Kriminalität in Andalusien

In diesem Beitrag bekommt du interessante Einblicke zum Thema der Kriminalität in Andalusien. Von Armutskriminalität, Korruption und Vetternwirtschaft bis hin zu den Machenschaften der Mafia in Andalusien.
Kriminalität Andalusien
Die nationale und lokale Polizei in Spanien ( © uzkiland - Fotolia.com )

Kleinkriminelle, Mafiabosse und korrupte Politiker

Mord, Raub, Sexualdelikte, Betrug, Drogenhandel, Geldwäsche, Korruption, Terrorakte, Menschenschmuggel, Umweltvergehen und andere Straftaten gibt es in nahezu allen Gesellschaften. Ich möchte heute der Frage nachgehen, ob es Kriminalitätsmuster gibt, die für Andalusien besonders typisch sind und auf die sich der Andalusien-Besucher vielleicht einstellen sollte.

Auf jeden Fall kann man für die Kriminalität in Andalusien einige wichtige Ursachen benennen:

  • Armut
  • Einwanderungsdruck durch Ausländer
  • das spanische Unvermögen, Gesetze in praktisches Handeln umzusetzen
  • die allgegenwärtige Versuchung, öffentliches Eigentum in die eigene private Gruppe umzuleiten
  • die Gleichgültigkeit bei der Vernichtung einer intakten Umwelt.

Andalusische Armutskriminalität

Die spanische Immobilienkrise von 2008 und die mit ihr einhergehende Pleitewelle in der Wirtschaft mit anschließender Massenarbeitslosigkeit, hat die andalusischen Küstenprovinzen Cádiz und Málaga in besonderem Maße getroffen. Die Folge ist, dass sich mehr Menschen erhoffen, durch Teilnahme am Drogenhandel ihrer persönlichen wirtschaftlichen Misere entfliehen zu können. Schon immer haben offizielle spanische Stellen den Zwergstaat Gibraltar verdächtigt, als Drehscheibe für den Drogenschmuggel nach Westeuropa zu dienen. Damit wird davon abgelenkt, dass in den letzten Jahren immer mehr Drogen in andalusischen Gewässern und in den andalusischen Hafenstädten aufgebracht werden, die direkt aus Marokko oder Südamerika nach Spanien verbracht werden. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht größere Drogenfunde gemeldet werden, insbesondere in Algeciras, Tarifa, im Campo de Gibraltar und der Bucht von Cádiz.

Am 23. Mai 2019 beschlagnahmt die Polizei in Sevilla 1.000 kg Kokain, das in Bananenkartons geschmuggelt wurde. Eine Zeit lang war es Mode, dass die Drogen von weit draußen auf dem Meer ankernden Schiffen mit schnellen Speedbooten an Land gebracht wurden. Da wunderten sich manche Touristen am Strand, wie schnell das am helllichten Tag ablief. Nachdem sich die Polizei auf diesen Transportweg eingestellt hat, werden im September 2020 in Marbella Drogendealer gefasst, welche die heiße Ware per Jet-Ski an den Strand liefern. Tagsüber fallen die Kuriere unter den normalen Sportlern, die auf Jetskis unterwegs sind, kaum auf. Einigen Touristen aber doch, und so bekommt die Polizei einen Tipo. Sie konfisziert 440 kg Haschisch, 3 Jetskis und 6.300 Euro Bargeld und nimmt 6 Drogenkuriere aus Frankreich und Marokko fest.

Vor der spanischen Küste wird die Polizei im September 2020 von Killerwalen (Orcas) »unterstützt«, die vermehrt Motor- und Segelboote angreifen. Daraufhin wird der Betrieb von Booten einstweilen untersagt, die kürzer als 15 Meter sind.

Am 22. Mai 2019 gelingt ein Schlag von spanischer Polizei und Interpol gegen den 48-jährigen Boss eines Drogen- und Tabakschmuggel-Imperiums, welches innerhalb von drei Jahren 600 Millionen Euro umgesetzt hat. In diesem Fall wurden die Taten in Großbritannien begangen und die Einnahmen in Spanien gewaschen und in Immobilien investiert.

Dabei war 2018 die spanische Guardia Civil im Großraum Algeciras besonders erfolgreich. Über 5.000 Personen, die in den Drogenhandel verstrickt sind, wurden festgenommen und landeten überwiegend im Botafuegos Gefängnis von Algeciras, unter ihnen auch der die berüchtigten Anführer des Drogenclans »Los Castaña«, Franciso und Antonio Tejón. 100.000 Kilo Haschisch wurden beschlagnahmt.

Im April 2019 fand sich unter den 44 Verhafteten der Castañas Drogenbande ein spanischer Gefängniswärter. Dieser hatte 2018 eine spektakuläre Befreiungsaktion für den Boss der Castañas Bande ermöglicht, die mit der italienischen Mafia ’Ndrangheta zusammenarbeitet. Antonio Tejón hatte sich nach der Befreiung in ein Landhotel in Jimena de la Frontera zurückgezogen, wo er monatlich 8.000 Euros bezahlte.

Die Brüder kamen allerdings im November 2019 gegen eine vergleichsweise läppische Kaution von 320.000 Euro wieder frei. Schon vor ihrer Verhaftung im April 2019 bekamen sie genug Zeit, die Führung der Drogenbande vorübergehend in die Hände einer Verwandten zu übergeben.

