Pablo Picasso – der Künstler, den die Frauen vergötterten

Der am 25. Oktober 1881 in Málaga geborene Pablo Ruiz Picasso ist Spaniens bekanntester Künstler und vermutlich der berühmteste Künstler des Planeten. Dazu haben ihn nicht zuletzt seine zahllosen Frauengeschichten gemacht. 
Pablo Picasso Frauen
Statue von Pablo Picasso vor seinem Geburtshaus in Málaga ( pabkov / Depositphotos.com )

Pablo Picasso – Málagas berühmtester Sohn

Ein Arzt soll Picasso in jungen Jahren geraten haben, viel Sex zu erleben und guten Wein zu trinken. Diesen Rat hat er bis zu seinem Tod im Alter von 92 Jahren beherzigt. In der Kunstszene am besten bekannt sind sieben Frauen, die ihn als Lebensabschnittsgefährtinnen eine Zeit lang begleiten durften und ihn zu bedeutenden Werken seines künstlerischen Schaffens inspiriert haben. Weitgehend unbekannt geblieben sind viele Hundert Frauen, die er zeitgleich oder zwischen den Zeiträumen, die er mit seinen »Hauptfrauen« (sie sind im Text fett hervorgehoben) verbracht hat, vernaschte.

Aus seinen Ehen und Affären gingen drei Kinder hervor und natürlich auch Auseinandersetzungen mit seinen »Verflossenen«. Da Picasso schon zu seinen Lebzeiten mit seiner Kunst enorm viel Geld verdiente, war das zumindest finanziell für ihn kein Problem.

Der junge Picasso in Barcelona

Ohne diese promiskuöse Lebensweise wäre Picassos künstlerisches Werk nicht so geworden wie wir es kennen und so sehr schätzen. Mit 15 Jahren verlor Picasso in Barcelona seine Unschuld. Mit 19 spannte er seinem impotenten Freund Carlos Casagemas die Tänzerin Germaine Gargallo aus, ohne zu wissen, dass Casagemas in sie verliebt war. Das führte zu Casegemas Selbstmord und inspirierte Picasso zu seiner Blauen Periode, in der er Bettler und Säufer mit schmuddeligen Farben darstellte. Das Bild »Evokation – das Begräbnis Casagemas«, welches Picasso 1901 malte, gilt als das erste Bild seiner Blauer Periode.

Zu Beginn seiner Künstler-Karriere pendelte Picasso mehrmals zwischen Spanien und Paris. Seit 1904 blieb er aber in Paris in einem ärmlichen Künstler-Atelier auf dem Pariser Montmartre. Eine Madeleine war dort sein Modell und seine Geliebte. Sie bekam ein Kind, das sie abtreiben ließ. Mehrere Gemälde mit Madeleine sind bekannt, darunter das Bild »Mutter mit Kind«. In den Bildern hat Picasso offenbar verarbeitet, wie es hätte sein können, wenn er ein Kind gehabt hätte. Was aus Madeleine wurde, ist unbekannt.

Fernande Olivier – Picassos erste große Liebe

Picassos erste ernsthafte Liebe war das Künstler-Modell Fernande Olivier, die er 1905 kennen lernte und deren unorthodoxer Lebensstil eine willkommene Abwechslung zu den streng religiösen spanischen Frauen und den Prostituierten darstellte, mit denen Picasso sich bis dahin herumgetrieben hatte.

Die geschiedene Frau begeisterte sich für die Malerei der Impressionisten. Fernandes weibliche Rundungen inspirierten Picassso zu seiner Rosa Periode, in der er in warmen Farben heitere Szenen mit Harlekinen und Clowns malte. Fernande verewigte er in dem Ölgemälde »La Toilette« und in Bronze gegossen als »Tete de Femme«.

1906 malte er eines seiner Hauptwerke, das große Gemälde »Les Demoiselles d’Avignon«. Mit diesem Bild leitete Picassso seine kubistische Periode ein, genannt »Periode nègre«. Picasso schloss Freundschaft mit den Malern Braque und Matisse. Der Galerist Kahnweiler wurde auf Picasso aufmerksam und förderte ihn. So konnte er 1909 in eine Atelierwohnung am Boulevard de Clichy umziehen. Ab 1910 wurden Picassos Werke auch im Ausland bekannt und ausgestellt.

