11. April gab es in Spanien 605 neue Corona-Tote. Das bedeutet, dass sich am 24. März 60.500 Spanier neu angesteckt haben müssen. Jedoch waren am 24 März nur 4.517 Neuinfektionen gemeldet worden. Das sind nur 7% der Personen, die sich an diesem Tag tatsächlich neu infiziert haben.

Wie lange dauert der Ausnahmezustand noch?

Obwohl sich die Kurve der Zunahme der Infektionen allmählich abflacht, möchte Ministerpräsident Pedro Sánchez den Ausnahmezustand über den 26. April hinaus um weitere zwei Wochen verlängern. Dagegen läuft die ultrarechte Parei VOX Sturm. Santiago Abascal, der Parteichef von VOX, beschuldigte Sánchez, der weltweit schlechteste Krisenmanager zu sein. Hingegen lobte der kanadische Arzt Bruce Aylward im Namen der WHO ausdrücklich die Maßnahmen der spanischen Regierung.

Mit der Disziplin ist es immer noch nicht gut bestellt. Die Polizei hat wieder viele Personen angehalten, die mit dem Auto zu ihren Ferienhäusern an der Küste fuhren. Alleine auf dem Weg nach Alicante wurden 2.000 Autos angehalten. In Elche wurde ein Mann festgenommen, der bereits 32 Mal wegen Verstößen gegen den Ausnahmezustand verwarnt worden war.

Im Madrider Krankenhaus Puerta de Hierro wird bereits an 300 Patienten aus dem ganzen Land getestet, ob sich die COVID-19 Krankheit heilen lässt, wenn man den Patienten Blut mit Antikörpern spritzt, das von bereits Genesenen stammt. An der Nuestra Señora del Rosario Polyklinik auf Ibiza scheint sich eine Ozon-Therapie als Erfolg versprechend zu erweisen.

Peris Costumes ist eine spanische Firma, die Filme und Fernsehproduktionen mit den nötigen Requisiten ausstattet. Sie hat jetzt Kleidungsstücke, die für einen Film über die Atomkatastrophe in Tschernobyl angefertigt worden waren, an spanische Krankenhäuser gespendet. Es handelt sich um Gasmasken und gummierte Regenmäntel.

Ab dem 13. April können Ausländer an dem privaten Cenyt Krankenhaus in Estepona einen Corona-Schnelltest machen lassen. Der Test kostet 45 Euro und liefert nach 15 Minuten ein Ergebnis. Das Krankenhaus hat zu diesem Zweck 10.000 BIOSYNEX COVID-19 BSS Tests aus der Schweiz erworben. Unter der Telefonnummer 952 808 100 kann man einen Termin für den Test reservieren.

Luis Callejon Sune, der Präsident der Vereinigung der Hotelbesitzer an der Costa del Sol (Aehcos) befürchtet, dass nach der Corona-Krise 25 % der Hotels nicht wieder eröffnen werden. Denn frühestens Mitte Juni dürften die ersten ausländische Touristen wieder an die Costa del Sol kommen. Insbesondere das ausgefallene Ostergeschäft kann nicht mehr kompensiert werden.

Gibraltar hat bisher über eine Million Pfund an Not leidende Geschäfte ausgezahlt. Wer bei der Antragstellung betrügt, muss damit rechnen, den dreifachen Betrag zurückzahlen zu müssen. Der Inselstaat ist jetzt in der Lage, stündlich drei Tanks mit selbst hergestelltem Sauerstoff zu befüllen.

In Algeciras wurde eine Whatsapp Gruppe zerschlagen, die öffentlichen Aufruhr und Anschläge auf Polizisten geplant hatte. Bisher sind in Spanien drei Fälle bekannt, in denen Frauen mit dem Ruf »mascarilla 19« in einer Apotheke wegen häuslicher Gewalt um Hilfe gebeten haben. In solchen Fällen ruft dann ein Mitarbeiter der Apotheke die Polizei zur Unterstützung herbei. Die Telefonnummer (+34 900 200 999) der Frauen-Hilfegruppe IAM kann zudem rund um die Uhr von Opfern häuslicher Gewalt kontaktiert werden.

Griechenland hat als Geste der Solidarität für drei Tage die spanische Flagge auf dem Parlament in Athen gehisst. Das Parlamentsgebäude wird in den spanischen Landesfarben angestrahlt. Vorher hatte die griechische Regierung mit einer ähnlichen Geste ihre Solidarität mit Italien beschworen.


Update: Stand 8. April 2020 – 8 Uhr

In Spanien zählt man heute 142.000 bestätigte Infizierungen und 14.000 Tote. Der Anstieg geht allerdings leicht zurück. In 14 Tagen könnte Spanien von seiner Position als Land mit den meisten infizierten und Toten in Europa von Großbritannien abgelöst werden.

Der derzeitige Ausnahmezustand wurde vom 12. April bis zum 26. April verlängert. Darauf hatten sich bereits vor der Abstimmung im Parlament die Parteiführer Sánchez (PSOE), Casado (PP) und Iglesias (Podemos) verständigt.

Seit dem 14. März haben sich bereits 300.000 Spanier arbeitslos gemeldet, darunter über 200.000 aus dem Tourismus-Sektor. Die Gesamtzahl der Arbeitslosen stieg auf 3,54 Millionen. Dazu kommen noch die Menschen, die jetzt Kurzarbeitergeld ERTE beziehen.

Der internationale Kampf um medizinische Ausrüstung geht unvermindert weiter. Die Türkei hatte einige Hundert Beatmungsgeräte konfisziert, die im Auftrag einer spanischen Firma in der Türkei aus chinesischen Materialien hergestellt worden waren. Die Lieferung war bereits vom spanischen Gesundheitsministerium und von den Regionalregierungen von Castilla-La Mancha und Navarra bezahlt worden. Nach Intervention der spanischen Außenministerin Arancha González Laya wurde die Lieferung nun doch von der Türkei frei gegeben.

In Gibraltar gibt es jetzt mehr Genesene als aktiv Infizierte. Noch niemand ist dort an COVID-19 verstorben. 1.345 Personen sind getestet worden. Man darf auch weiterhin am Strand spazieren gehen, im Meer schwimmen oder surfen, solange die Mindestabstände eingehalten werden. In Spanien hingegen wären das verbotene ‚nicht notwendige’ Aktivitäten.

Das Bergdorf Zahara de la Sierra, das malerisch über dem Stausee von Zahara thront, war bisher der einzige Corona-freie Ort in Andalusien. Bürgermeister Santiago Galvan hatte rechtzeitig alle Zufahrten abgeriegelt. Nun wurde auch dort der erste Corona-Fall bekannt. Jedes Auto, das hineingelassen wird, wird vorher mit Hilfe einer Spritze desinfiziert, die sonst zur Reinigung von Oliven dient. Zweimal in der Woche werden alle Straßen des Ortes desinfiziert. Zwei Frauen werden dafür bezahlt, Lebensmittel einzukaufen und zu den Bürgern ans Haus zu bringen, insbesondere zu den 25% der 1.800 Einwohner, die älter als 65 Jahre sind.

Wer sich aus spanischen Medien informiert, ist vielleicht mit dem Spezialvokabular einer Virus-Epidemie nicht vertraut. Ein super portador (super spreader) gehört in die cuarentena (Quarantäne). Um andere nicht anzustecken, sollte er eine mascarilla (Maske) und guantes (Handschuhe) tragen. Vermutlich leidet er an tos seca (trockenem Husten) und fiebre (Fieber). Wer sich schnäuzen musste (estornudar) sollte danach seine Hände mit gel desinfectante besprühen oder mit jábon (Seife) waschen. Wer außerhalb seiner Wohnung von der Polizei angetroffen wird, muss einen triftigen Grund nennen: »Voy al supermercado, voy a la farmacia oder voy a la oficina« wären passende Antworten. Vielleicht lässt die Polizei auch durchgehen: »Venimos al parque porque aquí hay wifi« (Wir gehen zu einem Park, weil es dort Internet gibt).

