Spaniens Linke zerlegt sich selbst

Während die extreme Rechte in Spanien auf dem Vormarsch ist, zerlegt sich die Linke überraschend selbst. Hinter den Kulissen von Podemos kriselt es schon länger zwischen den beiden Alphamännchen Pablo Iglesias, der das bekannteste Gesicht von Podemos nach außen ist, und Iñigo Errejón, dem 35-jährigen Chefstrategen der Partei. Während Iglesias dafür eintritt, dass Podemos wieder mehr als außerparlamentarische Bewegung wahrgenommen wird, plädiert Errejón für ein stärkeres parlamentarisches Engagement mit dem Ziel, zusammen mit der sozialistischen PSOE auch einmal Regierungsmacht zu erlangen.

Bei den kürzlich abgehaltenen Landtagswahlen in Andalusien ist Podemos unter dem verwirrenden Namen Adelante Andalucía angetreten, einem Wahlbündnis verschiedener kommunistischer Splittergruppen unter Führung von Podemos und hat den Wähler ratlos stehen lassen, was dieser mit einem spürbaren Stimmenentzug quittierte. Dass sich vor allem Nichtwähler den neuen Rechtsradikalen von Vox zuwandten, sollte Podemos eigentlich zu denken geben. Allen in der Partei war klar, dass irgendetwas bei Podemos vor den anstehenden Kommunal- und Regionalwaren im Mai anders werden muss.

Ausgerechnet am 17. Januar, dem 5. Jahrestag der Parteigründung von Podemos, überraschte Errejón seine Genossen mit der Mitteilung, er habe sich mit Manuela Carmena, der parteilosen Bürgermeisterin von Madrid zusammengetan und die Wahlplattform »Más Madrid« gegründet. Errejón hat sofort sein Abgeordnetenmandat zurückgegeben, bleibt aber weiterhin Podemos Parteimitglied.

Spaniens Empörte und Benachteiligte haben also jetzt im äußersten linken Lager zwei Optionen: Errejónistas und Pablistas. Dummerweise orientiert sich aber gerade diese Gruppe derzeit an ganz anderen politischen Angeboten.

Man munkelt bereits, dass Ministerpräsident Pedro Sánchez demnächst die Flucht nach vorne antritt und für den 14. April Neuwahlen ankündigen wird.

Verfasst am 13. Februar 2019
Anzeige

Kommentare

Neuen Kommentar schreiben
Detaillierte Informationen zum Umgang mit Nutzerdaten findest du in unserer Datenschutzerklärung.

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob du ein menschlicher Besucher bist und verhindert automatisches Spamming.