Hundsgemeine Annäherung an Casares

Wir haben Besuch aus Deutschland. Mit unseren Freunden wollen wir uns heute an Casares heranpirschen, jenes idealtypische Pueblo blanco, dem die andalusische Identität so viel zu verdanken hat. Wir nehmen die alte Landstraße von Estepona nach Casares. Diese zweigt an einem Kreisel ab, der an der Ausfahrt von der A7 zum Industriegebiet von Estepona liegt.

Wanderung Casares
Blick auf Casares
Foto: Wolfgang Zöllner

Die Anreise mit dem Auto

Wir fahren jetzt eine Weile durch ein liebliches, früher landwirtschaftlich genutztes Gebiet, wobei uns auf der rechten Seite eine Area Recreativa begleitet, also ein etwas verwilderter öffentlicher Park mit Freizeitangeboten. Hinter dem Park erhebt sich das wuchtige Bergmassiv des Reales. Der 1400 m hohe, auf dieser Seite fast kahle Berg ist komplett rostrot eingefärbt. Die Farbe kommt von der eisenhaltigen Erde. 

Dass wir die Gemeindegrenze zwischen Estepona und Casares erreichen, macht sich durch einen scheußlichen Eingriff in die Landschaft bemerkbar. Casares hat direkt an seiner Ortsgrenze, also weit außerhalb der Sichtweite des zentralen Ortes Casares Pueblo, ein riesiges Industriegebiet in den Boden gewalzt, mit einer gewaltigen Umspannstation für den Strombedarf der Anlage am Fuße des roten Berges. Das Fatale ist nur: Hier will sich partout keine Industrie ansiedeln! 

Nachdem die Landschaft wieder etwas lieblicher geworden ist, mündet die Landstraße vor einem Landgasthof in die Teerstraße MA-8300 ein, die sich von Casares Costa auf einem Bergrücken in Richtung Casares windet, immer parallel zum rostroten Reales. Auf halber Höhe erreichen wir einen Wanderrastplatz neben einer Gedenkstätte mit Flaggen. Hier wird das freiheitliche und friedfertige Andalusien gewürdigt. Außerdem hat man eine schöne Aussicht auf den Reales und das Tal von Acedia zu seinen Füßen. 

Wir folgen den Serpentinen weiter bergauf, bis wir links die kleine Gaststätte Arroyo Hondo erreichen. Hier parken wir das Auto.

Die Wanderung

Vom Parkplatz gehen wir zweihundert Meter auf der Straße zurück. Dann biegen wir links in einen Feldweg ein, der in einer langen Rechtskurve auf einen kleinen Bergrücken führt. Da sind wir gleich in einer anderen Welt. Während die Straße durch einen etwas eintönigen, niedrigen Pinienwald verläuft, können wir hier oben auf dem baumlosen Felsen frei durchatmen. In der flirrenden Sonne pustet uns ein kräftiger Meereswind durch, der die Hitze angenehm erträglich macht. Rechts überrascht eine grandiose Aussicht auf die gesamte Küste von Marbella bis Marokko, links erkennen wir erstmals den Vorposten des Zieles unserer Wanderung, einen schlanken Funkmast, der beeindruckend weit weg aus einer Ecke am linken Rand eines teils bewaldeten, teils felsigen Bergrückens hervorragt, der uns gegenüber liegt. Ich überlasse meine Gäste ihren Eindrücken. So schrecklich weit weg ist der Mast glücklicherweise nicht, wie sie bald bemerken werden.

An der Stelle, wo der Weg endlich seine Richtung auf den Mast zu ändert, steht eine einsame Villa mit einem wunderschönen Steingarten. Wenn nur der doppelte Drahtzaun nicht wäre, hinter dem uns zwei Fleischerhunde mit tiefer Stimme wütend verbellen und parallel zu uns am Zaun entlang hecheln. Ich stelle mir vor, wie sich gerade die Nackenhaare meiner Besucher sträuben. Wir passieren noch einige Fincas mit eindrucksvollen Villen, bis wir plötzlich den Weg verlassen und die Auffahrt zu einer Villa mit einem Türmchen in der Mitte hoch gehen. Meine Begleiter sehen mich fragend an. Vor dem schwarzen Eingangstor biege ich nach rechts ab und wir umrunden die weiße Einfriedungsmauer des Gebäudes. Plötzlich befinden wir uns auf einem Pfad, der sich auf einem bewaldeten Bergrücken  dahinschlängelt. Auf der linken Seite sehen wir tief unten die Teerstraße nach Casares, die ein Tal mit schönen Fincas und Villen durchquert. Rechts rückt der rostrote Bergriese Reales langsam näher.

Der Weg mündet in eine Betonstraße, die steil bergauf um ein Wasserreservoir herum führt. Hier verstellen zwei zottelige, beigefarbene Hunde in der Größe von Kälbern den Weg. Die wollen nur spielen, sagen es uns aber nicht. Gut, dass ich es wenigstens weiß, während die Nackenhaare meiner Begleiter...

Wandern CasaresFoto: Wolfgang Zöllner

Bald zweigt links ein Wanderpfad ab, der durch einen Wald aus Pinien, Eichen, Kakteen und Agaven mal bergauf, mal bergab führt. Links im Tal beeindrucken wieder die Fincas mit ihren anmutigen Villen. Nach einer Stunde gemütlicher Wanderung erreichen wir eine ockerfarbene Finca, die von einer festungsartigen Mauer  umschlossen ist. Von der Mauerkrone ertönt ein vielstimmiges Bellen, während Augen aus Wolfshundgesichtern feindselig auf uns herunter starren. Schnellen Schrittes eilen wir die kleine Anhöhe zum Funkmast hoch. 

Der Anblick, der sich uns hier bietet, ist überraschend und umwerfend zugleich. Wir befinden uns direkt dem Dorf Casares gegenüber, dessen weiße Häuser sich terrassenförmig um einen Felsen schmiegen, auf dessen höchstem Punkt eine Kirche und eine maurische Festung stehen.

Links unten am Fuße dieser pyramidenförmigen Dorf-Anlage liegt ein kreisrunder gemauerter Friedhof, der von hier oben wir eine altertümliche Kultstätte wirkt. Hinter Casares ziehen sich sanfte Bergrücken zum Mittelmeer hin. Auf den Bergkämmen reihen sich Windräder wie an einer Perlenschnur. Der Felsen von Gibraltar ragt aus dem Meer, umgeben von einer weißen Halskrause aus Wolken, während in der direkt an den Felsen angrenzenden Bucht von Algeciras die Sonne von einem makellos blauen Himmel strahlt. Ich stelle mir vor, wie die Einwohner von Gibraltar gerade das typisch englische Wetter mit Windböen und Regenschauern in ihrer britischen Mikro-Klimazone genießen.

Auf nach Casares

Nun wollen wir schnell das urige Bergdorf Casares erkunden und stürzen uns auf dem abschüssigen Feldweg bergab, der direkt am Ortseingang in die Teerstraße einmündet, welche von der Küste in das Dorf führt. Das geht natürlich nicht ohne schrilles Gekläffe ab, welches diesmal von kleinen Chow-Chows und Mini-Dackeln herrührt, die von einem ärmlichen Cortijo zu uns herüber gestürmt sind und plötzlich zwischen unseren Beinen herumwuseln. In Casares werden wir all die Hundsviecher schnell vergessen haben. 
Aber es gibt ja noch den Rückweg!

Von Wolfgang Zöllner - wandalus.de

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