Kriminalität in Andalusien

Wie sicher ist Andalusien wirklich?
Mord, Raub, Sexualdelikte, Betrug, Drogenhandel, Geldwäsche, Korruption, Menschenschmuggel und Umweltvergehen gibt es in nahezu allen Gesellschaften. Für Andalusien lassen sich jedoch einige spezifische Kriminalitätsmuster erkennen.
Zu den wichtigsten Ursachen gehören anhaltende Armut und hohe Arbeitslosigkeit – vor allem in den Küstenprovinzen Cádiz und Málaga –, die geografische Nähe zu Marokko, strukturelle Schwächen bei der Strafverfolgung sowie eine tief verwurzelte Kultur der Vetternwirtschaft im Umgang mit öffentlichen Geldern.
Drogenhandel und Schmuggel
Das Campo de Gibraltar: Europas Drogenküste
Die Immobilienkrise von 2008 und die darauffolgende Massenarbeitslosigkeit haben die Küstenprovinzen Cádiz und Málaga besonders hart getroffen. Eine der Konsequenzen: Immer mehr Menschen erhoffen sich durch Beteiligung am Drogenhandel einen Ausweg aus ihrer wirtschaftlichen Lage.
Das Campo de Gibraltar und die angrenzenden Hafenstädte Algeciras, Tarifa und Barbate sind seit Jahren das Epizentrum des europäischen Drogenschmuggels. Spanische Behörden hatten lange Zeit Gibraltar als Hauptdrehscheibe verdächtigt – was eher davon ablenkte, dass immer mehr Drogen direkt aus Marokko oder Südamerika eingeschmuggelt werden. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht größere Funde gemeldet werden.
Am 22. Mai 2019 gelingt Spaniens Polizei und Interpol ein Schlag gegen den Chef eines Drogen- und Tabakschmuggel-Imperiums, das innerhalb von drei Jahren 600 Millionen Euro umgesetzt hat – die Taten wurden in Großbritannien begangen, die Einnahmen in Spanien gewaschen und in Immobilien investiert. Einen Tag später beschlagnahmt die Polizei in Sevilla 1.000 kg Kokain, das in Bananenkartons versteckt war.
Schon 2018 war die Guardia Civil im Großraum Algeciras besonders aktiv: Über 5.000 Personen wurden festgenommen, 100.000 Kilogramm Haschisch beschlagnahmt – darunter die Anführer des berüchtigten Drogenclans »Los Castaña«, die Brüder Francisco und Antonio Tejón. Im April 2019 fand sich unter weiteren 44 Verhafteten auch ein Gefängniswärter, der 2018 eine spektakuläre Befreiungsaktion für den Bandenchef ermöglicht hatte. Antonio Tejón hatte sich danach in ein Landhotel in Jimena de la Frontera zurückgezogen, wo er monatlich 8.000 Euro zahlte. Die Brüder kamen im November 2019 gegen eine Kaution von 320.000 Euro wieder frei – und hatten vorher noch genug Zeit, die Bandführung vorübergehend an eine Verwandte zu übergeben.
Welche Summen in diesem Milieu fließen, zeigt ein Blick auf die Kuriergehälter: Fahrer erhalten 15.000 Dollar pro Fuhre, wer ein Drogenboot an den Strand steuert, bekommt 20.000 bis 30.000 Dollar, Strandkuriere 6.000 Dollar, und wer Schmiere steht, immerhin 800 Dollar. Das ist viel Geld für junge Arbeitslose in einer strukturschwachen Region.
Im Rahmen der »Operation Caniche« verhaftete die Polizei am 25. Mai 2020 sechsunddreißig Mitglieder der Bande »Los Pantojas« zusammen mit ihrem Anführer Jesús H., besser bekannt als »Messi des Haschs«. Sichergestellt wurden 4.300 kg Haschisch, 19 Fahrzeuge, Jetskis, neun Motorboote, eine Maschinenpistole und weiteres Waffenmaterial. Als die Bande eine Ladung Haschisch am Strand von Estepona anlandete, bedrohte sie zufällig anwesende britische Touristen.
Am 3. September 2020 hebt ein hundertköpfiges Polizeikommando eine Marihuanaplantage in Coto de Bornos in der Sierra de Cádiz aus. Die drei Betreiber entkommen in die Berge und hinterlassen drei schwer verletzte Polizisten.
Im November 2024 wird Oscar Sánchez verhaftet – der oberste Beamte Madrids im Kampf gegen Geldwäsche. In Verstecken in den Wänden seines Hauses findet die Polizei 20 Millionen Euro. Sánchez soll einer Drogenbande ermöglicht haben, 13 Tonnen Kokain aus einem Container im Hafen von Algeciras auszuladen.
Wie tief die Banden in staatliche Strukturen eingedrungen sind, zeigt eine Untersuchung des spanischen Innenministeriums: Zwischen 2011 und 2020 wurden 150 Fälle von Zusammenarbeit zwischen Polizisten und Drogenschmugglern untersucht, davon 52 in Andalusien. Unter den Verhafteten aus Manilva, Estepona und Marbella befanden sich unter anderem der Chef der Guardia Civil von Algeciras, sieben Hafenarbeiter und ein Spediteur. 2020 ermöglichte ein Guardia-Civil-Beamter aus Sevilla einer Bande, Haschisch im Wert von 1,5 Millionen Euro aus einem Polizeilager zu stehlen und durch Attrappen zu ersetzen – er kam mit fünf Jahren Haft davon, weil er beim Raub nicht persönlich mitgemacht hatte.
In Ceuta entdeckte die Polizei einen Tunnel unter dem zwölf Meter hohen Grenzzaun, durch den Drogen unbemerkt von Marokko nach Spanien gebracht wurden. Da diese Boote anschließend »aus Spanien« starteten, wurden sie weniger scharf kontrolliert. Neuerdings werden außerdem Kinder aus Algerien aufgegriffen, denen zwei Kilogramm Drogen in einem Spezialgeschirr um den Leib gebunden wurden.
Ein Blick auf die Zahlen: Im Jahr 2022 wurden in Andalusien 273 Tonnen Drogen konfisziert und 6.000 Drogenhändler in 4.698 Polizeioperationen verhaftet – das entspricht täglich 1,3 Tonnen Drogen und 16 Festnahmen. Den größten Anteil stellte Haschisch aus Marokko, dazu kamen 74 Tonnen Kokain und Marihuana.
