Andalusien-Wahl 2026: alle Infos zu den Regionalwahlen am 17. Mai
Es ist amtlich. Seit dem 23. März 2026 steht der Termin fest: Am 17. Mai 2026 wählt Andalusien ein neues Regionalparlament. Juanma Moreno, seit 2019 Präsident der Junta de Andalucía, hat das Parlament aufgelöst und die Regionalwahlen einen Monat früher angesetzt als eigentlich geplant – ursprünglich war frühestens Mitte Juni im Gespräch.
Die Begründung des PP-Politikers klingt dabei so pragmatisch wie andalusisch: Andalusien müsse mit einem klaren politischen Horizont in den Sommer gehen. Ein neues Parlament, das möglichst früh arbeitsfähig ist – das ist das erklärte Ziel.
Für alle, die Andalusien nicht nur als Urlaubsregion kennen, sondern auch verstehen wollen, was die Region politisch bewegt, lohnt sich ein Blick hinter die Kulissen dieser Wahl.
Der Terminkalender: Wenn die Kampagne auf die Feria trifft
Die Kampagne startet am 1. Mai und endet am 15. Mai – die Wahl selbst findet am 17. Mai statt, drei Wochen nach der Feria de Abril in Sevilla und eine Woche vor dem Romería-Wochenende von El Rocío.
Wer Andalusien kennt, weiß: Das ist kein Zufall. Der Terminplan navigiert geschickt durch zwei der größten Volksfeste der Region. Moreno wollte weder mit dem Schuh-Trampeln auf der Feria konkurrieren noch mit der Wallfahrt nach El Rocío – und das ist ihm gelungen.
Das neu gewählte Parlament hält seine konstituierende Sitzung am 11. Juni 2026 ab. Läuft die Regierungsbildung reibungslos, könnte Andalusien spätestens im Juli eine neue – oder wiederbelebte – Regierung haben.
Die Ausgangslage: Moreno nach vier Jahren absoluter Mehrheit
Bei der Wahl 2022 errang die Volkspartei unter Juanma Moreno erstmals in der Geschichte einer autonomen Gemeinschaft, die jahrzehntelang von der PSOE regiert worden war, die absolute Mehrheit. 58 von 109 Parlamentssitzen – ein historisches Ergebnis. Jetzt tritt Moreno an, um genau das zu verteidigen.
Moreno hat sich als Politiker der ruhigen Art, des beständigen Wachstums etabliert – ohne abrupte Auftritte oder politische Schocks. Sein Stil: pragmatisch, moderat, bodenständig. Damit war er auch für viele frühere PSOE-Wähler wählbar. Doch vier Jahre sind eine lange Zeit, und der Gegenwind ist stärker geworden.
Im Herbst 2025 erschütterte ein Gesundheitsskandal das Ansehen seiner Regierung: Die fehlerhafte Handhabung von Brustkrebsvorsorge-Programmen durch den andalusischen Gesundheitsdienst sorgte für weitverbreitete öffentliche Empörung. Solche Dinge hinterlassen Spuren – auch bei einem so populären Ministerpräsidenten wie Moreno.
Wer tritt an? Die Kandidaten im Überblick
Auf der linken Seite ist die wichtigste Neuigkeit die Kandidatur von María Jesús Montero. Die aktuelle Vizepremierministerin und Finanzministerin Spaniens wechselt auf die regionale Bühne in einem Versuch, die andalusische PSOE zu revitalisieren. Ein mutiger Schritt – aber die Umfragen lassen bislang wenig Optimismus zu.
Analysten verweisen auf den angehäuften Verschleiß nach Jahren ohne Regierungsverantwortung in Sevilla, die Zersplitterung des linken Lagers und die Schwierigkeit, ihr nationales politisches Gewicht in die Regionalpolitik zu übertragen.
Auf Seiten der Rechten spielt Manuel Gavira als wahrscheinlicher Vox-Kandidat eine zunehmend wichtige Rolle – dazu gleich mehr.
Was die Umfragen sagen
Die Zahlen sind eindeutig, aber nicht ohne Spannung. Der Durchschnitt der veröffentlichten Umfragen sieht die PP bei rund 41,5 Prozent der Stimmen – mehr als 20 Punkte vor der PSOE, die bei rund 20,5 Prozent liegt. Klingt nach einem klaren Sieg – und ist es auch. Nur: Eine absolute Mehrheit ist damit noch nicht gesichert.
Die PP käme demnach auf rund 54 Sitze, während für eine absolute Mehrheit im andalusischen Parlament 55 Sitze nötig sind. Ein einziger Sitz Unterschied – das klingt nach einer politischen Zitterpartie.
Das eigentlich Brisante aber ist der Aufstieg von Vox. Die Rechtsaußen-Partei würde von derzeit 14 auf rund 21 Sitze zulegen und käme damit auf etwa 17,3 Prozent – dicht hinter der PSOE, die so ihr schlechtestes Ergebnis seit Jahrzehnten einfahren würde.
Für die PSOE wäre das eine bittere Bilanz: Sie würde von 30 auf rund 26 Sitze zurückfallen und damit eine neue historische Tiefmarke in einer Region setzen, die sie fast vier Jahrzehnte lang regiert hat.
Links von der PSOE bleibt das Bild fragmentiert: IU-Sumar käme auf rund 6,2 Prozent, Adelante Andalucía auf etwa 5,5 Prozent – Podemos würde die Drei-Prozent-Hürde verfehlen und den Einzug ins Parlament verpassen.
Das große »Und jetzt?«: Vox als Zünglein an der Waage
Wenn die Umfragen stimmen, wird Moreno nach dem 17. Mai wohl eine unbequeme Frage beantworten müssen: Will er mit Vox kooperieren, um zu regieren? Vier Jahre lang konnte er das dank seiner absoluten Mehrheit vermeiden. Sollten die Zahlen so eintreten wie prognostiziert, hätte Moreno kaum eine Wahl, als auf Vox als Unterstützung zu setzen – eine erhebliche Verschiebung gegenüber seiner bisherigen Alleinregierung.
Das ist das politische Risiko dieser Wahl – nicht nur für Andalusien, sondern auch mit Blick auf die nationale Debatte in Spanien. Andalusien ist die bevölkerungsreichste Region des Landes. Was hier passiert, hat Signalwirkung.
Was das für Andalusien-Urlauber bedeutet
Du planst einen Andalusien-Urlaub im Mai 2026? Dann wirst du den Wahlkampf kaum übersehen können. Plakate, Kundgebungen, lebhafte Diskussionen in den Bars – das gehört in Spanien genauso zum Wahlkampf wie der Café solo am Morgen. Als Besucher wirst du das wahrscheinlich eher als kurioses Lokalkolorit erleben denn als Störung.
Am Wahltag selbst, dem 17. Mai, läuft im Übrigen das öffentliche Leben völlig normal weiter. Restaurants, Sehenswürdigkeiten, Strände – alles geöffnet. Lediglich der Alkoholausschank ist in den Stunden rund um die Wahllokale manchmal eingeschränkt. Eine andalusische Tradition, die es auf ihre Art verdient, erwähnt zu werden.
Verfasst am 25. März 2026Kommentare

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