Politik in Andalusien

Politik Andalusien
Der Sitz der andalusischen Regierung in Sevilla ( © DW )
Andalusien ist eine von 19 autonomen Regionen des Königreichs Spanien. Die Autonomien entsprechen in ihrer Funktion in etwa den deutschen Bundesländern. Hier erfährst du etwas darüber, wie Politik und Verwaltung in Andalusien organisiert sind, welche Parteien und Spitzenpolitiker die politische Agenda prägen, wie die Bevölkerung über Politik denkt und was Andalusien in seiner politischen Ausrichtung von den anderen autonomen Regionen unterscheidet.

Die autonome Region Andalusien

Andalusien ist mit 8,4 Mio. Einwohnern die bevölkerungsreichste und mit 87.268 km² die flächenmäßig zweitgrößte autonome Region in Spanien. Die zentrale andalusische Selbstverwaltung nennt sich Junta de Andalucía. Sie residiert in der Hauptstadt Sevilla im Palacio de San Telmo, zwischen der südlichen Außenmauer des Königspalastes Real Alcázar de Sevilla und dem Ufer des Flusses Guadalquivir.

Die Junta de Andalucía besteht aus dem andalusischen Parlament, dem Präsidenten von Andalusien und seiner Regierung (Consejo de Gobierno). Der Kandidat, der eine Mehrheit im andalusischen Parlament hinter sich hat, wird vom spanischen König zum andalusischen Präsidenten ernannt. Der Präsident ernennt Räte (Consejeros), welche die einzelnen Ministerien leiten.

Ministerpräsident von Andalusien ist seit Januar 2019 der konservative Politiker Juan Manuel Moreno Bonilla. Das Parlament verfügt über 109 Abgeordnetensitze. Bei den Wahlen von 2018 haben fünf Parteien die 3%-Hürde des andalusischen Wahlsystems übersprungen (PSOE, PP, Ciudadanos, AA, VOX).

Andalusien entsendet 9 Senatoren in die zweite Kammer des spanischen Zentralparlaments in Madrid. Der spanische Senat kann mit dem Deutschen Bundesrat verglichen werden.

Die autonome Region Andalusien ist in acht Verwaltungsprovinzen untergliedert. Gemäß dem andalusischen Autonomie-Statut von 1986 werden die Abgeordnetensitze wie folgt auf die acht Provinzen verteilt:

Huelva (11 Sitze), Sevilla (18), Córdoba (12), Jaén (11), Cádiz (15), Málaga (17), Granada (13), Almería (12). Die Provinzverwaltungen werden ebenfalls demokratisch legitimiert. Jede Provinz besteht aus mehreren Kommunen, die von einem demokratisch gewählten Bürgermeister und einem Stadtrat gelenkt werden.

Andalusische Städte mit mehr als 40.000 Einwohnern

Stand: 19. März 2024

Provinz Almeria:

Stadt

Bürgermeister

Partei

Einwohner

Almería

Maria del Mar Vázquez Aguero

PP

197.000

El Ejido

Francisco Góngora Cara

PP

85.000

Roquetas de Mar

Gabriel Amat Ayllón

PP

92.449

Provinz Cádiz:

Stadt

Bürgermeister

Partei

Einwohner

Cádiz

Bruno Garcia de León

PP

117.000

Algeciras

José Ignacio Landaluce Calleja

PP

122.000

Chiclana de la Frontera

José Maria Román Guerrero

PSOE

84.000

Jerez de la Frontera

Maria José Garcia-Pelayo Jurado

PP

213.000

El Puerto de Santa María

German Beardo Caro

PP

89.000

La Línea de la Concepción

José Juan Franco Rodriguez

LL100x100

63.000

Puerto Real

Aurora Salvador Colorado

Para la gente

42.000

San Fernando

Patricia Cavada Montañes

PSOE

96.000

Sanlúcar de Barrameda

Maria Carmen Alvarez Marin

IU Andalucia

69.000

Provinz Córdoba:

Stadt

Bürgermeister

Partei

Einwohner

Córdoba

José Maria Bellido Roche

PP

326.000

Lucena

Aurelio Fernandéz Garcia

PP

43.000

Provinz Granada:

