Königliche Tabakfabrik in Sevilla

Antigua Fábrica de Tabacos

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Adresse:
Calle San Fernando, 4,
41004 Sevilla, Andalusien, Spanien
Provinz: Provinz Sevilla

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Die ehemalige Königliche Zigarettenfabrik („Real Fábrica de Tabacos de Sevilla“) in der Calle San Fernando nahe der Puerta de Jerez und der Grünanlagen Alcázar und Jardines del Christina wurde in mehreren Bauabschnitten zwischen 1728 und 1770 erbaut.

Das im barock-neoklassizistischen Stil errichtete Gebäude diente einst der Konzentration der bis dato im ganzen Stadtgebiet dezentral erfolgten Tabakverarbeitung. Im 18. Jahrhundert arbeiteten bis zu 1.000 Beschäftigte, im 19. Jahrhundert fast 6.000 Beschäftigte vor Ort.

Da die Fabrik jedoch auf die Verarbeitung pulverförmigen Tabaks spezialisiert war, verlor sie mit dem Aufkommen der Zigarren und Zigarillos nach und nach an Bedeutung.

Heute logieren in dem prächtigen Gebäude diverse universitäre Einrichtungen

1950 wurde die Tabakproduktion gänzlich in eine neue Fabrik im Stadtteil Barrio de los Remedios verlegt. Die frei gewordenen Räumlichkeiten wurden von 1954 bis 1956 unter der Regie der Architekten Alberto Balbontín de Orta, Toro Buiza und Delgado Roig für die neue Nutzung unter strikter Berücksichtigung des Denkmalschutzes umfassend saniert und umgebaut.

1959 wurde das gesamte Gebäude zum historischen Gut von kulturellem Interesse („Bien de Interés Cultural“) erklärt. Seither residieren in dem repräsentativen Bau das Rektorat sowie die Fakultäten für Jura, Philosophie und Literaturwissenschaft.

Der Bau zählt heute zu den größten erhaltenen Gebäuden der historischen Industriearchitektur nicht nur in Spanien, sondern in ganz Europa.

Anders als heute wurden Fabriken damals noch ungleich prächtiger gestaltet

Besonders beeindruckend ist das palastartige Hauptportal an der Calle San Fernando. Rund um den prächtig gestalteten Eingang verlaufen zahlreiche fein ziselierte Reliefs, die auf die Entdeckung und Eroberung Amerikas sowie die wirtschaftliche Bedeutung des Tabaks Bezug nehmen.

Im Vergleich zu heutigen, extrem nüchternen und rein funktionalen Gewerbearchitektur fallen natürlich auch die vielen schmückenden Details ins Auge, so etwa die rundum verlaufenden Pilaster, die dem Gebäude fast schon den Charakter eines Tempels verleihen.

Sehr nobel und exklusiv wirken auch die große Doppeltreppe in der Eingangshalle und die früheren Privatgemächer der Direktion, die eher den Unterkünften von Adeligen als denjenigen von Fabrikbesitzern gleichen.

Ein wahrer Tempel des Tabaks, von namhaften Architekten und Bildhauern realisiert

Aufgrund der luxuriösen Gestaltung des gesamten Gebäudes, nannte der seinerzeit oft durch Spanien reisende englische Reiseschriftsteller und Zeichner Richard Ford (1796-1858) die Tabakfabrik in Sevilla, in Anlehnung an die weltberühmte Klosteranlage „Real Sitio de San Lorenzo de El Escorial“ bei Madrid, einst das „El Escorial des Tabaks“ und einen „Palast der Industrie“.

Das Gebäude ist heute für die Öffentlichkeit zugänglich. Besonders gern und häufig fotografiert werden die beiden Innenhöfe und die aus weißem Marmor gearbeiteten Brunnen des portugiesischen Bildhauers Cayetano de Acosta, der in Sevilla auch an der Gestaltung des Klosters Convento de Santa Rosalía sowie der Kirchen Iglesia del Salvador und Iglesia del Sagrario mitwirkte.

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Lage und Anfahrt: