Kriminalität in Andalusien

In diesem Beitrag bekommt du interessante Einblicke zum Thema der Kriminalität in Andalusien. Von Armutskriminalität, Korruption und Vetternwirtschaft bis hin zu den Machenschaften der Mafia in Andalusien.

Kriminalität Andalusien
Die nationale und lokale Polizei in Spanien
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Kleinkriminelle, Mafiabosse und korrupte Politiker

Mord, Raub, Sexualdelikte, Betrug, Drogenhandel, Geldwäsche, Korruption, Terrorakte, Menschenschmuggel, Umweltvergehen und andere Straftaten gibt es in nahezu allen Gesellschaften. Spätestens seit im Rheinland massenhaft Geldautomaten in Banken und Sparkassen mittels Gas in die Luft gesprengt werden, und seit der verstörenden Sex- und Diebstahlattacken in der Silvesternacht 2015 in Köln ist offensichtlich, dass es kriminelle Besonderheiten gibt, die schwerpunktartig nur in bestimmten Regionen auftauchen. Ich möchte heute der Frage nachgehen, ob es Kriminalitätsmuster gibt, die für Andalusien besonders typisch sind und auf die sich der Andalusien-Besucher vielleicht einstellen sollte.

Auf jeden Fall kann man für die Kriminalität in Andalusien einige wichtige Ursachen benennen:

  • Armut
  • Einwanderungsdruck durch Ausländer
  • das spanische Unvermögen, Gesetze in praktisches Handeln umzusetzen
  • die allgegenwärtige Versuchung, öffentliches Eigentum in die eigene private Gruppe umzuleiten
  • die Gleichgültigkeit bei der Vernichtung einer intakten Umwelt.

Andalusische Armutskriminalität

Die spanische Immobilienkrise von 2008 und die mit ihr einher gehende Pleitewelle in der Wirtschaft mit anschließender Massenarbeitslosigkeit, hat die andalusischen Küstenprovinzen Cádiz und Málaga in besonderem Maße getroffen. Die Folge ist, dass sich mehr Menschen erhoffen, durch Teilnahme am Drogenhandel ihrer persönlichen wirtschaftlichen Misere entfliehen zu können. Schon immer haben offizielle spanische Stellen den Zwergstaat Gibraltar verdächtigt, als Drehscheibe für den Drogenschmuggel nach Westeuropa zu dienen. Damit wird davon abgelenkt, dass in den letzten Jahren immer mehr Drogen in andalusischen Gewässern und in den andalusischen Hafenstädten aufgebracht werden, die direkt aus Marokko oder Südamerika nach Spanien verbracht werden. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht größere Drogenfunde gemeldet werden, insbesondere in Algeciras, Tarifa und der Bucht von Cádiz.

Aber auch kleinere Delikte nehmen zu: Im Dezember 2015 wird ein Postbote in Marbella verhaftet, der 3.000 Briefe unterschlagen und verbrannt hat. Auf Parkplätzen kassieren selbst ernannte Parkwächter in bunten Warnwesten Touristen ab. Es ist ratsam, zwei, drei Euro freiwillig herzugeben, wenn man sein Auto bei der Rückkehr unversehrt vorfinden will.

Im Zuge der vielen geplatzten Immobilienkredite verlieren Tausende Spanier ihr Zuhause. So kommt es vermehrt zu illegalen Hausbesetzungen, was stillschweigend toleriert wird, solange es sich um leer stehende Geisterstädte handelt. Personen werden aus den von ihnen besetzten Häusern vertrieben, weil die Bank, welche die Häuser finanziert hat, neue zahlungskräftige Käufer gefunden hat.

Das spanische Gesetz ist gegenüber Hausbesetzern indifferent. Eigentlich ist Hausbesetzung verboten. Wenn aber Hausbesetzer eine Wohnung geentert haben, sind sie dort nur schwer wieder zu vertreiben. Ich habe selbst erlebt, wie junge Hausbesetzer in einer vorübergehend leer stehenden Wohnung neben der meinigen eindringen. Sie behaupten, ihren Schlüssel verloren zu haben. Dem herbeigerufenen Schlüsseldienst zeigen sie einen gefälschten Mietvertrag vor. Der öffnet das Schloss. Die Eindringlinge wechseln das Schloss aus. Der nichts ahnende britische Eigentümer in England muss nun beim andalusischen Amtsgericht beweisen, dass der Mietvertrag gefälscht ist. Das kann sehr lange dauern. In seine eigene Wohnung eindringen darf er nicht, denn das wäre Hausfriedensbruch.

