Tag der Eroberung in Granada
Día de la Toma

Tag der Eroberung in Granada 2026
Während in Deutschland gerade die Weihnachtsdeko abgehängt wird, erlebt Granada am 2. Januar eines seiner bedeutendsten Feste: den Día de la Toma (Tag der Eroberung).
Seit über 530 Jahren wird an diesem Tag ohne Unterbrechung an die Übergabe der Stadt an die Katholischen Könige im Jahr 1492 erinnert – ein historisches Ereignis, das nicht nur Granada, sondern ganz Spanien veränderte.
Was genau wird da eigentlich gefeiert?
Am 2. Januar 1492 übergab Boabdil, der letzte Emir des Nasridenreichs, Granada an die Katholischen Könige Ferdinand II. von Aragón und Isabella I. von Kastilien. Damit endete die etwa 800 Jahre dauernde Reconquista – die christliche Rückeroberung der Iberischen Halbinsel.
Wichtig zu wissen: Granada wurde nicht militärisch erobert, sondern friedlich übergeben. Nach der Belagerung von 1491 einigten sich beide Seiten auf die »Capitulación de Granada«, einen Kapitulationsvertrag, der ursprünglich die Rechte der muslimischen Bevölkerung garantieren sollte.
Deshalb bevorzugen manche Granadinos heute die Bezeichnung »Fiesta de la Rendición« (Fest der Kapitulation) – sie ist historisch präziser.
So läuft die Zeremonie ab
Das Fest folgt seit Jahrhunderten einem festgelegten Ritual, das sich über den Vormittag erstreckt:
In der Capilla Real beginnt der Tag gegen 11 Uhr mit einer militärischen Formation auf dem Plaza del Carmen. In der Königlichen Kapelle übergibt der Capellán Real Mayor die Insignien der Könige an den jüngsten Stadtrat, der sich dafür traditionell in Frack und Zylinder des 19. Jahrhunderts kleidet. Es folgt eine stille Messe vor den Gräbern der Katholischen Könige sowie das dreimalige rituelle Schwenken des Pendóns.
Die Prozession zieht anschließend von der Capilla Real durch die Straßen Oficios, Gran Vía und Reyes Católicos zum Plaza del Carmen. Zivile und militärische Behörden bilden dabei eine feierliche Gruppe, begleitet von der Stadtkapelle und militärischer Eskorte.
Das Highlight am Rathaus ist die Tremolación gegen 13:40 Uhr. Vom Balkon des Rathauses ruft der Stadtrat »¡Granada!« und die Volksmenge antwortet »¿Qué?« (Was?).
Nach mehrfacher Wiederholung folgen Ausrufe wie »¡Viva España!«, »¡Viva el Rey!«, »¡Viva Andalucía!« und »¡Viva Granada!« – jeweils beantwortet mit »¡Viva!«. Das Banner wird dreimal geschwenkt: einmal zur spanischen Nationalhymne und zweimal zur andalusischen Hymne.
Das Pendón – ein Banner mit Geschichte
Das zentrale Symbol des Festes ist das Pendón. Interessanterweise ist das heute verwendete Banner nicht das Original von 1492 – dieses ist stark beschädigt und wird sorgfältig in der Schatzkammer der Capilla Real aufbewahrt.
Das aktuelle Pendón stammt aus dem 17. Jahrhundert, ist aus karminrotem Damast gefertigt und trägt die Wappen von Aragón, Sizilien, León und Kastilien. Trotz seines jüngeren Alters besitzt es einen enormen historischen Wert.
Die Torre de la Vela und ihre legendäre Glocke
Der spirituelle Ursprung des Festes liegt in der Torre de la Vela, dem Wachturm in der Alcazaba der Alhambra. Hier hissten am 2. Januar 1492 die Truppen der Katholischen Könige die christlichen Militärstandards – durchgeführt vom Kardinal González de Mendoza und Gutierre de Cárdenas.
In diesem Turm hängt eine massive Glocke, die 1773 von José Lorenzo Corona gegossen wurde. Mit ihr ist eine charmante Tradition verbunden: Junge Frauen, die die Glocke läuten, sollen im selben Jahr heiraten. Ein Spruch besagt:
Si eres mozuela y te quieres casar, el dos de enero la campana de la Vela debes tocar.
(Wenn du ein Mädchen bist und heiraten möchtest, musst du am 2. Januar die Glocke der Vela läuten.)
Die Alhambra-Alcazaba öffnet am 2. Januar traditionell für die Öffentlichkeit, damit Besucher die Glocke läuten und die Torre de la Vela besichtigen können.
Mehr als nur Geschichte
Das Fest ist heute weniger rein militärisch geprägt als früher. Die städtischen Behörden haben das Zeremoniell seit 1982 angepasst und das andalusische Bewusstsein integriert – daher die andalusische Hymne und die Rufe für Andalusien.
Die Granadinos selbst sehen das Fest unterschiedlich: Während die einen es als Feier eines bedeutenden historischen Moments betrachten, nutzen andere die Gelegenheit, die multikulturelle Geschichte ihrer Stadt zu würdigen – die jahrhundertelange Koexistenz christlicher und muslimischer Kulturen. Das Besondere: Diese Kontinuität über mehr als 530 Jahre ohne Unterbrechung ist in der europäischen Festkultur selten.
Der Día de la Toma ist mehr als ein historisches Spektakel. Er bietet dir die Möglichkeit, in die Seele Granadas einzutauchen und ein Stück lebendige Geschichte mitzuerleben, das seit einem halben Jahrtausend jedes Jahr aufs Neue zelebriert wird.
Día de la Toma
Granada
Provinz Granada, Andalusien
Spanien







