Tomatenwerfen und Babyspringen: Skurrile Volksfeste in Spanien

Die Spanier sind bekannt dafür, dass sie gerne und viel feiern. Die meisten Feste haben einen religiösen Bezug. Spanien ist überwiegend katholisch, deshalb prägen an katholischen Feiertagen Prozessionen das Straßenbild. Die Menschen im Land kennen jedoch auch viele lokale Bräuche und heidnische Traditionen, die sie zum Anlass für verschiedene Straßenfeste – sogenannte Ferias – nehmen. Deren Motto reicht von traditionell bis kurios.
Skurrile Volksfeste Spanien
Das La Tomatina Festival in Spanien ( Iakov Filimonov / Shutterstock.com )

Religiöse Feste und lokale Bräuche

Offiziell sind über 90 % der spanischen Bevölkerung römisch-katholisch getauft. Allerdings üben vor allem viele jüngere Menschen ihre Religion nicht aktiv aus. Stattdessen steigt in Spanien – wie generell in allen westlichen Industrienationen – das Interesse an spirituellen Praktiken und esoterischen Themen: Menschen konsultieren Horoskope, schwören auf alternative Heilmethoden oder vertrauen der Kartendeutung auf Seiten wie Questico.

Auch hat in Spanien der Aberglaube einen hohen Stellenwert und die Symbolkraft bestimmter Ereignisse und Objekte wird streng beachtet. Viele Volksfeste, die in Spanien regelmäßig gefeiert werden, haben einen altertümlichen oder abergläubischen Brauch zum Anlass. Andere basieren auf einer lokalen Tradition und mitunter ist ihr Ursprung auch gänzlich unbekannt. Doch gewöhnlich sind die Feste selten. Die Spanier lieben das Feiern, egal zu welchem Anlass. Insgesamt soll es an die 25.000 »Fiestas« im Jahr geben.

Wenn der Teufel über Babys springt

Ein Beispiel für ein außergewöhnliches lokales Fest mit alten abergläubischen Wurzeln ist das El Colacho Festival in Castrillo de Murcia, in der Region Burgos. Es wird immer ab Mittwochabend vor Fronleichnam bis zum Sonntag begangen und geht zurück bis ins Jahr 1620. Bei diesem Fest werden alle Neugeborenen der Region von einem Priester gesegnet, anschließend werden sie auf Kissen gebettet und vor kleinen Altären auf die Straße gelegt. Ein verkleideter Mann, der den Teufel darstellen soll, springt in einem gelb-rotem Kostüm über die Kinder, um böse Geister zu vertreiben. Nach diesem Schauspiel beginnt die Feier mit Tänzen und jeder Menge Wein.

Silvester im August

In Bérchules, einem Dorf bei Granada, wird zweimal im Jahr Silvester (Nochevieja) gefeiert, und zwar außer am 31. Dezember auch am ersten Samstag im August. Der ursprüngliche Anlass war ein Stromausfall zu Neujahr im Jahr 1944, wodurch die Glocken ausfielen und die Bewohner des Ortes infolgedessen das traditionelle Traubenessen – ein beliebter spanischer Neujahrsbrauch – verpassten. Sie beschlossen deshalb kurzerhand, die Silvesterfeier acht Monate später nachzuholen. Seitdem wird die Nachfeier jährlich wiederholt. Wie in Spanien zu Silvester üblich, wird dabei außer Weintrauben auch Sandgebäck und Anisschnaps verzehrt.

Tomatenschlacht in Valencia

Ein bekanntes Fest ohne jeglichen politischen oder religiösen Hintergrund ist La Tomatina. Eigentlich handelt es sich dabei lediglich um eine gigantische Tomatenschlacht in Buñol (Valencia), die seit den 1940er-Jahren alljährlich am letzten Mittwoch im August stattfindet. Mittlerweile hat das Fest so viel internationale Aufmerksamkeit erfahren, dass viele Touristen aus dem Ausland nur deshalb anreisen, um an dem Tomatenwerfen teilzunehmen.

Traditionell beginnt das Fest mit dem »Schinkenstürmen«. Aufgabe ist es, um Punkt 10 Uhr einen sieben Meter hohen Baumstamm zu erklimmen und von dort einen Schinken herunterzunehmen. Anschließend bewerfen sich Zehntausende Teilnehmer eine Stunde lang mit insgesamt 140 Tonnen überreifen Tomaten. Touristen müssen für den Spaß eine Gebühr in Höhe von 10 Euro bezahlen. Zum guten Ton gehört es, danach gemeinsam die Straßen vom Tomatenmatsch zu reinigen.

Ähnliche Zusammenkünfte finden in Spanien auch an anderen Orten statt – beispielsweise das große Meringue-Werfen in San Sebastian während der Karwoche, der Mehlkampf in Alicante oder die Rotweinschlacht »Batalla del Vino« in Haro, La Rioja.

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