Pedro Sánchez: Spaniens Ministerpräsident im Porträt

Kurzprofil: Wer ist der spanische Ministerpräsident?
Pedro Sánchez Pérez-Castejón wurde am 29. Februar 1972 in Madrid geboren – ein Schaltjahrkind, das seinen Geburtstag nur alle vier Jahre »echt« feiern kann. An der Universität Complutense studierte er BWL und legte 1998 an der Freien Universität Brüssel (ULB) den Master in Politischer Ökonomie der Europäischen Union ab. 2012 promovierte er und lehrte Wirtschaftswissenschaften an der Universidad Camilo José Cela.
1993 trat er der sozialdemokratischen PSOE bei. Vor seiner politischen Karriere arbeitete Sánchez unter anderem als Assistent der Europaabgeordneten Bárbara Dührkop und als Kabinettschef des UN-Repräsentanten für Bosnien und Herzegowina, Carlos Westendorp. Er spricht neben Spanisch auch Englisch und Französisch.
Seit 2006 ist er mit Begoña Gómez verheiratet, auf die wir später noch zu sprechen kommen. Das Paar hat zwei Töchter.
Vom Nachrücker zum PSOE-Chef
Sein Weg nach oben war alles andere als geradlinig. 2004 rückte Sánchez in den Stadtrat von Madrid nach, 2009 und 2013 jeweils als Nachrücker ins spanische Abgeordnetenhaus. Erst 2014 gelang ihm der große Sprung: Nach dem Rücktritt von Alfredo Pérez Rubalcaba gewann er die Urwahl zum PSOE-Generalsekretär – mit knappen 49 Prozent.
Bei den Parlamentswahlen 2015 und 2016 fuhr die PSOE unter Sánchez die historisch schlechtesten Ergebnisse ihrer Geschichte ein. Weil er sich weigerte, eine Große Koalition mit der konservativen PP von Mariano Rajoy zu bilden, zwangen ihn im Oktober 2016 rebellierende Parteifunktionäre zum Rücktritt als Parteichef.
Totgesagte leben länger: Im Februar 2017 gewann Sánchez mit einer basisnahen Kampagne die Urwahl um den Parteivorsitz erneut – diesmal deutlich gegen die damalige andalusische Ministerpräsidentin Susana Díaz. Sein Comeback war perfekt.
2018: Wie Sánchez Spaniens Ministerpräsident wurde
Eigentlich deutete nichts darauf hin, dass Sánchez mit nur 84 PSOE-Abgeordneten im 350-köpfigen Parlament die Minderheitsregierung Rajoys stürzen könnte. Dann aber brach über die PP ein Korruptionsurteil im sogenannten Gürtel-Fall herein. Sánchez stellte einen Misstrauensantrag – und bekam am 1. Juni 2018 überraschend 180 Stimmen hinter sich. Es war das erste erfolgreiche konstruktive Misstrauensvotum in der Geschichte des spanischen Parlamentarismus.
Seitdem hat Sánchez ein dichtes Wahljahrzehnt hinter sich: zwei Parlamentswahlen 2019, eine weitere 2023, dazu diverse Regional- und Kommunalwahlen. Mit Stand April 2026 führt er sein drittes Kabinett als Ministerpräsident.
Vier Wahlen, drei Kabinette
- April 2019: Die PSOE gewinnt die vorgezogene Neuwahl, Sánchez scheitert aber an der Regierungsbildung.
- November 2019: Nach der zweiten Neuwahl innerhalb eines Jahres bildet er mit der linken Unidas Podemos unter Pablo Iglesias die erste Koalitionsregierung in Spaniens demokratischer Geschichte (Kabinett Sánchez II).
- Juli 2023: Nach verheerenden Verlusten bei Kommunal- und Regionalwahlen zieht Sánchez die Flucht nach vorn und ruft vorgezogene Parlamentswahlen aus. Die PP gewinnt zwar die meisten Stimmen, Sánchez zimmert sich aber erneut eine Mehrheit zusammen.
- November 2023: Am 16. November wird er im Kongress mit 179 Stimmen von sieben Parteien erneut zum Ministerpräsidenten gewählt. Das dritte Kabinett Sánchez tritt an – eine Koalition aus PSOE und dem linken Wahlbündnis Sumar, gestützt von katalanischen, baskischen und galicischen Regionalparteien.
Seit November 2022 ist Sánchez außerdem Präsident der Sozialistischen Internationale.
Der Amnestie-Pakt mit den Katalanen
Die dritte Amtszeit des spanischen Ministerpräsidenten steht und fällt mit einem einzigen Gesetz: der Amnestie für rund 400 katalanische Separatisten, die im Zuge des illegalen Unabhängigkeitsreferendums von 2017 angeklagt oder verurteilt worden waren. Vor der Wahl hatte Sánchez eine Amnestie noch ausgeschlossen. Danach war sie der Preis, den die katalanischen Parteien Junts per Catalunya und ERC für ihre Stimmen zu seiner Wiederwahl verlangten.
Am 30. Mai 2024 verabschiedete das Parlament das Gesetz mit 177 zu 172 Stimmen. Mehr als ein Jahr später, am 26. Juni 2025, erklärte es das Verfassungsgericht für rechtmäßig. Kritiker sehen darin einen Dammbruch, Unterstützer einen Beitrag zur Befriedung Kataloniens.