Wenn er das Haus verließ hat Picasso Fernande oft eingesperrt, nur um sich 1912 ihrer Freundin Eva Gouel zuzuwenden. Eva widmete er das Gemälde »Frau mit Gitarre«.

Picasso hatte Glück, dass er als Spanier nicht für Frankreich in den Ersten Weltkrieg ziehen musste. Sein Freund Braque wurde im Krieg als Soldat schwer verwundet.

Eva verstarb 1915 an Tuberkulose. Im gleichen Jahr starb auch Picassos Vater. Obwohl Picasso wegen Evas Krankheit am Boden zerstört war, hatte er die Kraft zu einer Affäre mit einer Gaby Depeyre, während Eva bereits in einer Heilanstalt mit dem Tode rang.

1918 – Hochzeit und Weltruhm

Während eines Aufenthalts in Saint-Tropez im Jahr 1916 erklärte Picasso Gaby seine Liebe. Sie wies ihn jedoch ab und heiratete ein Jahr später den amerikanischen Künstler Herbert Lespinasse.

Kurz nachdem Gaby Picasso den Laufpass gegeben hatte, verliebte er sich in Irene Lagut. Die beiden wollten Ende des Jahres heiraten, sie entschied sich aber dann doch für ihren vorherigen Freund, einen russischen Großherzog. Vielleicht, weil Picasso im Sommer 2016 parallel eine mehrmonatige Affäre mit der 20-jährigen Schauspielerin Paquerette genoss?

Noch in der Trauerzeit um Eva unternahm Picasso eine Reise nach Rom, um dort Bühnenbilder für eine Ballettaufführung anzufertigen, wobei er die russische Ballerina Olga Khokhlova kennenlernte. 1918 heiratete er Olga. Sie gebar ihm seinen ersten Sohn Paolo, was ihn zu seinen Gemälden mit Säuglingen an Frauenbrüsten inspirierte. Diese Dame war wahnsinnig eifersüchtig und gestattete ihm wenige Freiheiten.

Seit 1918 wurden Picassos Bilder weltweit von den Galeristen Paul Rosenberg und Georges Wildenstein vermarktet. Picasso lebte nun als »Malerfürst« mit eigenem Chauffeur.

Ab 1923 interessierte Picasso sich für den Surrealismus. Die sexuelle »Sauregurkezeit« inspirierte ihn zu seinen Gemälden mit grotesk angeordneten weiblichen Körperteilen. Im gleichen Jahr hatte er erneut eine Affäre mit Irene Lagut, die ihn Ende 1916 sitzengelassen hatte.

Olga Khokhlova Picasso
Olga Khokhlova in Picassos Atelier, Montrouge, Frühjahr 1918 ( © Public Domain )

Auftritt Marie-Thérèse

Picasso fand wieder jugendliche Abwechslung, als er 1927 im Alter von 46 Jahren die 17-jährige blonde Marie-Thérèse Walter vor einem Pariser Kaufhaus kennen lernte. Die neue Liebe hielt er lange geheim und verewigte sie 1932 in dem leicht surrealistischen Bild »Frau mit Blume«. Seit 1930 war sie sein Modell.

Mit Marie-Thérèse zeugte er seine Tochter Maya. Daraufhin verlangte seine Frau Olga die Scheidung. Nach französischem Recht hätte Picasso Olga die Hälfte seines Vermögens abtreten müssen. Dazu hatte er keine Lust und blieb daher bis zu ihrem Tod 1955 mit Olga verheiratet. Olga nahm es nicht mit Humor, sondern überschüttete Picasso nach ihrer Trennung mit Hassbriefen.