Es gibt jetzt eine offizielle Empfehlung der Vereinigung der Verwalter von Fincas in Málaga und Melilla, wie infizierte Menschen ihren Müll entsorgen sollen. Sie nennen es die »Methode der drei Behältnisse«: Man soll die Abfälle der infizierten Person zuerst in einen Eimer mit Deckel legen. Diesen Behälter legt man zusammen mit den Abfällen der Pflegeperson, z.B. Handschuhe, in einen zweiten Behälter am Eingang der Wohnung. Dieses zweite Behältnis packt man in ein drittes, welches demjenigen entspricht, mit dem man in der jeweiligen Urbanisation den normalen Abfall in den grauen Müllcontainer entsorgt. Danach soll man sich innerhalb von 40 bis 60 Sekunden die Hände waschen. Für alle Personen gilt: Man soll alle Flächen desinfizieren, die man bei der Entsorgung des Mülls angefasst hat. Die Latexhandschuhe kommen nicht in den gelben Container, sondern in den grauen.

Corona Spanien
Tipps zur Corona-Prävention in Spanien ( Colegio de Administradores de Fincas de Málaga y Melilla )

Die Briten sind ja bekannt für waghalsige Abenteuer. Der 66-jährige britische Geschäftsmann, Mark Radberg, der als Resident mit britischem Pass in Spanien lebt, hat es geschafft, mit seinem Citroën C5 die 3.000 km zwischen Fuengirola und London hin und zurück zu einem wichtigen Geschäftstermin zu bewältigen. Dabei musste er zwei Mal die geschlossenen Grenzen zwischen Spanien, Frankreich und Großbritannien überwinden und hatte Glück, dass er unterwegs ein Hotel fand, das noch nicht geschlossen hatte und den Zugang zum Zimmer mit einer automatischen Keycard ermöglichte, ohne dass jemand vom Personal vorbei kommen musste. Coffee to go war nur schwer zu bekommen. Ungewohnt waren für den Briten an französischen Tankstellen die öffentlichen Toiletten ohne Klobrille.


Update: Stand 4. April 2020 – 11 Uhr

Am 4. April gibt es gleich zwei traurige Rekorde zu vermelden: Die Zahl der mit Covid-19-Infizierten hat weltweit die Marke von 1 Million überschritten. Und Spanien hat Italien in Europa als Spitzenreiter abgelöst mit nunmehr 120.000 Corona-Fällen und 12.000 Verstorbenen. Die gute Nachricht ist: Die Anzahl der Neuinfektionen mit 7.472 und die Zahl der von der Infektion Genesenen mit 3.500 pro Tag nähert sich allmählich an.

In der Provinz Málaga stieg die Zahl der Infizierten auf 1.644 und die Zahl der Toten auf 93. 917 Corona Patienten liegen in Krankenhäusern, davon 74 auf der Intensivstation. In ganz Andalusien gibt es 6.972 Infizierte und 343 Verstorbene. 23% der Verstorbenen raffte das Virus in Altenheimen dahin, obwohl bis zum 31. Mai 550.000 Masken an andalusische Altenheime ausgeliefert wurden.

Spanien hofft, ab dem 1. Mai die Beschränkungen des öffentlichen Lebens alle 7 Tage schrittweise aufheben zu können. Bis Ende April soll in Spanien durch die Wissenschaftler Luis Enjuanes und Isabel Sola vom nationalen Biotechnologie Zentrum ein Impfstoff entwickelt worden sein.

Da Madrid nur über acht Verbrennungsöfen verfügt, hat die Stadtverwaltung jetzt Krematorien in ganz Spanien gebeten, Corona-Tote aus Madrid zu übernehmen. Traditionelle Beerdigungen können jedoch in Madrid noch ohne Zeitverzug durchgeführt werden.

Nachdem sich Spanien an die NATO um Hilfe gewandt hat, haben die NATO-Mitglieder Tschechien und Türkei den Spaniern Hilfslieferungen zugesagt. Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron hat eine Lieferung von 4 Millionen Masken beschlagnahmen lassen. Die Masken sollten von der Europazentrale der schwedischen Firma Mölnlycke in Lyon nach Spanien geschickt werden. Auf schwedischen Druck hin, mussten 2 Millionen Masken wieder für Spanien frei gegeben werden. Nach diesem Erlebnis will die Firma Mölnlycke ihre Masken nur noch von ihrem Logistikzentrum in Belgien ausliefern.

Eine Studie des Imperial College in London kommt zu dem Schluss, dass die bisher ergriffenen Maßnahmen in Spanien 16.000 Menschen das Leben gerettet haben. Die Autoren der Studie vermuten, dass bereits 15% der Spanier mit Corona infiziert sind. Das wäre der höchste Wert in Europa.

Das Münchener IFO Institut hat ausgerechnet, wie hoch die wirtschaftlichen Einbußen für einige Länder sind. Ein zweimonatiger Lockdown kostet die spanische Wirtschaft 101 bis 171 Mrd. Euro, das entspricht einer Schrumpfung der jährlichen Wirtschaftsleistung um 8 bis 14%. Jeder weitere Monat würde 10 bis 20 Mrd. Euro bzw 0,8 bis 1,6% der Wirtschaftsleistung kosten. Zum Vergleich: Für Deutschland lauten die Schätzungen: 255 bis 495 Mrd .Euro (7–11%) sowie pro weiterer Woche 25 bis 57 Mrd. Euro (0,7 bis 1,6%)

In Spanien dürfen derzeit nur noch Gewerbe tätig sein, die für die Grundversorgung wichtig sind. Dazu gehören Banken, Tierärzte, Tabakläden, Chemische Reinigungen, Wäschereien, Brillengeschäfte, Lebensmittelläden, Pressekioske, Tankstellen, Bauern, Fischer, Textilbetriebe, Strom-, Gas- und Wasserversorgung und die Telekommunikation. Geschlossen haben z.B. alle Immobilienmakler, Autoverleiher und Autoverkäufer.

Kurzarbeitergeld und Hilfe für Selbständige in Spanien

Das spanische Kurzarbeitergeld ERTE (expediente de regulacion temporal de empleo) können auf Antrag des Arbeitgebers alle Arbeitnehmer bekommen, die in den letzten sechs Jahren mindestens 365 Tage in einem Beschäftigungsverhältnis standen. Die ersten sechs Monate beträgt es 70% des Durchschnittslohns der letzten 180 Tage, danach 50%. Es sind jedoch mindestens 501,98 Euro und höchstens 1.411 Euro. Die gegenwärtige Arbeit muss bei den Betroffenen um 10 bis 60% reduziert sein. Die Arbeitgeber sind in der Zeit des ERTE von der Zahlung der Sozialversicherungsbeiträge befreit. Die spanische Regierung rechnet damit, dass zwischen 760.000 und 2 Millionen Menschen Kurzarbeit benötigen werden.

Solo-Selbständige können »paro de los autonomos« (Arbeitslosengeld für Selbständige) beantragen. Anspruchsberechtigt ist, wer mindestens schon 12 Monate selbständig ist und seine Sozialversicherungsbeiträge bezahlt hat. Wer letztes Jahr nicht mehr als 6 Millionen Euro umgesetzt hat, darf die Zahlung seiner Umsatz- und Einkommensteuern sowie der Sozialversicherungsbeiträge aussetzen. Zusätzliche Hilfen erhält, wessen Umsatz 2020 um mindestens 75% eingebrochen ist.

Angesichts der vielen Bedingungen erscheint es unwahrscheinlich, dass die Regierung ihr Versprechen einlösen kann, die Anträge innerhalb von 5 Tagen zu bewilligen.

Seit dem 14. März sind in Andalusien 20.000 Personen wegen Verstößen gegen den Ausnahmezustand von der Polizei verwarnt worden. Das sind 14% aller derartigen Verwarnungen in ganz Spanien. Häusliche Gewalt ist um 18% angestiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Viele Regierungen haben die Corona-Krise als die größte Herausforderung nach dem 2. Weltkrieg beschrieben. Das hat nun der Spanier Rafael Gómez Nieto ganz persönlich am eigenen Leib erfahren müssen. Der 99-jährige war der letzte Überlebende einer spanischen Spezialeinheit, die 1944 an der Befreiung von Paris mitgewirkt hat. Nieto ist gestern dem Coronavirus erlegen.

