Andalusientag
Día de Andalucía

Andalusientag 2026
Stell dir vor, du schlenderst Ende Februar durch Sevilla, Granada oder Málaga, und plötzlich sind alle Balkone mit grün-weißen Fahnen geschmückt. Auf den Plätzen duftet es nach frischem Brot und Olivenöl, Kinder tragen bunte Flamenco-Kleider, und überall erklingt dieselbe Hymne.
Willkommen am Día de Andalucía – dem Tag, an dem die südlichste Region Spaniens ihre Autonomie und Identität feiert.
Am 28. Februar verwandelt sich ganz Andalusien in ein einziges Fest. Doch hinter der fröhlichen Stimmung steckt eine bewegte Geschichte, die eng mit dem Kampf um Selbstbestimmung und demokratische Werte verbunden ist.
Eine Volksabstimmung, die Geschichte schrieb
Der Día de Andalucía erinnert an das Referendum vom 28. Februar 1980, bei dem die Andalusier mit deutlicher Mehrheit für ihren Autonomiestatus stimmten. Es war der Höhepunkt eines politischen Prozesses, der bereits ein Jahr zuvor begonnen hatte – und das in einer Zeit, als Spanien gerade erst seine demokratischen Flügel ausbreitete.
Die Vorgeschichte ist dramatisch: Am 4. Dezember 1977, kurz nach Francos Tod, gingen etwa eineinhalb Millionen Andalusier auf die Straße und forderten Autonomie. Diese friedliche Demonstration endete tragisch mit dem Tod von Manuel José García Caparrós, einem Arbeiter aus Málaga, der erschossen wurde und zum Symbol der Autonomiebewegung wurde.
Ein Jahr später, 1978, unterzeichneten alle etablierten Parteien den »Pacto de Antequera« – ein Versprechen, die Autonomie schnellstmöglich zu verwirklichen. Als dann 1980 das entscheidende Referendum anstand, warb die Zentralregierung sogar in nationalen Medien für ein »Nein«. Doch die Andalusier ließen sich nicht beirren und stimmten mit klarer Mehrheit für ihre Autonomie.
Übrigens: Der 4. Dezember wurde 2022 zum »Día de la Bandera Andaluza« (Tag der andalusischen Flagge) erklärt – ein Tribut an jene historische Demonstration von 1977.
Blas Infante: Der Vater der andalusischen Identität
Wenn du am Día de Andalucía die grün-weiße Flagge wehen siehst oder die Hymne hörst, dann verdankst du das einem Mann: Blas Infante (1885–1936), dem Begründer des modernen andalusischen Nationalismus.
Die Flagge in ihrem charakteristischen dunklen Umayyadengrün und Weiß entwarf Infante bereits 1918. Die Farben sind nicht willkürlich gewählt – Grün steht für Hoffnung, Weiß für Frieden.
Davon singt auch die Hymne »La bandera blanca y verde« (Die grün-weiße Flagge), die 1933 mit Texten von Infante und Musik von José del Castillo Díaz entstand.
Die Melodie lehnt sich an »Santo Dios« an, ein religiöses Lied, das andalusische Bauern früher bei der Ernte sangen.
Das Originalmanuskript ging im Spanischen Bürgerkrieg verloren, wurde aber in den 1980er-Jahren von Manuel Castillo neu adaptiert – so, wie du die Hymne heute bei jeder offiziellen Feier hörst.
Hör dir die Hymne hier im Video an:
So wird der Día de Andalucía gefeiert
Der 28. Februar ist ein gesetzlicher Feiertag in Andalusien, und die Region macht richtig etwas daraus. Besonders Schulen und Familien lassen es sich nicht nehmen, diesen Tag gebührend zu feiern.
Grün-weiß, wohin das Auge reicht
In vielen Städten und Dörfern werden Balkone, Fassaden und ganze Straßenzüge mit grün-weißen Flaggen und Girlanden geschmückt.
