Neue Stromtarife in Spanien

Es ist jetzt dringend erforderlich, dass du deinen spanischen Wortschatz um die drei Wörter valle, llana und punta erweiterst, ehe du nach mehr als 12 Monaten Corona-Pause deine spanische Ferienimmobilie zum ersten Mal wieder betrittst. Du könntest ohne die Kenntnis der drei Vokabeln bares Geld verlieren – mit dieser Kenntnis aber eventuell sogar gewinnen.

Seit dem 1. Juni wurde nämlich in Spanien gesetzlich ein neues Tarifmodell für den privaten Stromverbrauch verordnet. Bisher war es so, dass dir dein Stromversorger monatlich eine Rechnung mit einem festen Grundbetrag für die Bereitstellung einer Nennleistung von z.B. 5,5 Kilowatt berechnet hat sowie einen Betrag von ca. 12 Cent plus diverser Steuern für jede verbrauchte Kilowattstunde. Wenn du nun selten in deiner Ferienwohnung sein konntest, z.B. wegen der Pandemie, dann hast du monatelang nur den Grundpreis gezahlt.

Dieses Preismodell wurde nun geändert um dich zum sparsamen Verbrauch von Energie anzuregen. Die Großhandelspreise für eine Megawattstunde Strom sind von 17,65 Euro im Jahr 2020 auf 58,13 Euro im Jahr 2021 angestiegen und werden im 2. Halbjahr 65 Euro erreichen. Das hängt nicht nur mit den höheren CO2-Gebühren zusammen, sondern auch mit Problemen in der französischen Stromindustrie, die auf Atomkraft basiert. Am 29. April wurde ein Spitzenpreis von 79,80 Euro erreicht. Der Preisanstieg wird nur ungenügend gebremst durch die erneuerbaren Energien, die im April in Spanien einen Marktanteil von 53% erreichten. Spanien investiert dieses Jahr 1,55 Milliarden Euro in den Aufbau einer Wasserstoff-Wirtschaft. In zehn Jahren sollen in Spanien Elektrolyseure 4 Gigawatt grünen Wasserstoff erzeugen. Es geht los mit einem Elektrolyseur, den Iberdrola zusammen mit der amerikanischen Firma Cummins für 50 Millionen Euro bis 2023 in Guadalajara in Kastilien-La Mancha installieren wird

Der Grundpreis für Verbraucher soll nur noch 25% der Rechnung betragen, der Verbrauchsanteil hingegen 75%. Wenn du nicht in deiner Ferienwohnung bist, profitierst du also sogar von der neuen Regelung. Damit dein Elektrizitätsversorger im Durchschnitt mindestens so viel einnimmt wie bisher, wird der Verbrauchspreis allerdings teilweise drastisch angehoben – verbilligt sich aber zum Teil auch ebenso drastisch.

Nun kommt dein neuer Spanisch-Wortschatz ins Spiel. Die 24 Stunden eines Tages werden in die drei Zeitzonen hora valle, hora llana und hora punta aufgeteilt. Für jede Zeitzone gilt ein anderer Stromverbrauchspreis.

Hier das Preisschema des Stromversorgers Facua:

  • Hora valle: 13,49 Cent werktags 0-7 Uhr, Sa, So, Feiertage ganztägig
  • Hora llana: 17,95 Cent werktags 8-9 Uhr, 14-17 Uhr, 22-23 Uhr
  • Hora punta: 30,12 Cent werktags 10-13 Uhr, 18-21 Uhr

Die Stromanbieter können von diesem Zeitschema mit Spezialtarifen abweichen, wenn der Zweck der Verlagerung des Stromverbrauchs in verbrauchsarme Zeiten auch damit erreicht werden kann. Als Beispiel nennen wir hier den Tarif »Tempo happy« des Energieversorgers Endesa. Du kannst dir 2 Stunden pro Tag aussuchen, an denen du gar nichts für deinen Stromverbrauch bezahlst, also Null Euro. Das ist deine »Happy Hour«. Dafür bezahlst du aber in der tempo punta stolze 3,73 Euro pro Kilowattstunde! In der tempo valle immerhin noch 63 Cent und in der übrigen Zeit 25 Cent.

Es wird davon abgeraten, während der hora punta gleichzeitig zu bügeln, den elektrischen Wasserboiler anzuwerfen und die Pizza im Ofen zu backen, während die Klimaanlage für Kühlung sorgt und das Geschirr in der Spülmaschine auf Hochglanz gebracht wird. Während du als Wohnungsbesitzer vermutlich darauf achten wirst, werden sich deine Kurzzeit-Mieter im Urlaub keinen Kopf deswegen machen. Es empfiehlt sich daher, ein Strompreiskontingent im Mietpreis zu vereinbaren und alles, was darüber hinausgeht, über eine Kaution abzudecken.

Insbesondere solltest du nach deiner Ankunft in Spanien Kontakt mit deinem spanischen Stromversorger aufnehmen und klären, welcher Tarif für dich geeignet ist und fragen, auf welchen Tarif sie dich möglicherweise in deiner Abwesenheit bereits umgestellt haben!

Im September soll es einen QR-Code geben, mit dem der Stromkunde die Tarife mehrerer Anbieter vergleichen kann. Außerdem wir die spanische Regierung im September eine Awareness Kampagne zu den neuen Tarifen starten.

Verfasst am 12. Juni 2021
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