Wandern in Andalusien

Andalusien ist ein wahres Paradies für Wanderer. Zwischen den Wanderdünen der Costa de la Luz und den theatralischen Vulkanklippen des Cabo de Gata offenbaren sich sowohl spektakuläre als auch anmutige Wandergebiete in grünen Wäldern und sandfarbenen Trockensteppen.

Wandern Andalusien
Wandern im Naturpark Sierras de Cazorla, Segura y Las Villas in der Provinz Jaén
© Patrik Stedrak - Fotolia.com

Eindrucksvolles Wandern bei milden Temperaturen

Andalusien verfügt über mehr als ein Dutzend Wandergebiete, welche Jahr für Jahr beliebte Ausflugsziele während der Wandersaison sind. Insbesondere im Frühjahr, wenn bunte Blüten aus der Vegetation entspringen und die Temperaturen sehr mild sind, begeben sich Aktivurlauber auf ehemaligen Maultierpfaden und uralten Dorfwegen auf die Spuren von Schmugglern, Bandoleros, Köhlern und Minenarbeitern. Die Pfade führen vorbei an Bergdörfern und verborgenen Cortijos. Doch auch in den Herbstmonaten, wenn die Sommerhitze nachgelassen hat, bieten sich bei Tagestemperaturen um die 22 °C Touren durch die märchenhaften Mischwälder, die verborgenen Täler, dramatischen Schluchten und stillen Karseen an.

Zu den besonders beliebten Wandergebieten gehören Sierra NevadaSierra de Grazalema, Sierra de Aracena, Sierras de Cazorla, Segura y Las Villas, Cabo de Gata und das Tal des Río Genal. Die vier erstgenannten Gebiete ziehen Wanderfreunde insbesondere in den Monaten März bis Juni und September bis Oktober an. Von März bis Mai und September bis Anfang Dezember eignen sich die Wanderrouten an der Mittelmeerküste (Cabo de Gata und Tal des Río Genal) für die Ausübung dieses Aktivsports. Sonnencreme sollte unbedingt mit im Gepäck sein. Die Wintermonate empfehlen sich aufgrund der häufig erhöhten Niederschläge nicht. Im Sommer steigt das Thermometer gern über unerträgliche 40 °C.

Die Berge westlich und südlich von Ronda

Die Sierra de Grazalema in der Provinz Cádiz besticht durch attraktive Aufstiege auf den Coros, den Torreón, zum Salto del Cabrero und zu der mystischen Cueva de las dos Puertas. Romantische Waldlandschaften wie der Pinsapar bieten ein schönes Kontrastprogramm. In der Sierra de Grazalema finden sich kleine Dörfer, geheimnisvolle Burgruinen und verborgene Wässerfälle. Aber auch um dieses Naturschutzgebiet herum findest du interessante Gebirge:

In der Sierra de Lijar bei Algodonales wachsen dir die süßen Beeren des Erdbeerbaums direkt in den Mund hinein und du kannst einem Adlerpärchen und den Paraglidern und Drachenfliegern zusehen, wie sie zum Stausee von Zahara hinuntergleiten. Zwischen Grazalema und Zahara geht es ausnahmsweise mal bergab, nämlich in die Garganta Verde, eine steile Schlucht, die von den Geiern als Kinderstube genutzt wird. Im östlichen Teil der Sierra de Grazalema stößt du bei Montejaque auf ein bizarres Kleingebirge, von dem aus es steil bergab zum Eingang der Höhle von Hundidero geht. Die Wände des steilen Cañons werfen bedrohlich das Echo der Peitschenlaute der herumjagenden Dohlen zurück.

Parallel zum Fluß Río Guadiaro kannst du einen Gewaltmarsch von Benaoján durch den herben Charme der Sierra del Palo in das schöne Bergdorf Cortes de la Frontera unternehmen. Von dort geht es auf dem gut erhaltenen Römerweg Vía Pecuaria hinab zur Estación de Cortes, einem Haltepunkt an der Bahnlinie Algeciras-Granada.

Auf der anderen Seite des Flusses geht es gemütlich bergauf bis zur Straße von Algeciras-Ronda, von wo du links den Blick in das Tal des Río Guadiaro und rechts den Blick in die Farbenpracht der Kastanienwälder des Río Genal genießen darfst. Diese Wanderung endet in der Estación de Libar, ebenfalls an der Bahnlinie Algeciras-Granada.