Stadt

Bürgermeister

Partei

Einwohner

Granada

Marifrán Carazo Villalonga

PP

233.000

Motril

Luisa Maria Garcia Chamorro

PP

60.000

Provinz Huelva:

Stadt

Bürgermeister

Partei

Einwohner

Huelva

Pilar Miranda Plata

PP

145.000

Provinz Jaén:

Stadt

Bürgermeister

Partei

Einwohner

Jaén

Agustin González Romo

PP

114.000

Linares

Auxiliadora del Olmo Ruiz

PP

58.000

Provinz Málaga:

Stadt

Bürgermeister

Partei

Einwohner

Málaga

Francisco de la Torre Prados

PP

580.000

Benalmádena

Juan Antonio Lara Martin

PP

74.000

Estepona

José Maria Garcia Urbano

PP

75.000

Fuengirola

Ana Maria Mula Redruello

PP

76.000

Marbella

Ángeles Muñnoz Uriol

PP

142.000

Mijas

José Antonio González Pérez

PSOE

81.000

Torremolinos

Margarita del Cid Muñoz

PP

69.000

Vélez-Málaga

Jesus Lupiáñez Herrera

PP

81.000

Rincón de la Victoria

José Francisco Salado Escaño

PP

47.000

Alhaurín de la Torre

Joaquin Villanova Rueda

PP

40.000

Provinz Sevilla:

Stadt

Bürgermeister

Partei

Einwohner

Sevilla

José Luis Sanz Ruiz

PP

689.000

Dos Hermanas

Francisco Rodriguez Garcia

PSOE

134.000

Utrera

Francisco Jiménez Morales

PP

53.000

Écija

Silvia Heredia Martin

PP

40.000

In Streitfällen zwischen Exekutive und Legislative entscheidet der andalusische Verfassungsgerichtshof. Im November 2015 entschied er z.B., dass der Stadtrat von Marbella nicht 16.000 illegal errichtete Häuser und Wohnungen nachträglich legalisieren durfte. Vielmehr seien alle Gebäude, die nicht dem letzten gültigen Flächennutzungsplan Marbellas aus dem Jahr 1986 entsprechen, illegal und müssten nach andalusischem Recht eigentlich abgerissen werden.

Politische Positionierung Andalusiens im Königreich Spanien

Anders als Katalonien und das Baskenland, die nach Unabhängigkeit streben, ist Andalusien ein besonders treuer Anhänger des Königreichs Spanien. Während Katalanen und Basken das Gefühl haben, dass sie mit ihren Steuern die ärmeren Autonomien mitfinanzieren, ist es für das arme Andalusien überlebenswichtig, möglichst viel von dem Geldsegen aus Madrid abzubekommen. Andalusien ist eine der ärmsten autonomen Regionen. Es lebt fast ausschließlich von Tourismus und Landwirtschaft. Seit der Finanz- und Immobilienkrise 2008 haben viele Menschen ihren Job verloren, die Jugendarbeitslosigkeit ist erschreckend hoch.

Der Zustand des Landes spiegelt sich im Stadtbild vieler Kommunen wider: verfallende Häuser, aufgegebene Geschäfte, aufgeplatzte Asphaltstraßen. Die vier spanischen Provinzen mit dem niedrigsten Durchschnittseinkommen befinden sich alle in Andalusien: Jáen, Huelva, Almería und Córdoba. In den abgelegenen andalusischen Bergdörfern trifft man immer wieder auf alte Männer, die Deutsch sprechen. Aus Mangel an Arbeit waren viele von ihnen in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts als Gastarbeiter in Deutschland tätig.

Bei der Treue zum spanischen Zentralstaat wird im Hintergrund auch mitschwingen, dass Andalusien erst 1492 den im 8. Jahrhundert aus Marokko eingewanderten Mauren entrissen wurde, woran bei vielen andalusischen Städtenamen die Zusatzbezeichnung de la Frontera erinnert. Denn zwischen 1200 und 1492 verschob sich ständig die Grenze zwischen dem katholischen Norden und dem muslimischen Süden.

