Sierra de Castril

Kaum zu glauben, dass sich die Sierra de Cazorla an ihrer Südostflanke so ein wildes, kleines Naturparadies gönnt! Es ist immer für eine Überraschung gut und nicht selten liegt noch im Mai in den Höhenlagen an der Quelle des Río Castril Schnee. Der 12.696 Hektar große Naturpark bietet Höhen zwischen 855 und 2.138 m.

Sierra de Castril
Spektakuläre Wanderung entlang des Río Castril
© Patronato Provincial de Turismo de Granada (www.turgranada.es)

Der wilde Südosten der Sierra de Cazorla

Wilder, steiler, enger: In der Sierra de Castril tosen Wassermassen durch enge Schluchten ins Tal und nehmen alles mit, was nicht niet- und nagelfest ist. Über Stock und Stein stürzen sie übermütig über Steilwände, holen Luft im Río Castril und kommen schließlich im Stausee "El Portillo" zur Ruhe. Von dort aus bewässern sie Tomaten-, Bohnen- und Gurkenfelder in der Hochebene von Granada. Damit du das mitreißende Schauspiel hautnah erleben kannst, hat die Junta de Andalucía schmale Holzplanken an die Steilwände gebrettert - der Caminito del Rey en miniatur sozusagen.

In der Nähe liegen die Orte Baza, Úbeda, Guadix und Jaén. In das 150 km entfernte Granada fährst du 2 Stunden mit dem Auto über die A-92. Zur Küste nach Águilas in der Provinz Almería nimmst du die A-91. Das Klima ist so unberechenbar wie das Wasser und variiert stark im Jahresverlauf. Am meisten regnet es von November bis April und am kältesten ist der Januar mit durchschnittlich 6 Grad. Die heißesten Monate sind Juli und August mit um die 24 Grad. 

Felsspalten, Lagunen und Wasserfälle

In der Sierra de Castril in den Betischen Kordilleren fließt ein Fluss von Norden nach Süden: Es ist der Río Castril. Gespeist von zahlreichen Nebenflüssen mündet er beim gleichnamigen Örtchen in den Stausee. Das Gebirge setzt sich aus unterschiedlichen Gesteinsarten zusammen mit je eigenen Reliefs: Während im Gipfelbereich Felsspalten (Karren) und Trichter (Dolinen) überwiegen ("Los Prados del Conde"), triffst du im mittleren Bereich steile Schluchten mit senkrechten Felswänden an.

Publikumsmagnet sind die Wasserfälle "La Magdalena" und "Lézar", die sich in kleine Lagunen in steinernen Becken ergießen. Das kühle, glitzernde Nass erfrischt den Wanderer. Weiter unten rahmen bewaldete Hänge breite Täler ein und enden beim Dörfchen Castril. 

Auch bei den Pflanzen ergibt sich je nach Höhenlage ein komplett anderes Bild. Im Hochgebirge mit wenig Erde über dem felsigen Boden finden kissenartige Pflanzen wie das Spanische Pfriemkraut ihr Auskommen. Auf den Hochgebirgsweiden wachsen Schwarzkiefern, Sadebäume, Kriechwacholder, Heckenrosen und Berberitzen. Auf der Liste der hiesigen Endemiten stehen das Veilchen aus Cazorla, die Adlerblume aus Cazorla und die Margerite von Castril. Neben der Iberischen Ziege sind Bartgeier, Stein- und Schlangenadler und Kleinvögel auf den Gipfeln daheim. In den unteren Höhenlagen der Sierra Castril bevölkern Füchse, Kaninchen, Kröten und Otter die Steineichen-, Ahorn- und Ulmenwälder an den Ufern.

Spiel mir das Lied vom Tod

Die Namen der zahlreichen Höhlen und Gipfel erzeugen Wildweststimmung und Gedanken an den "Jäger des verlorenen Schatzes" kommen auf. Indiana Jones hätte sicher seine Freude am "Cerro de Buitre" (Geiergipfel) und in der Höhle "Cueva del Muerto" (Todeshöhle). Abenteuerlich sind auch Klettern, Canyoning und Höhlenwandern an und in Steilwänden, Höhlen und Grotten. Beliebt sind die Höhlen "Cueva de Don Fernando", sie ist die längste Höhle der Provinz Granada, und die "Cueva del Muerto".

Wer weniger Aufregung und mehr Entspannung sucht, hält sich an die 11 markierten Wanderwege im Mittel- oder Hochgebirge und auch Mountainbiker finden interessante Trails. Am Rande der Sierra Castril verläuft ein Teilstück der 2.000 km langen MTB-Rundtour TransAndalus um die ganze autonome Region Andalusien. Wassersportler treffen sich auf dem Stausee.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Wassermühlen ("Las Tres Piedras" und "Fuente de los Tubos"), historische Stätten und die Altstadt von Castril mit zwei Kirchenportalen aus dem 16. und 17. Jahrhundert und einer römischen Brücke zu besichtigen. Vom Mirador "El Cantón" hast du einen fantastischen Ausblick auf die ganze Gegend. Arabische und christliche Einflüsse prägen die Gastronomie von Castril: Migas, Maisbrei und Suppen mit Knoblauch entstammen der Küche der Hirten und Bauern. Gegrillte Fleischspezialitäten und Konditorwaren wie "Roscos de Agua" verwöhnen auch anspruchsvolle Gaumen.

Die temperamentvolle Sierra de Castril bietet viele Highlights – wer einmal hier war, kommt immer wieder. Die Schluchten, Wasserfälle und Lagunen sind unwiderstehlich und man möchte so viel wie möglich, so oft es geht kennenlernen.

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