Spanien mit dem Auto

Autofahren in Spanien ist nicht schwierig, denn die meisten Verkehrsregeln und Gegebenheiten sind ähnlich wie in Deutschland. Dennoch sollte der Urlauber sich vorab über einige Aspekte des Autofahrens in Spanien informieren, damit unangenehme Überraschungen ausbleiben.
Spanien Autofahren
Mit dem Auto entlang der Küste im Süden Spaniens ( Fesus Robert / shutterstock.com )

Nicht zu rasant unterwegs auf dem gut ausgebauten Straßennetz

Spanien hat ein gut ausgebautes Netz an Straßen und Autobahnen. Die Mehrzahl ist gut befestigt, nur auf Landstraßen kann es vorkommen, dass der Weg über Schotterpisten führt. Im Unterschied zu Deutschland gibt es besonders viele Kreisverkehre, über die die Straßenführung gelenkt wird. Dabei »vergessen« die Spanier meist, beim Ausfahren aus dem Kreisel zu blinken. Wer nicht blinkt, kann aber trotzdem mal im Kreisel weiter fahren, daher solltest du beim Einfahren in den Kreisel einen Blick nach halblinks riskieren.

Die gut ausgebauten Straßen sollten dich nicht zum Rasen verleiten.

  • So ist auf Autobahnen die Geschwindigkeit auf 120 km/h begrenzt.
  • Auf Landstraßen betrug die Höchstgeschwindigkeit bisher 100 km/h, seit 2019 gilt das nur noch, wenn die Fahrstreifen baulich voneinander getrennt sind, andernfalls sind es jetzt 90 km/h
  • Auf anderen Straßen außerhalb der Ortschaften sind 90 km/h erlaubt
  • Innerhalb der Ortschaft sind es 50 km/h, seit Mai 2021 aber nur, wenn in beide Richtungen mehr als eine Fahrspur zur Verfügung steht. Ansonsten gilt Tempo 30
  • In einigen Innenstadtbereichen sind sogar nur noch 20 km/h erlaubt

Abweichende Werte kannst du den Verkehrsschildern entnehmen.

Es ist ratsam, diese Geschwindigkeitsbeschränkungen um höchstens 7 km/h zu überschreiten, da ansonsten ein hohes Bußgeld drohen kann. Wer beispielsweise mehr als 20 km/h zu schnell fährt, muss mit 100 Euro Geldstrafe rechnen. Bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung von mehr als 50 km/h kann sich der Strafzettel auf über 600 Euro belaufen.

Auch Trunkenheit am Steuer wird in dem Urlaubsland auf der Iberischen Halbinsel empfindlich bestraft. Wenn Du mit 0,5 Promille erwischt wirst, drohen mehr als 500 Euro Geldstrafe. Außerdem wird dein spanisches Verkehrssünderkonto mit 6 Punkten belastet, falls du einen spanischen Führerschein hast. Alkoholkontrollen werden im ganzen Land regelmäßig durchgeführet.

Wer vergisst den Gurt anzulegen, muss mit einem Strafzettel bis zu 200 Euro rechnen. Die spanische Verkehrsüberwachung hat 2019 drastisch aufgerüstet. Zur Verkehrsüberwachung wurden 8 Pegasus-Hubschrauber, 11 Drohnen, 216 hoch auflösende Kameras sowie getarnte Polizeifahrzeuge angeschafft. Die Hubschrauber-Besatzungen können erkennen, ob du während der Fahrt ein Handy in der Hand hast oder nicht angeschnallt bist.

Wer sich im Mietwagen nicht an die Verkehrsregeln hält, riskiert obendrein seinen Versicherungsschutz.

Unterwegs auf spanischen Autobahnen

In Spanien werden die Autobahnen in autovías (A) und autopistas (AP) eingeteilt. Für die autopistas muss eine Maut bezahlt werden. Die Gebühren dafür gehören leider zu den höchsten in Europa. Urlauber müssen pro 100 Kilometer mit einer Gebühr von circa 5,80 Euro rechnen. Günstiger ist die Maut zwischen Burgos und Arminon, zwischen Pontevedra und Vigo, für den Tunnel von Guararrame und in der Region Bilbao.

In Andalusien soll die Maut auf den autopistas demnächst entfallen, weil der Vertrag mit den privaten Erbauern der Autobahnen abgelaufen ist.

Keinerlei Gebühren werden für die Stadtautobahnen und Ortsumfahrungen größerer Städte in Andalusien wie z.B. Málaga, Marbella oder Estepona erhoben. Gänzlich mautfrei sind des Weiteren sämtliche Straßen auf den Kanarischen Inseln sowie auch auf den Balearen. Auf Mallorca ist seit Jahresende 2017 auch die Maut für den Tunnel von Sóller weggefallen. Bezahlt wird die Maut mit Kleingeld oder einer gängigen Kreditkarte.