Weiter flussabwärts erreichst du am rechten Ufer des Rio Guadiaro die unendlichen Korkeichenwälder des Naturparks Los Alcornocales. Hier ist der Río Guadiaro besonders romantisch, was dir aber nur auf einer Wanderung von El Colmenar zur Puente de los Alemanes offenbar werden wird. Diese Brücke, die keine ist, sondern eine Wasserleitung, die nicht von Deutschen, sondern von belgischen Ingenieuren erbaut wurde, führt über die enge Schlucht Manatial de la Butrera, einem Rückzugsgebiet der Geier. Die Wanderung klingt dann gemütlich aus in der Estación de Cortes.

Noch weiter flussabwärts erreichst du das weiße Dorf Jimena de la Frontera. Von seiner arabischen Burg führt ein Wanderweg steil bergab durch einen botanischen Garten hinunter zum Rio Hozgarganta und dann an einem Kanal entlang, der im 17.Jahrhundert gebaut worden war, um eine königliche Kanonenkugelfabrik zu betreiben. Daraus wurde nie kriegerischer Ernst, denn der Wasserstand war zu unberechenbar. Auf der anderen Seite des Flusses geht es bergauf und dann durch eine grüne Vegetation wieder hinunter zum Rio Hozgarganta.

Weiter flussabwärts ergibt sich eine leichte Wanderung auf die Burg Castellar de la Frontera, die vollständig erhalten ist und wo du sogar rustikale Ferienhäuser mieten und Künstlern bei der Arbeit zusehen kannst. Nicht zu vergessen der schöne Blick auf den Stausee Embalse de Guadarranque.

Unterhalb des Stausees bei Los Barrios beginnt der zauberhafte Wanderweg am Gebirgsbach Rio de la Miel. Auf seinem höchsten Punkt genießt du überwältigende Ausblicke auf die Bucht von Algeciras mit dem Felsen von Gibraltar sowie auf das marokkanische Atlasgebirge am gegenüberliegenden Ufer der Meerenge von Gibraltar. Auch wanderst du hier auf historischem Boden, denn hier hielten sich noch lange die republikanischen Partisanen gegen die faschistischen Truppen Francos.

Wer eine kürzere Wanderstrecke bevorzugt, sollte südlich von Algeciras bei Punta Carnero aufbrechen zu einer 1,5 stündigen Rundwanderung direkt an der engsten Stelle der Meerenge von Gibraltar.

Die ersten Sonnenstrahlen im noch frostigen Februar begrüßt du am besten auf der Ruta Militar auf den Hügeln hinter La Linea, mit grandiosem Blick auf den Felsen von Gibraltar. Hier bekommst du einen Eindruck, wie ärgerlich die Spanier sind, dass ihnen die Engländer vor 400 Jahren Gibraltar weggenommen haben. Mehr Schießscharten der Bunker sind direkt auf den Felsen von Gibraltar ausgerichtet als auf das offene Meer, wo vielleicht die russische Schwarzmeerflotte auftauchen könnte. Auf der anderen Seite des Hügels schaust du über San Roque hinweg bis zur Sierra de Crestellina.

Dieses Gebirgskleinod lässt sich am besten bei einer leichten Wanderung von Casares aus erkunden. Nirgendwo anders wirst du so viele Geier und Adler in der Lust schweben sehen.

Südwestlich von Casares liegt das auf den ersten Blick unscheinbare Karstgebirge Karst de la Utrera. Der Wanderweg ist nicht ganz einfach, da er häufig durch das Bachbett des Canuto de la Utrera führt. Aber die spektakuläre Landschaft entschädigt für die Leiden. Das Karst Gebirge ist gespickt mit Höhlen, die nicht für den Tourismus hergerichtet sind, aber von den Einheimischen gern erkundet werden. Am Ende der Wanderung lockt das römische Schwefelbad von Hedionda mit (geringer) Abkühlung.

Direkt südlich unterhalb der Stadt Ronda liegt die Serrania de Ronda, ein Gebirgstal, in dem sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, in dem einsame weiße Dörfer unaussprechliche Namen wie Farajan, Genalguacil, Jubrique oder Alpandeire tragen und von wo aus der Rio Genal seinen Anfang nimmt. Diese Gegend erwanderst du am besten im Herbst, wenn die riesigen Kastanienwälder in allen Farben leuchten und in den Dörfern die Fiestas de Castaño zelebriert werden. Das Tal ist auch ein Schwerpunkt des Abbaus von Marmorsteinen. Stimmungsvoll präsentieren sich die Route der Schmuggler von Jubrique nach Genalguacil sowie der Gärten des Wesirs von Benarrabá nach Genalguacil.

