Andalusische Tänze

Musik und Tanz gehört zum andalusischen Leben genauso dazu wie Tapas und Wein. Viele Tänze gehören zum Flamenco, doch auch der maurische Einfluss der Vergangenheit ist noch immer Bestandteil der Gegenwart. Hier bekommst du einen Überblick über die wichtigsten Tänze aus Andalusien.

Andalusien Tänze
Diverse Flamenco-Kleider
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Von Bolero bis Tango Andaluz

Der Flamenco mag trotz historisch unklarer Herkunft in Andalusien allgegenwärtig und Vater vieler verwandter Stile und Tänze sein, der alleinige Urahn jeglicher Musik zwischen Almería, Granada, Córdoba, Málaga, Sevilla, Cádiz, Jaén und Huelva ist er bei aller zugestandenen Allmacht und Vielfalt jedoch ganz sicher nicht.

Cachucha

Wie viele andere andalusische Tänze ist auch der Cachucha ein im 3/4- bzw. 3/8-Takt ausgeführter Solotanz. Er wird seit dem frühen 19. Jahrhundert von beiden Geschlechtern unter Begleitung geschlagener Kastagnetten samt stampfender Absätze meist als Bühnentanz aufgeführt. Ursprünglich aus der Provinz Cádiz, wurde er im Rest der Welt durch die Auftritte der österreichischen Tänzerin Fanny Elßler bekannt. Bereits Johann Strauss (Vater) komponierte eine Polka namens Cachucha-Galopp op. 97, aus dem Nachlass von Johann Strauss (Sohn) stammt die nach der berühmten Tänzerin benannte Operette.

Bolero

Trotz der häufig eingesetzten Kastagnetten ist der im 3/4-Takt gespielte Bolero älter als der Flamenco. Schriftlich erstmals 1773 in dem Theaterstück „La hostería del buen gusto“ des Dramaturgen Don Ramón de la Cruz als Tanz erwähnt, stammt die älteste Partitur „Todo aquel que no sepa“ von Fernando Ferandiere. Verwandt mit Contradanza, Sevillana und der kastilischen Seguidilla wird er von Gesang, Gitarre sowie folkloristischen Instrumenten wie Gaita und Tambourin begleitet. Berühmt wurde er durch das gleichnamige Werk von Maurice Ravel, nicht zu verwechseln ist er mit dem kubanischen Bolero („Rumba“).

Tango Andaluz

Dieser Tango wird als Paartanz, jedoch in der Regel ohne gegenseitige Berührung zelebriert, er gilt als einer der Grundformen des Flamencos. Unter seinen regionalen Variationen stammen die bekanntesten aus Badajoz, Cádiz, Triana, Jerez und Málaga, typisch sind drei bis vier Verse mit je acht Silben. Entstanden ist er vermutlich aus alten andalusischen Volksliedern gegen Mitte des 19. Jahrhunderts. Zu den historisch bekanntesten Tanzpaaren zählen El Mellizo und Aurelio Sellés (Cádiz), Pastora Pavón und El Titi (Sevilla), Frijones und El Mojama (Jerez) sowie La Pirula, La Repompa und El Piyayo (Málaga).

Flamencotanz (baile flamenco)

Ein striktes Reglement aus Gesang, Spiel und Tanz kennzeichnet den von komplizierten Elementen und Schrittfolgen charakterisierten Solotanz. Von A wie Alboreá bis Z wie Zorongo weist er fast fünf Dutzend sowohl unterschiedliche wie auch miteinander verwandte Figuren auf. Streng einstudierte komplexe Choreografien werden von Tänzern und Tänzerinnen im Wechselspiel mit dem Sänger vorgetanzt, bei den Bewegungen kommen der ganze Körper samt Augen und Blickrichtung zum Einsatz. Weite und bunte Röcke sowie nägelbeschlagene Schuhe unterstreichen häufig den Rhythmus, die typischen Hüft- und Handdrehungen werden heute auch medizinisch als sog. „Flamencoterapia“ eingesetzt.

Alegría

Ihren formalen und historischen musikalischen Ursprung hat diese Art des Flamencos in den „Cantiñas“ genannten Liedern und Tanzfiguren aus Cádiz und Jerez de la Frontera. Sie ist verwandt mit den Figuren mirabrás, romeras, caracoles und rosas, mit denen sie die Metrik der Flamencogrundform „Soleá“ teilt. Es handelt sich um einen eher fröhlichen und schnellen als dramatischen Tanz, die im 3/4-Takt aufgeführten Bewegungen gleichen denen des in ganz Spanien beheimateten „Jota“, der wiederum dem Walzer ähnelt. Typisch sind die traditionellen Texte und Trachten, als Entstehungszeit gilt der Spanische Unabhängigkeitskrieg von 1807 bis 1814.