Rückzugsbasis und Operationsgebiet für ausländische Kriminelle

Am 29. Januar 2016 meldet die Presse, dass der 87-jährige Brite Gordon Goody in der Nähe von Almería gestorben ist. Goody war ein Mitglied der berüchtigten Gang, die 1963 den Postzug zwischen London und Glasgow überfallen und 47 Millionen Euros erbeutet hat. Nach Verbüßung seiner Haftstrafe hat er sich die Costa del Sol für einen ruhigen Lebensabend ausgesucht. Aber auch viele noch "aktive" Kriminelle aus ganz Europa, insbesondere aber aus Großbritannien wählen die Sonnenküste als Rückzugsraum. Der 34-jährige Paul Walsh, genannt "Burger", ein berüchtigtes Mitglied der nordirischen IRA, kann sich fünf Jahre in Torremolinos verstecken, wo er seit 2010 ein Fitnessstudio betreibt.

Die Briten haben als größte europäische Migrantengruppe in Andalusien vielerorts eine Art Parallelgesellschaft etabliert, mit eigenen Schulen, Banken, Metzgereien, Läden, Handwerksbetrieben, Pubs, Kricket- und Golfclubs und Bordellen. So ist es für britische Kriminelle leicht, dort unbemerkt unterzutauchen.

Manche von ihnen führen Drogenbanden an, die durch öffentliche Shootouts von sich reden machen. Einige werden von der spanischen Polizei geschnappt und nach Großbritannien überstellt. Der 44-jährige Brite Robert Dawes wird im November 2015 in Benalmádena festgenommen und nach Frankreich ausgeliefert. Dawes soll Kokain im Wert von 200 Millionen Euro geschmuggelt und in den Niederlanden mehrere Personen ermordet haben. Am 30.Dezember 2015 wird der 39-jährige "Mr. Big" Roy Dunstance geschnappt und nach Schottland überstellt. In seinem Haus in Benalmádena findet die Polizei Heroin im Wert von 5,6 Mio britischen Pfund, Kokain für 127.000 Pfund, Amphetamine für 804000 Pfund, und Cannabis für 40.000 Pfund. Am 5. Januar 2016 werden acht Engländer verhaftet, die von Málaga aus Kokain im Wert von 681 Millionen Euro nach Galizien verschiffen wollen. Das Zeug war vorher von einigen Holländern aus Südamerika nach Málaga geschmuggelt worden.

Im September 2015 wird am Flughafen Málaga der Belgier Michel Desaedeleer aufgegriffen, der mit internationalem Haftbefehl wegen Handels mit Blutdiamanten aus dem Bürgerkrieg in Sierra Leone gesucht wird.

Am 25. November 2015 wird der 39-jährige britische Resident Devinder Kainth zu 6 Monaten Haft verurteilt. Er soll in einem Restaurant einen alkoholisierten pädophilen Deutschen getötet haben. Die Strafe fällt so milde aus, weil Kainth ein Ersttäter ist.

Der 71jährige Royston Griffey, früherer britische Bürgermeister von Bristol, vermietet 2014 seine Ferienwohnung in Mijas an den 30-jährigen Briten Ross Moore. Griffey weiß nicht, dass Moore in Großbritannien wegen Körperverletzung und wegen des Mordes an einem Deutschen gesucht wird. Moore zündet die Ferienwohnung an, wird geschnappt und in das Gefängnis von Alhaurín el Grande gebracht.

Briten werden häufig Opfer ihrer kriminellen Landsleute. Kurz vor Ausbruch der spanischen Immobilienkrise im Jahr 2008 drehen Finanzjongleure aus Gibraltar britischen Residenten in Andalusien windige Finanzinnovationen an, bei denen angeblich Traumrenditen locken. Die Finanzhaie überredeten ihre Landsleute, eine Hypothek auf ihre bereits abbezahlten spanischen Immobilien aufzunehmen um die Finanzprodukte kaufen zu können. Die Leute, meist britische Rentner, verlieren so nicht nur ihre Ersparnisse, sondern auch noch ihr Zuhause und bleiben auf einem Berg Bankschulden sitzen.

