Mobiles Internet in Spanien - ein Selbstversuch

Du kennst diese Situation: Du möchtest dich einige Wochen im Jahr in Spanien aufhalten und dabei nicht auf die Nutzung des Internets verzichten. Also sollte eine Prepaid-SIM-Karte her, welche die Möglichkeit des Tethering nutzt, d.h. für mehrere Benutzer gleichzeitig als Internet-Hotspot zur Verfügung steht, möglichst mit mindestens G3 (UMTS) Netzgeschwindigkeit.

Mobiles Internet Spanien
Das Smartphone als treuer Reisebegleiter im Spanien Urlaub
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Prepaid-SIM-Karten in Spanien

Ich habe in Marbella einen Selbstversuch unternommen, nachdem ich mit einer koreanischen Prepaid-SIM-Karte in Südkorea hervorragende Erfahrungen gemacht hatte. In Korea hatte ich meinen eigenen Hotspot auf meinem aus Deutschland mitgebrachten Smartphone und habe mit der Familie in 30 Tagen 4,5 GB verbraucht, was mich 79 Euro gekostet hat. Nachladen von zusätzlichem Datenvolumen war innerhalb der Vertragslaufzeit von 30 Tagen jederzeit möglich.

Das Thema Hotspot auf Prepaid-SIM-Karten sehen die spanischen Internet-Anbieter ganz anders. Sie wollen Jahresverträge mit monatlichen Beiträgen von ca. 35 Euro verkaufen. Prepaid SIM-Karten für einen privaten Internet-Hotspot bietet kein spanischer Telefon-Konzern freiwillig an. Ich möchte aber keinesfalls für 6 Wochen Internet-Nutzung in Spanien 420 Euro Jahresgebühr ausgeben.

Movistar, der spanische Mobilfunkzweig von Platzhirsch Telefonica bietet Prepaid-SIM-Karten nur mit 1 GB Datenvolumen an, aber ohne Tethering.

1. Test: Vodafone

Bei Vodafone Spanien in Marbella gibt es theoretisch USB-Sticks und mobile Modems, in die man eine Vodafone Prepaid-SIM-Karte mit 1,5 GB stecken könnte. Leider sind gerade weder Stick noch Modem verfügbar. Und die 1,5 GB SIM-Karte ist ausverkauft, ich muss mit einer 1GB Karte für 10 Euro Vorlieb nehmen. Das Datenguthaben lässt sich auch nicht durch Aufladen erhöhen. Ich müsste bei Verbrauch der 1 GB oder nach Ablauf eines Monats eine neue SIM-Karte mit einem neuen Prepaid Vertrag kaufen.

Ich stecke die Vodafone SIM Karte in ein mobiles DWR730-Modem von D-Link. Zwar sieht dort formal alles gut aus, aber es kommt keine Verbindung zum Internet zustande. Der Verkäufer des D-Link Modems klärt mich auf, dass Vodafone darauf nicht funktioniert. Ich möge es doch mit einer SIM-Karte von Orange oder Yoigo probieren. Bei Yoigo habe ich kein Gefühl, ob ich auch in abgelegenen Gegenden Empfang haben würde.

Der Vodafone Verkäufer hatte bestritten, dass ich die SIM-Karte im eigenen Smartphone zum Tethering nutzen kann. Der Selbstversuch zeigt aber, dass das doch geht. Allerdings währt das Vergnügen nur 1,5 Tage, dann meldet eine SMS von Vodafone, das Datenvolumen sei verbraucht und ich sei jetzt „vertragsgemäß“ auf 64 KB Internetgeschwindigkeit heruntergebremst worden. In der Tat, keine Grafik öffnet sich mehr im Internet.

Kontrollieren kann ich auf meinem Smartphone nicht, wie viel Datenvolumen ich verbraucht habe. Der Verbrauch, den Android anzeigt, stimmt leider nicht mit dem Verbrauch überein, den der Herausgeber der SIM-Karte berechnet, wie ich von meinem Korea-Aufenthalt weiß. Sicherheitshalber rufe ich noch bei der englischsprachigen spanischen Vodafone-Hotline 22189 an, die ich nur über meine Vodafone SIM-Karte erreichen kann. Dort wird mir bestätigt, mein 1GB Datenvolumen sei schon verbraucht. Der Vodafone-Verkäufer in Marbella meint, 1 GB sei doch gar nichts, ich müsse halt ein größeres Datenvolumen nach kaufen.

2. Test: Orange

Auf der Orange Webseite erfahre ich, dass Orange Huawei Router mit Prepaid-SIM-Karten im Angebot hat. Im Laden kriege ich den Router allerdings nicht.

Die Registrierung meines Prepaid-SIM-Kartenvertrags bei Orange dauert drei Mal so lang wie bei Vodafone. Es ist ja nicht mein Problem, ob Orange mit meiner 20 Euro SIM-Karte für 2 GB Datenvolumen bei dieser umständlichen Arbeitsweise Gewinn macht. Auch hier gilt: Sobald die 2 GB verbraucht sind oder der Monat um ist, muss ich eine neue SIM-Karte kaufen und einen neuen Prepaid-Vertrag abschließen.

Die SIM-Karte von Orange tut brav ihren Hotspot-Dienst in meinem D-Link Modem. Auf dem Display erscheint nicht Orange, sondern Amena. Die D-Link App zeigt an, dass ich mit Amena und Orange verbunden bin. Na, Hauptsache, es funktioniert. Der D-Link Akku macht nach 6 Stunden schlapp. Nervig ist, dass ich das Modem jedes Mal über USB an meinen Laptop anschließen muss, wenn der Strom verbraucht ist oder ich es mal abschalte. Der Grund ist, dass ich mangels Eingabemöglichkeit am D-Link Modem den PIN-Code der Orange SIM-Karte über die D-Link Administratoren App auf dem Laptop eingeben muss. Der Orange Verkäufer entfernt auf meine Bitte hin den PIN-Code von meiner Orange SIM-Karte.

Wie viel Datenvolumen ich verbraucht habe, kann ich auch bei Orange nicht selbst feststellen. Glücklicherweise kann ich, allerdings nur in Spanien, über jede Art von Telefon die internationale Orange Servicenummer 900906121 anrufen. Dort wird mir sogar auf Deutsch geholfen (den Nebengeräuschen nach zu urteilen, bin ich auf den Philippinen gelandet): Ich habe in 4 Tagen 500 MB von meinem 2 GB Guthaben verbraucht. Das liegt im Rahmen meiner Erwartungen.

Als meine 2 GB verbraucht sind, macht mir der Hotline-Mitarbeiter von Orange ein interessantes Angebot: Da auf meinem Vertrag noch 20 Euro Guthaben vermerkt seien, könne er mir für 15 Euro weitere 2 GB frei schalten. Das großzügige Angebot nehme ich an. Nachdem auch diese 2 GB verbraucht sind, erfahre ich von seinem Kollegen, dass das Restguthaben noch 10 Euro betrage. Er könne mir für 9 Euro noch mal ein GB frei schalten. Diese Handhabung der Grundrechenarten kommt mir spanisch vor, aber wenn Orange das so sieht, wird es wohl stimmen. Den einen Euro, der jetzt noch auf meinem Konto steht, soll ich zum Telefonieren verwenden, rät der freundliche Telefonagent. Ich beschließe, großzügig zu sein und Orange den Euro zu schenken, da ich mit meinem Hotspot-Router nicht telefonieren kann.

Von Wolfgang Zöllner

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