König Felipe und Königin Letizia haben ihren für den 21. April vereinbarten USA Besuch bei Donald Trump verschoben und sich in häusliche Quarantäne begeben.

Ein britischer Resident hat vor einem Gericht in Alicante dagegen geklagt, dass er sein Besuchsrecht bei den bei der geschiedenen Mutter lebenden Kindern wegen des Corona Ausnahmezustands nicht wahrnehmen darf. Das Familiengericht hatte ihm die Besuche untersagt, aber darauf hingewiesen, dass er wegen der Nichtausübung seines Besuchsrechts – das auch eine Besuchspflicht an bestimmten Tagen beinhaltet – keine Nachteile haben werde und die ausgefallenen Tage nach Beendigung der Ausgangssperre nachholen dürfe.

Die Lage auf Mallorca

Son Banya Shanty Town ist eine Zigeunersiedlung auf der Rückseite des Flughafens von Palma de Mallorca. Ca. 100 Personen – Männer, Frauen und Kinder – leben dort in ärmlichen Hütten. Das Gebiet ist ein Schwerpunkt des Drogenhandels auf den Balearen. Die spanische Polizei hat neun männliche und drei weibliche Bandenmitglieder festgenommen, die mit einem Lastwagen auf einer Fähre Kokain von Barcelona nach Palma transportiert haben.

Die Bewohner der Siedlung haben jetzt an der Einmündung der einzigen Zufahrtsstraße in die Carretera de Llucmayor eine Straßensperre errichtet, damit niemand den Coronavirus einschleppen kann. Die Bewohner der Son Banya Shanty Town verlangen nun von der Regierung Kurzarbeitergeld ERTE aus dem Hilfsprogramm für Corona-Geschädigte, da sie ja wegen des Viruses nicht »arbeiten« könnten. Kurz vor Errichtung der Sperre wurden zahlreiche Drogensüchtige gesichtet, die sich kurz vor der Abriegelung noch ihren Stoff in dem Armenviertel abholten.

Das Elena Altenheim in Palma de Mallorca musste geschlossen werden, nachdem dort 90% der Bewohner positiv auf Covid-19 getestet wurden. In Altersheimen auf den Balearen sind insgesamt 101 Bewohner sowie 14 Pflegekräfte infiziert. 3 Personen sind verstorben.

Während die Menschen leiden, freuen sich die Delfine. Mehrere von ihnen wurden in küstennahen Gewässern von Mallorca gesichtet, da sie dort nicht mehr vom Schiffsverkehr belästigt werden.


Update: Stand 1. April 2020 – 10 Uhr

Am 1. April wurden in Spanien 94.417 Infizierte gezählt, ein Anstieg zum Vortag um 9.222 Fälle. Die Zahl der Toten stieg um 849 auf 8.189. Während Madrid immer noch die meisten Infizierten beherbergt, ist der tägliche Anstieg in Barcelona am höchsten. In Barcelona hat jetzt auch die höchste Anzahl an Patienten auf den Intensivstationen. Andalusien nimmt mit 5.818 Infizierten den 6. Platz unter den Regionen ein.

Die Frau von Ministerpräsident Pedro Sánchez ist ebenso vom Coronavirus infiziert wie drei seiner Minister und Ministerinnen, die am 8. Mai an der Demonstration zum Weltfrauentag teilgenommen hatten. Vermutlich wirkte Sánchez auch deshalb so resigniert, als er am Freitag im Parlament die Verlängerung des Ausnahmezustands bis zum 11. verkündete. Er bietet nach wie vor keine Erklärung, warum Spanien parallel zu Italien keine Fortschritte in der Entwicklung der Corona-Krise erkennen lässt. María José Sierra, die Direktorin für Notfallmedizin berichtet, dass die Notfall-Einrichtungen in sechs Regionen ihre Belastungsgrenze überschreiten.

Im Rahmen der »Operation Balmis« sendet die spanische Marine das Hospitalschiff »Galicia« mit 800 Betten in die spanische Enklave Melilla an der marokkanischen Küste. Zur Operation Balmis gehören zudem die Lazarettschiffe »Juan Carlos I«, »Castilla«, »Patiño« und »Cantabria«, die vor der Costa del Sol stationiert wurden, um mit 300 Notfallbetten Entlastung zu bringen, wenn es nötig wird.

John Cortes, der Gesundheitsminister von Gibraltar, hat angekündigt, dass zufällige Tests in den Straßen von Gibraltar stark ausgeweitet werden. Bisher hat Gibraltar keinen Corona-Toten zu beklagen. Alle Vermieter wurden angehalten, sich besonders um alte Menschen in ihren Mietwohnungen zu kümmern.

Sechzig spanische Fremdenlegionäre patrouillieren seit Samstag auch in den Straßen von Marbella, Benahavís, Mijas, Ojén und Istán. Die Disziplin in der Bevölkerung ist noch verbesserungsfähig. In Málaga und in Nerja wurden unabhängig voneinander zwei infizierte Personen auf offener Straße festgenommen, die aus einem Krankenhaus in Madrid ausgebüchst waren.

In Spanien herrscht Empörung darüber, dass Bestattungsunternehmen, die durch das Virus bedingte erhöhte Nachfrage nach Särgen und Bestattungen dazu nutzen, ihre Preise schamlos zu erhöhen. In der Twitter-Plattform »Afectados Memora« hat sich eine Gruppe der »Betroffenen, Geschädigten und Betrogenen« mit bereits einigen Hundert Followern gebildet. Daraufhin hat die Regierung umgehend ein Dekret erlassen, dass keine höheren Gebühren für Bestattungen berechnet werden dürfen als vor dem 14. März. Ab sofort dürfen an Beerdigungen nur noch maximal 3 Personen teilnehmen, zuzüglich des Priesters.

Die Mieterverbände in Katalonien und Madrid verlangen, dass die Mieten für Familien, Kleinunternehmer und Selbstständige während der Krise ausgesetzt werden. »Die wirtschaftlichen Kosten sollten nicht vom Staat oder kleinen Vermietern getragen werden, sondern von Unternehmen und Finanzunternehmen«, betonte ein Sprecher. Bei kleinen Vermietern, die auf das Einkommen aus der Miete angewiesen sind, sollte der Staat eingreifen, um ihnen zu helfen. In Barcelona hat der Gemeinderat die Aussetzung der Miete von mehr als 8.000 städtischen Wohnungen und von ca. 400 Gewerbeimmobilien genehmigt.

Die Regierung hat entdeckt, dass zunehmend Hunde aus Tierheimen adoptiert werden um so eine Möglichkeit zu haben, das strikte Ausgehverbot zu umgehen. Da nun auch keine Stierkämpfe stattfinden dürfen, hat die Vereinigung der Stierkämpfer von Kultusminister José Manuel eine Kompensation über 700 Millionen Euro für den Ausfall der Veranstaltungen verlangt. Tierschutzgruppen haben dem Ansinnen energisch widersprochen. 2008 waren 16.000 Stiere bei Stierkämpfen getötet worden, 2018 waren es noch 7.000 Tiere.

Ein kleiner deutscher Zirkus aus Berlin mit 16 Artisten und drei Kindern ist mittellos in der Axaquía gestrandet. Er wird von Vélez-Málaga aus mit Lebensmittelspenden am Leben erhalten.

Die spanische Sportartikel-Kette Decathlon S.A.U. produziert jetzt aus Taucherbrillen professionelle Masken für das medizinische Personal in Notfallzentren. Auf 3D-Druckern werden Plastikhalter erzeugt, die anstelle des Schnorchels mit der Taucherbrille verbunden werden und einen Schutz des gesamten Gesichtes ermöglichen. Die Idee geht auf eine Anregung des belgischen Arztes Dr. Frederic Bonnier zurück, einem Lungenarzt am Erasmus Krankenhaus in Brüssel. Italienische Ingenieure haben das Design der Kopfhalter auf dem 3D-Drucker beigesteuert.