Die örtlichen Drogenbarone haben dabei nicht nur große Geldsummen verloren. Vielmehr drückt sie die Sorge, dass sie ihre Handlanger und ihre Lieferanten nicht mehr bezahlen können. Fahrer, die die Drogen durchs Land chauffieren, erhalten 15.000 Dollar pro Fuhre. Wer ein Drogenboot an den Strand steuert, bekommt 20.000 bis 30.000 $. Kuriere, die die Ware vom Strand abholen, verdienen 6.000 $. Wer dabei am Strand Schmiere steht, erhält immerhin noch 800 $. Das ist eine Menge Geld für die vielen jungen Arbeitslosen in der Region.

Oscar, ein festgenommener Anführer einer mittelgroßen Drogengang prophezeit, dass in den Straßen bald mit Bazookas scharf geschossen wird und Zustände wie in Kolumbien eintreten werden, falls die Polizei weiterhin den Drogenhandel in der Meerenge von Gibraltar so effektiv unterbindet.

Ganz so weit ist es noch nicht. Am 3. September 2020 hebt ein hundertköpfiges Polizeikommando eine Marihuanaplantage in Coto de Bornos in der Sierra de Cádiz aus. Es kommt zu einem Shootout mit den drei Betreibern der Plantage. Die Täter entkommen in die Berge und hinterlassen drei schwer verletzte Polizisten.

Auf den Straßen zwischen Estepona und Algeciras kommt es im September 2020 immer öfter zu gewollten Karambolagen zwischen Fahrzeugen der Polizei und der Drogenbanden, bei denen auch unbeteiligte Zivilisten zu Schaden kommen – zuletzt eine schwangere Frau in Estepona. Aufgrund des erhöhten Verfolgungsdrucks durch die Polizei jagen sich die Drogenbanden nun untereinander Drogen und Einnahmen ab, indem sie sich als Polizei ausgeben. Wer also mit Gewalt vor der Polizei Reißaus nimmt, befürchtet immer öfter, das seien falsche Polizisten. Außerdem werden Drogenkuriere, die für 6.000 Euro pro Fuhre entlohnt werden, wenn sie im Auto die Drogen von den Schnellbooten ins versteckte Drogenlager an Land bringen, ihren Job los, falls die Polizei die Drogen konfisziert. Daher versuchen sie jetzt unter Einsatz ihres eigenen Lebens, die Drogen nicht in die Hände der Polizei fallen zu lassen.

Im Armenviertel von La Línea, der armen spanischen Grenzstadt zu Gibraltar, hat 2019 ein Pulk Einwohner die Polizei daran gehindert, einen Drogenhändler festzunehmen. In La Líneas Stadtteil El Zabal haben die Drogenkartelle ein ganzes Villenviertel hinter hohen Mauern illegal hochgezogen, bei den Einwohnern bekannt als »Narcoville«. Die Polizei ist erst durch Luftaufnahmen auf die illegale Siedlung aufmerksam geworden, deren Villen durch unterirdische Gänge miteinander verbunden sind. Die Vorfälle animierten Netflix zur Produktion der Unterhaltungsserie »La Línea: La Sombra del narco«, die in Spanien sofort an die Spitze der Charts stürmte, nach einer Petition vieler Einwohner von La Línea auf Change.org aber vorerst wieder abgesetzt wurde. Netflix hatte 336 Stunden Filmmaterial zusammengetragen. Die Protestierer beklagten, die Serie zerstöre die Wirtschaft und den Tourismus in La Línea und sie seien es leid, dass ihre Heimat der Welt dauernd als Hauptstadt des Drogenhandels, der Exzesse und der Bandenkriminalität präsentiert werde.

Polizeiautos werden auf der Autobahn schon mal von Drogengangs in die Leitplanken abgedrängt. Nicht immer steht die Polizei auf der Seite des Gesetzes. Im April 2019 wird in Estepona ein Polizeibeamter mit zwei seiner Kinder wegen Geldwäsche verhaftet.

Unklar war lange Zeit, ob die Polizei schon von Drogengangs unterwandert ist, wie es die Kriminaltrilogie des deutschen Autors Eduard Freundlinger nahe legt, dessen Romane im Drogenmillieu der Stadt Almuñécar in der Provinz Granada spielen. Jetzt gibt es Gewissheit: Die Polizei verhaftete Drogenschmuggler, die Drogen mit Booten aus Marokko nach Andalusien gebracht hatten. Unter den 57 Verhafteten aus Manilva, Estepona und Marbella befand sich auch ein spanischer Polizist der Guardia Civil. Und bald danach kamen der Chef der Guardia Civil von Algeciras, 7 Hafenarbeiter und ein Spediteur dazu.

Konkurrenz erhalten die einheimischen Drogenkartelle von neuen Gangs, die sich aus illegalen Migranten und abgelehnten Asylbewerbern aus Afrika bilden. Auffällig wurde z.B. eine 100-köpfige Gang aus dem kleinen westafrikanischen Staat Gambia.

