Wein aus Andalusien

Eine Visite der zahlreichen Bodegas in Andalusien mit einer Verkostung der berühmten und exzellenten Weine darf im Andalusien Urlaub nicht fehlen! Der Besuch der charmanten Weingüter ist eine erstklassige Gelegenheit, deine Urlaubsregion zu erkunden und zu genießen.
Wein Andalusien
Weiße Rebsorten werden vor allem für den berühmten Sherry verwendet ( © Kiko Jimenez – Fotolia.com )

Weinsorten, Weingebiete & Weinrouten in Andalusien

Andalusien war schon in der Antike eine berühmte Weinanbauregion und ist heute das zweitgrößte Weinbaugebiet von ganz Spanien. Viele der qualitativ hochwertigen Weine besitzen eine Ursprungsbezeichnung (D.O. – Denominación de Origen). Zu den wichtigsten zählen der Condado de Huelva, Jerez / Xérés / Sherry y Manzanilla de Sanlúcar de Barameda, Sierras y Montes de Málaga und Montilla-Moriles. Gleichzeitig ist Andalusien eins der südlichsten Weinanbaugebiete von Spanien: Auf einer Fläche von 25.000 Hektar werden in kleinen Weingärten und Weinbergen sowohl an der Küste als auch bis auf eine Höhe von 700 m die edlen Reben gezogen und Trauben geerntet.

Wenn man mal vom Sherry absieht, findet man in Restaurants und Weinhandlungen Wein aus Andalusien eher selten. Dort werden überwiegend Weine aus dem Rioja (Nordspanien), La Mancha (südlich von Madrid), Ribeiro (Galizien), Cariñena (Aragon) oder der Jumilla (Murcia) kredenzt. Ob dir die in Andalusien angebauten Weine schmecken, musst du selbst herausfinden. Weiter unten erhältst du ein paar Hinweise, wonach du suchen musst.

Geschichte des Weins in Andalusien

Bereits 4.000 vor Christus pflanzte man Weinstöcke in Andalusien und kelterte die Trauben zu köstlichen Weinen. Im Jahr 1.100 vor Christus kam der Weinbau so richtig in Schwung und erlebte unter den Phöniziern eine erste Blütezeit in Cádiz. Karthager und Römer setzen die phönizische Weinbautradition fort: Römer in der Hauptstadt und Legionäre im Feld ließen sich den andalusischen Tropfen munden. Das bezeugen Funde in römischen Amphoren.

Während der maurischen Besetzung war Alkohol eigentlich verboten und die Reben von Jerez sollten sogar alle vernichtet werden. Die Bevölkerung verhinderte das, indem sie vorgab, die Trauben für die Herstellung von Rosinen oder zur Destillation von Alkohol zu medizinischen Zwecken oder zur Parfümherstellung zu benötigen. In Málaga wurde »Xarab Al Malaqui« (Málaga-Sirup) hergestellt, für den die Erzeuger lediglich eine zusätzliche Steuer an den muslimischen Klerus entrichten mussten.

Weinanbau in Andalusien

Weiße Rebsorten sind es vor allem, die in Andalusien prächtig gedeihen. Dank der Hitze erreichen sie ein hohes Mostgewicht. Dieses beschert den Sherrys und Süß- und Likörweinen aus Málaga außer dem hohen Alkoholgehalt einen unverwechselbaren Geschmack. Typisches Kennzeichen des andalusischen Weins ist der oxidative Geschmack, ein kräftiger Körper und die beinahe bernsteinähnliche Farbe. Angebaut werden bevorzugt Moscatel, die Trauben Pedro Ximénez und Zaleta sowie Palomino Fino für Sherry.

Dass der Wein hier so gut wächst, dafür sorgen Klima, Topografie und Geologie. Diese 3 Faktoren machen Andalusien zum perfekten Anbaugebiet für hochwertige und international geschätzte Weine. Heiße und trockene Sommer wechseln sich ab mit milden Winter. Und auch die 3.000 Sonnenstunden im Jahr sorgen für einen hohen Alkohol- und Restzuckergehalt der Weine. Günstig für den Weinbau sind auch die steile Hänge und sanften Hügel. Böden aus Kalk, Ton und Sandstein liefern wertvolle Mineralien und speichern außerdem die Hitze und Feuchtigkeit und geben diese nachts an die Rebstöcke ab.

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Andalusische Weine im Überblick

Jetzt wird es Zeit, dir die wichtigsten Weine aus Andalusien näher vorzustellen, damit du in deinem nächsten Urlaub in Andalusien oder bei der Bewirtung deiner Gäste in den eigenen vier Wänden mit Fachwissen punkten kannst.

