Gibraltar

Gibraltar ist eines der beliebtesten Ausflugsziele für Andalusien Urlauber. Die britische Enklave mit ihrem berühmten Felsen ist schon von weitem sichtbar und zudem auch bei Spaniern ein gern genutztes Shopping-Paradies.
Gibraltar
Blick vom Felsen auf Gibraltar und seinen Flughafen ( © DW )

Gibraltar – britisches Flair in Südspanien

Auf einer Halbinsel im südlichen Spanien sowie im Norden der Meerenge von Gibraltar liegt das britische Überseegebiet Gibraltar. Das Land ist nur 6,5 Quadratkilometer groß, besitzt einen Hafen sowie einen eigenen Flughafen. Regelmäßige Flugverbindungen gibt es mehrmals wöchentlich nach London sowie nach Manchester in Großbritannien. Von Spanien aus ist Gibraltar mit dem Bus oder dem Auto zu erreichen, die Busfahrt von Marbella dauert etwa eine Stunde.

Eine Bahnverbindung endet in Algeciras auf der Gibraltar gegenüberliegenden Seite der Bucht von Algeciras. In Andalusien – direkt hinter der Stadt La Línea de la Concepción – befindet sich der Grenzübergang. Die Straße quer führt über den Flughafen von Gibraltar in die gleichnamige Stadt. Immer, wenn ein Flugzeug startet oder landet, muss diese Hauptstraße nach Spanien gesperrt werden.

The Rock – Rückzugsgebiet der Neandertaler

Bereits vor über 28.000 Jahren wurden die natürlichen Höhlen im Felsen Gibraltars von Neandertalern bewohnt. Die alten Griechen sprachen im Altertum von den Säulen des Herakles und meinten damit den Gipfel des Berges Musa in Marokko und den Felsen von Calpe (Gibraltar), welche die Meerenge von Gibraltar einfassen. Wie der griechische Dichter Pindar berichtet, brachte der griechische Held Herakles am Ausgang des Mittelmeeres die Inschrift »Nicht mehr weiter« an, um das Ende der Welt zu markieren. Die lateinische Übersetzung dieses Spruches, »Non plus ultra« wurde Bestandteil des spanische Wappens.

Die Mauren mit ihrem Feldherrn Tariq ibn Ziyad erkannten als Erste die strategisch wichtige Lage der Halbinsel. Sie nahmen den »Dschebel Tariq« im Jahr 711 ein und benannten den Felsen nach seinem Eroberer. Um 1160 bauten sie eine Festung, die unter dem Namen »Moorish Castle« bekannt ist. Erst seit der Rückeroberung im Jahr 1492 gehörte die Halbinsel wieder zu Spanien.

Während der Englisch-Niederländischen Seekriege besetzten erst die Niederlande und danach die Briten Gibraltar. Im Vertrag von Utrecht erhielten die Briten im Jahr 1713 das Gebiet zugesprochen, seit 1830 gehört es zur britischen Kronkolonie. Seitdem versuchten die Spanier häufiger die Festung zurückzuerobern, scheiterten allerdings.

Bis heute sorgt Gibraltar für Spannungen zwischen Großbritannien und Spanien. Über eine längere Zeit war die Grenze von Spanien nach Gibraltar geschlossen. Militärisch ist die Straße von Gibraltar von großer Bedeutung, sie verbindet das Mittelmeer mit dem Atlantischen Ozean.

Ausflüge nach Gibraltar
 

Einkaufsparadies und Affenfelsen

Beliebt ist Gibraltar bei den Touristen Andalusiens sowie bei den Spaniern als Einkaufsparadies. Sämtliche Artikel sind mehrwertsteuerfrei und die Preise sind ermäßigt, allerdings nicht immer günstiger als in Spanien. Speziell an der Main Street sowie in den umliegenden Straßen gibt es zahlreiche Geschäfte. Günstig erwerben können Besucher Gibraltars Parfüm, Schnitzereien, Lederartikel, Armbanduhren, elektronische Geräte, Kameras sowie Zigaretten und Alkohol. Kaschmirwolle, Leinen sowie Seide sind ebenfalls relativ günstig.

Der spanische Zoll ist verärgert über die jährliche Einfuhr von 72 Millionen Schachteln Zigaretten nach Gibraltar. Würde diese Menge innerhalb Gibraltars verbraucht, müsste jeder der 34.000 Einwohner täglich 5,8 Schachteln verqualmen. Da das nicht so ist, verwundert es nicht, dass im Jahr 2017 alleine in Andalusien 4,5 Millionen Schachteln Zigaretten und 70 Tonnen Tabak vom spanischen Zoll konfisziert wurden. Das sind 54% aller in Spanien aufgebrachten illegalen Zigaretten und 63% des illegalen Tabaks.

