Höhlenviertel von Guadix

Barrio de Cuevas

Höhlenviertel Guadix
Eine typische Höhle in Guadix ( Adwo / Shutterstock.com )

Schon immer haben Menschen Höhlen zum Wohnen benutzt. Im andalusischen Ort Guadix gibt es sogar über 2.000 Höhlenwohnungen unter der Erde – viele sind noch heute bewohnt und bieten jeden Komfort. Sie machen das Städtchen in der Provinz Granada zu Europas Höhlenstadt Nummer 1 und zu einer erstklassigen Sehenswürdigkeit. Warum das so ist und weshalb sich ein Besuch lohnt, erfährst du hier!

Unterirdisch: Das Höhlenviertel von Guadix

Guadix liegt im Norden der Provinz und in Sichtweite der Sierra Nevada auf einer Höhe von 950 m. Schon immer kreuzten sich hier zahlreiche Straßen und fremde Kulturen trafen aufeinander. Der größte Schatz der Stadt verbirgt sich jedoch unter der Erde und in den bizarren Tuffkegeln: Es sind die Wohnhöhlen, in denen nach wie vor rund 4.500 Menschen leben.

Sie wurden einst von den vor den Katholischen Königen fliehenden Mauren in den weichen Löss gegraben. Ganze 200 ha der Fläche von Guadix nimmt dieses Höhlenviertel ein.

Fremde, bizarre Welten

Betritt man das Höhlenviertel mit seinen ockerfarbenen Kegeln und weißen Schornsteinen das erste Mal, fühlt man sich in eine fremde Welt aus »Star Wars« versetzt und wäre nicht weiter erstaunt, wenn Obi-Wan Kenobi aus dem nächsten Höhleneingang träte.

Tatsächlich dreht Steven Spielberg hier 1989 eine Folge von Indiana Jones mit Sean Conery und Harrison Ford: Nämlich den Film »Der letzte Kreuzzug«. Szenen davon spielen am Bahnhof von Guadix und im nahen Naturpark Sierra de Huétor.

Moderne Technik und das Beste, was die Natur bietet

Die Wohnhöhlen vereinen das Beste aus 2 Welten: Den Komfort der Moderne und die Annehmlichkeiten einer natürlichen Umgebung, die beispielsweise eine konstante Raumtemperatur zwischen 18° und 20° C garantiert.

Internet, Wasser- und Stromanschluss gehören heute zum Standard. Einige moderne Höhlen besitzen sogar einen Pool. Ein weiterer Vorteil der Höhlen ist die beeindruckende Ruhe und Stille: Der umgebende Ton schluckt jedes Geräusch.

Wie alles begann: Zuflucht und Unterschlupf

Die Ursprünge der Höhlen reichen bis ins 13. Jhd. zurück. Als die Katholischen Könige Granada einnahmen, verdrängen sie die Mauren in Guadix aus der Medina zunächst in die Vororte und dann in die Randbezirke – die ersten Wohnhöhlen entstehen. Höhlen sind günstig, einen Teil der Wände liefert die Natur. Außerdem bieten sie die perfekte Tarnung: Man sieht sie erst, wenn man direkt davor steht.

Die Höhlen umschließen in einem Halbbogen die Stadt und wurden zunächst ohne Planung beliebig in das weiche Material gegraben. In der andalusischen Hitze trockneten die Wände und Decken schnell und wasserdicht. Die Räume sind in der Regel 2,5 bis 3 m breit und überspannt von Gewölbedecken. Das Innere der Höhle ist mit Kalk bedeckt: Dies bringt Licht in die Höhlen und desinfiziert.

Höhlenviertel von Guadix: Eine komplette Stadt

Doch die Höhlen wurden nicht nur zum Wohnen benutzt. In einigen befinden sich Kirchen und Einsiedeleien, in anderen Weinkeller, Backöfen und Töpfereien. Tatsächlich ist Guadix bekannt für seine schönen Töpferwaren.

Lohnenswert ist eine geführte Tour durch das Höhlenviertel, in dem es ja keine richtigen Straßen gibt, und auf der du etwas über die Art der Höhlen, die Konstruktion und Vorteile erfährst.

Die meisten Höhlen findest du übrigens im Barrio de las Cuevas in der Nähe der Parroquia Nuestra Señora de Gracia. In diesem Viertel leben noch mehr als 3.000 Personen in über 1.500 Höhlen. Dazu gibt es eine kleine Kirche: Die Ermita Nueva in 2 Kegeln und mit einem Marienbild.

Du willst noch mehr über die Höhlen von Guadix wissen?

Dann ist die erste Anlaufstelle das Centro de Interpretación an der Plaza Padre Poveda im Gebäude des ehemaligen Cueva Museo (Höhlenmuseum). In einem traditionellen Höhlenhaus siehst du die typische Architektur und Aufteilung einer Höhlenwohnung sowie traditionelle Haushaltswaren, Möbel und Kleidung. Du bekommst außerdem einen Überblick über den sogenannten Trogloditismus in der ganzen Welt und in Guadix.

Weitere Museen:

  • Höhlenmuseum: Centro de Interpretación Cuevas de Guadix
  • Keramikmuseum: Cueva Museo der Alfarería »La Alcazaba«
  • Cueva Santa Virgen de Gracia

Aussichtspunkte und schöne Panoramaansichten im Höhlenviertel:

  • Mirador de la Magdalena
  • Mirador Padre Poveda y Mirador Cerro de la Bala
  • El Almorejo
  • Puerta Alta y Barriada de la Estación
  • Cuevas Pedro Antonio de Alarcón
  • Cueva de San Pedro Poveda

Das Höhlenviertel bietet eine gute Auswahl an Unterkünften verschiedener Preisklassen, Restaurants und Bars. Mehrere Geschäfte bieten typische Produkte an, sie sind ein schönes Mitbringsel und eine nette Erinnerung. Lohnenswert sind Töpferwaren, traditionelle Backwaren, Würste und Schinken.

Anfahrt nach Guadix

Mit dem Auto fährst du über die A-92 von Granada bis nach Guadix. Die Fahrzeit liegt je nach Verkehr bei 50 min für rund 53 km. Eine Alternative ist der ALSA Bus: Er fährt bei der Estación de Granada ab und ohne Zwischenstopp durch bis nach Guadix. Bis Málaga sind es 176 km über die A-92 – also rund 2 h Fahrzeit.

Sehenswert in der Nähe der Höhlenwohnungen von Guadix sind der Naturpark Sierra de Baza im Norden und der Nationalpark Sierra Nevada im Süden von Guadix. Immer schön ist ein Besuch der 50 km entfernten Stadt Granada. In der Nähe lohnenswert sind Ausflüge in die Badlands um Benalúa de Guadix und zur Burg La Calahorra.

Fazit: Die Höhlen von Guadix muss du einfach gesehen haben, am besten ziehst du gleich für ein paar Tage in eine Höhle ein – sie werden als Ferienwohnung oder Hotel angeboten – und spielst Familie Feuerstein. Schon die Anzahl der Höhlen ist beeindruckend.

Einen guten Überblick über das »Gesicht« der Höhlenstadt von oben bietet eine Ballonfahrt über Guadix und die Badlands. Im Hintergrund schimmern die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada. Ein Besuch ist das ganze Jahr über empfehlenswert.

Reiseinfos
Adresse

Barrio de Cuevas
18500 Guadix
Provinz Granada, Andalusien
Spanien

37.294369, -3.141253

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