Bandoleros – die andalusischen Straßenräuber

Im 19. Jahrhundert waren die Straßen in Andalusien ziemlich unsicher. Bandoleros, gesetzlose Straßenräuber waren für viele Überfälle in dieser Zeit verantwortlich. Wer die Bandoleros waren und wo sie ihr Unwesen trieben, erfährst du in diesem Artikel.
Bandoleros
Ausschnitt aus dem Gemälde «Asalto al coche« von Francisco de Goya ( © Public Domain )

Geschichte der Bandoleros

Wegen ihrer Abgeschiedenheit waren die Serranía de Ronda und das Genaltal lange Zeit ein ideales Rückzugsgebiet für zwielichtige Gestalten und gescheiterte Existenzen, die als Bandoleros, also als gesetzlose Straßenräuber, nicht nur von der Polizei gejagt, sondern von der Bevölkerung oft romantisch verklärt wurden. Vor allem im 19. Jahrhundert erpressten sie Lösegeld, überfielen Kutschen, töteten reiche Landbesitzer und verteilten bisweilen ihre Beute an die Armen. Schließlich kam es so weit, dass Touristen eine Begegnung mit den Banditen arrangieren ließen um zuhause mit dem Abenteuer glänzen zu können.

1822 wurden von der Polizei der Großmeister und sechzehn Bezirkschefs der Geheimgesellschaft La Garduña, die seit 1520 existiert, öffentlich auf dem Marktplatz von Sevilla gehenkt. Überlebende der Geheimgesellschaft flüchteten zu den Bandoleros oder nach Italien, wo sie mehrere Mafia-Organisationen gegründet haben sollen.

Berühmte Bandoleros

Berühmte Bandoleros waren »El Tempranillo«, der reichen Damen den Schmuck vom Handgelenk abzog mit der Bemerkung, so eine schöne Hand bedürfe keines Schmuckes.

»El Tragabuche« war ein bekannter Stierkämpfer. Nachdem er seine Frau und ihren geliebten getötet hatte, floh er vor der Polizei zu den Bandoleros. »El Vivillo« war im Tabakschmuggel mit Gibraltar aktiv.

»Pasos Largos« (»der Mann mit den langen Schritten«) gilt als der letzte Bandolero, der 1934 von der Polizei in einem Schusswechsel erschossen wurde. Er hatte 1895 auf Kuba gegen die Amerikaner gekämpft. Nach seiner Rückkehr nach Spanien war seine Familie weggezogen und er schloss sich den Bandoleros an. Eine Legende besagt, dass er einmal Beamte der Guardia Civil entwaffnet hatte. Aus Sorge, dass die Polizisten bei ihren Vorgesetzten Ärger wegen der fehlenden Waffen bekommen könnten, soll er einen Jungen hinterher geschickt haben, der ihnen die Waffen wieder aushändigte. Er hat auch einen Großgrundbesitzer entführt und 10.000 Reales erpresst. Der Mann hat ihn später angezeigt und Pasos Largos kam kurz ins Gefängnis. Aus Rache, dass er verpfiffen worden war, erschoss er 1916 den Großgrundbesitzer und dessen Sohn. Danach musste er für 16 Jahre hinter Gitter. 1934, kurz vor seinem Tod, gewährte er der Zeitschrift »Estampa« für 1.000 Pesetas ein Interview, daher ist sein Leben so bekannt geworden.

Nachdem der Bandolero El Tempranillo erklärt hatte: »In Spanien herrscht der König, aber das Gebirge regiere ich«, gründete Königin Isabella II im Jahr 1844 die Guardia Civil nur um endlich mit dem Banditen-Unwesen aufzuräumen. Damit war die Guardia Civil dann fast hundert Jahre beschäftigt.

Das Bandolero-Museum in Ronda erinnerte viele Jahre an die Bandoleros. Das Museum wurde aber leider geschlossen und ist in El Borge in der Axarquía (in der Nähe von Almáchar) im Restaurante Posada del Bandolero teilweise wieder auferstanden.

Im Bergdorf El Burgo in der Nähe von Ronda wird jedes Jahr eine dreitätige Pasión Bandolera zelebriert.

Der Bandolero Mythos verbreitete sich auch nach Mexiko und in die Vereinigten Staaten. So drehte Andrew McLaglen 1968 den Western »Bandolero« mit James Stewart und Dean Martin.

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