Málagawein

Besonders bekannt ist der sehr süße Málagawein aus der Provinz Málaga. Bereits in der Antike trank man gerne ein Gläschen nach einem üppigen Mahl. In der Küche verfeinert man vor allem in Italien mit Málagawein Saucen und Desserts, mariniert Fleisch und Fisch und legt Rosinen in ihm ein etwa für die bekannte Speiseeissorte »Málaga«.

Moscatel und Pedro Ximenez sind die Haupttrauben des Anbaugebiets Sierras y Montes de Málaga, das sich nördlich und östlich von Málaga ausbreitet. Die schwere, goldgelbe, süße Muskatellertraube ist dir vielleicht schon mal begegnet. Die Rebsorte Pedro Jimenez soll im 16. Jahrhundert von einem Peter Siemens aus dem Rheintal nach Málaga gebracht worden sein, einem Soldaten Karls V. Aus dem Namen des deutschen Soldaten machten die Spanier dann »Pedro Jimenez«.

Beispiele für Weine Sierras de Málaga sind:

  • Botani Moscatel Seco von Bodegas y Viñedos Botani in Vélez-Málaga
  • Moscatel Iberia vom Weingut Málaga Virgen in Málaga

Das Weinbaugebiet Serranía de Ronda ist räumlich von den Montes de Málaga abgetrennt, wird aber zu den »D.O. Sierras von Malaga« hinzugerechnet. .

Bei der Stadt Setenil de las Bodegas lagerten die Römer bereits ihren Wein in Höhlen. Dort befindet sich Rondas größter Weinberg »Ramos Paul«.

Die meisten der rund 30 Weinberge von Ronda liegen auf einer Höhe zwischen 750 und 1000 m. Hier werden Rot- und Weißweine erzeugt, die sowohl vom warmen Mittelmeerklima als auch von den kühleren atlantischen Wettereinflüssen profitieren.

Rotweine sind oft eine Mischung aus Romé, Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah, Petit Verdot und Tempranillo. Weißweine basieren auf Rebsorten wie Chardonnay, Macabeo, Colombard und Sauvignon Blanc.

Beispiele für Wein aus der Serrania de Ronda:

  • Rotwein Estuche Botella Magnum vom Weingut Ramos Paul in Ronda (55% Tempranillo, 25% Cabernet Sauvignon, 10% Syrah, 10% Merlot)
  • Junger Rotwein 7mil Pasos von der Finca Las Mesetas in Setenil de las Bodegas

Sherry

Auch die Sherryweine sind fast jedem ein Begriff. Ihren typischen Geschmack verdanken sie einem speziellen Reifeprozess. Im 18. Und 19. Jahrhundert gönnten die Engländer sich gerne distinguiert ein Gläschen Sherry und nahmen ihn mit in die Welt. Sherry mit seinem speziellen Aroma wird überwiegend aus Palominotrauben hergestellt. Dem Grundwein wird nach der Gärung Brandy aus der Region La Mancha beigemischt, also nicht etwa der teure Brandy aus Jerez de la Frontera!

94% der Anbaufläche, die für die Produktion von Sherry genutzt wird, ist mit der Palomino-Fino Traube bepflanzt. Auf dem kleinen Rest der Fläche gedeihen Muskateller und Pedro Ximenez Trauben, die zum Verschnitt der Sherrys verwendet werden.

Der Name der Region Xérés leitet sich aus dem altgriechischen Wort für »trocken« ab. 1587 plünderte Francis Drake den Hafen von Cádiz und brachte 2.900 erbeutete Sherry-Fässer nach England. Das begründete die Vorliebe der Briten für Sherry. 1894 bis 1933 vernichtete die Reblaus fast alle Reben, so dass Sherry nur aus dem Alt-Bestand verkauft werden konnte.

1961 kaufte die Firma Rumasa fast alle Sherry-Erzeuger auf und der Sherry Markt brach zusammen. 1983 wurde Rumasa durch die sozialistische Regierung zerschlagen, weil die Überschuldung von Rumasa die gesamte spanische Wirtschaft gefährdete. Rumasa kontrollierte damals 2% des spanischen Brutto-Sozialprodukts.

Die wichtigste Sherry-Sorte ist der Fino. Er wird nach dem so genannten Solera Verfahren verschnitten. Dazu werden Weinfässer verschiedener Jahrgänge übereinander gestapelt. Ganz unten liegen die ältesten Weine. Jedes Jahr wird ein Teil des Weines aus den oberen Fässern in die unteren Fässer beigemischt. So wird über die Jahre eine gleichbleibende Qualität sichergestellt. Fino gibt es in drei Geschmacksrichtungen: Dry, Medium und Creme, also von herb bis süß. Er hat eine stroh- bis hellgoldene Farbe.

