Zwangsräumungen in Spanien - Die bitteren Folgen der Wirtschaftskrise

101.034 Zwangsräumungen wurden in Spanien 2012 angeordnet. 101.034 Familien, die ihre Unterkunft bereits verloren haben oder darum fürchten müssen. Seit Ausbruch der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 mussten über 350.000 Familien ihr Zuhause verlassen.

Hoffnung macht eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshof (EuGH) vor wenigen Wochen, die das spanische Verfahren zur Zwangsräumung von Wohnungen für rechtswidrig erklärte. Die spanische Regierung kündigte bereits Gesetzesänderungen an, allerdings nicht rückwirkend. Wer seine Wohnung bereits verloren hat, muss sein Glück wohl beim EuGH in Luxemburg versuchen.

Immer wieder machen Einzelschicksale das ganze Ausmaß der Krise deutlich. In Granada wurden eine Mutter und ihr dreizehnjähriger Sohn aus ihrer Wohnung geworfen. Mehr als 50 Polizisten waren bei der Vollstreckung der Zwangsräumung vor Ort. Die Selbstmordrate in Spanien steigt seit Ausbruch der Krise. Nach einer Suizid-Serie Ende 2012 wurden Zwangsräumungen kurzfristig gestoppt.

Doch es gibt auch einige Betroffene, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. In Sevilla beziehen ganze Familien – meist angeführt von Frauen – leer stehende Häuser. Schon über 150 Familien sollen Häuser in ärmeren Vorort-Vierteln Sevillas besetzt haben. Die Stadtverwaltung hat zwar Strom und Wasser gekappt und schickt hin und wieder die Polizei vorbei, noch aber dürfen die Besatzer in ihren Wohnungen bleiben.

Arbeitslosigkeit steigt ins Bodenlose

Ein Ende der Wirtschaftskrise ist bisher nicht absehbar. Die Arbeitslosenquote beträgt mittlerweile mehr als 25%. Bei den Jugendlichen unter 25 Jahren ist mehr als jeder Zweite ohne Job. In Andalusien liegt die offizielle Arbeitslosenquote bei 36 Prozent. Die Jugendarbeitslosigkeit sogar bei über 60 Prozent.

Erfolgsversprechende Gegenmaßnahmen scheint niemand zu haben. Immerhin will die spanische Regierung will 3,5 Milliarden Euro investieren, um die flächendeckende Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen. Ein Drittel des Geldes soll aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) stammen, den Rest übernimmt der spanische Steuerzahler.

Verfasst am 24. März 2013
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