Die Konkurrenz der beiden Fußballclubs Betis und FC Sevilla

In vielen Städten gibt es eine große Rivalität der lokalen Fußball-Clubs. So auch in der andalusischen Hauptstadt Sevilla, wo der Sevilla FC und Real Betis seit vielen Jahren um die Vorherrschaft kämpfen.

Fussball Sevilla
Fans des Sevilla Fútbol Club
© Carlos de la Fuente - www.photaki.com

1905 und 1907, rot-weiß und grün-weiß, Tränen und Waschschüsseln

Wie in anderen europäischen Metropolen mit zwei traditionellen, erfolgreichen und jeweils bei ihren Anhängern sehr populären Fußballklubs ranken sich auch in Sevilla sowohl um die jeweiligen Klubgründungen als auch die Entstehung der Rivalität zwischen dem im Oktober 1905 aus der Taufe gehobenen „Sevilla Fútbol Club“ mit den Vereinsfarben rot-weiß und dem knapp zwei Jahre später im September 1907 gegründeten Klub „Real Betis Balompié“ in grün-weiß zahlreiche Mythen, Legenden und Erzählungen.

Das in Andalusien und ganz Spanien seit Jahrzehnten unter dem Namen „derbi sevillano“ bekannte Aufeinandertreffen der beiden Klubs gilt als eines der heißesten diesbezüglichen Duelle, schon weit über 100 Mal in der „Primera“ und „Segunda División“ sowie im nationalen Pokalwettbewerb „Copa del Rey“ ausgespielt, fand es das erste Mal anlässlich der erstmaligen Stadtmeisterschaft „Copa de Sevilla“ am 5. Januar 1910 statt, das Ergebnis war ein torloses Unentschieden.

Ganz und gar nicht unentschieden präsentiert sich jedoch seitdem die wechselseitige und schon immer auch über das rein Sportliche hinaus gehende Abneigung der Anhänger gegenüber dem jeweils anderen Klub. Während etwa die nach ihrem Vereinsnamen (Béticos), dessen Farben (Verdiblancos) oder ihrer ursprünglichen Heimat, dem südlichen Barrio Heliópolis (Heliopolitanos), bezeichneten Fans von Betis noch immer mehrheitlich als der Arbeiterklasse angehörig angesehen werden, stammen sowohl der Sevilla FC selbst als auch die treuesten seiner bevorzugten in den Farben rot-weiß (Blanquirrojos) gekleideten Fans (Sevillistas) aus dem gehobeneren östlichen Geschäftsviertel Nervión, welches somit den „Nervionenses“ ihren Spitznamen gab.

Ein weiterer, jedoch nicht ganz so geläufiger Beiname für Spieler und Anhänger des älteren und auch sportlich erfolgreicheren Klubs lautet „Palanganas“ (Waschschüsseln). Dieser soll angeblich entstanden sein, als sich einige von der damals elitären Vereinspolitik des Sevilla FC enttäuschte Mitglieder entschlossen, den Real Betis als eigenen Verein neu und unabhängig zu gründen, und der amtierenden Vereinsführung der Rot-Weißen im Anschluss eine (fast) leere weiße Waschschüssel als Abschiedsgeschenk überreichten. Einziger Inhalt der ungewöhnlichen Gabe war der Legende nach eine von Hand geschriebene Erklärung, derzufolge eben diese Schüssel in Zukunft als Behältnis für die vielen Tränen dienen solle, die man aber nicht angesichts der eigenen Niederlagen, sondern vielmehr aufgrund der zahlreichen zukünftigen Erfolge der neuen grün-weißen Konkurrenz vergießen werde.

Zuerst ganz oben und in Europa, die meisten Fans, Titel und die königliche Gunst

Angesichts der tatsächlichen sportlichen Bilanz beider Vereine in den folgenden Jahrzehnten hat sich diese provokative Prophezeiung des jüngeren Klubs jedoch nicht bewahrheitet, vielmehr führt der Sevilla FC in der Gesamtwertung mit bislang fünf Titeln in der „Copa del Rey“, einem Meisterschaftstitel (1946), dem Gewinn des UEFA-Pokals in den Jahren 2006, 2007 und der UEFA Europa League 2014 sowie des UEFA Super Cups 2006, im Jahr 2007 gewann man auch die „Supercopa de España“ zwischen dem spanischen Meister und dem Pokalsieger. Darüber hinaus errang man zwei Vizemeisterschaften (1951 und 1957) und debütierte 1957/58 als erster andalusischer Fußballverein überhaupt im Europapokal.