Anfang 2023 gelang in Málaga ein Schlag gegen die niederländisch-marokkanische Drogenmafia: Neun Personen wurden verhaftet, 730 kg Drogen sichergestellt. Die Bande schmuggelte Drogen aus Südamerika über Spanien nach Nordeuropa. Am 8. November 2022 wurde unter der Steuerung von Europol in sechs Ländern ein sogenanntes »Super-Kartell« zerschlagen, das ein Drittel des europäischen Kokainhandels kontrollierte: 30 Tonnen Kokain sichergestellt, 49 Personen verhaftet.
Narcolanchas – die Boote der Drogenbanden
In der Nacht vom 9. auf den 10. Februar 2024, mitten im Sturm »Karlotta«, wird vor dem Hafen von Barbate ein Boot der Guardia Civil von einer sogenannten »Narcolancha« absichtlich gerammt und überfahren. Zwei Polizeibeamte sterben, einer wird verletzt. Später werden fünf junge Männer verhaftet.
Was eine Narcolancha ist, lässt sich in Zahlen fassen: bis zu 16 Meter lang, bis zu vier Motoren à 450 PS, fünf Tonnen Eigengewicht und bis zu drei Tonnen Transportkapazität. Mit einer Spitzengeschwindigkeit von 70 Knoten (130 km/h) sind diese Boote den Fahrzeugen der Guardia Civil – die auf 57 Knoten kommen – klar überlegen. Radar und Nachtsichtgeräte machen sie zu Allwetter-Transportern. Sie steuern bevorzugt den Industriehafen von Huelva oder die Mündung des Guadalquivir an.
Spaniens Drogenpolizei beklagt seit Jahren beim Innenminister ihre unzureichende Ausrüstung. Der Tod der beiden Beamten wirft dabei ein zusätzliches Schlaglicht auf den Fall des Oberstleutnants David Oliva, Leiter der Anti-Drogen-Taskforce OCON Süd für die Provinz Cádiz, der abgesetzt wurde, weil ihm vorgeworfen wird, gegen Bestechung Polizeiaktionen an eine internationale Drogenbande verraten zu haben.
Auf der Autobahn zwischen Estepona und Algeciras kommt es seit 2020 immer wieder zu gefährlichen Karambolagen zwischen Polizeifahrzeugen und Drogenbanden, bei denen auch unbeteiligte Zivilisten zu Schaden kamen. Aufgrund des wachsenden Verfolgungsdrucks jagen sich die Banden nun auch gegenseitig Drogen und Einnahmen ab – mitunter, indem sie sich als Polizei ausgeben.
Die riesigen Mengen sichergestellter Beweismittel erfordern Lagerraum: Seit März 2021 betreibt die Polizei in Jaén ein 16.435 m² großes Lagerhaus für beschlagnahmte Gegenstände – bis zum Abschluss der Gerichtsverfahren.
Von Drohnen und Schmuggelkindern
Drogenschmuggel ist längst technologisch aufgerüstet. Eine neunköpfige Gruppe aus Spaniern und Marokkanern wurde in Algeciras und Marbella gefasst, angeführt von einem ukrainischen Ex-Soldaten mit Kampfdrohnen-Erfahrung.
Die Gruppe baute militärische Drohnen mit zehn Kilogramm Nutzlast und einer Reichweite von 100 Kilometern und vermietete sie an verschiedene Drogenbanden. Rund 1.000 Kilogramm Haschisch sollen so über die Meerenge von Gibraltar nach Andalusien geschmuggelt worden sein.
Cannabisplantagen in Wohngebäuden
Ein Immobilienmakler in Vícar entwickelte eine eigene Masche: In den Armutsvierteln von Almería, El Ejido, Roquetas de Mar, Berja und Vícar kaufte er im großen Stil zwangsgeräumte Wohnungen auf und vermietete sie gegen Provision für den Cannabisanbau. Die Polizei fand so viele Pflanzen, dass 21 Häcksler angeschafft werden mussten, um die Mengen für die Verbrennung zu zerkleinern.
Anfang 2025 wies der Energieversorger Endesa darauf hin, dass 36 Prozent des gestohlenen Stroms in der Provinz Málaga auf illegale Cannabisplantagen in Wohnungen entfallen – im Jahr 2024 waren das 42 Millionen Kilowattstunden. Jede dieser Inhouse-Plantagen verbraucht so viel Energie wie 80 Wohnungen à 100 Quadratmetern, was häufig zu Netzüberlastungen führt. 24 Transformatorenbrände 2024 gingen auf ihr Konto, und Endesa-Techniker können beschädigte Infrastruktur nur noch unter Polizeischutz reparieren. Bei Endesa gingen im Jahr 2024 insgesamt 26.000 Anzeigen wegen Stromdiebstahls ein.
Ausländische Gangs und Kartellgewalt
Einheimische Drogenkartelle bekommen zunehmend Konkurrenz von Banden, die sich aus Migranten und abgelehnten Asylbewerbern zusammensetzen – besonders auffällig wurde eine rund 100-köpfige Gang aus Gambia.
In La Línea, der armen Grenzstadt zu Gibraltar, verhinderten 2019 Anwohner die Festnahme eines Drogenhändlers. Im Stadtteil El Zabal haben Drogenkartelle ein ganzes Villenviertel hinter hohen Mauern illegal hochgezogen – im Volksmund »Narcoville«. Die Polizei wurde erst durch Luftaufnahmen darauf aufmerksam; die Villen sind durch unterirdische Gänge miteinander verbunden. Netflix produzierte daraufhin die Dokumentarserie »La Línea: La Sombra del narco«, die in Spanien sofort die Chartspitze erklomm – nach einer Petition auf Change.org aber zunächst wieder abgesetzt wurde. Die Protestierenden beklagten, die Serie zerstöre Wirtschaft und Tourismus und mache ihre Heimat einmal mehr zur »Hauptstadt des Drogenhandels«.
Im Dezember 2022 wurde María Teresa Jaimes Caicedo verhaftet, die »Drogenqueen von Marbella«. Sie verkaufte vor allem Drogen an Jugendliche. Die Zahlen sprechen für sich: 2,4 Prozent der spanischen Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren hatten 2018 bereits Erfahrungen mit Kokain gemacht. 2019 nahmen 45 Prozent der wegen Drogensucht hospitalisierten Personen Kokain. In einer Studie von 2016 hatten 30 Prozent von 265 tödlich verunglückten Autofahrern Drogen im Blut – die Hälfte davon Kokain.
