El Tráfico – der Verkehr in Andalusien

Der Verkehr in Andalusien funktioniert oberflächlich betrachtet so wie in Deutschland – jedenfalls meistens. Auf die bestehenden Unterschiede möchte ich heute einmal anhand eigener Erfahrungen eingehen.

Verkehr Andalusien
Die Autovía MA-24 bei Málaga

Unterwegs mit dem Auto

Die Buchung eines Mietwagens

Wenn ich in Málaga am Flughafen ankomme, habe ich vorher im Internet schon einen Mietwagen reserviert. Je früher man reserviert, desto preiswerter wird es. Die Angebotsvielfalt ist unübersichtlich und hält etliche Fallstricke bereit. Wenn man sein Auto direkt im Flughafen abholen und zurückgeben möchte, wird es meist teuer und du musst lange Wartezeiten am Schalter einkalkulieren. Preiswerter sind in der Regel Mietwagenfirmen, die ihr Lokal im Umfeld des Flughafens haben und den Kunden am Flughafen mit einem Shuttlebus abholen. Einige bieten verblüffend niedrige Tagessätze an. Diese enthalten jedoch nur einen Basis-Versicherungsschutz. Um nicht auf den Kosten für Schäden an Reifen, Fenstern, Unterboden, durch falsches Betanken oder Verlust des Schlüssels usw. sitzen zu bleiben, ist eine Zusatzversicherung sinnvoll. Das kann schon eine Verdoppelung des Preises bewirken. Wer die extra Versicherung ablehnt, muss über seine Kreditkarte eine Kaution hinterlegen.

So etwas kann man vermeiden, wenn man über den deutschen Vermittler Sunny Cars bucht. Da ist die Versicherung immer mit drin und die Regulierung im Schadensfall erfolgt über Sunny Cars. Der Pferdefuß dabei ist, dass Sunny Cars nicht selbst vermietet, sondern irgendeinen spanischen Vermieter aussucht. Es kann sein, dass der dann einen sehr altersschwachen Gebrauchtwagen übergibt und du keine Garantie auf ein bestimmtes Automodell hast. Du denkst, du hast einen sportlichen Fiat Panda gebucht, bekommst aber einen lahmen Chevrolet Matiz der gleichen Wagenklasse. Im Nachhinein kannst du das durch Nachzahlung für eine höhere Wagenklasse natürlich korrigieren.

Ein Blick ins Kleingedruckte bewahrt nicht nur vor solchen Überraschungen. Die Tankregelung sollte lauten: Den Wagen bei Anmietung voll getankt erhalten und voll wieder zurückgeben. Bei abweichenden Regelungen lassen sich Mietwagenfirmen das Betanken fürstlich entlohnen mit 20 bis 70 Euro. Dein Ryanair Flieger zurück nach Deutschland fliegt schon früh um 6:30 h? Pech gehabt, denn viele Firmen berechnen dann eine Nachtpauschale von 30 – 40 Euro. Du hast irgendwo falsch geparkt und das Kennzeichen deines Autos wurde notiert? Dafür, dass das Mietwagenunternehmen deine deutsche Adresse an die spanische Polizei weiter meldet, berechnet es eine Bearbeitungspauschale von 30 – 40 Euro, sogar dann, wenn das Knöllchen gar nicht nach Deutschland geschickt wird. Du möchtest auch mal eine Spritztour nach Gibraltar, Portugal oder gar Marokko machen? Viele Mietwagenverträge verbieten genau das. Du bist älter als 70 oder jünger als 23 Jahre? Dann will dich gar nicht mehr jedes Mietwagenunternehmen als Kunden haben! Du benötigst ein Navi oder einen Kindersitz für den Nachwuchs oder dein Lebenspartner soll auch mal das Auto bewegen dürfen? Gegen Geld ist das immer zu haben, aber nur selten umsonst.