Vor dem andalusischen Parlament in Sevilla findet ein offizieller Flaggenaufzug statt. Dieser visuelle Ausdruck regionalen Stolzes gehört einfach dazu.
Das andalusische Frühstück: einfach, aber symbolträchtig
Das Herzstück der Feierlichkeiten ist das Desayuno Andaluz – das andalusische Frühstück. Die klassischste Variante ist Pan con Aceite: geröstetes Brot, hochwertiges natives Olivenöl extra, eine Prise Salz – manchmal auch Zucker. Klingt simpel? Ist es auch, und genau das macht es zum perfekten Symbol für Andalusien.
Die Star-Variante ist das Mollete de Antequera: ein weiches, rundes Brot aus der Provinz Málaga, das leicht geröstet und mit Olivenöl, Tomaten, Serrano-Schinken oder Käse belegt wird. Seine Vielseitigkeit macht es zum regionalen Liebling.
Außerdem kommen je nach Ort und Rahmen auf den Tisch:
- Gazpacho oder Salmorejo
- Migas und Tapas
- Lokale Olivenöle
- Frittierter Fisch und Garnelen-Tortillas
Viele Gemeinden bieten bei öffentlichen Veranstaltungen kostenloses Brot mit Olivenöl an – eine schöne Geste und eine perfekte Gelegenheit, die andalusische Gastfreundschaft zu erleben.
Offizielle Zeremonien mit Herz
Die Regionalregierung nutzt den Tag, um bedeutende Persönlichkeiten mit den »Medallas de Andalucía« auszuzeichnen und sie zu »Hijos Predilectos de Andalucía« (Lieblingssöhne und -töchter Andalusiens) zu ernennen.
Die großen Städte machen richtig Theater
In den andalusischen Metropolen wird der Día de Andalucía besonders ausgiebig gefeiert:
Sevilla, die Hauptstadt, organisiert große Umzüge durch das Zentrum mit bunten Wagen, traditionellen Kostümen und Live-Musik. Die Stadt zeigt sich von ihrer festlichsten Seite.
Granada setzt auf Flamenco-Aufführungen und traditionelle Feste, bei denen auch das kulinarische Erbe im Mittelpunkt steht.
Antequera in der Provinz Málaga ist ein ganz besonderer Ort für diesen Feiertag. Hier wurde 1978 der historische »Pacto de Antequera« unterzeichnet. Der Plenarsaal des Rathauses – ein beeindruckender Palast mit hohen Decken und andalusischem Innenhof – war Schauplatz dieser wichtigen Zeremonie. Am Día de Andalucía finden hier feierliche Veranstaltungen und die Verleihung der »Efebos de Antequera« statt, die traditionell mit der Hymne enden.
Casares in der Provinz Málaga ist die Heimat von Blas Infante und damit ein bedeutender Pilgerort für alle, die dem »Vater Andalusiens« die Ehre erweisen möchten.
Tipps für deinen Besuch am Día de Andalucía
Wenn du Ende Februar in Andalusien bist, solltest du diese Chancen nutzen:
- Informier dich vorab auf den städtischen Webseiten und bei den Touristeninformationen über lokale Veranstaltungen. Die Programme sind oft prall gefüllt.
- Museen und Monumente bieten häufig freien oder ermäßigten Eintritt an.
- Traditionelle Märkte und gastronomische Feste auf öffentlichen Plätzen laden zum Schlemmen und Entdecken ein.
- Flamenco-Peñas und Tablaos bieten oft Sonderaufführungen an. Authentischer geht es kaum.
Mehr als nur ein Feiertag
Der 28. Februar zeigt den warmen und lebensfrohen Charakter der Andalusier in seiner ganzen Fülle. Egal, ob du hier lebst oder als Reisender kommst: An diesem Tag spürst du die Seele Andalusiens besonders intensiv.
Es ist eine Einladung, Teil von etwas Größerem zu sein – einer Gemeinschaft, die auf ihre Geschichte stolz ist und ihre Identität mit ansteckender Freude feiert.
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