Menschenschmuggel und Drogenschmuggel gehen manchmal Hand in Hand: In Almería verhaftete die Polizei 19 Personen, die Emigranten für 5.000 Euro pro Person per Motorboot nach Spanien schmuggelten – auf der Rückfahrt nahmen sie gestohlene Handys und Drogen nach Algerien mit. Beschlagnahmt wurden 90.000 Ecstasy-Pillen und 17 Motorboote.
Drogen kommen nicht nur über Wasser nach Spanien. In Gibraltar fand die Polizei bei einer Routinekontrolle des Massengutfrachters »BBG Journey« 172 kg Kokain, das in den Ballastwassertanks versteckt war.
Morde an der Costa del Sol
Das andalusische Innenministerium meldete für 2018 an der Costa del Sol 44 Prozent mehr Mordfälle als im Vorjahr. Eine Auswahl aus den 95 Fällen:
- Zwei hochrangige Bandenmitglieder – ein Belgier und ein Niederländer – wurden nach einem Besuch des Nachtclubs Olivia Valere in Marbella beim Einsteigen in ihr Auto beschossen. Sie überlebten den Anschlag verletzt.
- Im Oktober 2018 flogen in Marbella und Benahavís zeitgleich eine Privatvilla und eine Autowaschanlage in die Luft. Das Ziel wurde verfehlt. Der Bombenbauer Hamza Ziani wurde kurz darauf in einer Sushibar in Torremolinos erschossen.
- Brian Martos Carmona wurde am helllichten Tag aus einem Restaurant in Estepona entführt und gefesselt und erschossen im Kofferraum seines Autos in Algeciras gefunden – offenbar Rache für unterschlagene Drogengelder.
- Fitness-Studiobetreiber David Avila Ramos wurde in San Pedro von einem Motorradfahrer einer kolumbianischen Drogengang erschossen, nachdem zuvor sein Strandlokal niedergebrannt worden war.
- Im September 2022 wurden zwei Iren beim Angeln nahe dem Aloha Golfplatz in Marbella erschossen; ein Dritter – Gangsterboss »Flashy« aus Dublin – überlebte schwer verletzt. Im Februar 2023 verhaftete die Polizei sechs Auftragskiller des irischen »Kinahan-Kartells«.
Auch kleinere Delikte nehmen zu: Im Dezember 2015 wurde ein Postbote in Marbella verhaftet, der 3.000 Briefe unterschlagen und verbrannt hatte. Im November 2024 wurden 400 iberische Schinkenhälften im Wert von 200.000 Euro aus dem Kühlhaus eines Familienbetriebs in Corteconcepción (Provinz Huelva) gestohlen.
Strafen für Drogenbesitz in Spanien
Wer in Spanien mit Drogen erwischt wird, muss wissen: Das spanische Recht unterscheidet scharf zwischen privatem Konsum und öffentlichem Besitz oder gar Handel.
Der Konsum oder Besitz in der Öffentlichkeit gilt als schweres Vergehen und wird für Ersttäter mit einem Bußgeld zwischen 601 und 10.400 Euro geahndet. Bei Wiederholungstätern kann die Strafe bis zu 30.000 Euro betragen. Private Nutzung in den eigenen vier Wänden ist dagegen entkriminalisiert – kein Gefängnis, in der Regel auch keine Strafe. Wer sich jedoch eine Situation einhandelt, die auf Handelsabsicht hindeutet – größere Mengen, Abpackmaterial, Bargeld ohne nachvollziehbare Herkunft –, kann strafrechtlich verfolgt werden.
Beim Drogenhandel drohen bei sogenannten »weichen« Drogen wie Cannabis ein bis drei Jahre Haft, bei harten Drogen wie Kokain oder Heroin bis zu sechs Jahre. Unter erschwerenden Umständen können Freiheitsstrafen von bis zu 21 Jahren verhängt werden.
Für Touristen gilt die einfache Faustformel: In der eigenen Ferienwohnung raucht niemand deinetwegen. In einem Strandclub, auf einem Festival oder auf der Straße kann schon ein kleines Tütchen teuer werden – und »teuer« meint hier mindestens 601 Euro, eher mehr.
Kriminalität in den wichtigsten Städten
Kriminalität in Marbella
Marbella ist der Hotspot. Keine andere Stadt an der Costa del Sol taucht so häufig in Polizeimeldungen zu organisierter Kriminalität auf – und das hat strukturelle Gründe: Luxusvillen, Yachthäfen, internationales Publikum und die Nähe zu den Schmugglerrouten durch die Meerenge von Gibraltar machen die Stadt attraktiv für Drogenkartelle, Geldwäscher und gesuchte Kriminelle aus aller Welt. Der Ruf als »Costa Criminal« ist keine Boulevarderfindung, sondern steht so im Kriminalitätsbericht des spanischen Innenministeriums.
Wie gefährlich ist Marbella für Touristen? Direkt betroffen sind Urlauber in der Regel nicht. Die Kriminalität in Marbella richtet sich nicht direkt gegen Touristen, sondern hängt hauptsächlich mit Drogenhändlern und Bandenkriegen zusammen.
Was es gibt: Taschendiebstahl, Uhrenraub und Betrug – für die bereits der Abschnitt »Kriminalität gegen Touristen« praktische Hinweise enthält. Die Kriminalität in Marbella ist zwischen 2019 und 2022 trotz verstärkter Videoüberwachung um 23 Prozent gestiegen, besonders bei Raub mit Gewalt, Wohnungseinbrüchen und Sexualdelikten.
Kriminalität in Málaga
Málaga Stadt hat insgesamt eine niedrige Kriminalitätsrate und zählt laut Numbeo-Ranking zu den sichersten Großstädten Europas – mit einem Kriminalitätsindex von 27,62 weit unter dem Schnitt vergleichbarer europäischer Städte.
Dennoch gibt es Stadtteile, die Probleme machen. Das Viertel Portada Alta im nördlichen Distrikt Cruz de Humilladero gilt als sozial verwahrlost und ist geprägt von einem Block mit über 1.000 Sozialwohnungen. Das Viertel La Palmilla ist ein weiterer Brennpunkt der Kriminalität, wo Konflikte zwischen Anwohnern und organisierten Banden Probleme verursachen. Daneben sorgt das Viertel Palma-Palmilla immer wieder für Schlagzeilen wegen Schießereien im Drogenmilieu.
