Spanien ist jetzt der größte Rotwein-Exporteur der Welt

Im Jahr 2017 hat Spanien 22,8 Millionen Hektoliter Rotwein exportiert, gefolgt von Italien mit 21 Millionen und Frankreich mit 15 Millionen. Spanien hat mit 1 Million Hektar die größte Weinanbaufläche, dicht gefolgt von China.

Allerdings haben die Franzosen und Italiener mit ihrem Wein weit mehr verdient als die Spanier. Frankreich verkauft den Liter im Durchschnitt für 6 Euro, Australien für 3,10 Euro, Italien für 2,78 Euro und Chile für 1,89 Euro.

Spanien hingegen begnügt sich mit 1,25 Euro und wird dabei nur noch von Südafrika unterboten mit 1,23 Euro. Wenn 1,25 Euro der Durchschnittspreis ist, was kostet dann wohl der billigste spanische Wein? Ob der dann überhaupt genießbar ist, möchte man lieber nicht wissen.

Am meisten Geld verdienen die Spanier mit ihren Rotweinen in Deutschland, USA und China, während mengenmäßig der meiste spanische Rotwein nach Frankreich, Deutschland und Portugal geliefert wird.

Spanischer Rotwein hat ein Billig-Image Problem. Nur Rioja hat sich einen Ruf als Qualitätswein erarbeitet. Er darf nicht in Tanklastwagen transportiert werden, sondern ausschließlich in Flaschen. Rioja besteht zu 50% aus der Rebsorte Tempranillo, der Rest ist ein Verschnitt aus anderen Rebsorten. Ribera del Duero ist ein weiteres kleines Anbaugebiet, das sich langsam ein Qualitäts-Image erarbeitet.

Proteste französischer Winzer

Das Gros der exportierten spanischen Rotweine stammt aus Kastilien-La Mancha. In Frankreich und Italien werden diese mit französischen und italienischen Weinen gemischt – auch mit unterschiedlichen Rebsorten – und an die Supermarktketten abgegeben, ohne dass das auf den Flaschen-Etiketten ausgewiesen wird. Das ist in der EU legal, solange bei der Zumischung nicht bestimmte Prozentsätze überschritten werden. In Deutschland dürfen es 15% sein.

Man nennt den Vorgang blumig »Verschnitt« und das Endprodukt Cuvée. In Europa gibt es ein Nord-Süd Gefälle: Je südlicher, desto mehr Cuvées. Wenn ein Cuvée aus mehr als zwei Rebsorten besteht, dann dürfen diese nicht vorne auf dem Etikett genannt werden! Wenn du Glück hast, findest du die Namen im Kleingedruckten auf der Rückseite.

Wegen des Preisverfalls der spanischen Billigweine profitieren von der Ausweitung ihrer Anbauflächen nicht die spanischen Winzer, sondern die französischen Massenproduzenten, die ihren gemischten Wein als französisches Qualitätsprodukt zum doppelten Preis nach Übersee verkaufen.

Die kleinen bodenständigen französischen Winzer erfüllt die Panscherei mit spanischem Billig-Rotwein durch die französischen Großabfüller mit Wut. Immer mal wieder kommt es in Südfrankreich zu Überfällen auf spanische Tanklastwagen, deren Weinladung in die Landschaft abgelassen wird. Im August 2016 verursachten französische Winzer des »Regionalkomitees Aktion Weinbau« in der Stadt Sète im französischen Languedoc-Roussillon eine Sintflut, als sie 50.000 Liter spanischen Rotweins aus fünf Tankwagen des Großhändlers Biron auf die Straßen abließen.

Fragwürdigje Agrarsubventionen

Das Ganze wird von der EU noch kräftig subventioniert. Bei den jährlich 65 Milliarden Euro welche die EU für Agrarsubventionen ausgibt, ist Spanien ist nach Polen der zweitgrößte Empfänger. Während zwischen 2008 und 2016 für 900.000 spanische Kleinbauern nur 44.000 Euro pro Betrieb abfielen, kassierten die sechzig reichsten spanischen Großgrundbesitzer in dieser Zeit zusammen 250 Millionen Euro von der EU.

Unter den Empfängern befindet sich die andalusische Familie Mora Figuera, die bei einem geschätzten Vermögen von 800 Millionen Euro Agrarsubventionen von 50 Millionen Euro einstrich. Der bekannte Sherry-Produzent Domecq (Vermögen 400 Millionen Euro) bekam 37 Millionen Euro EU Agrarbeihilfen. Zur Familie Domeq gehört der ehemalige spanische PP-Politiker und Landwirtschaftsminister und jetzige EU Kommissar für Umwelt und Energie Miguel Arias Cañete (verheiratet mit Micaela Domecq Solis-Beaumont), der für seinen eigenen landwirtschaftlichen Betrieb 1,8 Millionen Euro kassierte.

Auch die Familie Mercadona gehört zu den von der EU großzügig Beschenkten. Besonders viel EU Geld fließt in die Wasserwirtschaft. So werden in Spanien Weinanbauflächen bewässert, die das gar nicht nötig hätten, was zur weiteren Verknappung des Trinkwassers in Spanien führt.

Na dann: Prost!

Von Wolfgang Zöllner

Verfasst am 19. April 2018
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