Insbesondere die Russenmafia wäscht ihr Geld in großem Stil, indem es in die vielen nutzlosen Immobilienprojekte an der Küste investiert wird. In Casares del Mar sind z.B. mit gütiger Mithilfe des Bürgermeisters Juan Sanchez 250 Millionen Euros auf dem südlichen Teil der Finca Cortesin in einem Immobilienprojekt weiß gewaschen worden von einer international tätigen osteuropäischen Bande, die von dem "Polnischen Al Capone" Ricardo Fanchini angeführt wird.

Armutsflucht aus Afrika, Südamerika und Asien

Bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts ist Spanien ein Auswandererland. Daran erinnert z.B. noch die Avenida de Knittlingen im andalusischen Bergdorf Montejaque. Viele Einwohner sind damals in die schwäbische Kleinstadt Knittlingen ausgewandert um dort Arbeit zu finden.

Dann dreht sich der Trend um. Erst kommen die europäischen Touristen und lassen Dörfer wie Torremolinos und Marbella aufblühen. Ihnen schließen sich reiche Ölscheichs aus den Golfstaaten an. Dann reisen im Rahmen der EU Integration osteuropäischer Staaten vor allem Migranten aus Rumänien ein, vermutlich wegen der lateinischen Wurzeln ihrer Sprache und wegen der andalusischen Zigeuner-Subkultur.

Bald darauf wächst die schwarzafrikanische Bevölkerung Spaniens von nahezu Null auf über 400.000 Menschen an. Anfang 2016 wird die erste Abgeordnete mit schwarzafrikanischen Wurzeln im spanischen Zentralparlament gesichtet. Sie ist von der Bürgerschreckpartei Podemos aufgestellt worden. Mittlerweile ist die Meerenge von Gibraltar für afrikanische Bootsflüchtlinge nahezu verschlossen. Die beiden spanischen Enklaven in Marokko, Ceuta und Melilla, sind von acht Meter hohen Zäunen umgeben, so dass hier kaum noch jemand durchkommt.

Dafür blüht der Menschenhandel. Nicht mehr so sehr aus Marokko, aber umso mehr aus Süd- und Mittelamerika und der Karibik sowie aus Russland, China und Thailand werden Menschen ins Land geschmuggelt. Die Lateinamerikaner können wegen ihrer spanischen Wurzeln unauffällig in der spanischen Bevölkerung untertauchen, während die anderen Ethnien an der Küste zwischen den vielen Touristen kaum auffallen.

Waren 1980 noch nahezu 100 Prozent der Prostituierten in Andalusien Spanierinnen, sind es heute nur noch 10 Prozent. Mit falschen Versprechungen nach Spanien eingeschleuste Frauen werden in die Prostitution gezwungen. Mit Menschenhandel verdient das organisierte Verbrechen so viel Geld wie mit Drogen. In honorigen bürgerlichen Zeitungen wie der in Málaga erscheinenden Tageszeitung Sur kann der Interessent jeden Tag unter Hunderten von ausländischen Liebesdienerinnen in der Rubrik "Relax" auswählen. Kleine private Bordelle findet man entlang der Küstenstraße A7 genauso wie in den Bergen im Hinterland. Teure Sexclubs befinden sich auf luxuriösen Fincas im Raum Marbella. Der eigentlich verbotene Straßenstrich und einige Großbordelle ballen sich im Industriegebiet von Málaga im Mündungsgebiet des Flusses Guadalhorce.

Auf den Obst- und Gemüseplantagen schuften Tausende von Migranten ohne Aufenthaltserlaubnis unter erbärmlichen Umständen. Auf den Strandpromenaden der Urlaubszentren entwickeln sich die Hundertschaften von afrikanischen Souvenirverkäufern mit ihren Handtaschen- und Uhrenplagiaten zu einer Landplage. Hin und wieder werden sie von der Polizei verscheucht, stehen aber nach wenigen Minuten wieder an gleicher Stelle. Ob die Polizei hier an Schutzgeld mit verdient, lässt sich nicht beweisen.

Korruption und Vetternwirtschaft

Im Gefängnis von Alhaurín bei Málaga sitzen etliche Bürgermeister und Stadträte ein, weil die Gier sie dazu getrieben hat, sich an öffentlichem Eigentum zu vergreifen oder Menschen, ungesetzliche Vorteile zu gewähren, wenn sie mit Geldscheinen wedeln oder anbieten, für den kleinen Gefallen private Bauleistungen in Schwarzarbeit zu erbringen. Diese Politiker werden nach Verbüßen ihrer Haftstrafe manchmal sogar wieder gewählt. Denn die Wähler haben nicht vergessen, wem sie es zu verdanken haben, dass ihre Grundstücke in Naturschutz- oder Wasserschutzgebieten zu Bauland wurden.