Im Rahmen der »Operation Caniche« verhaftete die Polizei am 25. Mai 2020 sechsunddreißig Mitglieder der Los Pantojas Drogenbande zusammen mit Ihrem Anführer Jesus H., besser bekannt unter seinem Spitznamen »Messi des Haschs«. 4.300 kg Haschisch, 19 Fahrzeuge, Jet-Skis, 9 Boote mit starken Außenbordmotoren, eine Maschinenpistole und andere Waffen sowie Bargeld wurden sichergestellt. Als Bandenmitglieder eine Ladung Haschisch am Strand von Estepona anlandeten, bedrohten sie zufällig dort anwesende britische Touristen mit Gewaltanwendung.

Eine neue Masche erfand ein Immobilienmakler in Vícar. In den Armutsvierteln von Almería, El Ejido, Roquetas, Berja und Vícar kaufte er im großen Stil preiswert zwangsgeräumte Wohnungen auf und vermietete sie anschließend gegen Kommission für die Aufzucht von Hanfpflanzen. Die Polizei fand dermaßen viele Cannabispflanzen, dass 21 Häcksler angeschafft werden mussten, um diese Mengen für die anschließende Verbrennung zerkleinern zu können. In nur einem Jahr wurden von der Polizei in ganz Spanien 1.538.995 Marihuanapflanzen konfisziert. Zusätzlich wurden 11,3 Tonnen Haschisch über andalusische Häfen eingeschmuggelt. Dafür ging in Andalusien der Anteil von eingeschmuggeltem Haschisch um 20% auf 296 Tonnen zurück.

37,7 Tonnen Kokain wurden in Spanien konfisziert und 20.437 Drogenhändler eingesperrt. Andalusien und Valencia entpuppen sich jetzt als Zentren des Schmuggels mit illegalen Potenzmitteln. 6,7 Millionen Pillen konnten 2019 sichergestellt werden.

Anstieg der Morde an der Costa del Sol

Das andalusische Innenministerium meldet, dass im Jahr 2018 an der Costa del Sol 44% mehr Mordfälle bearbeitet werden mussten als ein Jahr zuvor. Hier eine Auswahl aus den 95 Mordfällen:

  • Zwei hohe Mitglieder von Drogenbanden, ein Belgier und ein Holländer, wurden nach einem Besuch des Nachtclubs Olivia Valere in Marbella beim Einsteigen in ihr Auto beschossen. Sie kamen verletzt ins Krankenhaus und überlebten den Anschlag.
  • In Marbella und Benahavís flogen im Oktober 2018 zeitgleich eine Privatvilla und eine Autowaschanlage in die Luft. Das Täterfahrzeug fand man ausgebrannt im feinen Stadtteil Nagüelles in Marbella. Täter sollen Mitglieder eine Drogenbande gewesen sein. Das Opfer wurde allerdings verfehlt.
  • Hamza Ziani, der Bombenbauer der Drogenbande, wurde wenig später in einer Sushibar in Torremolinos hingerichtet.
  • Eine Woche später fand man Brian Martos Carmona in Algeciras gefesselt und erschossen im Kofferraum seines Autos. Carmona war am helllichten Tag aus einem Nudelrestauant in Estepona entführt worden. Die Mörder gehörten zu einer Drogengang. Es war wohl Rache für Drogengelder, die Carmona unterschlagen haben soll.
  • Später erwischte es David Avila Ramos, den Besitzer eines Fitness-Studios und einer Strandbar. Erst wurde sein Chiringuito niedergebrannt, weil er Schulden nicht bezahlt haben soll. Dann wurde er in San Pedro in seinem Auto von einem vorbei fahrenden Motorradfahrer erschossen, nachdem Ramos der Kommunion seiner Tochter in einer Kirche beigewohnt hatte. Der Motorradfahrer gehörte zu einer kolumbianischen Drogengang.

Aber auch kleinere Delikte nehmen zu: Im Dezember 2015 wird ein Postbote in Marbella verhaftet, der 3.000 Briefe unterschlagen und verbrannt hat. Auf Parkplätzen kassieren selbst ernannte Parkwächter in bunten Warnwesten Touristen ab. Es ist ratsam, zwei, drei Euro freiwillig herzugeben, wenn man sein Auto bei der Rückkehr unversehrt vorfinden will.

Eine 55-jährige britische Residentin wird im April 2019 innerhalb von 10 Tagen im gleichen Mercadona Supermarkt in La Cala de Mijas gleich zwei Mal ihrer Geldbörse beraubt. Beide Male wurde sie von mehreren Frauen umringt und stellte anschließend fest, dass Geld und Kreditkarten fort waren.

Im Zuge der vielen geplatzten Immobilienkredite verlieren Tausende Spanier ihr Zuhause. So kommt es vermehrt zu illegalen Hausbesetzungen, was stillschweigend toleriert wird, solange es sich um leer stehende Geisterstädte handelt. Personen werden aus den von ihnen besetzten Häusern vertrieben, weil die Bank, welche die Häuser finanziert hat, neue zahlungskräftige Käufer gefunden hat.

