Adel verpflichtet?

Die Schweizer Handelszeitung berichtet von schweren Korruptionsvorwürfen gegen den spanischen Ex-König Juan Carlos I. Diese gehen aus Protokollen über Gespräche hervor, welche die 1965 in Frankfurt/Main als Corinna Larsen-Atkins geborene Corinna zu Sayn-Wittgenstein mit einem spanischen Anti-Korruptionsermittler geführt hat und die den Nachrichtenmedien El Español und Okdiario zugespielt worden waren.

Die heute 53-jährige Adelige war jahrelang eine »Begleiterin« des damals mit Prinzessin Sofia von Griechenland und Dänemark verheirateten spanischen Königs und ist einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden, weil sie den König auf seiner Löwenjagd in Botswana begleitet hatte. Die Empörung unter Tierschützern über die Begleitumstände der Jagd hatte 2014 zur Abdankung von Juan Carlos geführt.

Millionen-Geschenke für den König

Corinna zu Sayn-Wittgenstein bekam ihren Adelstitel durch die Heirat mit Prinz Johann Casimir zu Sayn-Wittgenstein, von dem sie sich 2005 wieder trennte und lebt in Monaco. Sie eignete sich daher hervorragend als Strohfrau, um Millionenvermögen des Königs auf Konten in der Schweiz zu verstecken. Dabei handelte es sich u.a. um Kickback-Zahlungen in Höhe von rund 80 Millionen Euro, die Juan Carlos eingesackt hatte, als Spanien durch seine Vermittlung den Zuschlag von Saudi-Arabien für den Bau einer Hochgeschwindigkeits-Zugstrecke zwischen Mekka und Medina erhielt.

Vom marokkanischen König habe Juan Carlos sich zudem eine Immobilie in Casablanca schenken lassen. Und es soll noch weitere Immobilien geben, von denen die spanischen Finanzbehörden nichts wussten. Als weiterer Strohmann habe Álvaro de Orleans de Bourbón fungiert, ein Cousin von Juan Carlos. Ein Genfer Anwalt, der schon für den ägyptischen Harrods Milliardär Mohamed al-Fayed (dem Vater von Dodi Al-Fayed, des letzten Freundes von Prinzessin Diana, der zusammen mit ihr 1997 bei einem Autounfall in Paris ums Leben kam) tätig geworden war, habe die Schweizer Konten auf den Namen der beiden Adeligen eingerichtet. Corinna zu Sayn-Wittgensteins Namen taucht auch in den so genannten »Paradise-Papers« auf.

Weiterer Korruptionsfall im spanischen Königshaus

Juan Carlos ist nicht der erste Korruptionsfall in der spanischen Königsfamilie. Iñaki Urdangarin, der Ehemann der spanischen Prinzessin Christina, der Schwester von König Felipe I, war unlängst zu einer Gefängnisstrafe von sechs Jahren und drei Monaten verurteilt worden, weil er zusammen mit seinem Geschäftspartner öffentliche Gelder in Höhe von 6 Millionen Euro veruntreut hatte. Christina kam mit einer Geldbuße von 265.000 Euro davon. König Felipe entzog seiner Schwester daraufhin den Titel »Herzogin von Palma«. Im Volk heißt sie jetzt stattdessen »Prinzessin Ahnungslos«, weil sie angeblich von den Machenschaften ihres Ehemannes nichts gewusst hatte.

Man darf gespannt sein, welche Strafe dem Ex-König Juan Carlos blüht, falls es zu einem Prozess gegen ihn kommt und sich die Vorwürfe erhärten. Vielleicht gewährt sich ja Europas Hochadel gegenseitig Asyl?

Verfasst am 13. Juli 2018
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