Weihnachtsbräuche in Spanien

Weihnachten ist ein bedeutendes Fest in Spanien und kennt viele Traditionen, die in Deutschland nicht existieren. So ist der geschmückte Tannenbaum beispielsweise erst seit den 1980er-Jahren in vielen Häusern zu finden. Einen höheren Stellenwert hat die Krippe mit dem Jesuskind.

Weihnachtsbräuche Spanien
Der Umzug Cabalgata de Reyes Mago findet immer am 5. Januar statt
criben / Shutterstock.com

Die traditionelle Noche Buena

Heiligabend wird auf Spanisch Noche Buena genannt. An diesem Tag versammelt sich die gesamte Familie zu einem großen Weihnachtsessen. Nach dem Mahl folgt traditionell die sogenannte „Urne des Schicksals“. In dieser befinden sich viele Geschenke und Nieten. Sie wird auf den Tisch gestellt und jeder darf aus der Urne so lange etwas herausziehen, bis er ein Geschenk in den Händen hält.

Die eigentliche Bescherung jedoch erfolgt traditionell am 6. Januar, wobei einige Kinder schon am 24. Dezember ihre Präsente erhalten. So können sie damit über die Weihnachtsfeiertage spielen.

Um 24 Uhr wird sich in Spanien zur Mitternachtsmesse in der Kirche getroffen, die auch „Misa del Gallo“ genannt wird. Dies bedeutet „Messe des Hahn“, da dieser die Geburt des Jesuskindes als Erster verkündet hat.

Im Anschluss wird sich in kleineren Ortschaften auf bedeutenden Plätzen versammelt. Gemeinsam werden Weihnachtslieder (villancios) angestimmt oder es wird ein Feuer angezündet, um bis in die Morgenstunden gemeinsam zu feiern.

Mit dem Heiligenabend hört das Fest nicht auf

Nach dem Heiligenabend hört das Weihnachtsfest jedoch nicht auf. Bereits am 28. Dezember ist der „Tag der unschuldigen Kinder“, der auf Spanisch „Dia de los inocentes“ heißt. Dieser Tag soll an den Kindsmord in Betlehem erinnern, den der römische Klientelkönig Herodes veranlasst hatte. Der Tag wird jedoch nicht traurig begangen, sondern er kann eher mit dem 1. April in Deutschland verglichen werden. So spielen im gesamten Land die Menschen kleine Streiche.

Ein weiterer bedeutender Weihnachtsbrauch ist das Erscheinen des Olentzero bzw. des Kohlenbrenners. Dieser kommt aus den Bergregionen in die Dörfer, um die schöne Nachricht über die Geburt des Christuskindes zu verkünden. Er wird dabei auf den Schultern getragen.

Außerdem gibt es die sogenannte „Fiesta de Loco“ bzw. das „Fest des Verrückten“, bei dem sich ein Junge als Bischof verkleidet und für einen Tag diese Rolle spielt.

Am 30. Dezember bis zum 1. Januar wird die „Fiesta de la Coretta“ abgehalten, mit der zugleich das neue Jahr eingeläutet wird. Im Rahmen dieses Festes sammeln die Menschen Brennholz und eine Kiefer wird geschlagen, die im Anschluss geschmückt wird. Sie wird schließlich durch das Dorf getragen und gesegnet.

Am Silvesterabend wird sich traditionell auf den Rathausplätzen getroffen und zu jedem Glockenschlag um 12 Uhr nachts wird eine Weintraube, „uvas de suerte“, verspeist.

Am 5. Januar ziehen die Weisen aus dem Morgenland durch die spanischen Dörfer. In vielen Orten finden zudem Krippenaufführungen statt. Die Drei Heiligen Könige verteilen Süßigkeiten und am Abend stellen die Kinder Schuhe, Wasser und Stroh vor die Tür. Sie sind für die Drei Heiligen Könige und ihre Kamele. Die Kinder hoffen so, möglichst viele Geschenke zu erhalten.

Die ersehnte Bescherung am Dreikönigstag

Den Abschluss der Weihnachtstage stellt der 6. Januar bzw. der Dreikönigstag dar. Am „Dia de los Reyes“ warten die Sprösslinge sehnsüchtig auf ihre Geschenke, die häufig bereits morgens verteilt werden. An diesem Tag kommt erneut die Familie zusammen und es folgt ein Festessen. Insbesondere der Rosco de Reyes (Dreikönigskuchen) als Spezialität nimmt einen hohen Stellenwert bei der kulinarischen Auswahl ein. Dabei handelt es sich um einen Kuchen in Ringform, in dem sich ein kleines Figürchen befindet. Wer dessen Figur findet, darf sich König des Tages nennen.

Göttliche Genüsse zum Fest

Zu den Bräuchen in der Weihnachtszeit gehören selbstverständlich auch bestimmte Speisen. Für gewöhnlich ist das Weihnachtsessen sehr üppig. Das Festtagsmenü startet mit ein paar Häppchen, die kalt oder warm serviert werden. Darauf folgen der erste und der zweite Gang sowie zum Abschluss das Dessert.

Ähnlich wie in Deutschland gibt es regionale und individuelle Unterschiede, was genau zum Essen zubereitet wird. In den Küstenregionen stehen gern Meeresfrüchte und Fisch auf dem Tisch. Im Landesinneren wird das Festtagsmenü von iberischen Wurstwaren, Braten und anderen Fleischspeisen bestimmt. Während zum Essen vornehmlich Weine gereicht werden, erfolgt nach dem Menü ein Anstoßen mit Sekt oder Apfelwein.

Die Süßspeisen werden durch Zutaten wie Honig, Mandeln, Früchte und Schokolade dominiert. Traditionell wird zur Weihnachtszeit das Mandelgebäck Turrón gereicht, von dem es inzwischen die unterschiedlichsten Variationen gibt. Beliebt sind ferner geformte Figuren aus Marzipan, Schmalzgebäck bzw. Mantecados und Mürbegebäck bzw. Polvorónes.

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