Update: Stand 29. März 2020 – 14 Uhr

Am 29. März meldet Spanien 73.235 Infizierte und 5.982 am Coronavirus Verstorbene. Das sind 832 Tote mehr als am Vortag und der bisher höchste Anstieg. Bereits 5.400 medizinische Fachkräfte sind infiziert. Seit dem Ausbruch der Epidemie hat Spanien erst 350.000 Tests durchgeführt. Die Regierung will nun 6 Millionen Schnelltests importieren.

Mangelhafte Corona-Tests

Der Mangel an geeigneter Schutzkleidung und Testkits führt insbesondere in Altenheimen zu immer schlimmeren Zuständen. Die spanische Regierung hatte bei der chinesischen Firma Shenzen Bioeasy Technology 640.000 Testkits bestellt und geliefert bekommen. Nun behauptet die chinesische Botschaft in Madrid, diese Firma habe in China gar keine Erlaubnis, Medizinprodukte zu verkaufen. Ein entsprechender Warnhinweis fehlt jedoch auf der Webseite der Firma. Chinesische Spenden an andere Länder enthielten laut der chinesischen Botschaft keine Produkte von Shenzen Bioeasy. Die spanischen Behörden hätten eine Liste der in China zugelassenen Lieferanten erhalten, auf denen Shenzen Bioeasy nicht aufgeführt sei. Das nationale Zentrum für Mikrobiologie in Madrid hat 50.000 Schnelltests von Shenzen Bioseasy getestet. Nur 30% lieferten ein korrektes Ergebnis. Normal und akzeptabel wären 84 bis 90%. Die Chinesen behaupten nun, die getesteten Kits seien gar nicht von ihnen, sondern in Spanien hergestellt worden. Auch tschechische Mediziner berichten, Testkits aus China lieferten unzuverlässige Ergebnisse.

Ein Militärtransporter Airbus A400M ist gestern vom Militärflughafen Saragossa zu einem Nonstop-Flug nach Shanghai aufgebrochen um dort 650.000 Masken abzuholen. Weitere 650.000 Masken aus dem französischen Toulouse sind auf dem Militärflughafen Getafe eingetroffen. Auf Mallorca wird morgen eine russische Tupelow TU-134 mit Hilfsgütern aus Schanghai erwartet. Auf den Balearen ist besonders viel medizinisches Personal infiziert. In Palma de Mallorca wurde ein 26-jähriger Schweizer festgenommen, der vor einem Supermarkt die Kunden aufforderte, Selbstmord zu beginnen, weil das Ende der Welt bevorstehe.

Gestern sind die ersten Patienten in dem neuen Krankenhaus eingetroffen, welches die Behörden im Madrider IFEMA Konferenzzentrum eingerichtet haben. Es hat 1.400 Betten und kann bei Bedarf auf 5.500 Betten erweitert werden. König Felipe hat das Krankenhaus am 25. März besichtigt.

Die spanische Regierung hat noch keine Entscheidung getroffen, wie sie kleinen Selbständigen und Hypothekenschuldnern finanziell unter die Arme greifen möchte. Ein Problem dabei ist, dass die autonomen Regionen zustimmen und die Auszahlung umsetzen müssten.

Lage in Gibraltar

Gibraltar meldet jetzt 50 Infizierte, darunter zwei Pflegerinnen in einem Altersheim. Die Regierung will jetzt mit Massentests beginnen. Die 53-jährige Reinigungskraft Ana Gingell wurde überführt, im St. Bernhards Hospital Desinfektionsmittel und klinische Ausrüstung im Wert von 325 Pfund entwendet zu haben, die man in Ihrer Wohnung fand. In Gibraltar gehen immer noch 10% der Schüler in die Schule. Eigentlich sollten es viel mehr sein, aber die Eltern weigern sich, ihre Kinder da hin zu schicken. Gibraltar weist alle ausländischen Schiffe ab. Ein deutscher Segel-Katamaran mit Touristen aus Mallorca durfte den Hafen von Gibraltar nicht anlaufen.

Corona-Parties und verbotene Aktivitäten

Noch immer nehmen viele Spanier die strengen Auflagen zur Eindämmung der Ansteckung nicht richtig ernst. Noch immer werden in Privaträumen der Urbanisationen wilde Corona-Parties gefeiert, von denen die Polizei nur etwas erfährt, wenn andere Bewohner sich beschweren. Die Stadt Torrevieja an der Costa Blanca hat in den letzten 14 Tagen 1.000 Strafen wegen der Verletzung der Pandemiebestimmungen verhängt.

In Madrid wurde ein Pärchen von der Polizei verwarnt, weil es Sex im Auto hatte. Den Polizisten war nicht so sehr ein Dorn im Auge, dass das in aller Öffentlichkeit geschah, sondern weil es zu den verbotenen ‚nicht notwendigen Aktivitäten’ außerhalb der Wohnung gehört. Das Pärchen rechtfertigte sein Tun damit, dass es zuhause nun keine ungestörte Möglichkeit dazu hätte.

Die spanische Arbeitsministerin Yolanda Diaz hat verboten, dass Menschen während der Corona-Krise entlassen werden. Stattdessen soll Kurzarbeitergeld beantragt werden, das nach fünf Tagen bewilligt werde. Leiharbeitsverträge können zwar während der Krise ruhen, müssen danach aber wieder fortgeführt werden. Ab morgen bis zum 9. April dürfen nur noch Menschen aus kritischen Branchen zur Arbeit gehen. In dieser Zeit müssen alle Löhne weiter gezahlt werden. Zeitungsverlage sind kritisch, Baufirmen nicht.

Das Carranque Sportzentrum in Málaga wird zu einem 400-Betten Feldlazarett umgebaut. Der andalusische Gesundheitsdienst SAS behält sich vor, weitere Sporteinrichtungen zu requirieren. Außerdem werden alle im öffentlichen Dienst angestellten Sportärzte und Physiotherapeuten als Helfer im Kampf gegen die Corona-Epidemie eingesetzt.

Auf der US Militärbasis im andalusischen Rota ist ein Soldat positiv getestet und mit all seinen Kontaktpersonen in Quarantäne gesteckt worden.

In der letzten Woche haben nur noch 25 Personen einen Asylantrag gestellt. In der Vorwoche waren es noch 3.865. Venezolaner und Kolumbianer können ja jetzt nicht mehr mit dem Flugzeug einreisen. Die Anzahl illegaler Immigranten ging von 350 pro Woche auf 93 zurück, da der Verkehr nach Ceuta und Melilla eingestellt wurde.

Haben Fußballfans das Virus nach Spanien gebracht?

Georgio Gori, der Bürgermeister der norditalienischen Stadt Bergamo befürchtet, dass die Covid-19 Katastrophe ihren Ursprung in dem Champions-League-Spiel zwischen Atalanta Bergamo und dem FC Valencia hat, welches am 19. Februar vor 45.702 Zuschauern im Mailänder San Siro Stadion ausgetragen wurde, darunter 2.500 Gäste aus Valencia, die den Virus nach Spanien brachten. Auch mehrere Spieler aus Valencia wurden infiziert. Zu der Zeit ahnte niemand, dass sich das Virus bereits in Italien befand. Erst am 23. Februar wurde der erste Infizierte in Italien gemeldet.

Der spanische Fußballverband (RFEF) hat 500 Millionen Euro zugesagt, um spanischen Vereinen zu helfen, die durch Covid-19 finanzielle Probleme haben. Man vergleiche das mit den zwanzig Millionen, welche die vier deutschen Champions-League-Aspiranten Not leidenden Vereinen in Deutschland zugesagt haben. RFEF-Präsident Luis Rubiales stellt außerdem das nationale Trainingszentrum samt Therapeuten dem spanischen Gesundheitswesen zur Verfügung.