Für Touristen sind diese Stadtteile schlicht kein Reiseziel. Wer sich in der Altstadt, im Soho-Viertel, am Strand von La Malagueta oder in Pedregalejo aufhält, bewegt sich in sicheren Gegenden.
Kriminalität in Sevilla
Sevilla zählt zu den sichersten Städten Europas – mit einem Kriminalitätsindex von rund 30, vergleichbar mit Prag, Warschau oder München. Als Urlauber ist die Hauptgefahr in Sevilla Taschendiebstahl: Besonders in der Altstadt, rund um die Kathedrale und auf den Märkten solltest du deine Wertsachen nah am Körper tragen.
Das Viertel Los Pajaritos wird regelmäßig in Kriminalitätsstatistiken erwähnt und ist für seine Armut und Arbeitslosigkeit bekannt. Dazu kommt der Stadtteil Polígono Sur, auch bekannt als »Las Tres Mil Viviendas« – eine der sozial benachteiligtesten Siedlungen Spaniens mit bekannten Drogenproblemen. Beide Viertel liegen weit abseits der Touristenrouten.
Wer sich auf Triana, Santa Cruz, El Arenal und die Umgebung des Königspalastes beschränkt, hat keinerlei Anlass zur Sorge.
Kriminalität in Fuengirola
Fuengirola ist eine der ruhigsten Touristenstädte an der Costa del Sol. Schwere Kriminalität ist selten – die typischen Delikte sind Taschendiebstahl am Strand und an der Promenade sowie gelegentliche Einbrüche in Ferienwohnungen.
Das Nachtleben am Paseo Marítimo und in den Diskotheken bringt im Sommer die üblichen Begleiterscheinungen mit sich: zu viel Alkohol, Streitigkeiten, vereinzelte Raubüberfälle. Insgesamt gilt Fuengirola aber als sicheres Urlaubsziel.
Kriminalität in Cádiz und Algeciras
Cádiz als Stadtinsel ist für Touristen ausgesprochen sicher. Anders sieht es im gesamten Campo de Gibraltar aus: Algeciras, Tarifa und La Línea sind, wie im Abschnitt über den Drogenhandel beschrieben, seit Jahren Brennpunkte des Schmuggels und der damit verbundenen Bandenkriminalität.
Touristen sind auch hier nicht das Ziel – Taschendiebstahl und Kleinkriminalität sind die realistischste Begegnung mit der dunklen Seite der Region.
Illegale Hausbesetzungen
Im Zuge der vielen geplatzten Immobilienkredite nach 2008 verloren Tausende Spanier ihr Zuhause. Seitdem haben illegale Hausbesetzungen deutlich zugenommen. Juristisch ist die Lage in Spanien komplex: Hausbesetzung ist zwar verboten, aber wer einmal eingezogen ist, lässt sich nur schwer wieder vertreiben. Der rechtmäßige Eigentümer muss vor dem Amtsgericht beweisen, dass kein gültiger Mietvertrag besteht – was sehr lange dauern kann. Selbst in die eigene Wohnung einzudringen, wäre für den Eigentümer Hausfriedensbruch.
Wer in einer vorübergehend leer stehenden Wohnung die Nachbarschaft wechselt, erlebt mitunter Folgendes: Junge Leute brechen ein, behaupten, ihren Schlüssel verloren zu haben, zeigen dem herbeigerufenen Schlüsseldienst einen gefälschten Mietvertrag vor – und tauschen danach das Schloss aus. Der Eigentümer, womöglich im Ausland, muss nun juristisch beweisen, dass der Mietvertrag gefälscht ist.
Eine verbreitete Methode ist der sogenannte »Pizza-Trick«: Die Besetzer bestellen zunächst eine Pizza zur Zieladresse und fangen den Boten auf der Straße ab, um an eine Quittung mit der Adresse zu kommen. Tage später dringen sie ein. Als die Polizei kommt, legen sie die Pizzarechnung vor – als »Nachweis«, bereits länger dort gelebt zu haben. Die Polizei hat nach spanischem Recht 48 Stunden Zeit, das Gegenteil zu beweisen. Häufig gelingt das nicht.
Rückzugsbasis und Operationsgebiet für ausländische Kriminelle
Die Costa del Sol ist nicht nur Urlaubsparadies, sondern auch beliebter Rückzugsort für Kriminelle aus ganz Europa. Am 29. Januar 2016 starb der 85-jährige Brite Gordon Goody in der Nähe von Almería. Goody war Mitglied der berüchtigten Gang, die 1963 den Postzug zwischen London und Glasgow überfallen hatte. Nach Verbüßung seiner Haftstrafe hatte er sich die Sonnenküste für seinen Lebensabend ausgesucht.
Das ist kein Einzelfall. Die Briten sind die größte europäische Migrantengruppe in Andalusien und haben vielerorts eine Art Parallelgesellschaft aufgebaut – mit eigenen Schulen, Banken, Pubs, Kricket- und Golfclubs. Das macht es für britische Kriminelle vergleichsweise einfach, unterzutauchen.
- Der 44-jährige Brite Robert Dawes wurde im November 2015 in Benalmádena festgenommen und nach Frankreich ausgeliefert. Er soll Kokain im Wert von 200 Millionen Euro geschmuggelt und in den Niederlanden mehrere Personen ermordet haben.
- Am 30. Dezember 2015 wurde »Mr. Big« Roy Dunstance in Benalmádena gefasst und nach Schottland überstellt. In seinem Haus fand die Polizei Drogen im Wert von mehreren Millionen britischen Pfund.
- Im Januar 2016 wurden acht Engländer verhaftet, die von Málaga aus Kokain im Wert von 681 Millionen Euro nach Galicien verschiffen wollten. Das Rauschgift war zuvor von Niederländern aus Südamerika nach Málaga geschmuggelt worden.
- Am Flughafen Málaga wurde im September 2015 der Belgier Michel Desaedeleer aufgegriffen, gegen den ein internationaler Haftbefehl wegen Handels mit Blutdiamanten aus dem Bürgerkrieg in Sierra Leone vorlag.
- Der britische Resident Devinder Kainth wurde im November 2015 zu sechs Monaten Haft verurteilt, weil er einen alkoholisierten pädophilen Deutschen getötet hatte. Das milde Urteil begründete das Gericht damit, dass er Ersttäter sei.