Bei der Beurteilung, ob ein Endpreis günstig ist, musst du all diese Extrabedingungen mit ins Kalkül ziehen. Als hilfreich erweist sich oft, wenn du kostenfrei Clubmitglied beim Mietwagenunternehmen deines Vertrauens wirst. Du erhältst dann günstige Sonderangebote und Preisnachlässe und die Abfertigung am Schalter geht schnell, weil dort deine Daten schon gespeichert sind.

Sich auf der Autobahn zurechtfinden

Es ist nicht verkehrt, wenn du eine ungefähre Vorstellung davon hast, wo die Städte liegen, die für deine Fahrt wichtig sind. Wenn du z.B. vom Flughafen Málaga nach Estepona fährst, werden dir unterwegs in willkürlicher Reihenfolge folgende Fahrtziele der Autobahn präsentiert: Algeciras, Cádiz, Torremolinos. Da hilft es, zu wissen, das erst Torremolinos kommt, dann Marbella und Estepona und erst dahinter Algeciras und Cádiz.

Vor Torremolinos gabelt sich die Autobahn: links geht es nach Torremolinos und rechts in Richtung Algeciras. Vor Fuengirola spaltet sich die Autobahn in eine kostenfreie und eine kostenpflichtige Straße. Beide führen nach Marbella, Algeciras und Cádiz. Die Schnellstraße (Autovia) A7 verläuft an der Küste entlang. Die mautpflichtige Autobahn AP7 hingegen im Hinterland etwa 15 km von der Küste entfernt. Das P in AP7 steht für Autopista. Diese Autobahnen werden in Spanien von Privatfirmen betrieben, während für die kostenfreien Autovias der Staat zuständig ist. In der Hochsaison und in Wochen um Feiertage wie der Semana Santa (Ostern) ist die Maut (Péache) deutlich teurer als an normalen Tagen. Im Nordosten von Marbella geht die AP7 wieder in die A7 über und trennt sich erneut im Nordwesten. Auch hier werden für beide Straßen die Ziele Cádiz und Estepona angezeigt. Auf der A7 geht es durch einen Tunnel über Puerto Banús und den Süden von San Pedro nach Estepona. Auf der AP7 kommt man über den Norden von San Pedro nach Estepona.

Das Straßensystem in Spanien

Der Unterschied zwischen Autovias und Autopistas liegt nicht nur im Buchstaben P. Vielmehr sind mautpflichtige Straßen „richtige“ Autobahnen, während auf mautfreien wie der A7 auch Radfahrer und Fahrzeuge unterwegs sind, die wie kleine Autos aussehen, aber keine sind, sondern wie ein „Moped auf 4 Rädern“ wirken und maximal 45 km/h fahren dürfen. Die Höchstgeschwindigkeit auf Autopistas beträgt 120 km/h. Auf Autovias liegt sie bei 100 km/h, ist aber an vielen Stellen auf 80 km/h beschränkt.

Außerdem gibt es an Autovias wie der A7 zahlreiche Ein- und Ausfahrten ohne Beschleunigungsspur und ohne Beschilderung. Hier ist besondere Vorsicht geboten. Der Einfahrende muss im Seitenspiegel die rechte Spur beobachten. Fahrzeuge, die noch weit weg erscheinen, sind schnell heran geprescht, weil sie mit 80 oder 100 km/h unterwegs sind. Also muss der Einfahrende mangels Beschleunigungsspur einen Kavaliersstart hinlegen, wenn er im Strom mitschwimmen will. Wer auf der rechten Spur der Autovia fährt, fühlt sich vom einfahrenden Verkehr häufig genötigt, auf die linke Spur auszuweichen. Außerdem muss ständig die Geschwindigkeit angepasst werden, weil man zahlreiche Verkehrskreisel passiert und manchmal sogar Ampelanlagen, wie z.B. im Stadtgebiet von Algeciras.

