Wallfahrt Virgen de la Cabeza in Andújar
Romería de la Virgen de la Cabeza

Wallfahrt Virgen de la Cabeza in Andújar 2026
Wer einmal erlebt hat, wie Zehntausende Menschen in andalusischer Tracht, zu Pferd oder zu Fuß, durch die Sierra Morena pilgern, vergisst das so schnell nicht mehr.
Die Romería de la Virgen de la Cabeza in Andújar ist kein gewöhnliches Volksfest – sie ist eine der ältesten und bedeutendsten Wallfahrten Andalusiens, seit 1980 als Fiesta de Interés Turístico Nacional anerkannt und seit 2013 als immaterielles Kulturgut im Patrimonio Histórico Andaluz eingetragen.
Eine Erscheinung in der Sierra Morena
Der Überlieferung nach fand in der Nacht vom 11. auf den 12. August 1227 ein Hirte aus Colomera, Juan Alonso Rivas, auf den Höhen der Sierra Morena ein Bildnis der Jungfrau. Er hatte einen gelähmten Arm – und als er die Erscheinung erblickte, war dieser auf wundersame Weise geheilt. Die Heilige Jungfrau äußerte den Wunsch, dass an diesem Ort eine Kapelle errichtet werden solle. Der Hirt stieg ins Tal hinab und berichtete den Bewohnern Andújars von dem Ereignis.
Die »Königin der Sierra Morena«, wie sie im Volksmund genannt wird, gilt heute als eine der bedeutendsten Marienverehrungen Spaniens. Im Jahr 2009 wurde sie als erste Marienstatue Spaniens überhaupt mit der Goldenen Rose von Papst Benedikt XVI. ausgezeichnet.
Das heutige Heiligtum wurde zwischen 1287 und 1304 errichtet. Seit 1930 wird es von Trinitariern betreut. Es liegt auf dem sogenannten Cerro del Cabezo, rund 32 Kilometer nördlich von Andújar, mitten im Naturpark Sierra de Andújar.
Spaniens älteste Wallfahrt
Im 17. Jahrhundert zählte die Romería de la Virgen de la Cabeza zu den bedeutendsten gesellschaftlichen Ereignissen ganz Spaniens – so bedeutend, dass Miguel de Cervantes sie 1617 in seinem Werk »Los trabajos de Persiles y Sigismunda« verewigte.
Die Verehrung reichte je nach Epoche weit über Andalusien hinaus: Cofradías und Peñas Marianas finden sich heute in Kastilien-La Mancha, Madrid und Katalonien.
Die Romería gilt als die größte Pilgerfahrt Andalusiens nach El Rocío und zieht Jahr für Jahr bis zu 250.000 Menschen an.

So läuft die Romería ab
Die Wallfahrt ist kein einzelner Moment, sondern ein ganzes Wochenende – mit eigenem Rhythmus und festen Ritualen für jeden Tag.
Freitag: Am Freitagnachmittag werden die Cofradías filiales – die Bruderschaften aus anderen Städten – in Andújar empfangen. Die Real Cofradía Matriz de Andújar und der Bürgermeister begrüßen sie in den Jardines de Colón. Anschließend zieht die Prozession durch die Hauptstraßen bis zum Rathaus, wo gemeinsam eine Salve gesungen wird.
Samstag: Am Samstagmorgen zieht die Cofradía Matriz mit Reitern, Reiterinnen, Maultieren und Sänften durch die Straßen Andújars.
Dann beginnt die eigentliche Pilgerreise: Zu Fuß, zu Pferd, auf Maultieren oder in Ochsenkarren legen die Romeros die rund 24 Kilometer zurück, die von der Campiña hinauf zum Santuario führen. Unterwegs schließen sich immer mehr Karren und Gruppen aus anderen Orten dem Zug an.
Sonntag – der große Tag: Mit dem Sonnenaufgang beginnt der feierliche Höhepunkt der Romería. Die Cofradías von Colomera und Andújar leiten die Messe am Vormittag. Nach einer gemeinsamen Salve wird das Bildnis der Jungfrau aus ihrem Thron im Camarín auf die Prozessionsschultern gehoben – umringt von einer bewegten Menge.
Während der Prozession können Gläubige ein Kleidungsstück an die Andas der Jungfrau heranführen; Mönche der Trinitarier reichen Kinder in Armen zur Segnung hinauf. Die Glocken hören nicht auf zu läuten, solange die Jungfrau unterwegs ist. Nach einer rund vierstündigen Prozession kehrt die Virgen in ihr Heiligtum zurück – und für die Pilger beginnt ein neues Jahr.
Montag: Der letzte Tag gehört der Dankesmesse der Cofradía Matriz und dem offiziellen Abschied. Nachmittags kehren die Karren und Bruderschaften nach Andújar zurück; abends wird eine feierliche Dankessalve in der Ermita gesungen.
Die Kulisse: Sierra Morena im Frühling
Was die Romería de la Virgen de la Cabeza von vielen anderen Wallfahrten unterscheidet, ist nicht nur ihre Geschichte – es ist auch der Ort. Das Santuario liegt mitten in einem Naturpark von großer landschaftlicher Schönheit, und Natur, Heiligtum und Ritual gehen hier eine Verbindung ein, die kaum anderswo so zu erleben ist.
Ende April steht die Sierra Morena in voller Frühlingsblüte: Rosmarin, Lavendel, Steineichen – und dazwischen Tausende von Menschen in Tracht, auf Pferden, in bunt geschmückten Karren.
Viele Pilger richten sich für das gesamte Wochenende auf den Wiesen rund ums Santuario ein – in Zelten, kleinen Casetas oder einfach im Freien.
Praktische Hinweise
Die Wallfahrt findet traditionell am letzten Aprilwochenende statt. Die Anreise nach Andújar ist am besten per Mietwagen möglich; von Jaén sind es rund 40 Kilometer, von Córdoba knapp 80. Hotels in Andújar und Umgebung sind an diesem Wochenende schnell ausgebucht – frühzeitig reservieren lohnt sich.
Wer die Wallfahrt nicht aktiv mitpilgern, sondern beobachten möchte, findet entlang der Route und rund ums Santuario gute Aussichtspunkte. Festes Schuhwerk ist empfehlenswert – und etwas Geduld für die Straßen, die am Wochenende entsprechend voll sind.
Romería de la Virgen de la Cabeza
23740 Andújar
Provinz Jaén, Andalusien
Spanien




