Die Geschichte der Fasaneninsel

Ohne einen Schuss abzufeuern, hat Spanien am 1. Februar eine Insel von Frankreich zurückerobert. Allerdings ist jetzt schon klar, dass Spanien nach sechs Monaten das 3.000 qm große Territorium an Frankreich zurückgeben wird. Diese Tradition hat nun schon seit über 100 Jahren Bestand.

Die Fasaneninsel (Isla de los Faisanes) liegt eingekeilt zwischen dem französischen Ferienort Hendaye und der spanischen Stadt Irún in der Mündung des Grenzflusses Bidassoa. Sie ist unbewohnt und ihr einziges von Menschenhand geschaffenes Bauwerk ist ein altes Denkmal, welches an ein historisches Ereignis erinnert.

Französisch-Spanischer Krieg

Da das einstmals 210 m lange und 40 m breite Eiland als neutrales Territorium galt, feilschten Frankreich und Spanien im Jahr 1659 drei Monate lang auf der Fasaneninsel über die Modalitäten zur Beendigung des Französisch-Spanischen Krieges, der seit 1635 wütete. Von beiden Seiten wurde die Insel vorübergehend durch Holzbrücken verbunden, und die Armeen beider Länder standen nervös am jeweiligen Ufer, während der Vertrag über den Pyrenäenfrieden verhandelt und am 7. November 1659 unterzeichnet wurde. Im Vertrag wurden die Pyrenäen als neue Grenze zwischen Spanien und Frankreich festgelegt. Außerdem musste Spanien Luxemburg, Flandern und Nord-Katalonien an Frankreich abtreten.

Die Vereinbarung auf der Fasaneninsel wurde zusätzlich besiegelt durch eine Hochzeit zwischen dem französischen König Ludwig XIV mit Maria Theresa, der Tochter des spanischen Königs Philipp IV. 1861 errichteten beide Länder dann das gemeinsame Denkmal auf der Insel.

Vertrag von Bayonne

Im Vertrag von Bayonne wurde 1856 bestimmt, dass die Souveränität über die Insel zwischen den beiden Mächten geteilt werden sollte, wobei Spanien vom 1. Februar bis zum 31. Juli und Frankreich für die danach folgenden sechs Monate die Hoheit über die Insel ausüben würde. Die Bestimmung trat 1901 in Kraft. Damit ist die Fasaneninsel eines der ältesten Territorien mit einer gemeinsamen Souveränität. (Wie du dich erinnern wirst, übten z.B. die Siegermächte des 2. Weltkriegs eine Zeit lang die gemeinsame Souveränität über Berlin aus.)

Die gemeinsame Regierungsgewalt über die Fasaneninsel wird abwechselnd von zwei »Vizekönigen« ausgeübt. Das sind zwei Marienoffiziere aus San Sebastián und Bordeaux. Im Jahr 2012 haben sie die halbjährliche Übergabezeremonie erstmals persönlich auf der Insel zelebriert.

Unbekannt ist, wer während des Spanischen Bürgerkriegs auf spanischer Seite die Regierungsgewalt über die Fasaneninsel hatte. War es ein Vizekönig der republikanischen Regierung oder einer von den Aufständischen des Generals Franco?

Die Fasaneninsel schrumpft

Sowohl in Frankreich als auch in Spanien fehlte es lange am politischen Willen, die Insel zu verteidigen. Daher ist sie im Lauf der Jahrhunderte durch Erosion um mehr als die Hälfte geschrumpft. Jetzt wird die Erosion durch eine Stützmauer gestoppt. Nur noch selten wird dem Publikum am Tag der offenen Tür ein Besuch auf der Insel gestattet.

Auch jetzt noch wird die Insel gelegentlich für Verhandlungen genutzt. So wurde auf der Fasaneninsel am 6. Februar 2008 eine Konvention über die Einleitung von Abwasser zwischen der französischen Agglomeration Südbaskisches Land ( Hendaye, Biriatou, Urrugne, Béhobie…) und der baskischen Mancomunidad de Txingudi ( Irún, Hondarribia ) unterzeichnet. Die Umsetzung der Vertragsbestimmungen wird von der Stadt Irún überwacht.

Vielleicht kann ja die gemeinsame Oberhoheit Spaniens und Frankreichs auf der Fasaneninsel als Modell dienen für eine gemeinsame Souveränität von Großbritannien und Spanien über Gibraltar?

Verfasst am 18. Juni 2018
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