Um auf die Gegenfahrbahn zu gelangen, gibt es an beiden Schnellstraßentypen besondere Anschlussstellen, die Cambio de Sentido. Diese haben auch immer einen Namen, so dass man dort genau weiß, wo man sich befindet. Vorwegweiser weisen in der Regel 500 m vorher auf die nächste Cambio de Sentido hin. Die Cambio de Sentido haben meist folgenden Aufbau: Die Ein- und Ausfahrt der Autovia oder Autopista endet in einem Kreisel, in den oft auch noch andere Straßen einmünden. Nach einer Dreiviertel-Umrundung des Kreisels überquert man die Schnellstraße auf einer Brücke, die auf der Gegenseite wieder in einen Kreisel mündet, an dem die Ein- und Ausfahrten der Gegenfahrbahn hängen. Bei normalem Verkehr sorgen die Kreisel für einen reibungslosen Verkehrsfluss. Bei Stau in einem Kreisel staut es sich auch im anderen, wie bei kommunizierenden Röhren. Nichts geht mehr, denn der Stau pflanzt sich in die einmündenden Straßen fort und wird durch keine Ampelschaltung reguliert.

Autovias sind in der Regel 4-spurig mit Mittelleitplanke. Daneben gibt es zahlreiche einfache Überlandstraßen, deren Nummerierung ebenfalls mit A beginnt. Viele Autovias sind aus ehemaligen Nationalstraßen hervorgegangen, die mit N oder E nummeriert waren. Teile davon existieren heute noch. So hat z.B. der Teil der Küstenstraße, welcher durch die Innenstadt von Marbella verläuft, die alte Nummer E340, während der „Rest“ als Umgehungsstraße A7 um Marbella herum geführt wurde.

Analog zum deutschen Straßensystem könnte man die spanischen Straßen, die mit A beginnen und keine Autopistas sind, als „Bundesstraßen“ bezeichnen. Die Provinzen der autonomen Regionen betreiben daneben noch ein eigenes Straßensystem. Die Nummern dieser Straßen beginnen z.B. in der Provinz Malaga mit MA, in der Provinz Cádiz mit CA. Über die Güte der jeweiligen Straße sagt diese Klassifizierung nichts aus. Die MA20, die zum Flughafen Málaga führt, ist 4-spurig und hat einen exzellenten Ausbauzustand, während sich die A377 von Manilva nach Gaucín in einem erbärmlichen Zustand (mal estado) befindet und deshalb seit zehn Jahren nur mit 40-50 km/h befahren werden darf. Aktuelle Informationen über den Zustand der Straßen findet man auf der Seite der DGT.

Als Ausländer verzweifelt man oft daran, dass es an den andalusischen Fernstraßen kaum Anhaltemöglichkeiten gibt. Hin und wieder sieht man am Rand mit Schotter gefüllte Ausweichstellen, deren rasiermesserscharfe Abbruchkante man aber keinem Autoreifen zumuten möchte.

Durch die vielen Touristen aus allen möglichen Ländern - neulich sah ich dort einen Porsche Cayenne aus dem Porsche-Zentrum der sibirischen Stadt Omsk - ist man mit sehr unterschiedlichen Fahrstilen konfrontiert. Positiv möchte ich anmerken, dass ich noch nie beobachtet habe, dass einer der zahlreichen Engländer Probleme mit dem Rechtsverkehr hatte. In Gibraltar (very british) gilt übrigens seit 1938 wegen der Unfallgefahr durch Ausländer ein Rechtsfahrgebot!

Die Verkehrsregeln in Spanien

Auch in Andalusien gelten die uns bekannten Verkehrsregeln. Aber die Herangehensweise der Spanier ist eine andere: Verkehrsregeln werden von vielen Leuten angesehen als ein „Angebot“, das man annehmen oder ablehnen kann. Z.B. sind Fahrschulautos die einzigen Fahrzeuge, die blinken, wenn sie aus einem Kreisverkehr herausfahren. Geschwindigkeitsbeschränkungen sind eher Folklore. Während man in Deutschland Porsche-Fahrern nachsagt, sie hätten Probleme mit der Geschwindigkeitsbegrenzung, übernehmen in Spanien häufig die Fahrer des Seat Leon diese Rolle.