Neuerdings gibt es doch wieder kleinteilige Autonomiebewegungen. Seit Anfang 2024 fordert die separatistische Bewegung CCRL (Colectivo Ciudadanos de la Región Leonesa) in Kastilien und León den »Leonismo«, d.h. die Abspaltung Leóns von Kastilien. Begründet wird das damit, dass fast alle öffentlichen Investitionen in Kastilien getätigt werden und Leon deshalb in den letzten zehn Jahren bereits 8% seiner Bevölkerung verloren habe. Außerdem habe León einen eigenständigen Dialekt. 81% der Leoneser befürworten eine Abspaltung von Kastilien (unter klammheimlicher Unterstützung durch die lokale PSOE). Ein autonomes Leon sei immer noch größer als das autonome Murcia, das autonome Kantabrien oder das autonome Asturien.

Da möchte nun auch die Provinz Granada nicht zurückstehen. Granada fühlt sich vom 200 km entfernten Sevilla benachteiligt. Daher fordert nun »Juntos por Granada« unter ihrem Anführer César Giron die Abspaltung der Provinz Granada von Andalusien, wobei ein autonomes Granada in den Grenzen des alten maurischen Königreichs Granada angestrebt wird. Das würde bedeuten, dass Almería und Málaga etwas Land an Granada abgeben müssten.

Parteien in Andalusien

Bisher standen sich im Wesentlichen zwei Parteien gegenüber:

Die konservative PP (Partido Popular) und die sozialistische PSOE (Partido Socialista Obrero Español).

Beide Parteien hatten bisher nahezu feste Wählerschaften hinter sich. Das ist eine Spätfolge des blutigen Bürgerkrieges, der von 1936 bis 1939 in ganz Spanien tobte. Als nach dem Tod des Diktators Francisco Franco am 20. November 1975 in Spanien freie Wahlen möglich wurden, tendierten die Franco-Anhänger zur PP und die Anhänger der von Franco unterdrückten Republikaner zur PSOE.

Politiker der beiden großen Parteien waren und sind in große Korruptionsskandale verstrickt. Insbesondere Manuel Chaves, der langjährige Präsident Andalusiens und berüchtigte Strippenzieher der spanischen PSOE, ist darin verwickelt. Da viele spanische Wähler die Korruption in beiden Parteien satt hatten, bildeten sich in den letzten acht Jahren etliche neue Parteien, die den etablierten Parteien so viele Wähler abjagen, dass heute in Andalusien weder PP noch PSOE mit einer absoluten Mehrheit regieren können.

Während es in der spanischen Zentralregierung bereits zu mehreren Regierungswechseln zwischen beiden Lagern PP und PSOE gekommen ist, wurde Andalusien, mit einer kurzen Ausnahme von zwei Jahren, durchgehend von der PSOE regiert, seit 2014 in einer Koalitionsregierung mit den Ciudadanos. Das änderte sich mit der Parlamentswahl am 2. Dezember 2018. Die PSOE wurde zwar wieder stärkste Kraft, verlor aber so viele Mandate, dass es auch zusammen mit den Ciudadanos nicht zu einer Regierungsmehrheit gereicht hätte.

Zudem zog die neue rechtspopulistische Partei VOX erstmals in ein spanisches Parlament ein. Ihre 12 Mandate reichten aus, dass niemand Andalusien ohne die Unterstützung durch VOX regieren konnte. So erhielt Andalusien am 20. Januar 2019 seit 36 Jahren erstmals wieder eine bürgerliche Regierung aus PP und Ciudadanos, die von VOX toleriert wurde. Susana Díaz verlor bei der Wahl im Dezember 2018 ihr sicher geglaubtes Amt als andalusische Präsidentin.

Von den neuen Parteien war in Deutschland Podemos unter ihrem charismatischen Anführer Julio Iglesias am bekanntesten. Podemos vertrat ähnlich radikal linke Positionen wie die griechische Syriza. Seit deren Anführer Alexis Tsipras jedoch als griechischer Ministerpräsident genau die Sparpolitik durchsetzen musste, die er im Wahlkampf bekämpft hatte, ging die Faszination von Podemos in der spanischen Bevölkerung merklich zurück.