Bulería

Jerez de la Frontera ist die originäre Heimat dieses schnellen und schwungvollen Flamencotanzes im 12/4-Takt, stärker als andere Formen wird er vom rhythmisch begleitenden Händeklatschen („palmas“) und enthusiastischen Ausrufen („gritos“) bestimmt. Sein Name stammt vermutlich vom Verb „burlarse“ für narren oder spotten ab, der zugehörige fröhliche und laute Gesang heißt „cante chico“. Entstanden in den letzten drei Dekaden des 19. Jahrhunderts gilt er als einer der am stärksten von der Kultur der „Zigeuner“ inspirierten Stile. Formal typisch sind ein synkopierter 3/4 Takt und ein sehr komplexes Gitarrenspiel.

Fandango

Im Jahr 1735 in spanischen Quellen als aus Südamerika stammend erstmals schriftlich erwähnt, wurde diese eng mit dem „Jota“ verwandte Ausprägung des Flamencos im Laufe der Zeit auch in Asturias, Castilla-La Mancha, Cataluña, Murcia, Valencia, im Baskenland und in Portugal sehr populär. Bis heute prägen regionale Variationen den meist mit Kastagnettenbegleitung aufgeführten Singtanz im 3/4- oder 6/8-Takt, bekannte traditionelle Hochburgen sind vor allem Huelva und Málaga sowie der Bundesstaat Veracruz in Mexiko. Historisch ist der Fandango eng mit den „Bailes de candil“, den ländlichen Volkstänzen zu Beginn des 18. Jahrhunderts, verbunden.

Malagueña

Bei dem unschwer als aus Málaga stammenden Tanz handelt es sich historisch eigentlich um einen eigenständigen und mit den lokalen Fandangos eng verknüpften Volkstanz. Erst im frühen 19. Jahrhundert wurde er in den Flamenco assimiliert, seither typisch und charakteristisch sind eher langsame und getragene Melodien. Der 3/4-Takt des Malagueña wird in der Regel vom jeweiligen Sänger („Cantaor“) in Sachen Geschwindigkeit vielfältig variiert. Auch die Gitarre genießt ein hohes Maß an improvisatorischer Freiheit („ad libitum“), als bedeutendster Interpret galt der Instrumentalist Juan Breva (Antonio Ortega Escalona).

Sevillanas

Ihre historische Heimat tragen die heute in ganz Spanien beliebten Sevillanas bereits deutlich im Namen, klassischerweise werden sie als Paartanz oder als Formation von bis zu sieben Paaren durchgeführt. Der Tanz im 3/4-Takt existiert in langsamen und schnellen Varianten, die vier typischen Bewegungen werden paseíllos (Spaziergang), pasadas (Vorbeigehen), careos (Konfrontation) und remate (Abschluss) genannt. Er gilt als eine der populärsten und meist getanzten Formen des Flamencos in Andalusien, begleitet wird er meist von Kastagnetten, Pfeifen und kleinen Trommeln, sein Ursprung sind die „seguidillas castellanas“.

Zambra

Die Gegend um Granada war schon im 17. Jahrhundert die Geburtsstätte dieser temperamentvollen Flamenco-Variante. Gemäß des maurischen Erbes auch als „Zambra mora“ bekannt, wird der Tanz nach wie vor häufig bei Hochzeiten von Angehörigen der Roma sowie besonders bei Festen in deren traditionellem Stadtviertel Sacromonte von Granada aufgeführt. Von manchen Elementen des Bewegungsablaufs her vergleichbar mit dem orientalischen oder dem Bauchtanz, war die Zambra in Spanien zwischenzeitlich als vermeintlich obszön verrufen und verboten, seine Hochphase hatte der Tanz vor allem zwischen 1950 und 1970.

Arabisch-andalusischer Tanz (Muwaschahat)

Unverkennbar vom maurischen Erbe der Halbinsel inspiriert zeigt sich dieser bereits in der Epoche von Al-Andalus zwischen dem 8. und 15. Jahrhundert im gesamten Süden Spaniens weitverbreitete Tanz. Etymologisch von der arabischen Bezeichnung für eine bestimmte Strophen-Gedichtform („Gürtel-Poesie“) von Lob- oder Liebesliedern („Muwaššaḥ“) abgeleitet, erinnern die ursprünglich exklusiv als Gruppentanz im höfischen Ambiente konzipierten Bewegungen mitunter stark an Ballett. Die Tänzer werden von den Zuschauern meist durch Klatschen der Hände angefeuert, die gängigsten Rhythmen des Muwaschahat sind der Samaey, Masmoudi und Maqusum.

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