Feria de la Manzanilla in Sanlúcar
Feria de la Manzanilla

Feria de la Manzanilla in Sanlúcar 2026
bisWenn die Tage in Andalusien länger werden und die ersten Sommerabende den Guadalquivir golden färben, verwandelt sich Sanlúcar de Barrameda in einen einzigen großen Festplatz.
Die Feria de la Manzanilla – auch schlicht Feria de Sanlúcar genannt – gehört zu den charmantesten und entspanntesten Volksfesten Andalusiens.
Sie trägt den Namen des berühmten Weins, der in den Bodegas der Stadt heranreift, und feiert genau das, wofür Sanlúcar steht: guten Sherry, frische Meeresfrüchte, Pferde, Flamenco – und das einmalige Licht über der Mündung des Flusses.
Eine Feria mit langer Geschichte
Die Wurzeln des Festes reichen weit zurück. Schon im 13. Jahrhundert soll in Sanlúcar ein Markt für Vieh und Handelswaren stattgefunden haben – also lange bevor von Sherry oder Tourismus die Rede war.
Den entscheidenden Schritt zur heutigen Feria machte die Stadt im Jahr 1929: Damals fand die erste »Fiesta de la Manzanilla« statt, ein Wettbewerb, bei dem die wichtigsten Bodegas ihre Marken präsentierten. Der Sherry rückte ins Zentrum des Geschehens – und blieb dort.
1972 verlegte die Stadtverwaltung das Fest auf seinen heutigen Platz am Paseo de la Calzada (offiziell Calzada Duquesa Isabel), unmittelbar an der Strandpromenade. Seitdem trägt das Fest seinen heutigen Namen und sein heutiges Gesicht: ein eigenes Festgelände, Hunderte Casetas und ein Eingangstor (die »Portada«), das jedes Jahr neu gestaltet wird.
Wann findet die Feria de la Manzanilla statt?
Einen festen Termin im Kalender hat die Feria nicht – sie richtet sich nach dem kirchlichen Festkalender, genauer gesagt nach der Romería de El Rocío und Fronleichnam (Corpus Christi). Als Faustregel kannst du dir merken:
- Die Feria findet meist in der zweiten Maihälfte oder den ersten Juniwochen statt.
- Sie dauert in der Regel fünf bis sechs Tage, von Dienstag oder Mittwoch bis Sonntag.
- Den Auftakt bildet das »Alumbrado«, das festliche Einschalten der Lichter am Eingangstor – meist gegen 22 Uhr.
- Der Tag nach dem Fest ist in Sanlúcar offiziell ein lokaler Feiertag, der schöne Name dafür: »Lunes de Resaca« – Kater-Montag.
Einen verbindlichen Termin veröffentlicht die Stadtverwaltung üblicherweise einige Monate vorher. Wer plant, sollte sich also bei der Hotelsuche nicht zu spät dranmachen – Sanlúcar ist während der Feria gut gebucht.
So tickt die Feria – das Festgelände
Der Recinto Ferial liegt direkt am Wasser, mit Blick über den Guadalquivir auf den Nationalpark Coto de Doñana. Diese Lage ist es, die der Feria ihren besonderen Charakter gibt: Während du in den Casetas Manzanilla trinkst, geht hinter den Dünen die Sonne unter – das hat keine andere Feria in Andalusien zu bieten.
Auf dem Gelände erwartet dich ein bunter Mix aus:
- über 200 Casetas (Festzelte), in denen gegessen, getrunken und getanzt wird
- einer Pferdepromenade (Paseo de Caballos), bei der Reiter und Kutschen am Nachmittag das Festgelände bevölkern
- Konzerten, Sevillanas-Vorführungen und Flamenco-Auftritten
- einem klassischen Rummel mit Fahrgeschäften – die »Cacharritos« sind besonders bei Familien mit Kindern beliebt
- Wahlen und Wettbewerbe – etwa die Prämierung der schönsten Casetas oder der traditionellen Tracht
Ein großer Pluspunkt im Vergleich zur viel bekannteren Feria de Abril in Sevilla: Die Casetas in Sanlúcar sind fast alle öffentlich zugänglich. Du brauchst keine Einladung, sondern gehst einfach rein, bestellst an der Theke und feierst mit. Genau das macht die Feria de la Manzanilla zu einem der ehrlichsten und volkstümlichsten Feste Andalusiens.
Manzanilla – der Star des Festes
Ohne Manzanilla keine Feria. Der Wein, dem das Fest seinen Namen verdankt, gehört zur Familie der Sherry-Weine und reift unter einer Hefeschicht, der sogenannten »Flor«.
Dass er ausschließlich in Sanlúcar de Barrameda hergestellt werden darf, ist keine Folklore, sondern in der Herkunftsbezeichnung (Denominación de Origen) festgelegt: Erst das feuchte, salzige Mikroklima an der Mündung des Guadalquivir gibt der Manzanilla ihren typisch trockenen, leicht salzigen Charakter.
