Die staatliche spanische Gebäudeversicherung bei Katastrophen

Wir haben uns alle Mühe gegeben, dir Spanien auf unserer Andalusien-Webseite immer schmackhaft zu machen als das Land, in dem dauernd die Sonne scheint. Doch wo viel Licht ist, muss es auch manchmal Schatten geben. An der spanischen Mittelmeerküste heißt dieser Schatten nicht Sombre sondern Gota fría (kalter Tropfen). Dieser Schatten überfällt die Küste irgendwann im Winter, allerdings nicht jedes Jahr.

Im November und Dezember 2016 war es jedoch wieder besonders schlimm. Zwischen Algeciras und Málaga fielen mancherorts an einem Tag 300 Liter Regen auf den Quadratmeter. Es gab zwei Tote und große Hochwasserschäden vor allem in Manilva, Estepona, Fuengirola und Alhaurín el Grande. Zwischen Valencia und Alicante stürzten an drei Tagen 140 Liter Wasser auf das Land, vernichteten die Ernte im Wert von 170 Mio Euro und setzte viele Orte unter Wasser.

Wie bei uns in Deutschland, kannst du dich auch in Spanien gegen Gebäudeschäden versichern. In den meisten deutschen Gebäudeversicherungen müssen so genannte Elementarschadensereignisse, also etwa Erdbeben, Tsunamis und Flutkatastrophen, gesondert versichert werden und in vom Hochwasser gefährdeten Gebieten verweigern Versicherungen sogar oft das Ausstellen einer Police.

In Spanien läuft das anders: Alle Gebäudeversicherer müssen von den eingenommenen Versicherungsprämien einen kleinen Prozentsatz abführen in den El Consorcio de Compensación de Seguros, kurz „Konsortium“. Das ist eine öffentlich-rechtliche Institution, die bei Elementarschadensereignissen zahlen muss. Voraussetzung, dass du in den Genuss solcher Zahlungen kommst, ist das Vorhandensein einer spanischen Versicherungspolice. Große spanische Gebäudeversicherer sind z.B. Liberty Seguros oder Mapfre. Aber z.B. auch die Tochtergesellschaft der Allianz-Versicherung stellt in Spanien spanische Gebäudeversicherungen aus.

Um an dein Geld zu kommen, musst du den Schaden deiner spanischen Gebäudeversicherung melden und dabei deine spanische NIE-Nummer bekannt geben. Da du ja eine Immobilie in Spanien besitzt, hast du von deiner örtlichen Polizeidienststelle bereits eine NIE erhalten.

Dann nennst du noch die Adresse deiner spanischen Immobilie, an der der Schaden eingetreten ist und die IBAN deines spanischen Bankkontos.

Du kriegst dann Besuch von einem Prüfer des Konsortiums. Der schaut sich den Schaden und deine Versicherungsbedingungen an und möchte Belege sehen, dass du die Versicherung pünktlich bezahlt hast. Auch deinen letzten IBI Bescheid (lokale Gemeinde-Immobiliensteuer) musst du rausrücken.

Du musst glaubhaft machen, wie teuer der Schaden ist. Wenn Gegenstände durch die Flut abhanden gekommen sind, wäre es gut, wenn du von ihnen Fotos vorweisen kannst. Wenn du schon dringende Reparaturen beauftragen musstest um Schlimmeres zu verhindern, dann solltest du dafür Belege vorlegen können.

Wurden Autos beschädigt, dann darfst du auf Versicherungskosten die Reparatur beauftragen oder der Zeitwert des Wagens wird erstattet, z.B. wenn das Auto untergegangen ist. In diesem Fall solltest du nicht vergessen, es schnell von der Kfz-Steuer abzumelden.

Wenn du mit dem Betrag nicht einverstanden bist, den das Konsortium dir anbietet, musst du einen unabhängigen Schadensachverständigen auf deine eigenen Kosten engagieren. Um eine Zahlung zu vermeiden, behaupten manche Versicherungen gerne, der Regen sei ja an dem Tag gar nicht intensiv genug gewesen um Ansprüche an das Konsortium stellen zu können.

Das Konsortium erreichst du unter der spanischen Servicenummer 902 222 665 oder auf der Webseite www.consorseguros.es.

Verfasst am 23. Dezember 2016
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