Das spanische Gesetz ist gegenüber Hausbesetzern indifferent. Eigentlich ist Hausbesetzung verboten. Wenn aber Hausbesetzer eine Wohnung geentert haben, sind sie dort nur schwer wieder zu vertreiben. Ich habe selbst erlebt, wie junge Hausbesetzer in einer vorübergehend leer stehenden Wohnung neben der meinigen eindringen. Sie behaupten, ihren Schlüssel verloren zu haben. Dem herbeigerufenen Schlüsseldienst zeigen sie einen gefälschten Mietvertrag vor. Der öffnet das Schloss. Die Eindringlinge wechseln das Schloss aus. Der nichts ahnende britische Eigentümer in England muss nun beim andalusischen Amtsgericht beweisen, dass der Mietvertrag gefälscht ist. Das kann sehr lange dauern. In seine eigene Wohnung eindringen darf er nicht, denn das wäre Hausfriedensbruch.

Rückzugsbasis und Operationsgebiet für ausländische Kriminelle

Am 29. Januar 2016 meldet die Presse, dass der 87-jährige Brite Gordon Goody in der Nähe von Almería gestorben ist. Goody war ein Mitglied der berüchtigten Gang, die 1963 den Postzug zwischen London und Glasgow überfallen und 47 Millionen Euros erbeutet hat. Nach Verbüßung seiner Haftstrafe hat er sich die Costa del Sol für einen ruhigen Lebensabend ausgesucht. Aber auch viele noch »aktive« Kriminelle aus ganz Europa, insbesondere aber aus Großbritannien wählen die Sonnenküste als Rückzugsraum. Der 34-jährige Paul Walsh, genannt »Burger«, ein berüchtigtes Mitglied der nordirischen IRA, kann sich fünf Jahre in Torremolinos verstecken, wo er seit 2010 ein Fitnessstudio betreibt.

Die Briten haben als größte europäische Migrantengruppe in Andalusien vielerorts eine Art Parallelgesellschaft etabliert, mit eigenen Schulen, Banken, Metzgereien, Läden, Handwerksbetrieben, Pubs, Kricket- und Golfclubs und Bordellen. So ist es für britische Kriminelle leicht, dort unbemerkt unterzutauchen.

Manche von ihnen führen Drogenbanden an, die durch öffentliche Shootouts von sich reden machen. Einige werden von der spanischen Polizei geschnappt und nach Großbritannien überstellt.

  • Der 44-jährige Brite Robert Dawes wird im November 2015 in Benalmádena festgenommen und nach Frankreich ausgeliefert. Dawes soll Kokain im Wert von 200 Millionen Euro geschmuggelt und in den Niederlanden mehrere Personen ermordet haben.
  • Am 30. Dezember 2015 wird der 39-jährige »Mr. Big« Roy Dunstance geschnappt und nach Schottland überstellt. In seinem Haus in Benalmádena findet die Polizei Heroin im Wert von 5,6 Mio britischen Pfund, Kokain für 127.000 Pfund, Amphetamine für 804000 Pfund, und Cannabis für 40.000 Pfund.
  • Am 5. Januar 2016 werden acht Engländer verhaftet, die von Málaga aus Kokain im Wert von 681 Millionen Euro nach Galizien verschiffen wollen. Das Zeug war vorher von einigen Holländern aus Südamerika nach Málaga geschmuggelt worden.
  • Im September 2015 wird am Flughafen Málaga der Belgier Michel Desaedeleer aufgegriffen, der mit internationalem Haftbefehl wegen Handels mit Blutdiamanten aus dem Bürgerkrieg in Sierra Leone gesucht wird.
  • Am 25. November 2015 wird der 39-jährige britische Resident Devinder Kainth zu 6 Monaten Haft verurteilt. Er soll in einem Restaurant einen alkoholisierten pädophilen Deutschen getötet haben. Die Strafe fällt so milde aus, weil Kainth ein Ersttäter ist.
  • Der 71-jährige Royston Griffey, früherer britische Bürgermeister von Bristol, vermietet 2014 seine Ferienwohnung in Mijas an den 30-jährigen Briten Ross Moore. Griffey weiß nicht, dass Moore in Großbritannien wegen Körperverletzung und wegen des Mordes an einem Deutschen gesucht wird. Moore zündet die Ferienwohnung an, wird geschnappt und in das Gefängnis von Alhaurín el Grande gebracht.

Briten werden häufig Opfer ihrer kriminellen Landsleute. Kurz vor Ausbruch der spanischen Immobilienkrise im Jahr 2008 drehen Finanzjongleure aus Gibraltar britischen Residenten in Andalusien windige Finanzinnovationen an, bei denen angeblich Traumrenditen locken. Die Finanzhaie überredeten ihre Landsleute, eine Hypothek auf ihre bereits abbezahlten spanischen Immobilien aufzunehmen um die Finanzprodukte kaufen zu können. Die Leute, meist britische Rentner, verlieren so nicht nur ihre Ersparnisse, sondern auch noch ihr Zuhause und bleiben auf einem Berg Bankschulden sitzen.

Insbesondere die Russenmafia wäscht ihr Geld in großem Stil, indem es in die vielen nutzlosen Immobilienprojekte an der Küste investiert wird. In Casares del Mar sind z.B. mit gütiger Mithilfe des Bürgermeisters Juan Sánchez 250 Millionen Euros auf dem südlichen Teil der Finca Cortesín in einem Immobilienprojekt weiß gewaschen worden von einer international tätigen osteuropäischen Bande, die von dem »Polnischen Al Capone« Ricardo Fanchini angeführt wird.