Bekannte Hersteller sind die Bodegas Domecg, Osborne, González Byass (Tío Pepe) und Sandeman. Derzeit werden etwa 300.000 Hektoliter Sherry exportiert, vor allem nach Großbritannien, Deutschland und in die Niederlande. Da Sherry ähnlich schmeckt wie Reiswein, sollten sich in Zukunft auch Exportchancen nach China, Korea und Japan ergeben.

Weitere Sherry-Sorten sind der Oloroso und der Palo cortado. Sie unterscheiden sich vom Fino durch eine andere Behandlung der Hefe-Florschicht und haben eine andere Farbe, z.B. Rot.

Beispiele:

  • Oloroso de Anada von BT Bodegas Tradicion in Jerez
  • Palo Cortado von den Bodegas Gutierrez Colosia in El Puerto de Santa María

Besonders exklusiv und süß ist Sherry aus der Muskateller-Traube, die vor der Gärung getrocknet werden.

Beispiele:

  • Moscatel Sweet vom Weingut Guitiérrez Colosia in El Puerto de Santa María
  • Sherry Moscatel Superior Emilin Solera Reserva vom Weingut Lustau in Jerez

Ein Teil der Ernte wird zu Brandy verarbeitet. Bekannt sind hier vor allem die Marken Osborne, Cardenal Mendoza, Carlos 1 bis 5. Da bei den Mauren Alkohol verboten war, destillierten sie ihn für Parfüms und medizinische Zwecke. So fanden die Christen bereits eine funktionierende Branntweinherstellung im Gebiet von Jerez vor. Seit dem 19. Jahrhundert wird Brandy de Jerez exportiert.

Der Manzanilla ist eine Fino-Sorte, die nur auf dem Gebiet der Stadt Sanlúcar de Barrameda im Sherry-Dreieck hergestellt wird. Wegen der Atlantikwinde hat der Manzanilla eine leicht salzige, zartbittere Note.

Beispiele:

  • Manzanilla La Goya von der Bodega Delgado-Zuleta in Sanlúcar
  • Manzanilla Maruja von den Bodegas Juan Pinero in Sanlúcar

Montilla-Moriles

Im diesem etwa 10.000 Hektar umfassenden Weinanbaugebiet südlich und südöstlich von Córdoba werden überwiegend Pedro-Ximénez Reben angebaut und ebenso die Sorten Moscatel, Verdejo und Torrontés. Die alkoholstarken Weine erinnern vom Geschmack und Farbe an Sherry.

Die Gärung erfolgt in großen Tonkrügen, den so genannten Tinajas. Der Traubenmost wird verwendet zur Erzeugung von Branntwein, Tafelwein und jungem Wein »Vino Joven«. Das meiste aber wird zu Oloroso und Amontillado für den Sherry Hersteller Pedro Jimenez in Jerez verarbeitet.

Beispiele für Wein aus Montilla-Moriles:

  • Vino Generoso von der Bodega Alvear in Montilla (ein Oloroso auf Basis von Pedro Ximenez Trauben)
  • Pedro Ximenez Cream der Bodega Toro Albala in Aguilar de la Frontera

Condado de Huelva

Das Weinanbaugebiet in der Provinz Huelva liegt am Atlantik und nicht weit von der portugiesischen Grenze entfernt. Auf rund 86% der Anbaufläche wächst überwiegend die Rebsorte Zalema. Weinbauern keltern aus den Trauben rund 114.000 hl Wein. 19 Bodegas und 178 autonome Winzer übernehmen die Vermarktung.

Als Christoph Kolumbus nach Amerika segelte, brach er mit seinen Schiffen vom Hafen in Palos de la Frontera nahe Huelva auf. Zum Proviant gehörte auch reichlich Wein. Die nächstgelegenen Weinberge befanden sich in der Gemeinde Palos.

Die Huelva-Weine waren also die ersten spanischen Weine, die nach Amerika exportiert wurden. Die Weinsorte Condado de Huelva sind heute in den USA als »Discovery-Weine« bekannt. Sie schmeckt so ähnlich wie Oloroso (siehe Sherry).

Außerdem wurde noch aus der einheimischen Rebsorte Zalema die Weinsorte Condado Viejo, hergestellt. Sie wurde jedoch von ihrem berühmtesten Verwandten – dem Sherry von Jerez – in den Schatten gestellt. Daher hat man viele dieser Weingüter aufgegeben und stattdessen Erdbeeren angepflanzt.

Ein Weingut – Cooperativa Nuestra Señora del Rocío in Almonte – hat sich nicht mit der Herstellung von Tafelweinen begnügt, sondern produziert nun den einzigen Sekt Andalusiens, den »Raigal«.