Einer ist von der Amnestie allerdings nicht gedeckt: der ehemalige katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont, gegen den wegen mutmaßlicher Veruntreuung weiterhin ein Haftbefehl besteht.
Korruptionsaffären im engsten Umfeld
2018 kam Sánchez ausgerechnet deshalb an die Macht, weil die PP von Rajoy wegen systematischer Korruption verurteilt worden war. Heute holt ihn die Geschichte mit umgekehrten Vorzeichen ein. In seinem engsten Umfeld laufen gleich mehrere Ermittlungsverfahren:
- José Luis Ábalos: Sánchez' ehemaliger Verkehrsminister und einstige rechte Hand muss sich seit April 2026 vor dem Obersten Gerichtshof verantworten. Der Vorwurf: Schmiergelder bei der Vergabe von Masken-Aufträgen während der Corona-Pandemie. Die Staatsanwaltschaft fordert hohe Haftstrafen.
- Santos Cerdán: Ábalos' Nachfolger als Organisationssekretär der PSOE und damit die Nummer drei der Partei trat im Juni 2025 zurück, nachdem ein Bericht der Polizeieinheit UCO auf mutmaßliche Schmiergeldzahlungen in Höhe von rund 620.000 Euro hinwies. Er sitzt in Untersuchungshaft.
- Begoña Gómez: Sánchez' Ehefrau ist seit 2024 Beschuldigte in einem Verfahren wegen mutmaßlicher Einflussnahme, Korruption im Geschäftsleben und Veruntreuung öffentlicher Gelder im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit an der Universidad Complutense. Mitte April 2026 hat Ermittlungsrichter Juan Carlos Peinado die Anklageerhebung angekündigt.
- David Sánchez: Gegen den Bruder des Ministerpräsidenten wird wegen mutmaßlicher Vorteilsnahme bei seiner Anstellung als Musikreferent in Badajoz ermittelt. Der Prozess soll in den kommenden Wochen beginnen.
- Álvaro García Ortiz: Selbst der von Sánchez eingesetzte Generalstaatsanwalt steht wegen der angeblichen Weitergabe vertraulicher Daten vor Gericht.
Sánchez bezeichnet die Verfahren als politisch motivierte Kampagne (»lawfare«) und hält an seinem Amt fest. Im April 2024 und im Juli 2025 erwog er kurzzeitig einen Rücktritt, entschied sich aber jeweils für einen Verbleib.
Im Juni 2025 bat er die Spanier öffentlich »um Verzeihung« für die Korruptionsvorwürfe gegen seine Weggefährten, lehnte einen eigenen Rücktritt aber ab.
Regieren ohne Haushalt
Eine spanische Besonderheit unter Sánchez: Seit 2024 verabschiedet die Regierung keinen neuen Staatshaushalt mehr, sondern verlängert einfach den »Rekordhaushalt« von 2023.
Für 2026 legte er dem Parlament gar keinen Haushaltsentwurf mehr vor – ein historisch einmaliger Vorgang. Grund ist schlichte Arithmetik: In der zersplitterten Siebener-Allianz findet Sánchez für einen neuen Haushalt keine Mehrheit mehr.
Sánchez auf der internationalen Bühne
Außenpolitisch profiliert sich der spanische Ministerpräsident vor allem in zwei Themen: Migration und Nahost-Konflikt. Schon kurz nach seinem Amtsantritt 2018 erlaubte er dem Rettungsschiff »Aquarius« mit über 600 Geflüchteten aus Libyen die Landung in Valencia, nachdem Italien und Malta die Häfen verschlossen hatten. 2024 erkannte Spanien als eines der ersten westeuropäischen Länder Palästina als Staat an.
Vor dem EU-Gipfel im Juni 2025 sprach Sánchez von einer »katastrophalen Völkermordlage« im Gazastreifen und forderte, das EU-Assoziierungsabkommen mit Israel auszusetzen. Im April 2026 reiste er nach Peking und rief China auf, seinen internationalen Einfluss stärker zu nutzen, um die Kriege in der Ukraine und im Iran zu beenden.
Gleichzeitig positioniert sich Spanien als einziges großes NATO-Land offen gegen die Fünf-Prozent-Zielmarke für Rüstungsausgaben, die die USA einfordern.
Wie lange bleibt Pedro Sánchez Spaniens Ministerpräsident?
Die nächste Parlamentswahl ist regulär für 2027 terminiert, vorgezogene Neuwahlen schließt Sánchez aktuell aus. Die Umfragen sehen allerdings düster aus für die Regierung: Im Wahltrend von April 2026 liegt die PP bei rund 31 Prozent, die PSOE bei 28 Prozent, Vox bei 18 Prozent. Die amtierende Koalition würde ihre Mehrheit damit klar verlieren.
Dennoch bleibt Sánchez der politische Überlebenskünstler Europas. Totgesagt wurde er schon 2016, 2019, 2023, 2024 und 2025 – und jedes Mal kam er zurück. Ob er es bis zum regulären Wahltermin 2027 schafft, hängt von drei Faktoren ab: der Stabilität seiner bunten Mehrheit im Parlament, dem Ausgang der laufenden Gerichtsverfahren im eigenen Lager und davon, ob die regionalen Partner weiter mitspielen.
Sicher ist nur eins: Langweilig wird es in der Moncloa nicht.
Spanien Magazin

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