Während der Feria öffnen viele Bodegas ihre Türen, betreiben eigene Casetas und schenken ihre aktuellen Abfüllungen aus. Klassische Namen, die du auf dem Festgelände immer wieder lesen wirst: Barbadillo, La Gitana, Argüeso oder Delgado Zuleta.
Wer es weniger trocken mag, bestellt einen Rebujito – die in ganz Andalusien beliebte Mischung aus Manzanilla und Zitronenlimonade, perfekt für die warmen Nachmittage.
Gastronomie: Das Beste vom Atlantik
Sanlúcar trug 2022 den Titel Spaniens Gastronomie-Hauptstadt, und das schmeckst du auf der Feria in jeder Caseta. Klassiker, die du dir nicht entgehen lassen solltest:
- Langostinos de Sanlúcar – die berühmten Garnelen aus der Region, schlicht gekocht und gesalzen
- Pescaíto frito – frittierter Mischfisch, knusprig und leicht
- Tortillitas de camarones – hauchdünne Krabben-Pfannkuchen
- Papas aliñás – warmer Kartoffelsalat mit Zwiebeln, Petersilie und gutem Olivenöl
- frische Muscheln und Meeresfrüchte aus dem Atlantik
Das Ganze schmeckt am besten genau so, wie es die Sanluqueños machen: an einer Stehtheke, mit einer kalten Manzanilla in der Hand und Sevillanas-Musik im Ohr.
Stierkämpfe und Pferde
Wie viele andalusische Ferias hat auch die Feria de la Manzanilla einen taurinen Programmpunkt: Im Plaza de Toros El Pino, einer der ältesten erhaltenen Stierkampfarenen Andalusiens, finden während des Festes Corridas und Novilladas statt.
Stierkämpfe sind in Spanien gesellschaftlich umstritten und nicht jedermanns Sache – wer das Spektakel meiden möchte, hat auf dem Festgelände trotzdem reichlich zu sehen und zu erleben.
Untrennbar mit der Feria verbunden sind außerdem die Pferde. Sie ziehen am Nachmittag in geschmückten Kutschen über das Festgelände, ihre Reiter im klassischen »Traje corto« mit breitkrempigem Hut – das Bild Andalusiens schlechthin.
Hinweis: Mit der Feria de la Manzanilla nicht zu verwechseln sind die berühmten Carreras de Caballos, die Pferderennen am Strand von Sanlúcar. Diese finden im August statt und sind ein eigenes Event.
Anfahrt nach Sanlúcar de Barrameda
Sanlúcar liegt an der Costa de la Luz, genau dort, wo der Guadalquivir in den Atlantik mündet. Die Anfahrt ist unkompliziert:
- Von Cádiz bist du über die A-4 und A-480 in rund 40 Minuten am Ziel.
- Von Jerez de la Frontera sind es über die A-480 etwa 30 Fahrminuten.
- Die nächsten Flughäfen sind Jerez (XRY) und Sevilla (SVQ).
Während der Feria sind Parkplätze rund um das Festgelände schnell voll. Wer kann, lässt das Auto am Hotel stehen und kommt zu Fuß – das Zentrum von Sanlúcar ist überschaubar und das Festgelände bequem zu erreichen.
Praktische Tipps für deinen Besuch
- Frühzeitig buchen: Während der Feria sind Hotels und Ferienhäuser in Sanlúcar und im nahen Chipiona oft Wochen vorher ausgebucht.
- Tagsüber chillen, abends feiern: Die Feria läuft sieben Tage am Stück, das Hauptgeschehen findet aber nachmittags und nachts statt. Plane deinen Tag entsprechend.
- Casual reicht: Du musst dich nicht in Schale werfen. Wer möchte, trägt das traditionelle »Traje de Flamenca«, aber auch ganz normal lockere Sommerkleidung passt.
- Wasser dabei: Manzanilla ist süffig, das Wetter warm – zwischendurch ein Glas Wasser hilft.
- Familienfreundlich: Anders als manch große Feria gilt Sanlúcar als entspannt und sicher, mit viel Platz und einer ruhigen, familiären Atmosphäre.
Mehr als nur ein Fest
Die Feria de la Manzanilla ist kein Mega-Event wie die Feria de Abril in Sevilla – und genau das ist ihr Charme. Sie ist kleiner, ruhiger, näher dran am echten Leben Andalusiens.
Wer Sanlúcar zur Festzeit besucht, bekommt ein Stück Cádiz pur: Sherry aus dem Glas, Garnelen auf dem Teller, Pferdehufe auf der Calzada – und über allem das warme Licht über dem Guadalquivir. Mehr Andalusien geht eigentlich nicht.
Feria de la Manzanilla
11540 Sanlúcar de Barrameda
Provinz Cádiz, Andalusien
Spanien