Am 18. Februar 2020 wird Antonia Muñoz in Manilva zusammen mit 12 Komplizen verhaftet. Sie ist eine Politikerin der kommunistischen Splitter-Partei Izquierda Unida und saß seit 1987 als erste Frau im Stadtrat von Manilva, dessen erste Bürgermeisterin sie von 1999 bis 2003 und dann nochmals von 2007 bis 2014 wurde. Die Nationalpolizei war Frau Muñoz nach einem Tipp der Anti-Mafia-Einheit der italienischen Polizei auf die Schliche gekommen.

Die Politikerin wird beschuldigt, jahrelang im Auftrag der italienischen Mafia Geld gewaschen zu haben, welches in großem Stil in Immobilienprojekte in Manilva, Estepona und Marbella investiert worden war. Außerdem soll sie während ihrer Amtszeit für das Rathaus in Manilva 900 Personen illegal beschäftigt und großzügig mit Boni und Überstunden-Zuschlägen versorgt haben. Während ihrer Amtszeit soll sie zudem städtischen Grund an den Immobilienentwickler El Hacho verscherbelt haben.

Migration: Armutsflucht aus Afrika, Südamerika und Asien

Bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts ist Spanien ein Auswandererland. Daran erinnert z.B. noch die Avenida de Knittlingen im andalusischen Bergdorf Montejaque. Viele Einwohner sind damals in die schwäbische Kleinstadt Knittlingen ausgewandert um dort Arbeit zu finden.

Dann dreht sich der Trend um. Erst kommen die europäischen Touristen und lassen Dörfer wie Torremolinos und Marbella aufblühen. Ihnen schließen sich reiche Ölscheichs aus den Golfstaaten an. Dann reisen im Rahmen der EU Integration osteuropäischer Staaten vor allem Migranten aus Rumänien ein, vermutlich wegen der lateinischen Wurzeln ihrer Sprache und wegen der andalusischen Zigeuner-Subkultur.

Bald darauf wächst die schwarzafrikanische Bevölkerung Spaniens von nahezu Null auf über 400.000 Menschen an. Anfang 2016 wird die erste Abgeordnete mit schwarzafrikanischen Wurzeln im spanischen Zentralparlament gesichtet. Sie ist von der Bürgerschreckpartei Podemos aufgestellt worden. Mittlerweile ist die Meerenge von Gibraltar für afrikanische Bootsflüchtlinge nahezu verschlossen. Die beiden spanischen Enklaven in Marokko, Ceuta und Melilla, sind von acht Meter hohen Zäunen umgeben, so dass hier kaum noch jemand durchkommt.

Wegen der Sperrung der Balkanroute und weil Italien keine Flüchtlinge mehr an Land lässt, nimmt der Zustrom afrikanischer Flüchtlinge nach Spanien im westlichen Mittelmeer immer mehr zu. Ein Ergebnis dieser unerwünschten Einwanderung ist, dass die rechtspopulistische Partei VOX erstmals in das andalusische Parlament einzieht.

Zudem blüht der Menschenhandel. Nicht mehr so sehr aus Marokko, aber umso mehr aus Süd- und Mittelamerika und der Karibik sowie aus Russland, China und Thailand werden Menschen ins Land geschmuggelt. Die Lateinamerikaner können wegen ihrer spanischen Wurzeln unauffällig in der spanischen Bevölkerung untertauchen, während die anderen Ethnien an der Küste zwischen den vielen Touristen kaum auffallen.

Waren 1980 noch nahezu 100 Prozent der Prostituierten in Andalusien Spanierinnen, sind es heute nur noch 10 Prozent. Mit falschen Versprechungen nach Spanien eingeschleuste Frauen werden in die Prostitution gezwungen. Mit Menschenhandel verdient das organisierte Verbrechen so viel Geld wie mit Drogen. In honorigen bürgerlichen Zeitungen wie der in Málaga erscheinenden Tageszeitung Sur kann der Interessent jeden Tag unter Hunderten von ausländischen Liebesdienerinnen in der Rubrik »Relax« auswählen. Kleine private Bordelle findet man entlang der Küstenstraße A-7 genauso wie in den Bergen im Hinterland. Teure Sexclubs befinden sich auf luxuriösen Fincas im Raum Marbella. Der eigentlich verbotene Straßenstrich und einige Großbordelle ballen sich im Industriegebiet von Málaga im Mündungsgebiet des Flusses Guadalhorce.

Auf den Obst- und Gemüseplantagen schuften Tausende von Migranten ohne Aufenthaltserlaubnis unter erbärmlichen Umständen. Auf den Strandpromenaden der Urlaubszentren entwickeln sich die Hundertschaften von afrikanischen Souvenirverkäufern mit ihren Handtaschen- und Uhrenplagiaten zu einer Landplage. Hin und wieder werden sie von der Polizei verscheucht, stehen aber nach wenigen Minuten wieder an gleicher Stelle. Ob die Polizei hier an Schutzgeld mit verdient, lässt sich nicht beweisen.

