Spanische Nationalhymne – Marcha Real

Hat die spanische Nationalhymne einen Text?
Nein. Die Marcha Real besitzt offiziell keinen Text – sie ist eine reine Melodie. Genau deshalb stehen Spaniens Fußballerinnen und Fußballer bei internationalen Turnieren stumm auf dem Rasen, während die Hymne erklingt.
Es gab im Lauf der Jahrhunderte zwar immer wieder Anläufe, Worte zu ergänzen, doch keiner davon wurde je amtlich anerkannt. Spanien teilt diese Eigenheit mit nur wenigen anderen Ländern; in der EU ist es das einzige.
Marcha Real – der Königliche Marsch
Im Jahr 1761 wurde die Melodie erstmals schriftlich festgehalten – und zwar im »Libro de la Ordenanza de los toques militares de la Infantería Española« (Buch der Ordnung der militärischen Signale der spanischen Infanterie), zusammengestellt von Manuel de Espinosa de los Monteros, Oboist und Kapellmeister der königlichen Hofkapelle. Dort trägt das Stück noch den Titel Marcha Granadera (Grenadiermarsch). Nach diesem Dokument gilt Espinosa als Komponist.
Sicher ist: Die spanische Nationalhymne zählt zu den ältesten in Europa. Um den Marsch an der Front spielen zu können, war er anfangs nur mit Trommeln und Querflöten instrumentiert – und hatte keinen Text.
Übrigens hält sich bis heute der Mythos, kein Geringerer als Friedrich II. von Preußen habe die Melodie komponiert und sie Karl III. geschenkt. Diese Geschichte ist jedoch frei erfunden und tauchte erst im 19. Jahrhundert auf.
Auch nicht abschließend geklärt ist, seit wann die Marcha Real die offizielle Hymne Spaniens ist. Die Behauptung, Karl III. habe den Marcha Granadera 1770 per Dekret zum offiziellen »Ehrenmarsch« erklärt, ist unter Historikern umstritten. Belegt ist hingegen die Nutzung in der Regierungszeit Isabellas II. Mitte des 19. Jahrhunderts unter dem Namen Marcha Real. Weil der Marsch stets dann gespielt wurde, wenn der König oder die Königin offiziell in Erscheinung trat, verband die Bevölkerung ihn untrennbar mit dem Hof – so bürgerte sich der Name »Königlicher Marsch« ein.
Seit dieser Zeit ist der Königliche Marsch die offizielle Nationalhymne von Spanien. Nur in der Zeit der 2. Republik (1931 bis 1939) wurde die Melodie des Himno de Riego genutzt – ein Lied zu Ehren von Rafael del Riego, der 1820 einen Aufstand gegen den absolutistischen König Ferdinand VII. anführte.
Diese Jahre, der sogenannte Trienio Liberal (1820–1823), brachten kurzzeitig die liberale Verfassung von 1812 zurück. Nach seinem Sieg im Spanischen Bürgerkrieg (1936 bis 1939) setzte Francisco Franco aber wieder den alten Marcha Real als Nationalhymne ein.
Warum singen die Spanier ihre Hymne nicht mit?
Der Grund ist einfach: Es gibt schlicht keinen Text, den man mitsingen könnte. Dahinter steckt aber mehr als ein Zufall der Geschichte. Die Marcha Real ist über Jahrhunderte eine Melodie des Königshauses geblieben, eng verbunden mit der Monarchie und den Bourbonen.
Ein verbindlicher Text müsste außerdem ein Land mit sehr unterschiedlichen Regionen und Identitäten gleichermaßen ansprechen – von Andalusien über Katalonien bis ins Baskenland. Genau an diesem Konsens sind bisher alle Versuche gescheitert. So bleibt die Hymne politisch neutral, weil sie eben keine Worte transportiert.
Texte der spanischen Nationalhymne
Bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts gibt es Bestrebungen, der spanischen Hymne einen Text zu verpassen. Bisher ist es aber niemandem gelungen, eine offizielle Fassung zu etablieren, auch wenn einzelne Texte im Lauf der Zeit große Popularität erlangten. Die ältesten Verse schrieb Ventura de la Vega im Jahr 1843:
Venid españoles
Al grito acudid.
Dios salve a la Reina,
Dios salve al país.Kommt, ihr Spanier,
folgt dem Ruf.
Gott schütze die Königin,
Gott schütze das Land.
Der nächste Versuch wurde unter der Herrschaft König Alfons' XIII. (1886–1931) unternommen. In dieser Zeit unterlegte Eduardo Marquina die Marcha Real mit den Zeilen »Vida, vida, futuro de la Patria, que en tus ojos es abierto corazón«. Ins Deutsche übersetzt bedeutet das: »Leben, Leben, Zukunft des Vaterlandes, das in deinen Augen ein offenes Herz ist.«
Während Francos Diktatur (1939–1975) wurde die Hymne gelegentlich mit Versen des Dichters José María Pemán gesungen. Diese Textfassung war noch im Auftrag von Miguel Primo de Rivera entstanden, wurde aber – wie alle anderen – nie offiziell anerkannt. Nach der Diktatur sollte der Text von Eduardo Marquina amtlich werden; König Juan Carlos I. sprach sich jedoch dagegen aus.
Der bisher letzte größere Anlauf folgte 2008, damit spanische Sportlerinnen und Sportler ihre Hymne mitsingen können. Das Nationale Olympische Komitee initiierte einen Wettbewerb, bei dem über 7.000 Vorschläge eingingen. Noch bevor der Siegertext offiziell verkündet werden konnte, wurde er von der Öffentlichkeit mehrheitlich abgelehnt. Das Projekt wurde beendet – und so besitzt die spanische Nationalhymne bis heute nur eine Melodie und keinen Text.
Häufige Fragen zur spanischen Nationalhymne
Wie heißt die spanische Nationalhymne?
Sie heißt »Marcha Real«, auf Deutsch »Königlicher Marsch«. Ein älterer Name ist »Marcha Granadera« (Grenadiermarsch).
Wer hat die spanische Nationalhymne komponiert?
Als Komponist gilt Manuel de Espinosa de los Monteros, in dessen Notenbuch von 1761 die Melodie erstmals auftaucht. Der ursprüngliche Urheber ist letztlich nicht zweifelsfrei belegt.
Warum hat die spanische Nationalhymne keinen Text?
Die Marcha Real entstand als reiner Militärmarsch ohne Worte. Spätere Textversuche scheiterten am fehlenden Konsens zwischen den Regionen und an der engen Bindung der Melodie an die Monarchie.
Seit wann gibt es die spanische Nationalhymne?
Die Melodie ist seit 1761 schriftlich belegt. Als offizielle Nationalhymne setzte sie sich Mitte des 19. Jahrhunderts unter Isabella II. durch.
Spanien Magazin

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