Damit sich in Andalusien überhaupt jemand an Geschwindigkeitsbeschränkungen hält, sind überreichlich Schwellen in den Straßenbelag eingelassen. Manchmal warnen Schilder mit der Aufschrift Baden vor Schwellen. Wer sie nicht beachtet, kommt schnell auf besonders üblen Höckern ins „Schwimmen“.

Ganz wichtig ist, dass man in Spanien schon ab einem Alkohlgehalt von 0,5 Promille als fahruntüchtig gilt!

Bei der Verkehrsüberwachung bekommt man es im Wesentlichen mit zwei Polizeiorganisationen zu tun: Innerhalb von Ortschaften mit der Ortspolizei Policia Local, auf dem Land mit der Guardia Civil. In Andalusien sieht man viel mehr Polizeiautos auf den Straßen als in Deutschland. Geschwindigkeitskontrollen sind selten, passieren aber meist dort, wo man am wenigsten mit ihnen rechnet. Ich wurde schon zwei Mal gebührenfrei und freundlich angehalten, weil mich die Polizei nur darauf hinweisen wollte, dass bald vor mir eine Verkehrssituation eintreten würde, bei der ich gebeten werde, besonders langsam zu fahren. Z.B. ein Marathonlauf oder eine Baustelle.

Die Spanier schenken sich das Geld für die vielen Park- und Halteverbotsschilder, wie wir sie in Deutschland aufgestellt haben. Stattdessen wird die Bordsteinkante da, wo ein Parkverbot sein soll, gelb eingefärbt und da, wo nur gegen Gebühr geparkt werden darf, in Blau. Die anderen allgemein bekannten Parkverbote wie z.B. an Bushaltestellen, gelten natürlich zusätzlich. In einer ruhigen Nebenstraße einer Urbanisation habe ich mir einmal einen Parkzettel eingefangen, weil ich statt 5 m nur 3 m von der nächsten Straßenecke entfernt geparkt habe. In der Altstadt des verschlafenen Städtchens Olvera bin ich an einem Sonntag in einer Sackgasse nicht weiter gekommen, weil spanische Autos in der zweiten Reihe den Weg zugeparkt hatten. Ich hab meinen Wagen dann auch in die zweite Reihe gestellt und mir eine Kirche angeschaut. Als ich zurückkehrte, waren die falsch geparkten anderen Autos alle verschwunden und ich hatte ein Pickerl an der Windschutzscheibe.

Manchmal erlebt man einfach reine Schikane. Am Flughafen Málaga habe ich mal vor dem Terminal 2 angehalten um meine Frau samt Koffern dort auszuladen und dann allein weiter zu fahren, um den Mietwagen abzugeben. Wie aus dem Nichts stürmte plötzlich eine Horde Polizisten auf den Bürgersteig vor den Parkbuchten und verscheuchte alle dort haltenden Autos. Ich war so perplex, dass ich meine Frau stehen gelassen habe und mit dem Wagen abgehauen bin. Ich sah noch, wie ein Polizist mein Kennzeichen notierte. Später habe ich dann festgestellt, dass dort ein Schild steht, welches das kurze Anhalten zum Ausladen ausdrücklich erlaubt. Vom Mietwagenunternehmen erfuhr ich, dass die Polizei solche Aktionen veranstaltet, um die verunsicherten Touristen zu veranlassen, die kostenpflichtigen Parkplätze des Flughafens zu benutzen. Ich habe übrigens für diesen Vorfall nie einen Bußgeldbescheid erhalten.

Unangenehm ist, dass jede Gemeinde die Verwarnung anders handhabt. So habe ich neulich in Tarifa einen Aviso de Denuncia an meiner Windschutzscheibe gefunden, aus dem weder hervor ging, welche Behörde diese Verwarnung ausgestellt hat, noch wie hoch das Verwarnungsgeld sein würde und wo ich es bezahlen könnte. Selbst die Polizei von Tarifa konnte mir nicht sagen, an welche Behörde ich mich dort wenden könnte.