Korruption und Vetternwirtschaft

Im Gefängnis von Alhaurín bei Málaga sitzen etliche Bürgermeister und Stadträte ein, weil die Gier sie dazu getrieben hat, sich an öffentlichem Eigentum zu vergreifen oder Menschen, ungesetzliche Vorteile zu gewähren, wenn sie mit Geldscheinen wedeln oder anbieten, für den kleinen Gefallen private Bauleistungen in Schwarzarbeit zu erbringen. Diese Politiker werden nach Verbüßen ihrer Haftstrafe manchmal sogar wieder gewählt. Denn die Wähler haben nicht vergessen, wem sie es zu verdanken haben, dass ihre Grundstücke in Naturschutz- oder Wasserschutzgebieten zu Bauland wurden.

In Andalusien erschütterten mehrere Korruptionsskandale das politische Leben, mit Schäden, die in die Milliarden gehen. In meinem Beitrag über die andalusische Politik habe ich darüber berichtet. Zwei andalusische Präsidenten sowie Minister, Gewerkschaftsführer und Unternehmer sind z.B. in den ERE-Skandal verwickelt, in dem 697,4 Millionen Euro an EU-Zuschüssen veruntreut wurden.

Nach neunjähriger Gerichtsverhandlung verkündete Richterin Mercedes Alaya am 19. November 2019 am Provinzialgericht Sevilla in einem 1.821-seitigen Bericht das Urteil gegen 19 hochrangige Angeklagte. Insgesamt wurden 86 Jahre Gefängnishaft verhängt. José Antonio Grinan, der frühere sozialistische Präsident Andalusiens erhält sechs Jahre Haft und darf sich 15 Jahre nicht mehr um ein politisches Amt bewerben.

  • Für 8 Jahre hinter Gitter kommt der frühere sozialistische Arbeitsminister Javier Guerrero, der den ganzen Betrug zehn Jahre lang organisierte. Er hatte 700.000 Euro für Kokain-Partys mit Prostituierten abgezweigt und sich das Geld mit seinem Chauffeur geteilt, der unter dem Spitznamen »Cocain-Chauffeur« bekannt wurde.
  • 7 Jahre Haft und 18 Jahre politisches Betätigungsverbot erhielt José Antonio Viera, der frühere Berater des Arbeitsministeriums und spätere PSOE Generalsekretär von Sevilla sowie Minister für Innovation. Er hatte 50 Millionen Euro an verschiedene Betriebe in der Sierra Morena verteilt.
  • Manuel Chavez, der frühere sozialistische Präsident Andalusiens und die graue Eminenz der spanischen PSOE, darf neun Jahre kein politisches Amt ausüben. Er war zwar nicht direkt an den Betrügereien beteiligt, hat sie jedoch politisch gedeckt.
  • Die damalige andalusische Finanzministerin Carmen Martínez Aguayo erhielt sechs Jahre Haft.

Alle Verurteilten haben beim obersten spanischen Gerichtshof Beschwerde gegen das Urteil eingelegt und befinden sich daher noch auf freiem Fuß.

ERE ist nicht der größte Korruptionsprozess in der neueren spanischen Geschichte. Diese »Ehre« gebührt dem Korruptionsfall »Gürtel«, benannt nach dem Hauptangeklagten Correa, der sich wie eine Krake auf ganz Spanien ausgebreitet hatte und der dazu führte, dass der PP sich zerlegt hat in die Parteien Partido Popular, Cuidadanos und VOX. Welche Machenschaften in der Regierung Rajoy dazu beigetragen haben, kann man hier noch einmal nachlesen.

Bezogen auf Andalusien wurden Bürgermeister und Stadträte von Marbella verhaftet und die Stadt zeitweise unter die direkte Aufsicht der andalusischen Landesregierung gestellt. Im November 2020 wurde der Teil des Gürtel-Skandals, der sich in der Region Valencia abgespielt hat und bei dem im Zuge des Besuches des deutschen Papstes Benedikt XVI. (Ratzinger) 2006 von hohen valencianischen Politikern 7,5 Millionen Euro »abgezweigt« wurden, endlich mit Urteilen des Nationalen Strafgerichtshofs gesühnt. Die näheren Einzelheiten kannst du hier nachlesen.

Die Veruntreuung öffentlicher Gelder geht trotz der unaufgearbeiteten Altfälle ungebremst weiter. In Archidona bei Málaga steht Europas größtes ungenutztes Gefängnis seit Jahren leer herum. Auf 350.000 Quadratmetern bietet es Platz für 2.000 Häftlinge. Die optimistische Interpretation wäre: Vielleicht sollen die Zellen ja frei bleiben um eines Tages die vielen Angeklagten aus Korruptionsprozessen zu beherbergen? Tatsächlich wurde das Gefängnis kurzfristig als Unterbringung für Flüchtlinge aus Afrika genutzt, obwohl das nach EU-Recht eigentlich verboten ist.

Der neue Flughafen Aeropuerto Cristobal der Stadt Huelva verfügt weder über Start- und Landebahnen noch über ein Terminal. Aber seit Jahren werden bereits 11 Flughafen-Mitarbeiter in Vollzeit bezahlt. Nun soll die andalusische Landesregierung 82 Millionen Euro nachschießen um die Region Huelva mit Hilfe des Flughafens besser touristisch zu erschließen.