Die Berge im Hinterland von Marbella

Die herrliche Gebirgsstraße A397 von Marbella nach Ronda markiert die östliche Grenze der Serrania de Ronda. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite beginnt der Naturpark Sierra de las Nieves. Hier gibt es Berge mit mehr als 1.900 m Höhe, so dass Schnee dort im Winter nichts Ungewöhnliches ist. Daher der Name des Gebirges, der auf Deutsch Schneegebirge bedeutet. Wegen der Größe des Gebietes sind Wanderungen schwierig, falls man am gleichen Tag wieder zu seinem Auto zurückkommen möchte. Am besten fährst du Anfang Mai mit einem Allradfahrzeug vom Parkeingang an der A397 auf einer fürchterlichen Schotterstraße, die von wilden Pfingstrosen gesäumt ist, zum unbewirtschafteten Refugio Los Quejigales und beginnst dort eine Bergtour auf die Gipfel der Torrecilla, des Picacho oder der Antena Neves. Besser erreichbar ist der Südteil des Naturparks. Von dem malerischen Gebirgsdorf Istán aus ergeben sich romantische Wanderungen in den Tälern des Rio Molinos und des Río Verde. Im südöstlichen Teil der Sierra de las Nieves bietet sich eine leichte aber lange Wanderung von Monda nach Istán an.

Zwischen Marbella und die Sierra de las Nieves quetscht sich die kleine Sierra Blanca. In ihrer Mitte befindet sich die ausgedehnte Olivenplantage Olivar de Juanar, die sich für einen Spaziergang mit Kindern eignet. Von hier aus lohnt sich für trittsichere Wanderer eine anspruchsvolle Bergtour auf den Gipfel der La Concha, dem 1.200 m hohen Hausberg Marbellas mit tollem Blick auf die Mittelmeerküste bis nach Afrika. Von Marbella aus führt ein Wanderweg auf den Olivar de Juanar und von dort bergab in das weiße Dorf Ojén. Wenn du nur einen Spaziergang in der Abendsonne unternehmen willst, kannst du auf der alten Straße, die einst Marbella mit Istán verbunden hat, bis zum Cerros del Lagos wandern, wo dich ein Blick auf den Stausee Embalse de la Concepción und auf die Mittelmeerküste belohnt.

Wanderwege AndalusienPabkov / Shutterstock.com

Die Berge im Hinterland von Málaga

Den heraufziehenden Frühling begrüßt du am besten mit einer Wanderung von Mijas Pueblo aus auf die Sierra de Mijas. Alle Frühblüher präsentieren sich hier von ihrer besten Seite und der Blick auf das Mittelmeer und auf die Altstadt von Mijas erwärmt das Herz.

Die nachstehenden lohnenden Wanderziele erreichst du von Málaga aus innerhalb von einer Stunde:

Auf der A357 fährst du von Málaga nach El Chorro. Hier bietet die wuchtige Sierra de Huma über dem Rio Guadalhorce ein eindrucksvolles Panorama. In den glatten Steilwänden erkennst du Kletterer. Hier befindet sich der berüchtigte Klettersteig Camenito del Rey, der total entschärft wurde und seit einem Jahr auch Familien einen ungefährlichen Nervenkitzel beschert. Eine schöne, aber anstrengende Wanderung führt von El Chorro über die Sierra de Huma nach Valle del Abdalajis. Der Wanderweg verläuft zeitweise auf dem oben erwähnten Fernwanderweg GR7.

Wenn du von Málaga aus auf der A45 in Richtung Antequera fährst und die Autobahn an der Anschlussstelle Casabermeja verlässt. erreichst du bald das Bergdorf Villanueva de la Concepción. Der Ort wird überragt von dem wuchtigen Torcal-Gebirge. Dort empfiehlt sich eine leichte Wanderung durch eine bizarre Welt von natürlichen Steinskulpturen, die ein wenig an den Bryce Canyon im Westen der USA erinnert. Diese Wanderung sollte nur bei absolut wolkenlosem Himmel gewagt werden. Kleine Wölkchen verdichten sich in dieser Höhe schnell zu Nebel, der keine Orientierung mehr zulässt.

Wer hinter Antequera weiter fährt in Richtung Córdoba, erreicht bald den Ort Fuente de Piedra. An der gleichnamigen Lagune triffst du mit etwas Glück zehntausende von Flamingos an, die du bei einer Wanderung um den See ausgiebig bestaunen kannst. Um dich zu vergewissern, dass die Flamingos da sind, rufst du am besten vorher im Besucherzentrum (Centro de Visitantes José Antonio Valverde) an.