Das ist besonders misslich, weil das zu erwartende Verwarngeld um 50% reduziert würde, falls ich innerhalb von 20 Tagen bezahle. Da der Park-Kontrolleur das Kfz-Kennzeichen meines Mietwagens notiert hat, wird er irgendwann, wenn ich schon längst wieder in Deutschland bin, den Bußgeldbescheid an das Mietwagenunternehmen senden. Das wird der Behörde meine Adresse in Deutschland mitteilen und für diesen „Service“ von mir 30 Euro Bearbeitungsgebühr kassieren.

Die spanische Behörde könnte nun einen Bußgeldbescheid an das Bundesamt für Justiz in Bonn schicken, das mich danach zur Zahlung auffordert. Zu dieser Rechtshilfe ist die deutsche Behörde nach einer EU Richtlinie von 2010 aber nur verpflichtet, wenn das Bußgeld mehr als 70 Euro beträgt. Ich könnte die Zahlung erfolgreich ablehnen, falls der Bußgeldbescheid nur in Spanisch abgefasst ist oder weil ich von den Spaniern keine Chance für eine Anhörung bekommen habe.

Außerdem hat eine Untersuchung der Stiftung Warentest ergeben, dass 92 % der ausländischen Rechtshilfeersuchen in Deutschland wegen Verkehrsverstößen im Ausland aus den Niederlanden stammen. Für die meisten Länder ist das Verfahren unattraktiv. Denn das ausländische Bußgeld wird zwar in Deutschland eingetrieben, verbleibt aber dann beim deutschen Fiskus. Die spanische Behörde bleibt zusätzlich auf den Kosten für die Übersetzung des Bußgeldbescheids sitzen.

Die Chance, dass ich nichts an die Behörde zahlen muss, steht also gut. Finanziell gewinnt dabei nur das Mietwagenunternehmen, denn die 30 Euro Bearbeitungsgebühr sind auf jeden Fall futsch.

Ich könnte allerdings bei meiner nächsten Spanienreise noch mal zur Kasse gebeten werden, falls ich in eine Verkehrskontrolle gerate und dort das nicht gezahlte Verwarngeld in der Polizei-Datenbank auftaucht.

Solltest du dich in Spanien in einer Situation befinden, in der dir die Bezahlung des Bußgeldes (multa) bereits in Spanien ratsam und machbar erscheint (weil du Aussteller und Betrag kennst und den Verstoß begangen hast), kannst du das auf folgende Weisen erledigen:

  • in einer Filiale der spanischen Post Correos
  • in einer Filiale der spanischen Bank Banco Santander
  • telefonisch unter der Telefon-Nr. 060 der DGT (Dirección General de Trafico). Dabei musst du die Nummer deiner Bankkarte nennen, mit der du am Automaten Geld abheben kannst. Unklar ist, wie du dabei an eine Quittung kommst
  • Per Online-Überweisung im Internet an die DGT

Auch hier gilt, dass du bei Bezahlung innerhalb von 20 Tagen den Bußgeldbetrag um 50% reduzieren kannst.

Bahnfahren in Andalusien

Das andalusische Eisenbahnnetz ist sehr überschaubar. Die Großstadt Marbella ist z.B. überhaupt nicht daran angeschlossen. Auch entlang der Küsten von Mittelmeer und Atlantik gibt es keine Zugverbindung, wenn man von den kurzen S-Bahn-Strecken von Málaga über Torremolinos nach Fuengirola sowie zwischen Cádiz und Chiclana de la Frontera absieht. Der Plan einer durchgehenden Eisenbahnstrecke von Nerja über Málaga und Marbella nach Estepona ist wegen der Finanzkrise unter die Räder gekommen.

Das gesamte Netz besteht aus den Strecken:

Fahrpläne und Preise findest du auf der Webseite der RENFE.