Die spanischen Tankstellen gehören gemäß dem Regierungserlass zur kritischen Infrastruktur und müssen daher geöffnet sein. Nun haben die Tankstellenbetreiber gebeten, viele Tankstellen schließen zu dürfen, um die Gesundheit der 53.000 Mitarbeiter nicht unnötig zu gefährden. An den Autobahnen ist die Benzinnachfrage um 60% eingebrochen, in den Städten um 75% und auf dem Land um 90%.

Durch den Stillstand der wirtschaftlichen Aktivitäten und das verringerte Verkehrsaufkommen ist die Luftqualität in Spanien sehr viel besser geworden. In Málaga ging die Stickoxid-Belastung um 52% zurück, in Barcelona um 83% und in Madrid um 73%. Zum ersten Mal seit 2010 hat Spanien die EU Grenzwerte unterschritten. Da dieser Effekt weltweit auftritt, rechnet Greenpeace dieses Jahr mit 4,5 Millionen weniger Toten durch Luftverschmutzung.


Update: Stand 26. März 2020 – 9 Uhr

Am 26. März beklagt Spanien 49.384 Infizierte und 3.643 Tote. In Andalusien sind es 3.010 Infizierte und 113 Verstorbene. Das spanische Parlament hat gestern den Ausnahmezustand um 15 Tage verlängert. Da es immer noch zu wenig Schutzkleidung gibt, sind bereits 5.400 Krankenschwestern und Ärzte mit Corona infiziert. Vor zwei Tagen waren es noch 3.472.

Besonders traurig ist die Entwicklung in den Altersheimen. In dem Dorf Alcalá del Valle nahe der Stadt Setenil de la Bodegas in der Serranía de Ronda, mussten die Behörden der Provinz Cádiz das Altenheim Dolores Ibarruri schließen. Dort waren 39 Insassen und 19 Betreuer infiziert. Ein Insasse war bereits tot. Obwohl Bürgermeister Rafael Aguilera auf die unhaltbaren Zustände aufmerksam gemacht und sich selbst als Altenbetreuer betätigt hatte, war niemand von außerhalb zur Hilfe gekommen. Nun wurden die Heimbewohner in das 100 km entfernte La Línea de la Concepción umgesiedelt.

In Spanien gibt es immer noch zu viele Menschen, die den Ernst der Lage nicht begriffen haben. Die Polizei hat seit Beginn der Ausgangsbeschränkungen am 14. März bereits 81.000 Anzeigen wegen Verletzung der Bestimmungen ausgestellt. In Madrid musste die Polizei vier Patienten wieder einfangen, die sich im Severo Ochoa de Leganés Hospital hatten auf Corona testen lassen, ohne das Testergebnis abzuwarten. Einen 77-jährigen schnappte die Polizei auf der Straße. Der Mann rechtfertigte sich, er sei auf der Suche nach seinem Pokémon. Die Polizei in vielen ländlichen Gegenden werden jetzt durch die Armee und durch Einheiten der spanischen Fremdenlegion verstärkt.

Der 107 Jahre alte Jose Ameal Peña ist beunruhigt über das neue Virus. Er hatte noch die Spanische Grippe 1918 miterlebt und überlebt.

Interessant sind die Auswirkungen des Ausnahmezustands auf die Entwicklung der Kriminalität. Seit so viel Polizeipräsenz auf den Straßen konzentriert ist, hat die Alltagskriminalität, wie z.B. Taschendiebstahl und Raub, spürbar abgenommen. Weil so viele Menschen zu Hause hocken, gehen auch die Wohnungseinbrüche zurück. In Katalonien hat ein Serientäter an einem Tag drei Supermärkte und eine Tankstelle ausgeraubt. Er hatte sich mit einer Anti-Corona-Maske vermummt.

Hingegen vermuten die Drogenbanden, insbesondere im Raum Algeciras, dass ihrem Treiben nun weniger Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die Polizei versucht, dagegen zu halten. Einige Drogendealer gehen der Polizei bei den allgemeinen Polizeikontrollen zufällig ins Netz. Für die Mafia und andere kriminelle Banden brechen harte Zeiten an, da die Geldwäsche wegen der geschlossenen Restaurants kaum noch möglich ist. Man vermutet, dass die Mafia stattdessen versuchen wird, öffentliche Hilfsgelder für die wirtschaftlichen Opfer der Pandemie abzuschöpfen.

Die Cyberkriminalität nimmt zu und trifft auf mehr alte Menschen im Netz, die sich darunter nichts vorstellen können. Betrüger verschaffen sich Zutritt zu Wohnungen alter Menschen mit der Behauptung, sie kämen vom Gesundheitsamt um einen Virentest zu machen. Die Prostitution blüht nun im Verborgenen weiter und wird ausgiebig genutzt. Es handelt sich dabei oft um Zwangsprostituierte, aber auch um Personen mit prekärem Aufenthaltsstatus, die ihren Lebensunterhalt und den ihrer Familie nur durch diese Einnahmequelle sichern können. Die spanische NGO Medicos del Mundo (Ärzte ohne Grenzen) versucht, diesen Frauen öffentliche Finanzhilfen zugänglich zu machen.

Aufgrund der beengten Wohnsituation und der seit 12 Tagen bestehenden Bewegungseinschränkungen steigen die Fälle von häuslicher Gewalt. Viele spanische Apotheken bieten sich jetzt als Anlaufstelle für Opfer häuslicher Gewalt an. Die Frauen müssen dort nur »mascarilla-19« rufen, dann werden sie vom Personal in Sicherheit gebracht.

In Alicante kam es in der Haftanstalt Fontcalent zu einer Gefängnisrevolte, nachdem dort zwei Fälle von Corona Ansteckung bekannt wurden. Die Häftlinge zündeten in ihren Zellen Papier an und stiegen aufs Dach der Anstalt.

Das Kreuzfahrtschiff Costa Pacifica hatte Buenos Aires am 3. März verlassen. Das Anlegen in einem spanischen Hafen wurde dem Schiff aufgrund der spanischen Ausgangssperre verweigert. In Marseille durften nur französische Passagiere aussteigen. Die 170 spanischen Passagiere, die im italienischen Hafen Savona von Bord gehen durften, wissen jetzt nicht, wie sie nach Spanien zurückkehren können.

Viele britische Urlauber stecken in Spanien fest, weil die meisten Flughäfen geschlossen sind und keine Flüge nach Großbritannien angeboten werden. Auch Ryanair hat den Flugbetrieb eingestellt. Für deutsche Urlauber scheint die Luftbrücke der Lufthansa zu funktionieren.

In der Landwirtschaft wird es als schwierig empfunden, die neuen Abstandsregeln zwischen den Landarbeitern einzuhalten. Insbesondere das Verbot, dass mehrere Personen in einem Auto oder im überfüllten Linienbus zur Arbeit fahren können. Nun sollen Schulbusse, die wegen der geschlossenen Schulen nur herumstehen, zum Transport der Landarbeiter eingesetzt werden.

Die ökonomischen Auswirkungen der Pandemie werden nun sichtbar. Im März wurden in der ersten Woche des Ausnahmezustands 85% weniger Autos verkauft. Bei der Ausleihe von Mietwagen beträgt der Rückgang sogar 95%.

Die gute Nachricht des Tages lautet: Die Anis-Schnaps Brennerei Machaquito im andalusischen Rute hat ihre Produktion nun auf Desinfektionsmittel umgestellt um dem Gesundheitswesen aus der Patsche zu helfen.


Update: Stand 24. März 2020 – 14 Uhr

Der Tod wird zum Alltag in Spanien

Madrid verzeichnete am 23. März 10.575 Infizierte und 1.263 am Coronavirus Verstorbene.

Wegen des Mangels an Masken und Schutzkleidung reichen die Beerdigungsinstitute in Madrid nicht mehr aus um dort die am Coronavirus Verstorbenen aufzubahren. Daher wurde jetzt die 1.800 qm große städtische Eishalle zum Aufbewahrungs-Zentrum für die Leichen umfunktioniert. Wegen der konstanten Temperatur von Null Grad ist dort die Lagerung längere Zeit möglich, ehe die Särge in die überlasteten Krematorien abtransportiert werden können.