Mehrere Aussichtspunkte befinden sich auf dem Felsen. Hier leben die quirligen Berberaffen. Ob sie von den Mauren aus Marokko mitgebracht wurden oder aus Südeuropa stammen, ist ungewiss. Während einer Belagerung Gibraltars um 1780 wurden die Engländer angeblich von den Affen vor einem Nachtangriff gewarnt. Seitdem kursiert die Legende, dass mit dem Aussterben des letzten Affen auch die britische Herrschaft über Gibraltar beendet ist. Zur Stärkung des Affenstamms, ließ Winston Churchill Berberaffen aus Marokko importieren.

Um die Aussicht vom Felsen zu genießen, kannst du entweder die Seilbahn (Cable car) nehmen, mit dem eigenen Auto hochfahren oder dir ein (Sammel-)Taxi im Stadtzentrum nehmen. Die Seilbahn ist ganzjährig in Betrieb, startet am Alameda Park und führt über einen Zwischenstopp am Apes' Den direkt zum Gipfel.

»The Rock«, wie der Felsen gern genannt wird, besteht aus Kalksandstein und besitzt zahlreiche Tunnel und Höhlen. Zu den Sehenswürdigkeiten in Gibraltar gehören die Tropfsteinhöhle St. Michael’s Cave sowie die Gorham-Höhle. Die Gorham-Höhle ist ein wichtiger archäologischer Fundort, sie wurde während der Steinzeit jahrtausendelang von Neandertalern bewohnt. Gefunden wurden Muschelschalen, Schaber, Messerklingen sowie Reste von Schildkröten, Robben und Delfinen. Vom Ausgang der Höhle im Küstengebirge gibt es einen weiten Blick über das Meer. Außerdem sind in den Fels geschlagene Verteidigungsanlagen sowie Tunnelanlagen zu besichtigen.

An der Südspitze des Felsens steht der Leuchtturm »Gibraltar Trinity Lighthouse«, und zwar seit 1841. Ebenfalls an der Südspitze steht die Wallfahrtskirche Santuario de Nuestra Señora de Europa aus dem Jahr 1309. Die Ibrahim-al-Ibrahim-Moschee wurde in den 1990er Jahren errichtet. Ein Verlies im Moorish Castle sowie eine maurische Zisterne, die Nun’s Well sind sehenswert. Die fast vollständig erhaltenen Stadtmauern stammen teilweise aus der maurischen Zeit.

Nachtleben im subtropischen Klima

Die Stadt Gibraltar liegt auf der Westseite des Felsens. Erbaut wurde sie auf den Ruinen einer maurischen Stadt aus dem 12. Jahrhundert sowie einer spanischen Stadt aus dem 15. Jahrhundert im britischen Regency-Stil des 18. Jahrhunderts. Einen Einblick in die interessante Geschichte Gibraltars kann sich der Besucher im Gibraltar Museum verschaffen. Gegenstände aus der Zeit der Mauren, Spanier und Briten sind zu sehen.

Zahlreiche Bistros und Restaurants bieten kulinarische Köstlichkeiten an. Zur Auswahl stehen frische Meeresfrüchte sowie spanische, britische, französische, chinesische und indische Restaurants. Zum Feiern gibt es mehrere Nachtklubs sowie Diskotheken, die wie üblich im Mittelmeerraum bis in den frühen Morgen geöffnet haben. Ebenso hat der Komplex des Casinos, zu dem ein Restaurant, ein Nachtklub sowie die Spielsäle gehören bis in die Morgenstunden geöffnet. Während der Sommermonate gibt es zusätzlich ein Dachrestaurant.

Gibraltar ist in Europa der bedeutendste Anbieter von Online-Glücksspiel. Falls im Brexit keine Sonderkonditionen für Gibraltar vereinbart werden, droht die Abwanderung vieler dieser Firmen nach Malta.

Nachdem nun auch die Iren für eine Lockerung der Abtreibung votiert haben, ist Gibraltar das einzige Territorium in der EU, in dem Abtreibung mit Gefängnis bestraft wird und zwar nach Sektion 162 des 2011 verabschiedeten Crimes Act von Gibraltar. Die Regierung von Gibraltar hat sich ausdrücklich gegen eine Lockerung ausgesprochen, »weil es genügt, dass schon die gleichgeschlechtliche Zivilehe eingeführt wurde«.

Naturliebhaber sind von der Vegetation sowie von den zahlreichen Arten von Zugvögeln, die hier einen Halt einlegen, begeistert. Insgesamt gehören fünf Strände unter anderem der Eastern Bay, der Catalan Bay sowie der Sandy Bay zu Gibraltar.

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