Dazu kommen noch die AVE Hochgeschwindigkeitsstrecken von Málaga oder Sevilla über Cordoba nach Madrid oder Barcelona, die über einen eigenen Gleiskörper verfügen, und die langsame Zugverbindung von Almería über Valencia nach Barcelona. In dem kleinen Dorf Bobadilla treffen sich einige Bahnlinien und ermöglichen ein Umsteigen. Das Innere des Bahnhofs Bobadilla ist sehenswert. Er ist mit bemalten braunen Kacheln ausgekleidet.

Bahnhof BobadillaFoto: Wolfgang Zöllner

Für Wanderer ist die Strecke Algeciras-Ronda von Bedeutung. Hier verkehren nur Dieseltriebzüge. Die kleinen Bahnhöfe an der Strecke verströmen noch das Flair der „guten alten Zeit“. Die würdevollen Bahnhofsvorsteher, die Fahrkarten verkauften, die Weichen von Hand bedienten und den Toilettenschlüssel herausrückten, wurden leider vor wenigen Jahren wegrationalisiert. Nun muss man das Ticket im Zug beim Schaffner kaufen.

Charakteristisch für Andalusien ist, dass viele Bahnhöfe meilenweit von den zugehörigen Ortschaften entfernt liegen. Die Estación de Gaucin befindet sich z.B. 10 km vom Gebirgsdorf Gaucín entfernt tief im Tal des Río Guadiaro. Zu Fuß oder mit dem Privatauto muss ein Höhenunterschied von 300 m überwunden werden.

Ein Kontrastprogramm zu den niedlichen Bahnhöfen im Tal des Guadiaro bietet der AVE-Bahnhof von Santa-Ana Antequera. Der liegt 20 km von der Stadt Antequera entfernt und erhielt seinen Namen von dem nahe gelegenen 10-Häuser Weiler Santa Ana, mitten in einem riesigen, menschenleeren Oliven-Anbaugebiet. Der Bahnhof mit seiner modernen Glasarchitektur sieht aus wie eine Miniaturausgabe des ICE-Bahnhofs vom Frankfurter Flughafen. Er verfügt über ein kostenpflichtiges Parkhaus und einen Fahrkartenschalter. Jeder Bahnreisende wird samt Gepäck wie an einem Flughafen durchleuchtet. Wenn es hoch kommt, steigen dort täglich um die 50 Fahrgäste ein oder aus. Immerhin wurde er erst unlängst mit dem übrigen Bahnnetz verbunden. Bis dato musste man zum Umsteigen die 6 km von Bobadilla nach Santa Ana mit dem Taxi überbrücken.

Eine weitere Besonderheit lernte ich bei Bobadilla kennen. Ich hatte mir in Málaga ein Hin- und Rückfahrt-Ticket nach Bobadilla gekauft. In Bobadilla stieg ich den Gegenzug nach Málaga ein. Der Schaffner im Zug raunzte mich an, ich hätte mir in Bobadilla am Fahrkartenschalter für mein Rückfahrticket eine Sitzplatzreservierung besorgen müssen. Dabei war ich der einzige Fahrgast in diesem Waggon!

Die staatliche Eisenbahngesellschaft RENFE steht unter keinem Wettbewerbsdruck durch Privatbahnen. Statt den Service auf Normalstrecken zu verbessern oder die Küsten zu erschließen, investiert sie lieber in das Prestigeprojekt des AVE mit Glaspalästen wie in Santa Ana. Auch Sevilla ist mittlerweile mit Madrid und Barcelona über einen AVE verbunden. Für Granada ist ein AVE geplant. Dabei hat ein spanisches Gutachten ergeben, dass das AVE-Hochgeschwindigkeitsnetz niemals seine Kosten einspielen wird.