Beispiele für Wein aus Huelva:

  • Raigal Espumoso Brut Nature von der Bodega Cooperativa Nuestra Señora del Rocío in Almonte
  • PAR Vino naranja von den Bodegas Iglesias in Bollulos Par de Condado

Eine große Auswahl an andaluischen Weinen gibt es im Online-Shop von vinos.de.

Weinkultur

Rund um den Weinbau in Andalusien rankt sich eine ganze Kultur von Festen und Feiern, Weingütern und Bodegas, Veranstaltungen und Museen. Bereits Ende August und Anfang September erwachen die Weinberge zum Leben und emsige Arbeitskräfte sammeln die reifen Trauben. Dabei spielt der richtige Augenblick der Ernte, zum optimalen Reifegrad der Trauben, eine entscheidende Rolle für die spätere Qualität des Weins. Schon in den frühen Morgenstunden beginnt der Tag im Weinberg und zieht sich bis in die Mittagsstunden. Vom Weinberg geht es in die Kelter. Länger als 1 Stunde darf das Keltern nicht dauern, da sich sonst schädliche Bakterien bilden. Danach reift der Wein in schweren Fässern in den Kellern der Bodegas.

Weinrouten in Andalusien

Rutas de Vino y Brandy de Jerez
Zahlreiche Bodegas, Önotheken, hübsche Hotels, Restaurants und Museen säumen diese Weinroute durch den Süden Andalusiens. Freu dich auf spannende Aktivitäten wie Weinverkostungen, Führungen, Verkauf von lokalen Produkten und Wein-Degustationskurse. Dazu locken interessante Städte wie Jerez de la Frontera, Sanlúcar de Barrameda und Chipiona und nicht zu vergessen die kilometerlangen Sandstrände der Costa de la Luz.

Ruta del Vino Montilla-Moriles
Die Ruta del Vino Montilla-Moriles führt dich durch das Landesinnere von Andalusien vorbei an den Städten Córdoba, Lucena und Moriles. In der Sierra de Montilla findest du zahlreichen Weinberge, Weinpressen und Weingüter vor, die zur Weinverkostung laden. Dank der langen Weinbautradition der Gegend, erfährst du einiges über uralte Herstellungstechniken und genießt ein breites Weinangebot. Dazu bietet die Gegend interessante Sehenswürdigkeiten und verlockt mit ihrer Gastronomie.

Costa del Sol Weinroute
Auch die Tourismusverantwortlichen von Málaga haben sich eine Weinroute ausgedacht. Sie führt durch die Montes de Málaga, die reizvolle Axarquía und die spektakuläre Serranía de Ronda. Entlang der Küste bietet die Route eine Mischung aus Weingütern, römischen Ruinen (Torrox), weißen Dörfern und der pulsierenden Stadt Málaga.

Ruta del Vino Condado de Huelva
Auf dieser reizvollen Route solltest du von den Weinkellern und Bodegas aus einen Abstecher in die Stadt Niebla am Río Tinto machen. Im Sommer sind die Burg und gut erhaltene Altstadt Schauplatz eines bekannten Theaterfestivals mit Stücken von Shakespeare. Und auch der Río Tinto mit seiner Bergwerkstradition lohnt einen Besuch, so wie der nahe Nationalpark Coto de Doñana und das Badeparadies Matalascañas.

Weinfeste in Andalusien

Zahlreiche Weinfeste finden vor allem im September, der Zeit der Weinlese, statt. Hier lohnt ein Blick in den örtlichen Veranstaltungskalender – sicher findet auch in der Nähe deines Urlaubsortes jetzt ein Weinfest statt. Zu den beliebtesten Festen gehören das Weinfest in Jerez de la Frontera im September und die Weinverkostung der Montilla Weine in Córdoba im April.

Weinmuseen in Andalusien

Zu den interessanten Weinmuseen zählt das Museo del Vino in Málaga mit rund 400 Ausstellungsstücke vom Flaschenetikett über Fassdeckel bis zu Plakaten. Auch in Ronda, Ojén und Torrijos informieren und inspirieren Weinmuseen über die Weinkultur in Andalusien.

Fazit

Der vortreffliche Wein in Andalusien ist ein Genuß. Besonders zu einem köstlichen Mahl mit Fischspezialitäten oder gegrilltem Fleisch. Davor zum Aperitif oder im Anschluss an ein gelungenes Essen. Oder einfach nur zur Feier des Tages und um das Leben zu genießen. Wein aus Andalusien – eine weitere Facette der vielfältigen Kultur im Urlaubsparadies Andalusien.

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