Auch vor dem obersten andalusischen Gerichtshof macht die Korruption nicht Halt. Sein Präsident Lorenzo del Río hat neben seinem offiziellen Gehalt von jährlich 90.000 Euro zwölf Jahre lang noch monatlich 1.300 Euro »für die Lebenshaltung« kassiert. Obwohl die spanischen Gesetze verbieten, dass Richter und Staatsanwälte von den Regionalregierungen Zuwendungen erhalten. Die Junta de Andalucía hat diese Zuwendungen nie offiziell verbucht. Sie weiß offenbar auch nicht, wer alles Geld fürs Nichtstun erhält. Eine andalusische Ministerin des abgewählten PSOE Kabinetts kassierte monatlich 2.000 Euro für eine Tätigkeit, die sie nie ausgeübt hat. Luis Guerrero, der zum Flamenco-Direktor von Jerez de la Frontera ernannt worden war, hat drei Jahre lang je 72.000 Euro Gehalt eingestrichen, hat aber keine Ahnung, welche Tätigkeit eigentlich von ihm erwartet wird.

Andalusien ist aber auch ein bevorzugtes Ziel für die internationale Geldwäsche. Ein spanisches Gericht will Rifaat Al Assad, den Onkel des syrischen Diktators Baschar al-Assad, zu einer Strafe von 1 Milliarde Euro verurteilen. Rifaat hatte seit 1970 viele Hundert Euro aus Syrien herausgeschmuggelt, die der Assad-Clan durch den illegalen Verkauf von Antiquitäten, Drogenhandel, Aneignung von Grundstücken Oppositioneller in Syrien und durch den ungenierten Griff in die syrische Staatskasse zusammengerafft hatte. Rifaat gründete Hunderte Scheinfirmen auf den Bahamas, welche das Geld in Immobilien in Spanien investierten, insbesondere in Puerto Banús. Der Assad-Clan behauptet, bei dem in Spanien investierten Geld handele es sich um Geschenke des saudischen Königshauses.

An der Einschleusung der illegalen Gelder in den legalen Geldkreislauf war maßgeblich die internationale Anwaltskanzlei Marrache beteiligt. Deren Eigentümer, die drei Brüder Marrache wurden inzwischen in Gibraltar zu 11 Jahren Gefängnis verurteilt. Ein Teil der syrischen Immobilien in Andalusien wurde bereits von den spanischen Behörden konfisziert. Bei der Aufdeckung der groß angelegten Geldwäsche-Operation der Syrer spielten auch die FinCEN-Files eine Rolle, jene geheimen Informationen aus dem amerikanischen Finanzministerium über internationale Geldwäsche, die unlängst einer investigativen Journalistengruppe zugespielt worden waren, zu der auch die Süddeutsche Zeitung und der Fernsehsender NDR gehören.

Umweltstraftaten

Andalusien wird immer wieder von schwerwiegenden Umweltverbrechen erschüttert.

Im April 1998 ereignet sich nahe der andalusischen Stadt Aznalcóllar die bisher größte Umweltkatastrophe Spaniens. Wegen Sicherheitsmängeln bricht der Damm einer Mine, in der Blei, Zink und Silber abgebaut werden. Aus dem Auffangbecken für Abwässer fließen mehrere Millionen Kubikmeter giftigen Schlamms über 4.600 Hektar Ackerland und bedrohen den größten Vogelschutzpark Europas. Im Nationalpark Coto de Doñana bilden sich hohe Konzentrationen von giftigem Arsen sowie von Schwermetallen wie Blei, Kadmium und Quecksilber. Bemühungen, die Mine wieder zu eröffnen, werden Mitte 2015 von der couragierten Richterin Patricia Fernández Franco gestoppt. Sie untersagt der Regionalregierung von Sevilla, dem Konsortium Magtel, zu dem sich die spanische Firma Minorbis und die in Mexiko bereits einschlägig wegen Umweltvergehen bekannte Groupo Mexico zusammengeschlossen haben, den Zuschlag zur Sanierung der Mine zu erteilen. Der unterlegener Mitbewerber Emerita, der ein weit besseren Konzept vorgelegt hatte, klagt ebenfalls gegen die Entscheidung. Offensichtlich ist bei der Lizenzvergabe Korruption im Spiel. Die Richterin fordert die Spezialeinheit der Polizei für Wirtschafts- und Steuerkriminalität (Udef) auf, die damalige Direktorin der Behörde für Energie und Minen María José Asencio Coto zu vernehmen.

In Huelva, woher wir in Deutschland im Februar die ersten Erdbeeren beziehen, betreibt die Firma Feritberia eine riesige Deponie mit 120 Millionen Tonnen Giftmüll und hat damit 1.200 Hektar Marschland verseucht. Dabei wird die zulässige Radioaktivität um 150% überschritten. Eigentümer der Müllkippe ist Juan Miguel Villar, ehemaliger Finanzminister und jetzt der sechstreichste Mann Spaniens. Vor kurzem wurde auch offenbar, dass die ungebremste Ausweitung der Erdbeerfelder dazu geführt hat, dass der Grundwassersspeicher des Nationalparks Doñana, dem wichtigsten Vogelschutz- und Feuchtgebiet Europas, sich um 50 % reduziert hat. Amerikanische Konzerne wie Coca Cola haben dagegen bei den andalusischen Umweltbehörden protestiert. Dennoch sehen deutsche Handelskonzerne, die zwischen Februar und April massenhaft Erdbeeren aus Huelva nach Deutschland importieren, keinen Handlungsbedarf. Denn alle ihre Lieferanten bzw. Produzenten seien zu 100% nach dem GlobalGAP Standard für eine »Gute Agrar Praxis« zertifiziert und zugelassen. Dumm ist nur, dass GlobalGAP nichts darüber aussagt, ob diese Produzenten bei ihrem Tun die Umwelt versauen. Sondern es geht nur um Lebensmittelsicherheit und akzeptable Arbeitsbedingungen.

