Costa Peligra? Tsunamis könnten Küstenorte in Andalusien zerstören

Wo die Sonne immer über weißen Stränden scheint, und ein leichter Wind durch die Palmen säuselt, verdrängt man leicht, dass die andalusischen Küsten zu den potentiell gefährlichsten Gewässern der Welt gehören. Das große Seebeben von 1755 mit anschließendem Tsunami verwüstete nicht nur die portugiesische Metropole Lissabon und zerstörte die portugiesische Vorherrschaft für immer, sondern suchte auch viele Ortschaften an der Algarve und der Costa de la Luz heim. Selbst im fernen Venedig waren die Auswirkungen noch zu spüren.

Maria García Gonzalez, die Vorsitzende der linken Parteiengruppe Adelante Andalucía im andalusischen Parlament warnt, ein Tsunami mit 12 Meter hohen Flutwellen könne jederzeit innerhalb der nächsten 300 Jahre, aber genauso gut bereits heute, über die Costa de la Luz hereinbrechen. Besonders gefährdet ist der Küstenabschnitt zwischen Conil und dem Kap Trafalgar, aber auch Städte wie Huelva, Cádiz, Ayamonte, Sanlúcar de Barrameda, Rota, El Puerto de Santa María, Chiclana, San Fernando, Vejer, Barbate und Tarifa wären stark betroffen. Das Alborán-Meer zwischen Algerien und der Costa del Sol ist ebenfalls ein Erdbebenschwerpunkt, wenngleich dort aus der Vergangenheit noch keine Tsunamis berichtet wurden. Aber in der Provinz Málaga werden immer mal wieder kleine Erdbeben der Stärke 2 bis 4 registriert.

Das Thema gelangte wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit, weil am 20. November 2020 ein königliches Dekret in Kraft tritt, welches vorbeugende Planungen gegen eventuelle Tsunamis vorschreibt. Der andalusische Innenminister Elias Bendodo arbeitet bereits an einem Notfallplan. Das Kopernikus-Projekt der Europäischen Raumfahrtagentur überwacht schon das Seegebiet vor der Algarve um Tsunamis rechtzeitig erkennen zu können.

Derzeit wären die Bevölkerung an der Küste, aber auch die vielen Touristen einem Tsunami völlig hilflos und unvorbereitet ausgeliefert. Es würde zu Opferzahlen kommen wie 2004 bei dem Tsunami, der von der indonesischen Insel Sumatra ausgehend, Strände in Thailand, Sri Lanka und sogar Ostafrika überrollte. Mindestens sollten Warnschilder an der Küstenstraße und an den Stränden auf Fluchtwege hinweisen, die zu höher gelegenen Sammelplätzen führen. Und Sirenen oder eine App für das Handy sollten die Menschen warnen, wenn eine Monsterwelle auf die Küste zurollt. Es ist gut, dass die spanischen Behörden jetzt eingesehen haben, dass Nichtstun und die Parole »es ist noch immer gut gegangen« keine passende Option sind.

Von Wolfgang Zöllner

Verfasst am 21. Februar 2020
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