- Der 71-jährige frühere Bürgermeister von Bristol, Royston Griffey, vermietete 2014 seine Ferienwohnung in Mijas an den Briten Ross Moore – ohne zu wissen, dass dieser in der Heimat wegen Körperverletzung und Mordes gesucht wurde. Moore zündete die Wohnung an, wurde geschnappt und ins Gefängnis von Alhaurín el Grande gebracht.
Britische Residenten werden häufig auch Opfer ihrer kriminellen Landsleute: Kurz vor der Immobilienkrise 2008 überredeten Finanzjongleure aus Gibraltar britische Rentner, Hypotheken auf ihre abbezahlten Häuser aufzunehmen, um damit windige Anlageprodukte zu kaufen. Die Opfer verloren nicht nur ihre Ersparnisse, sondern auch ihr Zuhause.
Auch die Russenmafia nutzt Andalusien als Geldwäschestandort: In Casares del Mar wurden mithilfe des damaligen Bürgermeisters Juan Sánchez 250 Millionen Euro über ein Immobilienprojekt auf der Finca Cortesín gewaschen – durch eine osteuropäische Bande unter Führung des sogenannten »Polnischen Al Capone«, Ricardo Fanchini.
Korruption und Vetternwirtschaft
Im Gefängnis von Alhaurín bei Málaga sitzen regelmäßig Bürgermeister und Stadträte ein, die öffentliche Gelder verschoben, Menschen ungesetzliche Vorteile verschafft oder Schwarzarbeit für persönliche Projekte organisiert haben.
Manche werden nach ihrer Haftstrafe sogar wiedergewählt – denn die Wähler erinnern sich noch genau, wem sie es zu verdanken haben, dass ihre Grundstücke plötzlich als Bauland galten.
Der ERE-Skandal
Der ERE-Skandal zählt zu den größten Korruptionsfällen der andalusischen Geschichte: Zwei frühere Regionalpräsidenten, mehrere Minister, Gewerkschaftsführer und Unternehmer veruntreuten knapp 700 Millionen Euro an Fördermitteln, die eigentlich für Frühverrentungen und Qualifizierungsmaßnahmen bestimmt waren.
Aufgeflogen ist der Fall durch einen Zufall. Das Staatsunternehmen Mercasevilla bot 450.000 Euro für die vorübergehende Anmietung einer Pflegeschule in Sevilla. Die Eigentümer schnitten die Verhandlungen mit und gaben den Mitschnitt ans Arbeitsministerium weiter, das ihn an die Staatsanwaltschaft weiterleitete. Richterin Mercedes Alaya verbiss sich in den Fall und stieß schnell auf Andalusiens Arbeitsminister Francisco Javier Guerrero.
Das Prinzip war simpel: Immer wenn eine staatliche Inspektion der angeblichen Weiterbildungseinrichtungen angekündigt wurde, tauchte urplötzlich eine mit PCs ausgestattete Trainingsinfrastruktur auf – für die Guerrero 450.000 Euro abrief. Nach der Inspektion verschwand die Ausstattung wieder. Die Betreiber gründeten eigens eine Firma und kauften einen Lkw für Lieferung und Abholung.
Guerrero verteilte das Geld wie ein Feudalherr. Allein für seinen privaten Kokainkonsum soll er 25.000 Euro im Monat ausgegeben haben. In seinem Heimatdorf El Pedroso, einer 2.000-Seelen-Gemeinde in der Sierra Morena nördlich von Sevilla, war er besonders beliebt: Für angebliche Frühverrentungen von Menschen, die angeblich in einer lokalen Mine gearbeitet haben sollten, ließ er innerhalb von fünf Jahren 60 Millionen Euro fließen – obwohl niemand aus dem Dorf je in der Mine gearbeitet hatte.
Ausgezahlt wurden die Gelder über den katalanischen Bankier Eduardo Pascal Arxe, der schon 15 Jahre zuvor die Eurobank in den Ruin getrieben hatte. Als die Affäre brenzlig wurde, flüchtete er nach Burkina Faso, wo er medizinisches Marihuana anbaute. 2017 wurde er dort aufgrund eines spanischen Haftbefehls festgesetzt, kam wegen eines Formfehlers aber wieder frei. Statt sich regelmäßig bei der Polizei zu melden, setzte er sich nach Benin ab, wo er bis heute vermutet wird.
Am 19. November 2019 verkündete Richterin Alaya am Provinzialgericht Sevilla das Urteil in einem 1.821-seitigen Bericht: 86 Jahre Gefängnishaft für 19 Angeklagte.
- José Antonio Griñán, früherer Präsident Andalusiens: sechs Jahre Haft, 15 Jahre Politikverbot
- Javier Guerrero, früherer Arbeitsminister: acht Jahre Haft – er hatte den Betrug zehn Jahre lang gesteuert und 700.000 Euro für Kokainpartys abgezweigt
- José Antonio Viera, früherer Berater und Politiker: sieben Jahre Haft, 18 Jahre Politikverbot; er hatte 50 Millionen Euro an Betriebe in der Sierra Morena verteilt
- Manuel Chaves, früherer Regionalpräsident: kein Strafmaß, aber neun Jahre Politikverbot – er soll die Vorgänge politisch gedeckt haben
- Carmen Martínez Aguayo, frühere Finanzministerin: sechs Jahre Haft
Alle Verurteilten legten Beschwerde ein. Am 25. Juli 2022 bestätigte der Oberste Spanische Gerichtshof die Strafen von 16 Angeklagten, drei wurden freigesprochen. Ende Januar 2023 saßen von den Verurteilten nur Guerrero, Aguayo, Viera sowie die Ex-Minister Francisco Vallejo und Antonio Fernández tatsächlich im Gefängnis.
Der Gürtel-Skandal
Der ERE-Skandal war nicht mal der größte Korruptionsprozess der neueren spanischen Geschichte. Diese zweifelhafte Ehre gebührt dem Fall »Gürtel« (benannt nach dem Hauptangeklagten Correa – »Gürtel« ist die deutsche Übersetzung seines Namens), der sich wie eine Krake über ganz Spanien ausbreitete und letztlich zur Spaltung der Partido Popular in PP, Ciudadanos und Vox beitrug.