Im Wahlkampf 2015 hatten alle Parteien verkündet, nicht miteinander koalieren zu wollen. Schließlich kam es dann aber doch zu einer Koalitionsregierung zwischen PSOE und den Ciudadanos von Juan Marín aus der Hafenstadt Sanlúcar de Barrameda in der Provinz Cádiz. Die Ciudadanos waren das neue Sammelbecken bürgerlicher Wähler, welche die Korruptionsaffären und Vetternwirtschaft der PP und der PSOE leid sind, denen Podemos aber zu linksradikal ist. Für die Ciudadanos saßen im andalusischen Parlament seit der Wahl von Dezember 2018 einundzwanzig Abgeordnete. Ihre Hochburg lag in Málaga.

Dass sich die Ciudadanos seit dem 20. Januar 2019 in einer rechten Koalitionsregierung unter der Führung des PP und der Duldung durch VOX wiederfanden, ist schon erstaunlich. Immerhin waren die Ciudadanos von ehemaligen Anhängern der PP gegründet worden, weil ihnen die PP zu korrupt und zu konservativ-reaktionär erschien. Das wäre so, wie wenn in Deutschland SPD und Linke eine Koalitionsregierung unter Duldung der AfD bilden würden. Und bis zum 19. Januar 2019 hatten die Ciudadanos ja drei Jahre lang als Juniorpartner der sozialistischen PSOE zu einer Regierungsmehrheit verholfen.

Die rechtspopulistische VOX ist ebenfalls eine Ausgründung aus dem PP, aber diesmal, weil ihren Gründern die PP nicht reaktionär genug war. Spanischer Parteichef ist der ehemalige PP-Politiker Santiago Abascal Conde. In Andalusien wird die Partei vom ehemaligen PP Politiker Francisco Serrano geführt. Dass ihr in Andalusien aus dem Stand 11% der Stimmen zufielen, lag an drei Ereignissen: Seit sich Italien weigert, Flüchtlinge aus dem Mittelmeer aufzunehmen, landen immer mehr Flüchtlingsboote an den Stränden von Andalusien. Und viele bisherige PP Wähler waren unzufrieden, dass die sozialistische Regierung in Madrid den früheren Militärdiktator Franco aus seinem bombastischen Mausoleum im Tal der Gefallenen umgebettet hat. Und sogar damit, dass der inzwischen durch ein konstruktives Misstrauensvotum gestürzte spanische Ministerpräsident Rajoy die Abspaltungsbestrebungen Kataloniens nicht noch härter bestraft hat.

Ciudadanos und VOX waren die Wahlgewinner vom 6. Dezember 2018. Die beiden »Volksparteien« PP und PSOE verloren immer mehr Rückhalt in der Bevölkerung.

Warum es die PSOE trotz ihrer Korruptionsskandale noch einmal zur stärksten Kraft in Andalusien geschafft hatte, mag Außenstehenden unverständlich erscheinen. Man darf aber nicht vergessen, dass zahlreiche Wähler und Anhänger von den jahrzehntelangen Wohltaten der PSOE profitiert haben. Das wird besonders auf kommunaler Ebene deutlich. Etliche Bürgermeister von PP und PSOE, die wegen Korruption und Geldwäsche vor Gericht standen oder ins Gefängnis wanderten, sind anschließend wieder gewählt worden. Eine Hand wäscht eben die andere.

Das Ergebnis der andalusischen Parlamentswahl vom 19. Juni 2022 glich einem Erdbeben. Der PP unter Juan Manuel Moreno holte mit 58 Sitzen die absolute Mehrheit im Parlament in Sevilla. VOX trat unter dem neuen andalusischen Parteichef Macarena Olona trat mit 14 Sitzen auf der Stelle und wurde nicht mehr zum Regieren benötigt. Die andalusische PSOE unter ihrem kaum bekannten Frontmann Juan Espadas kam nur noch auf 30 Sitze. Podemos hatte sich aufgespalten in zwei andalusische Nachfolgeparteien: Por Andalucía unter Inmaculada Nieto errang 5 Sitze. Teresa Rodríguez mit Adelante Andalucía kam auf zwei Sitze. Am schlimmsten erwischte es die Ciudadanos. Sie flogen nicht nur aus der Regierung, sondern auch ganz aus dem Parlament und aus der spanischen Politik.