Die spanischen Krankenhäuser möchten die ethischen Dilemmata zu vermeiden, in welche die Ärzte in der italienischen Region Lombardei bereits gedrängt wurden. Die Ärzte in Norditalien müssen entscheiden, welchen Patienten die Aufnahme auf die Intensivstation verweigert werden soll, weil es an medizinischer Ausrüstung mangelt, um alle intensivmedizinisch zu versorgen.

Nach Angaben der Agentur Reuters sterben in Italien 50% der Patienten, die derzeit wegen Covid-19 auf einer italienischen Intensivstation aufgenommen werden. Die »übliche« Sterblichkeitsrate auf einer italienischen Intensivstation beträgt hingegen 12% bis 16%. »Auch wenn es keine Überlebens-Chance gibt, muss man dem Patienten ins Gesicht schauen und sagen, dass alles in Ordnung ist. Und diese Lüge zerstört dich«, sagt Marco Resta, der Leiter der Intensivstation des San Donato-Krankenhauses in Mailand

Das Kriterium für die Entscheidung, wer Vorrang hat, wenn auf der Intensivstation Betten fehlen, nennt man Triage. Es ist das Protokoll, das von den Rettungsdiensten befolgt wird, um den Schweregrad der Krankheit eines Patienten schnell zu beurteilen und fest zu legen, welche Patienten betreut werden und welche man sterben lassen muss.

In Spanien verteilte das Gesundheitsministerium am Dienstag, dem 17. März, ein Triage-Protokoll mit dem Titel »Covid-19 Notfall Management«.

Dieses Protokoll bezieht sich auf Triage im engeren Sinne. Also auf Kriterien, anhand derer das medizinische Personal die schweren Fälle identifizieren muss, sobald sie die Notaufnahme erreichen. Für Patienten unter 60 Jahren ohne Fieber, Atemversagen und ohne weitere potentiell tödliche Krankheiten schreibt das Protokoll die Bewertung und Abweisung nach den üblichen Kriterien vor. Das Protokoll legt fest, dass ein Covid-19-Test bei Patienten, die abgewiesen werden sollen, nicht durchgeführt werden sollte.

Für Patienten unter 60 Jahren mit Fieber, jedoch ohne Atemstillstand und ohne andere schwere Krankheiten, sieht das Protokoll vor, dass eine Röntgenaufnahme der Lunge durchgeführt wird. Wenn er keine Lungenentzündung hat, sollte der Patient auf Covid-19 getestet und dann entlassen werden.

Für Patienten über 60 Jahre oder mit weiteren schweren Krankheiten erfordert das Protokoll immer eine Röntgenaufnahme und eine Untersuchung.

Das Protokoll sagt jedoch nichts über die Kriterien aus, die bei der Auswahl von Patienten im Falle einer Überfüllung einer Intensivstation einzuhalten sind.

Eine Gruppe von Bioethikern unter der Leitung von Olga Rubio, nationale Koordinatorin der Bioethik-Arbeitsgruppe der spanischen Gesellschaft für Intensivmedizin, Kritische Medizin und Herz-Kreislauf Krankheiten (SEMICYUC) hat ein Dokument mit dem Titel »Ethische Empfehlungen für Entscheidungen in der außergewöhnlichen Krisensituation durch die Pandemie Covid-19 auf Intensivstationen« erstellt.

Das SEMICYUC-Dokument enthält Richtlinien, die von den meisten öffentlichen und privaten spanischen Krankenhäusern für die Triage von Patienten in Ausnahmesituationen befolgt werden. Eine Covid-19 Infektion soll wie eine »katastrophenmedizinische Situation behandelt werden, in der eine außergewöhnliche Krisenversorgung auf der Grundlage von Verteilungsgerechtigkeit und angemessener Zuweisung von Gesundheitsressourcen erfolgen soll, mit dem Ziel, Schäden für Menschen, das Gesundheitssystem und die Gesellschaft zu mindern«.

Das Dokument unterteilt Patienten in vier Gruppen:

  • Patienten mit Priorität 1: Kritische und instabile Patienten, die eine intensive Überwachung und Behandlung benötigen, die nicht außerhalb der Intensivstation bereitgestellt werden kann.
  • Patienten der Priorität 2: Patienten, die eine intensive Überwachung erfordern und möglicherweise sofortige Eingriffe benötigen. Es handelt sich um Patienten, die nicht invasiv beatmet werden, sondern erst dann eine Sauerstofftherapie benötigen, wenn ein anderes Organ versagt.
  • Patienten mit Priorität 3: Dies sind Patienten in einem instabilen kritischen Zustand, die nur geringe Chancen aufweisen, sich von ihrer Grunderkrankung zu erholen. Sie können eine intensive Behandlung erhalten, um ihre akute Erkrankung zu lindern, es können aber auch therapeutische Grenzen gesetzt werden, z. B. keine Intubation und / oder kein Versuch einer kardiopulmonalen Wiederbelebung.
  • Bei Patienten mit Priorität 4 ist der Nutzen der Behandlung von vorne herein minimal oder unwahrscheinlich, oder es steht durch ihre unheilbare und irreversible Erkrankung der Tod unmittelbar bevor. Im Falle von Komplikationen oder eines zu erwartenden schlechten Krankheitsverlaufs soll der therapeutische Entzug unverzüglich als sinnlos betrachtet und die Anwendung palliativer Maßnahmen eingeleitet werden.

Dem Dokument zufolge sollten Intensivstationen im Falle eines Mangels an Ressourcen für Patienten mit Priorität 1 reserviert werden. Personen mit Priorität 2 müssen zeitweise zur Behandlung an den Geräten zugelassen werden. Patienten mit Priorität 3 und 4 sollen nicht auf die Intensivstation aufgenommen werden. Es soll auch niemand zur Intensivpflege aufgenommen werden, der mittels Patientenverfügung eine Intensivpflege oder mechanische Beatmung abgelehnt hat.

Haben zwei Patienten eine ähnliche Heilungsprognose, soll die Person mit der höheren Lebenserwartung bevorzugt werden. Auch soziale Faktoren spielen bei der Auswahl eine Rolle, z.B, ob so eine Person wichtige Entscheidungen für die Gemeinschaft treffen muss. Solltest du also neben einem andalusischen Politiker vor der Notaufnahme stehen, dann rechne dir nicht allzu große Chancen aus, aufgenommen zu werden.

Aber es gibt auch Lichtblicke: In Valencia ging jetzt eine Webseite für Alzheimer-Patienten online, welche eine permanente kognitive Stimulation benötigen, die derzeit wegen des Ausnahmezustands vor Ort nicht geleistet werden kann. Die Webseite ist für jedermann zugänglich und bietet kognitive, physikalische und spielerische Übungen sowie Musiktherapie an. Näheres die Webseite von AFAV.


Update: Stand 21. März 2020 – 9 Uhr

In Spanien werden heute 21.571 Infizierte, 1.093 Verstorbene und 1.588 Genesene gezählt. In Andalusien gibt es jetzt 1.287 Infizierte, davon ein Drittel in der Provinz Málaga. Andalusien rechnet mit 7.000 bis 15.000 Infizierten. 2 Millionen Masken sind für Personen bestellt, welche die Versorgung und medizinische Betreuung aufrechterhalten müssen.

In Madrid gibt es einen Mangel an Notfallbetten, Beatmungsgeräten, medizinischem Personal und Masken. Das Leganes Krankenhaus in Madrid musste wegen Überfüllung geschlossen werden.

In Vigo bat ein 44-jähriger Mann die Polizei, ihn in eine Gefängniszelle zu stecken. Er wohnt bei seiner Mutter und hält das Zusammenleben mit ihr während des Ausnahmezustands nicht mehr aus.

