Spanien: Das Land der Bars wandelt sich

Praktisch in jedem spanischen Dorf triffst du mindestens auf eine Bar. Meist handelt es sich um einen ärmlich möblierten abgedunkelten Raum mit einem großen Flachbildfernseher an der Wand und einer Theke, vor der sich die Zigarettenstummel auf dem Boden ansammeln, die von den vorwiegend älteren Einheimischen achtlos dorthin geworfen wurden. Dafür kriegt man den café solo oder eine caña (kleines Bier) immer noch für einen Euro. Touristen verirren sich nur selten hier hin.

Natürlich gibt es in den Touristen-Hochburgen so manche schicke und gemütliche Bar, bei der man aber den Verdacht nicht los wird, sie sei so eingerichtet, dass die Touristen den Eindruck bekommen, sie befänden sich hier in einer original spanischen Kneipe, mit Korbmöbeln sowie mit ganzen geräucherten Schinken und Regalbrettern voll Rotwein oder gar Eichenfässern voll Sherry an den Wänden. Dort ist das Publikum gut gemischt aus Touristen und Einheimischen.

Beispiele sind die Bodega La Venencia in der Avenida Miguel Cano 15 in Marbella oder das La Campana in der Calle Granada 35 in Málaga, wo der Barkeeper jedes Mal die Glocke schwingt, wenn jemand ein Trinkgeld zahlt. Gut frequentiert sind auch die großen Raststätten an den Hauptverkehrsstraßen wie z.B. die Venta El Navasillo an der A-397 von Marbella nach Ronda oder die Venta Al Frenazo an der A-381 bei Los Barrios. Beide genießen einen gewissen Kultstatus bei spanischen und ausländischen Wanderern, aber natürlich vor allem bei den Berufskraftfahrern.

In Spanien arbeiten 1,5 Millionen Beschäftigte im Hotel- und Gaststättengewerbe. Während 2017 die Zahl der Gastronomiebetriebe insgesamt um 5.000 zunahm, geht es mit den traditionellen spanischen Bars stetig bergab. Seit dem Jahr 2010 hat Spanien bereits über 18.000 Bars verloren. Derzeit existieren im ganzen Land noch 184.000 Bar-Betriebe. Während immer mehr Menschen in die Städte und in die neu erbauten Urbanisationen mit ihren internationalen Restaurants ziehen, werden traditionelle spanische Bars in den Stadtteilen mit alternder Bevölkerung geschlossen.

Verfasst am 3. Januar 2019
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