Die andalusische Landesregierung seit dem 25. Juli 2022

Da Juanma Moreno keinen Koalitionspartner mehr benötigt, war die Bildung einer Landesregierung nur noch mit PP-Minister keine große Angelegenheit. Überraschend wurde die Regierung um zwei Ministerposten erweitert und jetzt sind sieben Minister weiblich. Insbesondere durch das Ausscheiden der Ciudadanos aus Parlament und Regierung mussten viele Posten neu besetzt werden.
Der neuen andalusischen Landesregierung gehören diese PP-Politiker an:

  • Juan Manuel Moreno Bonilla: Ministerpräsident von Andalusien (wie bisher)
  • Antonio Sanz: Vizepräsident, Inneres und sozialer Dialog (neu)
  • Patricia del Pozo: Vizepräsidentin, Bildungsentwicklung und Berufliche Bildung (bisher: Kultur)
  • Carmen Crespo: Landwirtschaft, Wasser und ländliche Entwicklung
  • Carolina España: Wirtschaft und Finanzen (neu)
  • Catalina García: Gesundheit und Konsumenten (neu)
  • Marifran Carazo: Entwicklung, Landesplanung und Wohnungsbau (neu)
  • Loles López: Jugend, soziale Integration und Gleichheit (neu)
  • Rocío Blanco: Arbeit, Firmen und Selbstständige
  • José Antonio Nieto: Justiz, Verwaltung und öffentliche Dienstleistungen (neu)
  • Jorge Paradela Gutiérrez: Industrie- und Energiepolitik (neu)
  • Ramón Fernández Pacheco: Nachhaltigkeit, Umwelt und grüne Wirtschaft (neu)
  • Arturo Bernal: Tourismus, Sport und Kultur (neu)
  • José Carlos Gómez Villamandos: Universitäten und Innovation (wie bisher)

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Der andalusische Staatshaushalt

Andalusiens Staatshaushalt wächst von Jahr zu Jahr: Für 2025 hat die Junta de Andalucía ein Rekordbudget von knapp 48,9 Milliarden Euro beschlossen – ein Plus von 4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Das meiste Geld fließt in soziale Bereiche: Allein das Gesundheitsministerium schluckt jeden dritten Euro des gesamten Budgets und kommt auf 15,2 Milliarden Euro – seit 2018 ein Anstieg von 55 Prozent. Für Bildung sind rund 10,9 Milliarden Euro vorgesehen, was 22,3 Prozent des Gesamthaushalts entspricht.

Einen deutlichen Sprung macht auch die Sozialpolitik: Das Ministerium für soziale Eingliederung, Jugend und Familie erhält 3,3 Milliarden Euro, ein Zuwachs von über 12 Prozent gegenüber 2024. Wohnungsbau und Wasserinfrastruktur zählen ebenfalls zu den erklärten Schwerpunkten des aktuellen Haushalts.

Korruption, Geldwäsche und Steuerhinterziehung

Die sozialistische Vorgängerregierung kümmerte sich zu wenig um ihre Steuereinnahmen: In der Provinz Málaga liegt das Einkommen von 225.000 Arbeitnehmern unter der Lohnsteuergrenze von monatlich 642 Euro. Das sind 40% der arbeitenden Bevölkerung von Málaga. Daraus kann man schließen, dass die Malageños extrem arm sind - oder dass viele bei der Steuererklärung einfach schummeln! Beliebt ist auch dieser Trick: Ein Arbeitnehmer will seine Firma verlassen. Er bittet seinen Arbeitgeber, ihn doch zu kündigen. Dann steht dem Arbeitnehmer nämlich für jedes Dienstjahr eine Entschädigung zu. Der Arbeitnehmer erhält seine Kündigung und etwas Bargeld auf die Hand. Der Arbeitgeber macht die angeblich für mehrere Jahre gezahlte Entschädigung in seiner Steuererklärung geltend.