Viele ausländische Touristen machen derzeit Langzeiturlaub auf Campingplätzen. Sie sollen von dort vertrieben werden, indem die sanitären Anlagen geschlossen werden. Bis 24. März sollen auch alle Hotels geschlossen werden. Hoteliers und Gäste haben 7 Tage Zeit, die Anordnung umzusetzen.

Die Abschiebung illegal eingereister Ausländer ist zum Erliegen gekommen, weil außer Brasilien kein Land mehr die Einreise aus Spanien akzeptiert. 75% der betroffenen Personen stammen aus Marokko und Algerien.

Die 296 spanischen Soldaten der internationalen Atalanta Mission in Djibuti gegen Piraten im Pazifischen Ozean werden nach Spanien zurückbeordert, nachdem sich 22 von Ihnen am Coronavirus infiziert haben. Eigentlich hätte der spanische Konteradmiral gerade die Leitung der gesamten Mission von den Portugiesen übernehmen sollen.

Einige private Krankenhäuser wurden unter die Aufsicht der Regierung gestellt um dort Notfallkapazitäten für Viruspatienten zu beschlagnahmen. Die Jugend-Hostals in Andalusien wurden zu Krankenhäusern für Corona-Patienten umfunktioniert. In Madrid errichtet das Militär ein 5.500.Betten-Notkrankenhaus für Corona-Fälle auf dem IFEMA Feria-Gelände.

In Andalusien stehen derzeit 2.960 Krankenhausbetten, darunter 892 Notfallbetten für Corona-Patienten bereit. Die spanische Regierung arbeitet an einer Anweisung, welche Patienten bevorzugt behandelt werden sollen, falls nicht genügend Notfallbetten und Beatmungsgeräte verfügbar sind.

Was im Ausnahmezustand verboten ist und was erlaubt:

Fußgänger dürfen zum nächstgelegenen Lebensmittelladen, zur Apotheke und zur Bank. Man darf sich zwischen der Wohnung und der Arbeitsstelle bewegen. Um die Einhaltung zu prüfen, darf die Polizei nach Supermarktquittungen und Arbeitsbescheinigungen fragen. Gewerbetreibende dürfen reisen oder zu Fuß gehen. Die Identität darf festgestellt werden um bei wiederholten Zuwiderhandlungen Strafen zu verhängen. Eine einzelne Person darf mit dem Hund Gassi gehen, sich aber dabei nicht weit von seiner Wohnung entfernen.

In Autos darf nur eine Person sitzen, außer es gibt eine triftige Ausnahme. Das kann z.B. sein: Ein Kranker muss transportiert werden. Minderjährige müssen ein Elternteil begleiten. Der Mitfahrer muss dann hinten sitzen. Der Passagier und der Fahrer müssen Masken tragen. Bei Fahren zur Arbeit dürfen beliebig viele Personen im Auto sitzen. Alle müssen eine Maske tragen.

Das Aufsuchen von Feldern oder Gewächshäusern ist gestattet um diese zu bearbeiten.

Autowerkstätten dürfen Reparaturen anbieten, aber keine Autos oder Zubehör verkaufen. Der TÜV-Termin (ITV) darf ohne Strafe überschritten werden, weil viele Prüfzentren geschlossen sind, allerdings bezahlen die Kfz-Versicherungen keine Schäden, falls der TÜV-Termin überschritten wurde! Notfalls muss ein Mietwagen gemietet werden, solange kein TÜV gemacht werden kann. Tankstellen dürfen Benzin verkaufen, müssen aber ihren Shop schließen. Toiletten und Kaffee dürfen nur Lkw-Fahrern, Busfahrern, Ambulanzen usw. angeboten werden.

Alle Geschäfte sind zu schließen. Offen bleiben dürfen nur Geschäfte, die erlaubte Produkte anbieten wie Nahrungsmittel, Getränkeshops, Telefonshops, Drogerien, Tabakgeschäfte. Geschäfte (z.B. Supermärkte), die auch andere Waren anbieten, dürfen nur die erlaubten waren verkaufen. Öffnen dürfen auch Apotheken, Ärztezentren, Optiker, Orthopädiegeschäfte, Zeitungsshops, Tierbedarf (nur Tiernahrung!), Chemische Reinigungen und Wäschereien. Alle Geschäfte müssen dafür sorgen, dass in den Warteschlangen die Mindestabstände sowie sämtliche Hygiene-Regeln eingehalten werden.

Fastfood Restaurants und Catering-Betriebe sind geschlossen, dürfen aber Mahlzeiten ausliefern. Baufirmen dürfen arbeiten. Sanitär- und Baumaterialgeschäfte dürfen an Selbständige und Wiederverkäufer verkaufen, nicht aber an Privatkonsumenten.

Zur Durchsetzung der Anordnungen stehen 264.000 Polizisten und 132.000 Soldaten bereit.

Der Leiter der Guardia Civil, Generalleutnant Laurentino Ceña warnt, dass insbesondere überprüft wird, ob jemand von seiner regulären Wohnung zu seinem Ferienhaus reist. Wer bereits im Ferienhaus wohnt, für den ist für die Dauer des Ausnahmezustands das Ferienhaus die gewöhnliche Wohnung.

Innenminister Fernando Grande Marlaska weist darauf hin, dass Gruppenbildung in öffentlichen Räumen verboten ist. Das gilt insbesondere auch für abgelegene ländliche Gegenden. Selbst neu geborene Kinder dürfen nicht von Ihren Verwandten im Krankenhaus besucht werden.

Es gibt auch positive Effekte des Ausnahmezustands: Der Verbrauch von Elektrizität ist zurückgegangen, ebenso die Luftverschmutzung. Das Ansehen der Regierung von Pedro Sánchez in der Bevölkerung ist gestiegen, allerdings von einem Allzeit-Tief auf nunmehr lediglich 36%. Allerdings, ebenfalls 36% der Bevölkerung fürchten, dass ihr Arbeitgeber die Krise nicht überlebt.


Update: Stand 19.03.2020 – 15 Uhr

Heute wurde die Zahl von 15.000 Infizierten überschritten. 600 Menschen sind am Coronavirus verstorben, darunter ein gesunder 34-jähriger Offizier der Guardia Civil. Spanische Virologen rechnen in einem Worst-Case-Szenario mit bis zu 87.000 Corona-Toten. Dabei hätte man in Europa seit 2013 wissen können, wie man mit so einer Krise umgehen muss. Das deutsche Innenministerium hat damals eine Studie des Bundestags über eine mögliche Virus-Epidemie aus China veröffentlicht. Nur hatte jetzt offenbar niemand Zeit, diese zu lesen.

Einen aktuellen Überblick über den Stand der weltweiten Corona-Pandemie findest du auf der interaktiven Weltkarte der John Hopkins Universität.

Die andalusische Landesregierung rechnet mit einem Corona bedingten wirtschaftlichen Verlust von 5,5 Milliarden Euro. Anstelle von geplanten 32 Millionen Touristen werden nur noch 24 Millionen erwartet. In Andalusien schlossen bis gestern 512 Hotels, davon 80 an der Costa del Sol, wobei 12.000 Angestellte ihre Jobs verloren.

Die Ausgangssperre der spanischen Regierung, die seit dem 14.3.2020 in Kraft ist, bezieht sich auf das königliche Dekret 463/2020. Bei Zuwiderhandlungen drohen drakonische Strafen zwischen 30.000 und 600.000 Euro, die auf dem Artikel 45.3, Section b des Gesetzes 17/2015 über den spanischen Zivilschutz basieren. Das Problem ist die Durchsetzung, da die Spanier gewohnt sind, dass jede Verordnung ein 'Angebot' der Regierung ist, welches man befolgen kann, aber nicht muss.

In Málaga wurde der Priester der evangelikalen Sekte »Jesus con Nosotros« mit einem Bußgeld von 30.000 Euro belegt, weil er in seiner Kirche einen Gottesdienst mit 100 Gläubigen abgehalten hat. Der Priester behauptet, er habe alle Auflagen in Absprache mit seinem Anwalt eingehalten. Viele Urlauber halten die angeordneten Einschränkungen für Spaß. Auf Teneriffa und auf Mallorca wurden Touristen in Handschellen abgeführt, weil sie im Pool badeten oder sich provokativ auf der Straße zusammenrotteten.