In Sevilla werden im November 2015 zwei Fabriken für Tiernahrung geschlossen. Sie hatten aus Kadavern kranker Tiere 20.000 Tonnen Tierfutter hergestellt, das auch in die menschliche Nahrungskette gelangt ist. Und wer hat das ermöglicht?: Luis Vázquez, der Vorsitzende der andalusischen Behörde für das Wohl der Tiere!

In einem Naturschutzgebiet am Mittelmeerstrand in der Nähe von Almería kämpfen Umweltverbände seit Jahren darum, das 2005 illegal errichtete Hotel Algarrobo abzureißen. Mehrfach hat die Junta de Andalucía den Abriss verfügt, aber es geschieht nie etwas.

In Marbella sind 16.000 Häuser illegal errichtet worden, mit Duldung der damaligen Stadtverwaltung. Die jetzige Stadtverwaltung will die Schwarzbauten nun nachträglich legalisieren. Das wird vom obersten andalusischen Gerichtshof unterbunden. Die Stadt Marbella müsste nun alle 16.000 Gebäude abreißen lassen, weil sie nicht dem Bebauungsplan von 1983 entsprechen. Das kann schon wegen der vielen ausländischen Eigentümer niemand wagen.

Zwischen Antequera und Marchena wird eine 77 km lange Strecke für den AVE Hochgeschwindigkeitszug gebaut. Der wird dort nur niemals verkehren, denn nachdem bereits 279 Millionen Euro verbaut sind, hat der damalige EU-Umweltkommissar Janez Potočnik das Projekt abbrechen lassen, weil gravierend gegen Umweltauflagen verstoßen wurde.

Die eigentlich sehr sinnvollen spanischen Umweltgesetze regeln, dass in Wäldern und Naturschutzgebieten nur »Geräteschuppen« mit einer maximalen Grundfläche von 12 qm errichtet werden dürfen. Wenn man sich auf Wanderungen in der schönen Natur so umschaut, trifft man allenthalben auf Protzbauten, die leicht das Zwanzigfache dieser Vorgabe erreichen. Niemand schreitet ein und die zuständigen lokalen Behörden haben offensichtlich beide Augen zugedrückt. Z.B. an der Bergstraße von Marbella nach Istán wurde mitten im UNESCO-Biosphärenreservat Sierra de las Nieves auf einem bewaldeten Hügel mit schönem Blick auf den Stausee la Concepción die spektakuläre »Finca Sagittario« errichtet und so weitschweifig eingezäunt, dass der Wanderweg von Marbella nach Istán hier unterbrochen ist. In der Villa feiert der Jetset von Marbella in den späten Neunzigerjahren des 20. Jahrhunderts rauschende Partys.

In der gleichen Gegend hat 2007 die Schweizer Investorengruppe Swissmade Homes einen halben Berg weggesprengt um dort ein Dutzend Häuser einer neuen Urbanisation namens Marbella Country Club zu bauen. Als 2008 die spanische Immobilienkrise ausbricht, bleiben die Betongerippe der Häuser halbfertig stehen und verschandeln bis heute die schöne Landschaft am Cerros del Lago.

Immer wieder kommt es in den der Küste zugewandten Bergregionen zu verheerenden Waldbränden. Meist ist Brandstiftung die Ursache. Obwohl die andalusischen Gesetze offene Feuer in der Landschaft verbieten, fackeln viele Bauern weiterhin ungerührt ihre Feldabfälle auf den ausgedörrten Wiesen ab. Genauso häufig werden Flächen aber auch gezielt angezündet, damit sie anschließend in Bauland für weitere Golfplätze und Ferienwohnanlagen umgewidmet werden können. Im Jahr 2012 wütet ein derartig entstandener Waldbrand eine Woche lang zwischen dem Bergdorf Ojén und den Außenbezirken von Marbella. Mehrere Häuser werden ein Raub der Flammen. Ein Mensch stirbt im Feuer, fünf werden verletzt. Auf einer Fläche von 12 qkm bleiben nur noch verkohlte Stümpfe ehemaliger Bäume und Sträucher übrig.

In der Meerenge von Gibraltar sterben die Killerwale aus. Der Grund ist die hohe PCB Belastung der Gewässer, die von der chemischen Industrie und den ungeklärten Abwässern in der Bucht von Algeciras ausgeht. EU-Mittel in Höhe von 120 Millionen Euro, die zur Verbesserung der Wasserqualität bereit gestellt wurden, sind von den lokalen Wasserbehörden nur zu einem Drittel für diesen Zweck verwendet worden. Wo die restlichen zwei Drittel geblieben sind, ist unklar.

Während du als Tourist sehr wohl die Folgen der kriminellen Energie in Andalusien zu Gesicht bekommen wirst, ist die Gefahr gering, dass du selbst direkt in ein Verbrechen involviert werden könntest. Genieße also deinen Urlaub!

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