In Bezug auf Andalusien wurden Bürgermeister und Stadträte von Marbella verhaftet, die Stadt zeitweise unter direkte Aufsicht der Landesregierung gestellt. Im November 2020 wurde der valencianische Teil des Skandals juristisch gesühnt: Hochrangige Politiker hatten beim Papstbesuch Benedikts XVI. 2006 rund 7,5 Millionen Euro abgezweigt.
Marbella: Vom Mafia-Bürgermeister zum Schwedenring
Marbella hat eine lange Geschichte als bevorzugtes Betätigungsfeld für Korruption, geprägt durch Bürgermeister Jesús Gil y Gil in den 1990er-Jahren. Dass diese Zeiten nicht ganz vorbei sind, zeigten die jüngsten Entwicklungen eindrücklich.
2022 stand der schwedische Staatsangehörige Joakim Broberg zusammen mit 29 weiteren Mitgliedern eines internationalen Marihuanaschmuggelerrings vor Gericht. Die Bande transportierte Marihuana von Marokko über Spanien nach Schweden und Frankreich. Kopf der Bande war Joakims Vater Lars Broberg – langjähriger Lebensgefährte von Marbellas Bürgermeisterin Ángeles Muñoz (PP). Lars Broberg starb 2023 im Alter von 80 Jahren. 2024 endete das Verfahren gegen Joakim: Ihm drohen 22 Jahre Haft. Die Polizei konnte insgesamt 900 Millionen Euro beschlagnahmen. Zur Geldwäsche hatten die Brobergs zwei Immobilienagenturen in bester Stadtlage betrieben. Broberg Junior hatte zudem einen städtischen Polizisten bestochen, um jederzeit an Polizeiinformationen zu kommen. Bürgermeisterin Muñoz will von den Machenschaften ihres Lebensgefährten und Stiefsohns nichts gewusst haben.
Am 18. Februar 2020 wurde Antonia Muñoz in Manilva zusammen mit zwölf Komplizen verhaftet. Die frühere Bürgermeisterin (1999–2003 und 2007–2014) der Partei Izquierda Unida war der Nationalpolizei nach einem Hinweis der italienischen Anti-Mafia-Einheit auf die Spur gekommen. Sie wird beschuldigt, im Auftrag der italienischen Mafia Geld gewaschen und während ihrer Amtszeit 900 Personen illegal beschäftigt sowie mit üppigen Boni versorgt zu haben.
Hinweis: Die beiden Damen Muñoz aus Manilva und Marbella sind weder verwandt noch verschwägert.
Ein weiterer Fall, der Schlagzeilen machte: José María García Urbano, seit vier Wahlperioden Bürgermeister von Estepona mit absoluter PP-Mehrheit, hat die Stadt sichtbar aufgewertet – Orchidarium, Rocódromo, Konzerthalle, Museen und eine attraktive Fußgängerzone. Auffällig ist allerdings, dass sämtliche Projekte vom selben Baukonzern ausgeführt wurden, dessen Finanzvorstand Urbanos Sohn ist. Am 18. November 2024 musste Urbano vor Gericht erscheinen: Ihm wird vorgeworfen, seit 2022 einen städtischen Polizisten gegen dessen Willen sexuell missbraucht zu haben. Urbano hat alle Vorwürfe zurückgewiesen, zu den Einzelpunkten aber die Aussage verweigert.
Geldwäsche in großem Stil
Andalusien ist ein bevorzugtes Ziel für internationale Geldwäsche. Ein besonders prominenter Fall: Ein spanisches Gericht wollte Rifaat al-Assad, den Onkel des syrischen Diktators Baschar al-Assad, zu einer Strafe von einer Milliarde Euro verurteilen. Rifaat hatte seit den 1970er-Jahren Milliarden Euro aus Syrien herausgeschmuggelt – zusammengerafft durch Antikenhandel, Drogenhandel und unverhohlenen Griff in die Staatskasse. Er gründete Hunderte Scheinfirmen auf den Bahamas und investierte das Geld in Spanien, besonders in Puerto Banús. An der Einschleusung in den legalen Geldkreislauf war maßgeblich die internationale Anwaltskanzlei Marrache beteiligt; die drei Brüder Marrache wurden in Gibraltar zu elf Jahren Gefängnis verurteilt. Bei der Aufdeckung spielten auch die sogenannten FinCEN-Files eine Rolle – geheime Informationen aus dem US-Finanzministerium, die einer investigativen Journalistengruppe zugespielt wurden.
Die spanische Polizei fasste Anfang 2023 in Zusammenarbeit mit schwedischen Behörden eine 71-köpfige Bande aus Drogenschmugglern und Geldwäschern. Dabei kam erneut das Duo Broberg ins Spiel: Joakim und Lars Broberg konnten mindestens drei Fälle von Geldwäsche im Wert von 7,3 Millionen Euro nachgewiesen werden. Joakim hatte die Drogengelder in 17 Scheinfirmen im Marbella-Stadtteil Nueva Andalucía geparkt; 2,4 Millionen Euro, 50 Fahrzeuge und 14 Immobilien wurden konfisziert.
Dass die Kreativität der Geldwäscher keine Grenzen kennt, zeigt ein Fall aus dem April 2026: Die Nationalpolizei an der Costa del Sol deckte auf, wie Mitglieder eines schwedischen Kriminellennetzwerks in Marbella Drogengelder über seltene Pokémon-Karten wuschen. Die Logik dahinter ist simpel: Schmutziges Geld wird in begehrte Sammlerstücke investiert, die legal weiterverkauft werden können. Seltene Karten aus den 1990er-Jahren erzielen auf dem Sammlermarkt teils Millionenbeträge – und lassen sich damit genauso leicht verschleiern wie Immobilien oder Kunst. Bei koordinierten Razzien in Spanien und Schweden wurden mehrere Verdächtige festgenommen.
Dass Korruption auch im Justizapparat nicht Halt macht, zeigt das Beispiel des Präsidenten des Obersten Andalusischen Gerichtshofs, Lorenzo del Río: Neben seinem offiziellen Jahresgehalt von 90.000 Euro kassierte er zwölf Jahre lang monatlich 1.300 Euro »Lebenshaltungskosten« von der Junta de Andalucía – obwohl Richter das ausdrücklich nicht dürfen. Eine frühere PSOE-Ministerin kassierte 2.000 Euro im Monat für eine Tätigkeit, die sie nie ausübte. Und Luis Guerrero, zum Flamenco-Direktor von Jerez de la Frontera ernannt, strich drei Jahre lang je 72.000 Euro Jahresgehalt ein, ohne zu wissen, welche Aufgaben eigentlich von ihm erwartet wurden.