Mautbox

Bei einer längeren Autofahrt durch Spanien ist eine Mautbox eine gute Möglichkeit, um viel Zeit beim Bezahlen der Gebühr zu sparen.

Mit der Mautbox von maut1.de kannst du auf reservierten Fahrspuren am Stau an der Mautstation vorbeifahren. In Spanien heißen diese Fahrspuren an der Mautstation »T«, »Via-T« oder »Télépéaje«. Du erkennst sie an diesem Logo:

Maut VIA-T Spanien

Die Mautbox wird an der Windschutzscheibe deines Autos angebracht und piept bei der Durchfahrt durch die Mautstation. Die Mautgebühren sind damit bezahlt. maut1.de kümmert sich um alles und rechnet für dich die Mautgebühren monatlich mit einer transparenten Rechnung ab.

Tipp: Du kannst die Mautbox von maut1.de auch in Italien, Frankreich und Portugal benutzen.

Tanken

Wer über die Autobahnen reist, muss sich über Tankstellen keine Sorgen machen. Es gibt sie in regelmäßigen Abständen, meist sind sie an Rasthöfe angegliedert. Je nach Wagen kannst du ihn mit Diesel (gasóleo), Super 95 (gasolina sin plomo 95) und Super Plus 98 (gasolina sin plomo 98) tanken. Die Preise für das Benzin sind in der Regel etwas niedriger als in Deutschland.

Achtung: Auf autovías sind auch Radfahrer sowie sehr langsame kleine Seniorenfahrzeuge mit maximal 40 km/h unterwegs, die keinen Auto-Führerschein benötigen. An autovías gibt es sehr viele Ein- und Ausfahrten, die nicht besonders gekennzeichnet sind und wo du immer mit einem unvorsichtig und langsam einfahrenden Fahrzeug auf der rechten Spur rechnen musst. Unseren deutschen Ausfahrten entsprechen nur die besonders beschilderten »Cambio de Sentido«. Nur an diesen Ausfahrten darf man in die Gegenrichtung wenden.

Ein »A« vor der Nummer einer Straße bedeutet nicht zwingend, dass es sich um eine Autobahn handelt. In Spanien gibt es viele Straßen mit 3 bis 4-stelligen Nummern, die mit A beginnen, aber höchstens unseren Bundesstraßen entsprechen. Autobahnen und Schnellstraßen haben meist ein- oder zweistellige Nummern hinter dem A.

Achtsam mit dem Auto durch Spanien

Ein Urlaub in Spanien verleitet gelegentlich dazu, sich über die Verkehrsregeln hinwegzusetzen und besonders entspannt Auto zu fahren. Viele glauben, nur weil sie sich in einem südlichen Land befinden, könnten viele Verkehrsregeln außer Kraft gesetzt werden. Dem ist natürlich nicht so und auch die Spanier sollten sich an sie halten. Als Urlauber in einem fremden Land solltest du dich unbedingt an die Regeln halten, um ein Bußgeld, Ärger oder einen Unfall zu vermeiden.

Hier ein paar der wichtigsten Verkehrsregeln in Spanien:

  • Im Auto müssen immer eine reflektierende Sicherheitsweste und zwei Warndreiecke vorhanden sein.
  • Mit dem Handy am Ohr Auto zu fahren ist ebenso verboten wie das Eintippen von WhatsApp-Nachrichten während der Fahrt, das Berühren des Navis, das Öffnen einer Getränkedose, das Anzünden einer Zigarette oder das Mitführen von Radarwarngeräten.
  • Ein weiteres Verbot ist das Mitnehmen von Trampern an Autobahnen oder Schnellstraßen.
  • Benzingefüllte Reservekanister dürfen nicht mitgenommen werden. Nur spezielle Plastikbehälter von Tankstellen sind erlaubt.
  • Das Anschnallen ist sehr wichtig in Spanien, was übrigens auch für mitgeführte Hunde gilt. Für Personen, die kleiner als 1,50 Meter sind, ist ein Kindersitz notwendig.
  • Wenn ein Straßenrand eine gelbe Linie oder Zickzack-Linien aufweist, ist das Parken verboten. Wer sich daran nicht hält, muss mit dem Abschleppen des Fahrzeuges rechnen. Neben einer blauen Linie solltest du ein Parkticket aus dem nächsten Automaten ziehen und hinter der Windschutzscheibe auslegen. Der Automat ist nicht immer leicht zu entdecken. Es ist aber mit Sicherheit einer vorhanden!
    Ein Oberschlauer hat sich einen besonderen Gag zur Verkehrserziehung ausgedacht: Er legt bei Autos, die nicht exakt parken, einen Flyer hinter die Windschutzscheibe, welcher die Silhouette einer Schildkröte mit den Umrissen der großen Schuppen auf dem Panzer zeigt. Der Verkehrssünder soll die Schuppen farbig ausmalen, damit er sich an das exakte Parken zwischen den dafür vorgesehenen Markierungen gewöhnt.
  • Wer einen Strafzettel an seinem Auto findet oder von der Polizei ausgehändigt bekommt, sollte diesen innerhalb einer Woche bezahlen. Dann kostet es nur die Hälfte.
  • Mit einem gefälschten Führerschein unterwegs zu sein, ist nicht zu empfehlen. 802 Autofahrer aus Venezuela landeten 2020 im Gefängnis. Im Jahr 2017 waren in Venezuela neue Führerscheine eingeführt worden, die von Spanien nicht anerkannt werden. Daraufhin verkauften Kriminelle in Venezuela für je 60 € gefälschte Führerscheine aus der Zeit vor 2017 und versandten diese mit der Post an Venezolaner, die in Spanien leben. Bei der Vorlage dieser Führerscheine beim spanischen TÜV (ITV) fielen die Fälschungen jedoch auf. Im November 2020 wurde in Marbella ein 19-jähriger Russe von der Polizei geschnappt, der ohne Führerschein drei Fußgänger angefahren hatte, darunter eine schwangere Frau, die ins Krankenhaus musste. Der junge Mann wurde verurteilt wegen Verstoß gegen die Verkehrssicherheit, rücksichtslosem Fahren, Fahren ohne Führerschein, Körperverletzung von Fußgängern und Unfallflucht.
  • Ordentlich versichert sollte das Auto auch sein. Nach einer Studie der spanischen Versicherung Linea Directa waren im Jahr 2020 in Spanien Millionen Autos ohne gültige Versicherungspapiere auf den Straßen unterwegs! Betroffen sind viele Eigentümer von Ferienwohnungen, die ihren Zweitwagen in Spanien nicht versichert haben. Der spanische Fuhrpark ist im Durchschnitt 12,5 Jahre alt. Die Versicherung alter Autos ist teuer und unterbleibt dann gerne mal ganz. Viele Menschen wissen weder, dass sie verpflichtet sind, eine Kfz-Versicherung zu haben, noch wie man ein schrottreifes Auto beim TÜV abmeldet. Auf den Kanaren, den Balearen und in Katalonien besteht das größte Risiko, dass man es bei einem Verkehrsunfall mit einem nicht versicherten Auto des Unfallgegners zu tun hat. Die Geldbuße für unversichertes Autofahren beträgt nur 3.000 Euro. In Deutschland wäre ein Strafverfahren die Folge, das mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe sowie mit 2 bis 3 Punkten in Flensburg endet.
  • Seit 2004 muss ein altersschwaches Auto bei einem autorisierten Abwrackbetrieb abgegeben werden. Viele scheuen die damit verbundenen Gebühren und entsorgen ihr Auto bei einem nicht autorisierten Schrotthändler oder auf einer wilden Deponie. Danach wird auch »vergessen«, das Auto bei der Versicherung abzumelden, denn die könnte nach einem Verwertungsnachweis fragen. Die Behörden kümmern sich kaum um wilde Schrottplätze. 400.000 entsorgte motorisierte Fahrzeuge wurden niemals bei den Behörden und Versicherungen abgemeldet.

Was bei Pannen oder Unfällen zu tun ist

Eine Panne oder ein Unfall im Rahmen eines Urlaubes in Spanien ist natürlich immer unangenehm, doch wenn du weißt, was in diesem Fall zu tun ist, hast du ein besseres Gefühl beim Autofahren. Zur Unterstützung gibt es den deutschsprachigen ADAC in Barcelona und Madrid. Dieser kann helfen, den richtigen Pannenservice oder die geeignete Abschlepphilfe zu finden.

Im Fall eines Unfalls sollten die gleichen Verhaltensregeln wie in Deutschland beachtet werden. Es ist vor allem wichtig die Ruhe zu behalten, unter Umständen selbstständig Beweise zu sichern und von dem Schaden Fotos zu machen. Streit und Diskussionen mit einer möglichen Gegenpartei führen nur zu mehr Ärger. Erklärungen zum Unfall sollten nie vor Ort unterschrieben werden. Stattdessen ist es wichtig, sich die Versicherung und das Kennzeichen des Unfallgegners aufzuschreiben.

Als sehr hilfreich erweist sich eine Grüne Versicherungskarte, mit der du im Ausland nachweisen kannst, dass du eine Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung besitzt. Dies kann viele Probleme mit den spanischen Behörden ersparen. Sie ist über deinen Kfz-Haftpflichtversicherer erhältlich.

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