Es geht aber nicht nur um solchen »Kleckerkram«:

EU-Mittel werden gern genommen, aber nicht immer zweckentsprechend verwendet: Im seit 2011 immer noch vor Gericht verhandelten ERE Skandal haben höchste andalusische Politiker seit dem Jahr 2001 über 697 Millionen Euro veruntreut, welche die EU zur Abfederung von Nachteilen für Arbeitnehmer spendiert hatte, deren Firmen in Not geraten waren. Der EU gegenüber wurden Firmen und Arbeitnehmer einfach erfunden, die das Geld angeblich erhalten hatten.

Unter den Beschuldigten befinden sich u.a. der frühere Generalsekretär des andalusischen Industrieverbandes Enrique Manuel Jiménez, der ehemalige Generalsekretär der andalusischen kommunistischen Gewerkschaft UGT Francisco Fernandéz Sevilla, die frühere andalusische Finanzministerin Carmen Martínez Aguayo, der frühere Generaldirektor der andalusischen Arbeitsverwaltung Daniel Riviera, die ehemaligen andalusischen Ministerpräsidenten José Antonio Griñán und Manuel Chaves sowie der frühere andalusische Arbeitsminister Francisco Javier Guerrero. Letzterer hatte 1,3 Millionen für seine Luxusvilla in Sevilla sowie 9 Jahre lang monatlich 25.000 Euro für Kokain-Parties zweckentfremdet. Insgesamt wurden im Fall ERE über 100 Personen vorübergehend inhaftiert. Angesichts der prominenten Angeklagten kann man sich vorstellen, welcher Druck »von oben« auf die Untersuchungsrichterin Mercedes Alaya ausgeübt wurde. Am 19. November 2019 wurden endlich 19 Angeklagte zu Haftstrafen von insgesamt 86 Jahren verurteilt.

Zu den »alltäglichen« Unregelmäßigkeiten gehört z.B. diese hier:

In San Pedro, einem Stadtteil von Marbella, hat die Gruppe »Costa del Sol Si Puede« im Jahr 2015 aufgedeckt, dass die vorherige PP Stadtregierung 309.000 Euro für eine Fußgängerbrücke über den A-7-Tunnel zweimal abgerechnet hat.

Marbella stand auch im Mittelpunkt von Spaniens größtem Korruptionsskandal MALAYA, bei dem es um Korruption in einer ganzen Reihe von Städten zwischen der portugiesischen Grenze und Almería im Wert von 2,4 Milliarden Euro ging. Allein in Marbella wurden im Zuge von MALAYA im Jahr 2006 die Bürgermeisterin Yagüe, ihr Stellvertreter und ihr Vorgänger sowie der Bauamtsrat Roca, der Verkehrsstadtrat Victor Rodriguez und der Polizeichef Rafael del Pozo verhaftet. Letzterer hatte z.B. gestohlene Luxuslimousinen, die von der Polizei sichergestellt worden waren, nicht an ihre Besitzer zurückgegeben, sondern an befreundete Lokalpolitiker verschenkt. Die andalusische Landesregierung sah sich gezwungen, den gesamten Stadtrat von Marbella abzusetzen.

In Mijas wurden 2013 fünf Ortspolizisten durch die Guardia Civil überführt, mit 61 kg Rauschgift gehandelt zu haben. Die fünf Ortspolizisten wurden aber vom Gericht freigesprochen, weil die durch Telefonüberwachung gewonnenen eindeutigen Erkenntnisse juristisch nicht verwertet werden durften.

Bei Geldwäsche drücken die lokalen Behörden gern ein Auge zu:

In Casares hatte eine »Internationale Investorengruppe« ausgerechnet im Jahr der Immobilienkrise 2008 getönt, dass in der Nähe des Strandes des schönen Bergdorfes 1 Milliarde Euro in eine gigantische Ferienurbanisation investiert werden sollte. Die Anlage wurde tatsächlich gebaut, fand aber kaum Käufer. Vor einiger Zeit kam heraus, dass die Russenmafia in einem Teil der neuen Urbanisation Schwarzgeld im Wert von 250 Mio. Euro gewaschen hatte.

Fazit: Wir müssen uns um die Armut in Andalusien keine übertriebenen Sorgen machen. Die Umverteilung geschieht dort halt etwas anders als in Deutschland.

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