In Archidona bei Málaga steht seit Jahren Europas größtes ungenutztes Gefängnis leer: 350.000 Quadratmeter, Platz für 2.000 Häftlinge, zeitweise kurzfristig als Unterkunft für Geflüchtete genutzt – obwohl das nach EU-Recht eigentlich verboten ist. Der neue Flughafen von Huelva (Aeropuerto Cristóbal) besitzt weder Start- noch Landebahnen und kein Terminal, beschäftigt aber seit Jahren elf Vollzeitmitarbeiter. Nun sollen 82 Millionen Euro Landesmittel nachgeschossen werden.
Auf dem Korruptionsindex von Transparency International rutschte Spanien 2022 um einen Platz auf Rang 35 zurück – gleichauf mit Botswana und den Kapverdischen Inseln.
Moderne Straftaten
Kryptowährungen bieten neue Angriffsflächen für Betrüger. Anfang 2021 musste der Nationale Gerichtshof in Madrid erstmals einen großen Kryptobetrugsfall verhandeln: Javier Biosca Rodríguez hatte 500 Kleinanleger um ihr Geld gebracht, indem er ihnen monatliche Gewinne von 25 Prozent aus dem Bitcoin-, Ethereum- und Litecoin-Handel versprach. Zunächst erhielten tatsächlich einige Kunden ihre versprochenen Ausschüttungen – was per Mundpropaganda schnell neue Anleger anzog. Ab Januar 2020 sanken die Auszahlungen, im November 2020 stellten sie ganz ein. Der Schaden wird auf mindestens 250 Millionen Euro beziffert, könnte aber drei Milliarden erreichen. Biosca führte sämtliche Transaktionen zusammen mit Frau und Sohn am heimischen Computer ohne jede Backup-Infrastruktur durch.
Im Juni 2022 wurden sechs Personen verhaftet, die ein russisches Ehepaar in einer Villa an der Costa Blanca entführt und mit dem Tod bedroht hatten, sofern sie die Geheimnummer eines Krypto-Wallets nicht herausgäben. Dem Ehemann gelang es, die Täter hinzuhalten und seinen Anwalt zu kontaktieren. Der Fall entpuppte sich als Spitze eines Eisbergs: Er steht im Zusammenhang mit der Plattform Globix in Gibraltar, die Kryptowährungen im Wert von 150 Millionen Euro verwaltete.
Drohnen werden inzwischen nicht nur für Schmuggel, sondern auch für Straßenraub eingesetzt: Eine Bande verfolgte in mehreren spanischen Provinzen Personen per Drohne, die gerade größere Geldbeträge abgehoben hatten, und raubte sie im richtigen Moment aus. Bei der Festnahme fand die Polizei neben der Drohne 122.000 Euro Bargeld.
Umweltstraftaten
Andalusien wird immer wieder von schwerwiegenden Umweltverbrechen erschüttert.
Im April 1998 ereignete sich bei Aznalcóllar die bislang größte Umweltkatastrophe Spaniens: Der Damm einer Blei-, Zink- und Silbermine brach wegen Sicherheitsmängeln, und mehrere Millionen Kubikmeter Giftschlamm flossen über 4.600 Hektar Ackerland – und bedrohten den Nationalpark Coto de Doñana, den größten Vogelschutzpark Europas. Im Park bildeten sich hohe Konzentrationen giftiger Schwermetalle und Arsen. Bemühungen, die Mine Mitte der 2010er-Jahre wiederzueröffnen, stoppte Richterin Patricia Fernández Franco. Offensichtlich war bei der Lizenzvergabe Korruption im Spiel.
In Huelva betreibt die Firma Fertiberia eine riesige Deponie mit 120 Millionen Tonnen Giftmüll, die 1.200 Hektar Marschland verseucht hat. Die zulässige Radioaktivität wird dabei um 150 Prozent überschritten. Eigentümer der Deponie ist Juan Miguel Villar, früherer Finanzminister und einer der reichsten Männer Spaniens. Huelva ist bekannt für seine Erdbeeren, die zwischen Februar und April massenhaft nach Deutschland exportiert werden – die unkontrollierte Ausweitung der Erdbeerfelder hat zudem den Grundwasserspeicher des Nationalparks Doñana um rund 50 Prozent reduziert. Deutsche Handelskonzerne sehen keinen Handlungsbedarf: Alle Produzenten seien nach dem GlobalGAP-Standard zertifiziert. Dumm nur, dass GlobalGAP nichts über Umweltschäden aussagt – es geht ausschließlich um Lebensmittelsicherheit und Arbeitsbedingungen.
In Sevilla wurden im November 2015 zwei Tierfutterwerke geschlossen, die aus verendeten kranken Tieren 20.000 Tonnen Futter hergestellt hatten, das auch in die menschliche Nahrungskette gelangt war. Ermöglicht hatte das der Vorsitzende der andalusischen Tierschutzbehörde.
In Marbella wurden 16.000 Häuser mit Duldung der damaligen Stadtverwaltung illegal errichtet. Der Versuch der heutigen Stadtregierung, sie nachträglich zu legalisieren, wurde vom Obersten Andalusischen Gerichtshof unterbunden.
Zwischen Antequera und Marchena wurde eine 77 km lange AVE-Strecke gebaut – auf der kein Zug jemals fahren wird. Nachdem bereits 279 Millionen Euro verbaut waren, ließ der damalige EU-Umweltkommissar Janez Potočnik das Projekt wegen gravierender Verstöße gegen Umweltauflagen stoppen.
Beim Wandern in Andalusiens Natur stößt du immer wieder auf Gebäude in Schutz- und Waldgebieten, die weit über die gesetzlich erlaubten 12 m² Grundfläche hinausgehen. Lokale Behörden drücken dabei konsequent beide Augen zu. Beispiel: An der Bergstraße von Marbella nach Istán steht mitten im UNESCO-Biosphärenreservat Sierra de las Nieves die spektakuläre »Finca Sagittario« – weiträumig eingezäunt, sodass der Wanderweg nach Istán unterbrochen ist. In der gleichen Gegend hat 2007 eine Schweizer Investorengruppe einen halben Berg weggesprengt, um die Urbanisation »Marbella Country Club« zu bauen. Nach dem Ausbruch der Immobilienkrise 2008 blieben die Betonskelette halbfertig stehen und verschandeln bis heute die Landschaft.