Ab morgen werden alle Inlandsflüge vom spanischen Festland auf die Balearen, die Kanaren, Ceuta und Melilla eingestellt. Easyjet und TUI haben alle Flüge nach Spanien eingestellt, Ryanair hat seine Flüge um 80% reduziert. Mittlerweile gibt es auch Störungen im Luftverkehr, weil eine wichtige Fluglotsenstation wegen der Infizierung mehrerer Mitarbeiter geschlossen werden musste.

Wo alles so traurig und angespannt ist, gibt es auch Lustiges und Aufmunterndes. Da es Menschen verboten ist, ohne einen triftigen Grund auf die Straße zu gehen, hat sich ein Spaßvogel als Dinosaurier verkleidet, weil er dachte, das gelte für Tiere ja nicht. Da man Hunde noch einzeln zum Gassi gehen ausführen darf, hat ein anderer Spaßvogel einen Spielzeughund auf Rädern hinter sich her gezogen. Die Polizei ließ sich aber in beiden Fällen nicht von der Ausübung ihrer Pflicht abhalten. Die Online-Zeitung »The Olive Press« aus Gibraltar hat in einem Video eine Methode der Guardia Civil publiziert, wie man sich zuhause mit Hilfe von Kaffeefiltern eine Schutzmaske basteln kann.

Gesichtsmaske Kaffeefilter
The Olive Press ( Screenshot )

Der kubanische Künstler Ariel hat den fetzigen Corona-Song »Quedate en casa« (»Bleibt zuhause!«) ins Netz gestellt, der das Zeug hat, zum spanischen Song des Jahres zu werden:

In Madrid traten die Menschen auf ihre Balkone und machten Lärm mit ihren Kochlöffeln und Töpfen. Damit protestierten sie gegen die Nachricht, dass der ehemalige spanische König Juan Carlos von Saudi Arabien 100 Millionen US Dollar erhalten hat, die der Ex-Monarch auf einem Privatkonto in Panama parkte. Die Menschen verlangen nun, dass das Geld einem Fond für Opfer der Corona-Krise zur Verfügung gestellt. Der Sohn von Juan Carlos und derzeitige spanische König Felipe hat seinem Vater sofort die königliche Apanage gestrichen und ihm mitgeteilt, dass er sein Erbe ausschlagen wird.

Neben den erwartbaren Gewinnern der Krise wie Supermärkte, Lieferdienste, Netflix und Klopapierhersteller gibt es auch unerwartete Profiteure: So stiegen die Zugriffe auf die Webseite pornhub.com stark an. Online Dating-Dienste melden wachsende Nutzerzahlen. Hersteller von Sexspielzeug freuen sich über erhöhte Bestellungen. Ebenso Betreiber von Online Spielcasinos. Ende des Jahres dürften dann Hersteller von Babyartikeln eine Geschäftsbelebung erleben.

Die Polizei hat eine Hotline für Opfer von häuslicher Gewalt eingerichtet, weil solche Delikte wegen des andauernden Zusammenlebens der Familien in engen Wohnungen zunehmen. Zusätzlich wird die Auslastung der Scheidungsanwälte steigen, wie aus China berichtet wird.


Am Freitag dem 13. März 2020 verhängte der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez die erste Stufe des gesetzlichen Ausnahmezustands über Spanien. An diesem Tag gab es in Spanien mehr als 4.400 erkannte Infizierte und 123 Tote. Dies ist nur eine Momentaufnahme in einem sehr dynamischen Ausbreitungsprozess des Coronavirus und eine Verschärfung des Ausnahmezustands ist zu erwarten. Als nächstes werden wohl die Osterprozessionen verboten.

In Andalusien waren an diesem Freitag dem Dreizehnten 219 Corona-Fälle bekannt, darunter 69 innerhalb der letzten vier Stunden sowie 12 Fälle auf den Intensivstationen von Krankenhäusern. Ein 70-jähriger Patient ist gestorben. Er war im Xanit International Hospital in Benalmádena wegen einer anderen Krankheit in Behandlung und hatte sich dort angesteckt.

Neben den Einschränkungen, die derzeit überall in Europa wegen der Corona-Epidemie in Kraft treten, sind in Andalusien und in Gibraltar einige Besonderheiten zu beachten:

Mit Bestürzung hat man in Málaga, wie auch in Murcia und Valencia registriert, dass derzeit massenhaft Menschen aus dem mit 2.000 Infizierten besonders betroffenen Madrid in ihre Feriendomizile an der Costa del Sol und der Costa Blanca »umziehen« um den harten Einschränkungen der Bewegungsfreiheit in Madrid zu entgehen. Auf den Autobahnen A-4 und M-40 von der spanischen Hauptstadt nach Süden kam es zu langen Verkehrsstaus.

Einige hochrangige Politiker gingen dabei mit schlechtem Beispiel voran. So haben sich der frühere Premierminister José Aznar und seine Frau und ehemaligen Bürgermeisterin von Madrid Ana Botello zusammen mit ihren Bodyguards in ihre Villa in Marbella abgesetzt.

Ein 88-jähriger bereits infizierter Mann aus Madrid war mit dem Zug nach Murcia gefahren und hatte dort einen Supermarkt besucht, bevor er zusammenbrach und in das Los Arcos del Mar Menor Hospital eingeliefert wurde.

Da die Hotels nur noch zu 40% ausgelastet sind, machen drei Hotels der Soho Boutique Kette in Málaga aus der Not eine Tugend, haben den Betrieb eingestellt und ihre 150 Gästezimmer als Isolierstationen für klinische Fälle des Coronavirus zur Verfügung gestellt.

Die in Spanien lebenden Chinesen nehmen die Bemühungen der spanischen Regierung zur Eindämmung der Epidemie als chaotisch und halbherzig wahr. Daher denken viel darüber nach, nach China zurückzukehren, wo die Regierung »alles im Griff hat«.

Coronavirus in Gibraltar

In Gibraltar ist erst ein Coronafall aktenkundig. Der Mann war aus Italien zurückgekehrt, ist aber inzwischen genesen. 40 Personen, die möglicherweise Kontakte zu Infizierten hatten, befinden sich in häuslicher Quarantäne.

Dennoch wurde in Gibraltar das öffentliche Leben stark eingeschränkt um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Z.B. wurde ein geplantes Referendum über Abtreibung abgesagt.

Allerdings fallen einige Maßnahmen anders aus als in den meisten europäischen Ländern: Schulen und Kitas werden nicht geschlossen, um die älteren Menschen, die sonst als Kinderbetreuer einspringen müssten, nicht zu gefährden. Öffentliche Busse fahren nur noch zu bestimmten Zeiten, mit Ausnahme der Buslinie von der spanischen Grenze in die Innenstadt.

Dies ist nötig, weil viele Ärzte und Krankenschwestern aus Spanien nach Gibraltar einpendeln. Personen, die über 60 Jahre alt sind, dürfen überhaupt keinen Bus benutzen. Die Bezahlung mit Bargeld wurde verboten. Stattdessen soll nur noch unbar bezahlt werden. Wer kein Konto hat, bekommt eines eingerichtet. Die Lotterie wurde für drei Monate eingestellt, damit sich vor den Lottoannahmestellen keine Schlangen bilden. Der Verkehr mit Marokko wurde eingestellt.

Für Bars, Restaurants, kleine Hotels, Künstler, Kinos, Reiseveranstalter und -agenturen sowie Immobilienmakler in Spanien und Gibraltar brechen Existenz bedrohende Zeiten an. Selbst wenn die dortigen Regierungen mit Steuerstundungen und Kurzarbeitsgeld einspringen, können die meisten dieser kleinen Betriebe einen mehrmonatigen Geschäftsausfall finanziell nicht überleben.

Verfasst am 28. Mai 2020
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