Picasso war ein Fan des spanischen Stierkampfs. Ab 1928 begann Picasso Stiere zu malen, surrealistisch abgewandelt als Minotauren. Das sind menschliche Körper mit Köpfen von Stieren. 1933 zierte ein Minotaurus von Picasso das Deckblatt der ersten Nummer des surrealistischen Künstlermagazins »Minotaure«. Ein beliebtes Motiv von Urlaubsmitbringseln sind seine Tuscheskizzen von Stieren, deren Leichtigkeit der Strichführung die bullige Gestalt des Stieres konterkariert.

Guernica

Am 26. April 1937 bombardierten Sturzkampfbomber der deutschen Legion Condor die baskische Stadt Guernica. Die Deutschen unterstützten General Franco im Spanischen Bürgerkrieg gegen die linke Volksfront-Regierung.

Picasso war von der Bombardierung so entsetzt, dass er ein großes surrealistisches Monumentalgemälde, an dem er bereits seit einem Jahr arbeitete, flugs umbenannte in »Guernica«. Das Bild wurde im Juli 1937 als Wandgemälde auf der Weltausstellung in Paris ausgestellt. Es hängt heute im Museum Reina Sofia in Madrid.

Eine Kopie kann man an einer Hauswand im andalusischen Istán besichtigen:

Guernica Picasso
Das Gemälde »Guernica« von Picasso in Istán ( Foto: Wolfgang Zöllner )

Die republikanische spanische Regierung ernannte Picasso 1937 für seinen Einsatz gegen die Faschisten in Abwesenheit zum Direktor des Madrider Prado-Museums. In Frankreich hatte Picasso während des Zweiten Weltkriegs Ausstellungsverbot. Er lebte bis zur Befreiung im Sommer 1944 in Paris. Im gleichen Jahr wurde er Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs und blieb es bis zu seinem Lebensende. Die Kommunisten nahmen dem schwerreichen Künstler seine Gesinnung nicht so recht ab, besonders da Picasso nicht an die Untrennbarkeit von Politik und Kunst glaube.

Nach Aussage eines Freundes war Marie-Thérèse die größte Liebe im Leben von Picasso. Man erkennt es auch daran, dass ihre Statue später auf das Grab von Picasso gestellt wurde.

Marie-Thérèse vs. Dora

Dennoch hielt auch die heiße Liebe zu Marie-Thérèse nicht ewig. Picasso begann ein jahrelang geheim gehaltenes Verhältnis mit der französischen Fotografin Dora Maar. So entstand 1941 das Porträt »Dora Maar mit Katze«. Aus Liebe zu Picasso gab Dora die Fotografie auf und wurde selbst Malerin. Es dauerte lange, bis sie in der Kunstwelt als eigenständige Künstlerin wahrgenommen wurde.

Zufällig begegneten sich Dora und Marie-Therese eines Tages in Picassos Atelier. Picasso forderte beide Frauen auf, untereinander auszufechten, wer von ihnen bei ihm bleiben würde und ihm das Ergebnis dann mitzuteilen. Dora ging aus der Auseinandersetzung als Siegerin hervor. Marie-Thérèse zog aus und Dora zog ein. Die Auseinandersetzung inspirierte Picasso zu seinem Werk »Vögel in einem Käfig«. In diesem Gemälde kämpft eine schwarze Taube (Dora) mit einer weißen Taube (Marie-Thérèse).

Mit Françoise an die Cote d’Azure

Als Picasso 1943 mit seiner neuen Muse, der 21-jährigen Françoise Gilot ins Bett ging, war er 61. Dora erlitt einen Nervenzusammenbruch und suchte Trost in der Religion, nach der Devise: »Nach Picasso kann es nur noch Gott geben“. Nach einem Sturz in ihrem Haus starb Dora Maar 1997 in Paris.

Françoise Gilot schenkte Picasso zwei Kinder: Claude und Paloma. Die Familie zog 1948 nach Vallauris an der Cote d’Azure. Dort experimentierte Picasso mit Keramik.