Immer wieder kommt es in den küstennahen Bergregionen zu verheerenden Waldbränden – meist durch Brandstiftung. Obwohl offene Feuer auf ausgedörrten Wiesen verboten sind, zünden manche Bauern ihre Feldabfälle weiter an. Daneben werden Flächen auch gezielt in Brand gesetzt, um sie anschließend als Bauland für Golfanlagen und Feriensiedlungen umwidmen zu können.
In der Meerenge von Gibraltar sind die Orka-Bestände stark rückläufig. Als Hauptursache gilt die hohe PCB-Belastung durch chemische Industrie und ungeklärte Abwässer in der Bucht von Algeciras. Von den 120 Millionen Euro EU-Mitteln zur Verbesserung der Wasserqualität wurde nur ein Drittel zweckgebunden verwendet – wohin die restlichen zwei Drittel geflossen sind, ist bis heute unklar.
Ist Andalusien sicher? – eine nüchterne Einschätzung
Reisewarnung Andalusien
Das deutsche Auswärtige Amt gibt keine Reisewarnung für Andalusien oder Spanien im Allgemeinen heraus. Für den Standardurlaub an der Costa del Sol, in Sevilla, Córdoba oder Granada gibt es keinen offiziellen Grund zur besonderen Besorgnis.
Reisewarnungen für Spanien beziehen sich, wenn überhaupt, auf vorübergehende Extremwetterlagen wie die schweren Überschwemmungen vom Oktober 2024 in der Region Valencia – nicht auf Kriminalität.
Das bedeutet: Andalusien ist kein Risikogebiet. Es ist ein Reiseland mit einem differenzierten Bild, das man kennen sollte.
Kriminalität Spanien vs. Deutschland
Im europäischen Vergleich schneidet Spanien bei der allgemeinen Kriminalitätsrate gut ab. Andalusische Großstädte wie Málaga und Sevilla liegen im Numbeo-Ranking der sichersten europäischen Städte weit vorne – deutlich besser als viele deutsche Großstädte.
Was Spanien und besonders Andalusien hervorhebt, ist kein hohes allgemeines Kriminalitätsniveau, sondern die Konzentration organisierter Kriminalität in bestimmten Strukturen: Drogenschmuggel, Geldwäsche und Korruption. Diese Phänomene sind real, aber für den durchschnittlichen Urlauber weit weg.
Was dich als Besucher tatsächlich treffen kann – Taschendiebstahl, Betrug, Einbruch in Mietwagen – ist in Andalusien nicht dramatisch häufiger als in vergleichbaren europäischen Reisezielen. Wer mit offenen Augen reist und die im nächsten Abschnitt beschriebenen Hinweise beherzigt, kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit ohne Probleme wieder nach Hause.
Kriminalität gegen Touristen
Als Tourist wirst du in Andalusien selten direkt in schwere Verbrechen verwickelt. Einige gängige Maschen kennst du aber am besten vorab:
Falsche Parkwächter in bunten Warnwesten, die auf Parkplätzen Geld kassieren. Zwei, drei Euro freiwillig herzugeben, ist keine schlechte Investition, wenn du dein Auto unbeschädigt zurückhaben möchtest.
Taschendiebstahl durch Ablenkung: Eine 55-jährige britische Frau wurde im April 2019 innerhalb von zehn Tagen zweimal im selben Supermarkt in La Cala de Mijas bestohlen – jedes Mal, nachdem sie von mehreren Frauen umringt worden war, die dabei unauffällig Geld und Kreditkarten entwendeten.
Die »Vogelkacke«-Masche: Etwas Klebriges landet auf deiner Kleidung, eine hilfsbereite Person bietet sofort Unterstützung beim Säubern an – und stiehlt dabei deine Brieftasche. Besonders auf Schiffen, wo man dem Gesindel nicht ausweichen kann, ist Aufmerksamkeit geboten.
Türkische Lira statt 2-Euro-Münzen: Eine türkische Lira (rund 0,02 Euro) ähnelt einem 2-Euro-Stück täuschend. Eine Variante: Ein Händler behauptet, du hättest ihm irrtümlich eine Lira gegeben, und fordert nochmals 2 Euro. Schau einfach genau hin: Auf der Münze steht entweder eine »1« oder eine »2«.
Gefälschte Strafzettel: In der Gegend von Mijas tauchten 2024 Knöllchen an Windschutzscheiben auf, die angeblich von der Polizei stammten. Ein QR-Code sollte angeblich zur Bezahlung führen – tatsächlich auf ein Betrügerkonto.
Gefälschte TÜV-Plaketten: Spanische Polizisten stellen an der Costa vermehrt Bußgeldbescheide für Fahrzeuge mit gefälschten deutschen TÜV-Plaketten aus. Betrüger behaupten, den deutschen TÜV könne man auch in Spanien abnehmen lassen – was schlicht nicht stimmt. Ohne schriftlichen Prüfbericht ist die Plakette als Fälschung erkennbar. Fahren ohne gültigen TÜV ist in Spanien eine Straftat und kann zur vorübergehenden Inhaftierung führen.
Spritzen in Clubs: Im Sommer 2022 meldeten 96 Frauen in Andalusien, in Diskotheken oder Nachtclubs von Unbekannten mit einer Nadel gestochen worden zu sein. In keinem Fall folgten drogenbedingte Ausfallerscheinungen oder sexuelle Übergriffe. Mediziner warnen dennoch vor dem Risiko einer Ansteckung mit HIV oder Hepatitis durch verunreinigte Spritzen.
Teure Armbanduhren: Eine sechsköpfige Bande hatte es in Puerto Banús gezielt auf Personen mit hochwertigen Uhren abgesehen.
Eines bleibt festzuhalten: Als Besucher wirst du die kriminelle Energie Andalusiens zwar hin und wieder am Rande wahrnehmen – direkt in schwere Verbrechen hineingezogen zu werden, ist dennoch eher unwahrscheinlich. Genieß deinen Urlaub!
Spanien Magazin

Andalusien Reiseführer
13 Städte, 15 weiße Dörfer, 9 Natur-Highlights, 4 Küsten, 4 Routen und jede Menge echte Geheimtipps – das alles findest du im großartigen Andalusien Reiseführer von Sara und Marco, den beiden Gründern von Love and Compass.