Real Betis hingegen kann zwar mit dem Gewinn der spanischen Meisterschaft 1934/35 und den beiden Pokalsiegen in der 1977 und 2005 weitaus weniger Titel sein Eigen nennen, dafür stieg man aber bereits im Jahr 1932 (und nicht erst 1934, wie der Rivale) in die Primera Divisón auf.

Besonders schmerzhaft und ganz gemäß der oben erwähnten Legende für manche Rot-Weißen auch tatsächlich tränenreich war schließlich die Champions-League-Qualifikation der Grün-Weißen in der Saison 2004/2005, als Betis sich im letztmöglichen Moment auf dem letzten Qualifikationsrang vor dem FC Sevilla in der Primera División platzierte und damit die Teilnahme an der UEFA-Champions-League 2005/06 sicherte.

Mit insgesamt 48 Spielzeiten in der ersten, 26 in der zweiten und 7 in der dritten Liga kommt Betis zwar auch nicht an die beeindruckenden insgesamt 67 Erstliga- und 13 Zweitligaspielzeiten des Sevilla FC heran, in den 42 gemeinsamen Spielzeiten beider Klubs in der höchsten spanischen Klasse konnte sich der oft als Underdog gebende Verein Real Betis jedoch 24 Mal zum Saisonabschluss vor der ungeliebten Konkurrenz positionieren, dem Sevilla FC gelang dies nur 18 Mal. Dafür konnte dieser jedoch das berühmte Stadtderby häufiger für sich entscheiden, zwischen 1934/35 und 2012/13 gewann Sevilla in rot 37 Mal gegen Betis in grün (27 Siege), unentschieden endete die Partie in 20 Begegnungen.

Eine häufig gestellte Frage bezüglich beider Klubs ist auch diejenige nach der Anzahl bzw. der numerischen Überlegenheit seiner Anhänger, während dies in Sevilla und dessen Umland sicher nicht ganz einfach zu beantworten ist, rangiert nach Umfragen des spanischen Meinungsforschungsinstituts „Centro de Investigaciones Sociológicas“ in Madrid aus dem Jahr 2007 interessanterweise der sportlich weniger bedeutende Klub Betis Real mit 3,3 % Anhängern in ganz Spanien auf dem sechsten Platz vor dem Sevilla FC, der es mit 2,3% Fans im ganzen Land nur auf den achten Platz schaffte.

Ob diese erstaunliche Sympathie eventuell mit der Ehrenmitgliedschaft sowohl des amtierenden spanischen Königs Juan Carlos I. als auch seines Sohnes und designierten Nachfolgers Felipe von Spanien bei Betis zusammenhängt, wird von dessen Anhängern natürlich stürmisch bejaht, von den Fans des Lokalrivalen aber natürlich dementsprechend kopfschüttelnd bestritten.

Von den beiden Stadien auf den Río Guadalquivir: Die „Regata Sevilla-Betis“

Ganz so, als würde den beiden Klubs und ihren sich stets kritisch und missgünstig gegenseitig beäugenden Fans die bisherigen häufigen direkten Vergleiche am runden Leder entweder im rot-weißen und im Jahr 1958 eröffneten „Estadio Ramón Sánchez Pizjuán“ mit Platz für 45.500 Zuschauer oder im grün-weißen „Estadio Benito Villamarín“ mit seinen 51.309 Plätzen aus dem Jahr 1929 samt der regelmäßigen städtischen Ausnahmezustände weder sportlich noch emotional ausreichen, findet seit 1960 zunächst sporadisch und ab 1970 jedes Jahr regelmäßig ein weiteres Kräftemessen beider Vereine auf dem Wasser des Flusses Guadalquivir statt.

Auf einer 6.000 Meter langen Rennstrecke im Stadtzentrum zwischen dem Puerto Sur und La Cartuja treten dann meist Anfang November zwei außer aus Vereinsangehörigen auch aus Mitgliedern des Club Náutico, des Real Círculo Labradores und der Stadtverwaltung zusammengesetzte Teams in mehreren Ruderbooten unter großem Publikumsandrang gegeneinander an.

Das mittlerweile schon traditionelle und in Sevilla sehr populäre Aufeinandertreffen im Fluss, bei dem die Mannschaft des Sevilla FC bislang 30 Mal, Real Betis 15 Mal gewann, wird alljährlich von bis zu 50.000 Zuschauern gespannt verfolgt, auch immer mehr Urlauber und Touristen werden Zeugen des bunten und einem Volksfest gleichenden Spektakels, welches man bei rechtzeitigem Erscheinen zum Beispiel gut von den vielen Brücken auf der Strecke beobachten kann.

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