Mit seiner Kunst verärgerte Picasso Politiker verschiedener Richtungen. Das Gemälde »Massaker in Korea«, das 1951 entstand, verärgerte die Amerikaner, ein Porträt Stalins verärgerte die Sowjetunion, denn seine Malweise galt dort als dekadent. Dennoch konnte Ilja Ehrenburg 1956 in Moskau eine große Picasso-Ausstellung durchsetzen. 1949 entwarf Picasso sein berühmtes Plakat mit einer Friedenstaube für den Pariser Weltfriedenskongress.

1955 kaufte Picasso die Villa La Californie in Cannes. Unglücklicherweise wohnte dort in der Nachbarschaft seine psychisch labile Noch-Ehefrau Olga, die in das Anwesen der Picassos einbrach und Francoise physisch attackierte.

Derweil vergnügte Picasso sich mit anderen Frauen. Francoise hasste diese Seitensprünge, doch Picasso versicherte ihr, Frauen seien nun mal Maschinen der Leidensfähigkeit. Françoise gelang es, einigermaßen unbeschadet die Konsequenzen zu ziehen, als die 26-jährige Keramikverkäuferin Jaqueline Roque ab 1953 in ihr Eheleben eindrang. Jaqueline wurde von Picasso verewigt in den Gemälden »Bildnis Madame Z« und »Jaqueline im Atelier«. 1955 starb Olga an Krebs.

Ehefrau Nummer Zwei

1961 wurde Jaqueline Picassos nächste Ehefrau. Sie zog mit ihm nach Mougins bei Cannes und versuchte, das Werk des 70-jährigen als Sekretärin zu ordnen. Jaqueline verbannte Picassos Kinder und Enkel von ihrem Grundstück und hatte überhaupt keine Lust, ihren Mann mit jemand anderem zu teilen.

Künstlerisch wurde Picasso dadurch wieder auf seine Blaue Periode zurückgeworfen. Er malte ca. 400 Bilder von Jaqueline. 1963 wurde in Barcelona das Museu Picasso eröffnet, welches später den Großteil von Picassos Nachlass erhielt. 1964 veröffentliche Françoise Gilot gegen den Willen Picassos das Buch »Leben mit Picasso«. Dadurch kam es zum Zerwürfnis zwischen Picasso und seinen Kindern Claude und Paloma, die aus der Verbindung mit Françoise Gilot stammten.

Jaqueline Roque war die einzige Frau, die in der Lage war, eine gewisse Kontrolle über Picasso auszuüben. Als Picasso 1973 in seinem Haus in Mougins starb, war Jaqueline an seiner Seite. Picasso wurde im Garten seines Schlosses in Vauvenargues beerdigt.

Jaqueline verweigerte Picassos Kindern Claude und Paloma sowie Pablito, dem Enkel von Picasso aus der Ehe mit Olga Khokhlova und Sohn von Pablo die Teilnahme an der Beerdigung. Pablito war deswegen so verstört, dass er eine Flasche Bleichmittel austrank, woran er drei Monate später verstarb.

Picassos Erben beglichen die Erbschaftssteuer mit Kunstwerken, die den Grundstock für das Picasso-Museum in Paris bildeten. 1986 erschoss sich Jaqueline Roque, weil sie ohne den »Gott« an ihrer Seite nicht mehr leben wollte.

2003 errichteten Verwandte von Picasso das Picasso-Museum in Málaga. Picassos Werk wird auf ca. 50.000 Exponate geschätzt, darunter 1.885 Gemälde, 7.089 Zeichnungen, 30.000 Drucke, 1.228 Skulpturen und 3.222 Keramiken. Picassos Wahlspruch lautete: »Beim Malen bedeutet Suchen meines Erachtens gar nichts. Auf das Finden kommt es an«.

Derzeit wäre Picasso möglicherweise eine Zielperson der feministischen Me-Too Bewegung, die schon andere namhafte Personen der Kunstszene zur Strecke gebracht hat. Dabei wollte Picasso nie Macht über Frauen ausüben. Er benutzte sie lediglich als Lebenselixier für seine geniale Fantasie. Welche Feministin würde heute in einem der bedeutendsten Museen der Welt hängen und dadurch unsterblich geworden sein? Picasso hätte das verstanden.

Von Wolfgang Zöllner

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