Wie man in Spanien einen Garantieanspruch geltend macht

Ein Unglück kommt selten allein: Nachdem uns die spanische Grippe an unsere Ferienwohnung an der Costa del Sol gefesselt hat, fällt auch noch der Fernseher aus. Die spanische Webseite der Japaner verrät keinerlei Kontaktdaten für eine Kundenreklamation. Unsere Garantiekarte zeigt nur eine Hotline-Nummer in Deutschland. Dort meint man, wir sollten unseren Fernseher auf eigene Kosten nach Deutschland schicken. Über eine spanische Telefonnummer der Japaner verfügt die deutsche Hotline nicht.

Da wir noch in der Garantiezeit sind, schleppen wir unseren Fernseher mit letzter Kraft zum Fachhändler, wo wir ihn vor 15 Monaten gekauft haben. Der Händler zuckt bedauernd die Schultern. Seine Händler-Gewährleistung sei schon abgelaufen, aber wir könnten unseren Garantieanspruch gegenüber dem japanischen Hersteller geltend machen. Er gibt uns auch eine Telefonnummer mit, unter der wir die spanische Niederlassung der japanischen Firma erreichen sollen, die in Polen produziert. 

Unter der Nummer meldet sich eine Hotline, die mehrere ausländische Firmen vertritt. Der Hotline-Mitarbeiter will uns zu einer autorisierten Werkstatt in Gibraltar schicken. Eingedenk der Schikanen an der Grenze zwischen Spanien und Gibraltar in der Endphase der Brexit-Verhandlungen lehne ich ab und erhalte eine zweite Adresse in Mijas Costa. Das ist zwar ein landläufiger Begriff wie etwa der »Stachus« in München, der offiziell Karlsplatz heißt. Aber die korrekte Adresse wäre Las Lagunas de Mijas. Zu allem Überfluss bildet die Straße auch noch die Grenze zwischen Fuengirola und Mijas, so dass nicht ohne weiteres klar ist, in welche Stadt wir überhaupt fahren müssen. 

Da unter der angegebenen Telefonnummer dort niemand abhebt, fahren wir erst mal ohne unseren Fernseher nach Mijas. Der Inhaber der kleinen Werkstatt bestätigt, dass er mal ein Vertragshändler für die japanische Firma war, aber die Zusammenarbeit vor 2 Jahren beendet hat. Mittlerweile sei die japanische Firma mehrheitlich von einem Elektronik-Konzern in Taiwan übernommen worden. Die Japaner wiederum haben eine tschechische Firma gekauft, die jetzt in ganz Europa für den technischen Kundendienst zuständig sei. Er gibt uns deren Telefonnummer. Tatsächlich erreichen wir dort jemanden, der Englisch spricht und der uns per E-Mail ein spanisches Formular für den Versand und den Garantieanspruch schickt. Da wir den Originalkarton bereits entsorgt hatten, verspricht man uns einen neuen Karton. Die Reparatur selbst sollte ca. eine Woche dauern.

Tatsächlich erscheint am nächsten Tag der Postbote mit einem riesigen Karton, packt unseren Fernseher hinein und zieht von dannen. Zwei Tage später klingelt der gleiche Postmann und stellt unseren tadellos reparierten Fernseher ins Wohnzimmer. Alles ohne jegliche Transportkosten für uns. So lässt sich die Grippe aushalten.

Verfasst am 1. April 2019
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