Tipps für die Wanderungen im Südwesten

Wer die Gegend alleine erkunden will, wird auf der Webseite www.wandalus.de fündig.

Geführte Wanderungen offeriert die Österreicherin Johanna Mayrhofer in ihrer Wahlheimat Andalusien (www.sur-walks.com).

Die Städte Marbella und Estepona bieten von März bis November eintägige Bustouren am Wochenende zu Wandertouren für ihre Bevölkerung an. Touristen dürfen auch mitmachen, soweit noch Plätze frei sind. Programm und Anmeldung über sostenibilidad@marbella.es sowie über tourismo2@estepona.es.

Analog zum Deutschen Alpenverein existiert in Andalusien der andalusische Wanderverband Fedamon mit zahlreichen Ortsgruppen in allen Städten. Hier kannst du Mitglied werden und an Touren teilnehmen, z.B. beim Höhlenklettern im Karst de la Utrera.

Wanderungen am Meer

Populär ist die Wanderung im Naturpark de la Breña y Marismas del Barbate an der Costa de la Luz unweit vom Kap Trafalgar. Der leichte Wanderweg führt über Steilküsten und durch dichte, schattige Pinienwälder.

Bergwandern in der Sierra Nevada

Dieses Hochgebirge mit mehreren Dreitausendern ist etwas für versierte Bergsteiger. An den zum Mittelmeer abfallenden Hängen sind auch Touren für Normalsterbliche möglich. Zum Beispiel in der Umgebung von Nerja (siehe hier). Oder in der Axarquia mit Bergdörfern wie Capileira oder Trevélez.

Gebirge im Landesinneren

Lohnend ist eine Rundwanderung in der Sierra de Aracena (Provinz Huelva) von Alájar über Santa Ana la Real sowie Castaño del Robledo und zurück nach Alájar. Näheres siehe http://molinorioalajar.com/.

Geier und Adler schweben über das Wandergebiet Sierras de Cazorla, Segura y Las Villas (Provinz Jaén). Zwischen dicht bewachsenen Bergen strahlen einsame Seen eine ergreifende Ruhe aus.

Verträumte Buchten und grüne Oasen prägen das Landschaftsbild der Region Cabo de Gata. Hinter den Naturstränden der sonnenverwöhnten Küste liegen beschauliche Fischerdörfer, welche den wildromantischen Charme des Gebietes komplettieren.

Naturpark Doñana

Das Vogelparadies im Mündungsgebiet des Río Gudalquivir böte sich eigentlich für Wanderungen an, der Zutritt ist jedoch verboten. Nur die Teilnahme an geführten Bustouren ist erlaubt, aber da besteht dann keine Gelegenheit zum Wandern.

Wanderwege voller Anmut

Innerhalb der vielen Wandergebiete von Andalusien gibt es zwei Wanderwege, welche besonders berühmt sind. Dies sind der GR7 und die Gruppe der Vías Verdes. Die Route GR7 ist Teil des europäischen Fernwanderwegs E4 von Andalusien über Frankreich nach Zypern. Sie verläuft quer durch Andalusien und führt an den bedeutenden Städten Cádiz, Málaga, Granada, Almería, Córdoba und Jaén vorbei. Der Startpunkt ist mit Tarifa der südlichste Ort auf dem europäischen Festland. Aufgrund der Länge von 1.200 km gehört die Route GR7 zu den spanischen Fernwanderwegen.

Die Gruppe der Vías Verdes umfasst Wege, welche ursprünglich Eisenbahnstrecken gewesen sind und zu Pfaden für Radfahrer sowie Wanderer umgebaut worden sind. Spanien besitzt ein Streckennetz von über 1.400 km an diesen sogenannten „Grünen Wegen“. In Andalusien kannst du vier davon in den Provinzen Málaga, Cádiz, Sevilla und Huelva finden. Sie geleiten den Aktivurlauber durch tiefe Täler und führen ihn an eindrucksvollen Gebirgen vorbei. Andere bringen den Reisenden durch unheimliche Eisenbahntunnel und offenbaren uralte Viadukte. Atemberaubend ist die Vía Verde zwischen Puerto Serrano und Olvera, welche circa 35,5 km umfasst. Der Wanderweg führt durch unzählige Olivenplantagen und 29 stillgelegte Tunnel und ist bezüglich seines Schwierigkeitsgrades nur für geübte Wanderer geeignet.

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