Flamenco – die Seele Andalusiens

Wer an Spanien und Andalusien denkt, dem fällt meist spontan der weltbekannte Flamenco ein. Aber was ist das eigentlich genau? Alles zur Geschichte des Flamenco, den regionalen Unterschieden in Andalusien und berühmten Sängern und Shows.

Flamenco
Flamenco-Tänzerin
MANDY GODBEHEAR / Shutterstock.com

Der Flamenco und seine Geschichte

Es existieren mehrere unterschiedliche Theorien über die Herkunft, die teilweise stark voneinander abweichen. Schriftliche Aufzeichnungen über den Flamenco wurden nie gefunden, so dass die Theorien ausschließlich auf Vermutungen basieren. Tatsache ist allerdings, dass die Wurzeln des Flamencos in Andalusien liegen. In der Vergangenheit siedelten sich dort die unterschiedlichsten Völker an: Römer; Araber, Griechen und natürlich die Gitanos, die zur Gruppe der Roma gehörten. Im 19. Jahrhundert breitete sich der Flamenco in ganz Andalusien aus, bereits 1881 öffnete die erste Flamenco-Bar in Sevilla. Fortan begeisterten sich immer mehr Menschen aus den unterschiedlichsten Bevölkerungsschichten für den Flamenco.

Die unterschiedlichen Elemente des Flamenco

Viele Menschen denken, dass es sich beim Flamenco ausschließlich um einen Tanz handelt. Das ist aber nicht ganz richtig. Der Flamenco umfasst mehrere Elemente: den Gesang, den Tanz und schließlich auch die Musik. Der Gesang, der für Laien anfangs oftmals fremdartig klingt, wird meist von einem einprägsamen Rhythmus begleitet. Das kann beispielsweise Händeklatschen sein, viel bekannter sind aber die klappernden Kastagnetten, die viele Urlauber aus ihren Ferienorten in Spanien kennen. Unverzichtbares Instrument ist natürlich die Flamenco-Gitarre, aber auch der Cajón, eine kistenähnliche Trommel, die aus Peru nach Spanien gelangt ist, kommt oft zum Einsatz.

Der Tanz ist optisch ein wahrer Genuss: Traumhaft schöne Kleider und die traditionell nägelbeschlagenen Schuhe bilden ein ästhetisches Gesamtkunstwerk. Der Tanz ist enorm ausdrucksstark und verlangt den Akteuren sehr viel ab, auch wenn die einzelnen Tanzelemente den Eindruck von Leichtigkeit vermitteln. Für den ungeübten Zuschauer ist der nach strengen Regeln ablaufende Wechsel zwischen Tanz und Gesang kaum zu durchschauen. Männer und Frauen tanzen normalerweise nicht paarweise, sondern allein, die Frauen öfter auch in kleinen Gruppen.

Auf jeder andalusischen Fiesta sieht man Frauen in Flamenco Kleidern, die spontan auf der Straße Flamenco tanzen.

Regionale Unterschiede in Andalusien

Auffallend ist, dass die Textelemente sehr oft in den jeweiligen regionalen Dialekten gesungen werden. Thematisch drehen sich die Texte in vielen Fällen um Liebe, Tod, Hoffnung und Leid, was dem Vortrag oftmals eine tragische Komponente verleiht. Aber auch heitere und ausgelassene Texte kommen häufig vor. Generell lassen sich zwei Arten des Flamencos unterscheiden: Der Flamenco Jonde wird oft als etwas schwermütig und sehr ernsthaft empfunden, er behandelt thematisch bevorzugt tiefe Gefühle in Kombination mit Traurigkeit und Melancholie. Das genaue Gegenteil ist der Flamenco Festero: Lebhaft, ausgelassen, voller Leidenschaft, Temperament und Elan.

Abgesehen davon gibt es aber auch Flamenco-Formen, bei denen der Tanz völlig fehlt und alleine der gesangliche Vortrag mit Musikbegleitung im Vordergrund steht. Auffällig bei diesen Gesängen ist ihre musikalische Nähe zur Musik aus dem arabisch-muslimischen Raum. Die Texte behandeln zumeist religiöse (christliche) Themen. Fehlt beim Gesang die Musikbegleitung, spricht man vom palo seco (auf trockene Art).

Die Japanerin Kamatsubara lernte 1960 den Flamenco anlässlich eines Auftritts der spanischen Flamenco-Tänzerin Pilar Lopez in Tokio kennen und gründete 1969 ihre eigene Flamenco-Tanzformation, die in aller Welt auftritt. Heute hat Japan nach Spanien die meisten Flamenco-Tänzer. Mayumi Kagita, eine weitere japanische Flamenco-Tänzerin, tanzt in Tokio Flamenco Jonde zu traditionellen japanischen Liebesgeschichten und alten Kabuki-Melodien. Die neueste Performance heißt "Der Frauenmörder und die Hölle aus Öl" nach einer Geschichte von Chikamatsu Monzaemon, Japans bekanntestem Dramaturgen des 16. Jahrhunderts.

Seit 2010 gehört der Flamenco zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit.

Berühmte Flamenco-Sänger und die besten Shows

Einer der bekanntesten Sänger war Antonio Mairena, der im Jahre 1909 in Sevilla geboren wurde. Er stammte aus einer typischen Roma-Familie und lernte schon frühzeitig Gesang und Tanz. Im Laufe seines Lebens veröffentlichte er mehrere Bücher über den Flamenco und bekam zahlreiche Auszeichnungen. Er starb 1983 in Sevilla.

Der Flamenco-Künstler José Monje Cruz aus San Fernando bei Cádiz, bekannt als Camarón (die Sandgarnele), spielte 1989 mit dem Londoner Royal Philharmonic Orchestra das Album soy gitano ein, das als meist verkauftes Album in der Geschichte des Flamenco gilt.

Aktuell ist Diego el Cigala einer der bekanntesten Flamenco-Stars. Der 1969 in Madrid geborene Künstler, der als Straßenmusiker begann, ist mittlerweile international bekannt und geht regelmäßig auf Tournee.

Besonders in Sevilla finden Urlauber zahlreiche empfehlenswerte Flamenco-Shows, in denen keine touristische Massenabfertigung angeboten wird, sondern authentische und einzigartige Darbietungen. Die Qualität einer guten Show lässt sich auch am Preis erkennen: Ab etwa 20 Euro aufwärts kostet der Eintritt pro Person für eine wirklich faszinierende Show. Wer erst einmal kostenfrei reinschnuppern möchte, ist in Mijas in der Nähe von Málaga gut aufgehoben, wo im Sommer jeden Mittwoch mittags eine kostenlose Flamenco Show in einem Pavillon in der Ortsmitte dargeboten wird.

Sehr empfehlenswert ist das internationale Flamenco Festival, welches Ende Februar in Jerez de la Frontera stattfindet. Dort triffst du auf die eigentlichen Flamenco-Enthusiasten dieser Welt: die Japanerinnen!

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