Unterwegs mit dem Bus

Das Öffentliche Busnetz in Andalusien stützt sich hauptsächlich auf private Busgesellschaften. In und zwischen den Städten an der westlichen Costa del Sol verkehren z.B. Linienbusse der privaten Busgesellschaft Portillo. die wiederum zum Avanza Konzern gehört. Portillo betreibt auch die sehr günstige Schnellbuslinie vom Flughafen Málaga nach Marbella. In größeren Städten existieren Busbahnhöfe mit mehreren Bussteigen, wo man an einem Schalter (Taquilla) Fahrkarten kaufen kann. Achtung: Auch die Busbahnhöfe werden privat betrieben, was dazu führen kann, dass man dort keine Tickets konkurrierender Busgesellschaften kaufen kann, obwohl deren Busse dort halten.

An gewöhnlichen Haltestellen zahlst du beim Fahrer, was umständlich ist, weil Fahrpreise z.B. auf 1,61 € lauten können. Vor allem auf dem Land kannst du oft gar nicht erkennen, wo sich eine Bushaltestelle befindet. Dort, wo ein Schild steht, das man als Haltestellenschild interpretieren könnte, oder ein Unterstand ohne Schild, findest du oft weder einen Hinweis, welcher Bus hier wohin fährt, noch an welchen Tagen und Uhrzeiten. Manchmal gibt es ein Bushaltestellenschild, an dem aber nur der regionale Schulbus hält.

Z.B. verkehrt von Marbella nach Istán werktags ein Linienbus, der nicht von Portillo, sondern von der privaten Busgesellschaft Transandalucia betrieben wird. Wo und wann man da zusteigen kann, wissen aber nur Ortskundige. Im Internet könntest du nachsehen, wann welcher Bus wohin fährt. Dazu müsstest du aber bereits wissen, welche private Busgesellschaft in der jeweiligen Gegend überhaupt einen Liniendienst betreibt und dann die Webseite dieser Gesellschaft aufrufen. In dünn besiedelten Gegenden ist das Busnetz für den Touristen unbrauchbar. Z.B. fährt früh um 7 Uhr ein Bus von Jubrique nach Ronda und um 14 Uhr wieder zurück. Wer nach Jubrique will, kommt also von dort mit dem Bus am gleichen Tag gar nicht mehr zurück. 

Hier die Webseiten einiger andalusischer Linienbus-Gesellschaften und Verkehrsverbünde:

Unterwegs mit dem Fahrrad

In Andalusien mit dem Fahrrad unterwegs zu sein, ist durchaus kein Vergnügen und recht gefährlich. Folglich sieht man sehr selten "normale" Radler, sondern entweder Mountainbiker oder Radrennfahrer. Insbesondere auf den kurvenreichen Bergstraßen oder auf den 4-spurigen Autovias wie der A7, wo dem überraschten mitteleuropäischen Autofahrer bei 100 km/h manchmal nur eine Vollbremsung übrig bleibt, verbunden mit der Hoffnung, dass der Hintermann nicht auffährt. Die Radler haben keine Ausweichmöglichkeit, denn die Autovia ist die einzige Straße, welche durchgehend an der Küste entlang führt. Die an der Küste wie an einer Perlenschnur aufgereihten Urbanisationen sind nämlich jede für sich eigenständige Wohngebiete, die untereinander nicht mit Straßen verbunden sind. Oder diese Verbindungen sind nur Ortskundigen geläufig. Außerdem können die zahlreichen Flüsse und Bäche, die dem Meer zustreben, oft nur auf der Brücke der Autovia überquert werden.

Fahrrad Málaga

In letzter Zeit werden vermehrt Radwege gebaut, so schmal wie in Deutschland, aber mit einem Mittelstreifen und oft mit vollflächig blau oder grün gestrichener Fahrbahn! Häufig auch mit einem durchgehenden Betonwall, der den Radweg von der parallel verlaufenden Autostraße abtrennt und damit die Manövrierfähigkeit des Radlers sehr einschränkt. Dass man ständig neben der Autostraße herfahren muss, trübt natürlich das Naturerlebnis, welches man sich als Freizeitradler wünscht. In Touristenzentren kann man jetzt auch verstärkt Fahrräder mieten.

Von Wolfgang Zöllner - wandalus.de

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