Die Costa del Sol – ein beliebtes Ziel für die Superreichen

Costa del Sol Superreiche
Der jachthafen Puerto Banús in Marbella ( © DW )

Es ist allgemein bekannt, dass sich Prominente und Menschen, die sich dafür halten, gerne an der Costa del Sol einfinden. Aber wer konkret sind eigentlich diese abgehobenen Superreichen, die mal eben einige Hunderttausend oder gar Millionen für einen Andalusien-Trip locker machen?

Marbella wurde Mitte der Fünfziger-Jahre von dem spanischen Prinzen Alfonso Maximiliano Victorio Eugenio Alexandro Maria Pablo de la Santísima Trinidad y todos los Santos Hohenlohe-Langenburg zu einem mondänen Urlaubsort an der Costa del Sol entwickelt. Der Prinz war ein Spross des österreichischen Prinzen Max Egon zu Hohenlohe Langenburg und der spanischen Adligen Doña Maria de la Piedad de Yturbe y Scholtz-Hermensdorff, Marquesa de Belvis de las Navas.

In Marbella trafen sich bald Sterne und Sternchen des internationalen Jet-Sets zu wilden Partys z.B. auf der Finca Sagittario an der Bergstraße von Marbella nach Istán. Die wilde Gräfin Gunilla von Bismarck-Schönhausen, die Urenekelin des deutschen Reichskanzlers Otto von Bismarck, war eine Zeit lang »die ungekrönte Königin von Marbella«. Brigitte Bardot, Sean Connery Bruce Willis, Veronica Ferres, Claudia Schiffer u.v.a. begegnete man bisweilen in den mondänen Clubanlagen an der Strand-Promenade von Marbella. Doch die internationalen Adeligen, Leinwandstars und Models bekamen allmählich Konkurrenz durch die wirklich Mächtigen und Reichen auf dieser Welt.

Könige, Scheichs und Präsidenten

In den Hügeln über den Dächern von Marbella thront der Palacio Rocio, eine Kopie des Weißen Hauses in Washington, erbaut für das saudische Herrscherhaus. Zwischen 1974 und seinem Tod im Jahr 2005 urlaubte der saudische König Fahd regelmäßig in Marbella, wo das Klima sicher erträglicher ist als in der saudischen Wüste. Bei seinem letzten Besuch fiel er mit einer Entourage von 3.000 Personen in Marbella ein, welche dort die lokale Wirtschaft mit Ausgaben von über 90 Millionen Euro entzückte. Allein für frische Blumen gab Fahd täglich über 1.000 britische Pfund aus, während sein Fuhrpark aus 200 brandneuen Karossen des Daimler-Konzerns die Straßen der Stadt belebte. Fahd erwarb im Lauf der Zeit über 400 Immobilien in Marbella. Zuletzt betrug sein Grundvermögen dort über 120 Millionen Euro. Die Geschäftswelt von Marbella hat das Ableben des orientalischen Monarchen drei Tage lang betrauert.

Es deutet sich an, dass sein Platz im Geschäftsleben von Marbella von Scheich Abdullah Al-Thani, dem Neffen des Emirs von Katar, eingenommen werden könnte. Al-Thani hatte bereits einen 400 Millionen Dollar Vertrag unterschrieben, den er in den Ausbau von Marbellas altem Stadthafen zu einer Destination für Kreuzfahrtschiffe investieren wollte. Das Projekt zerschlug sich dann allerdings im Jahr 2018 wegen Untätigkeit des Scheichs.

Noch mehr Immobilien in Marbella als die Saudis und Katarer besitzen die Herrscher von Kuwait. Allerdings sind die Kuwaiter bedacht, ihren Reichtum nicht öffentlich zur Schau zu stellen und tätigen daher ihre Investitionen ganz diskret.

Im Sommer 2010 besuchte Michelle Obama auf einer privaten Urlaubsreise für eine Woche die Costa del Sol. Mit ihrer Tochter sowie zwei Freunden und deren vier Kindern schwebte sie mit der Airforce One in Málaga ein. Der ganze Trip kostete den amerikanischen Steuerzahler genau 414.765 Euro. Am Flughafen Málaga warteten 14 Limousinen auf Frau Obama, die sie mit ihren Freunden und Bodyguards in das 5-Sterne-Hotel Villa Padierna in Benahavís brachten, wo 30 Zimmer für sie gebucht waren. Die Bewohner der Urbanisation Bel Air schwärmen noch heute von dem Besuch. Denn die 1 km lange Zufahrtsstraße von der Ausfahrt »Cancelada« zum Hotel, die sich in einem erbärmlichen Zustand befand, wurde extra für den Besuch von Michelle Obama neu geteert.

Geradezu kleinbürgerlich hingegen gibt sich der ehemalige britische Premierminister David Cameron, dem wir die Abstimmung zum Brexit verdanken. Mit Ehefrau Samantha und den Kindern verbringt er seinen Urlaub seit Jahren regelmäßig in Spanien, insbesondere auf Mallorca und Ibiza, in Granada und Ronda. Im Jahr 2014 allerdings urlaubte die Familie samt Bodyguards auf Lanzarote, was dem britischen Steuerzahler mit 1,2 Millionen Euro berechnet wurde.

Dabei fliegt die Familie Cameron mit Ryanair oder Easyjet nach Spanien, was sie wohltuend von z.B. Prinz Andrew, Duke of York, und seiner Exfrau Sarah Ferguson unterscheidet. Das sich wieder näher gekommene Ex-Paar entzog sich im August 2019 der britischen Presse, die ausführlich über vermutete sexuelle Eskapaden des Prinzen mit Minderjährigen im Umfeld des kürzlich in seiner Gefängniszelle tot aufgefundenen amerikanischen Millionärs Jeffrey Epstein berichtet hatte. Die beiden Royals flogen für 20.000 Pfund per Privatjet von Aberdeen nach Gibraltar um von dort in das 38 Millionen Euro teure Anwesen eines befreundeten Geschäftsmanns in der eingezäunten Millionärs-Enklave Sotogrande zu entschwinden. Da sind sie übrigens Nachbarn des früheren Premierministers Tony Blair von der britischen Labour Party.

Ganz inkognito und ohne Aufsehen zu erregen besuchte Milliardär Bill Gates im Jahr 2012 einen Weingutbesitzer in Ronda. Ein unbestätigtes Gerücht besagt, dass sich Wladimir Putin auf dem Millionärs-Hügel La Zagaleta in Benahavís bei Marbella eine protzige Villa für seinen Ruhestand hat bauen lassen. Die riesige Glaskuppel des Anwesens ist jedenfalls weithin zu sehen. Putin selbst wird man an der Costa aber erst zu Gesicht kriegen, falls er eines Tages tatsächlich die Macht in Russland abgibt.

Von Wolfgang Zöllner

Verfasst am 21. August 2019
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