In Andalusien erschütterten mehrere Korruptionsskandale das politische Leben, mit Schäden, die in die Milliarden gehen. In meinem Beitrag über die andalusische Politik habe ich darüber berichtet. Zwei andalusische Präsidenten, Minister, Gewerkschaftsführer und Unternehmer sind z.B. in den ERE Skandal verwickelt, in dem 1 Milliarde Euro an EU Zuschüssen veruntreut wurden. Verurteilt wurden seit der ersten Gerichtsverhandlung 2011 bisher nur zwei Angeklagte und kein müder Euro wurde bisher zurück erstattet.

Die Veruntreuung öffentlicher Gelder geht trotz der unaufgearbeiteten Altfälle ungebremst weiter. In Archidona bei Málaga steht Europas größtes ungenutztes Gefängnis seit Jahren leer herum. Auf 350.000 Quadratmetern bietet es Platz für 2.000 Häftlinge. Die optimistische Interpretation wäre: Vielleicht sollen die Zellen ja frei bleiben um eines Tages die vielen Angeklagten aus Korruptionsprozessen zu beherbergen?

Der neue Flughafen Aeropuerto Cristobal der Stadt Huelva verfügt weder über Start- und Landebahnen noch über ein Terminal. Aber seit Jahren werden bereits 11 Flughafen-Mitarbeiter in Vollzeit bezahlt. Nun soll die andalusische Landesregierung 82 Millionen Euro nachschießen um die Region Huelva mit Hilfe des Flughafens besser touristisch zu erschließen.

Auch vor dem obersten andalusischen Gerichtshof macht die Korruption nicht Halt. Sein Präsident Lorenzo del Río hat neben seinem offiziellen Gehalt von jährlich 90.000 Euro zwölf Jahre lang noch monatlich 1.300 Euro "für die Lebenshaltung" kassiert. Obwohl die spanischen Gesetze verbieten, dass Richter und Staatsanwälte von den Regionalregierungen Zuwendungen erhalten. Die Junta de Andalucía hat diese Zuwendungen nie offiziell verbucht. Sie weiß offenbar auch nicht, wer alles Geld fürs Nichtstun erhält. Eine andalusische Ministerin des derzeitigen PSOE Kabinetts kassiert monatlich 2.000 Euro für eine Tätigkeit, die sie nie ausgeübt hat. Luis Guerrero, der zum Flamenco-Direktor von Jerez de la Frontera ernannt worden war, hat drei Jahre lang je 72.000 Euro Gehalt eingestrichen, hat aber keine Ahnung, welche Tätigkeit eigentlich von ihm erwartet wird.

Umweltstraftaten

Andalusien wird immer wieder von schwerwiegenden Umweltverbrechen erschüttert.

Im April 1998 ereignet sich nahe der andalusischen Stadt Aznalcóllar die bisher größte Umweltkatastrophe Spaniens. Wegen Sicherheitsmängeln bricht der Damm einer Mine, in der Blei, Zink und Silber abgebaut werden. Aus dem Auffangbecken für Abwässer fließen mehrere Millionen Kubikmeter giftigen Schlamms über 4.600 Hektar Ackerland und bedrohen den größten Vogelschutzpark Europas. Im Nationalpark Coto de Doñana bilden sich hohe Konzentrationen von giftigem Arsen sowie von Schwermetallen wie Blei, Kadmium und Quecksilber. Bemühungen, die Mine wieder zu eröffnen, werden Mitte 2015 von der couragierten Richterin Patricia Fernández Franco gestoppt. Sie untersagt der Regionalregierung von Sevilla, dem Konsortium Magtel, zu dem sich die spanische Firma Minorbis und die in Mexiko bereits einschlägig wegen Umweltvergehen bekannte Groupo Mexico zusammengeschlossen haben, den Zuschlag zur Sanierung der Mine zu erteilen. Der unterlegener Mitbewerber Emerita, der ein weit besseren Konzept vorgelegt hatte, klagt ebenfalls gegen die Entscheidung. Offensichtlich ist bei der Lizenzvergabe Korruption im Spiel. Die Richterin fordert die Spezialeinheit der Polizei für Wirtschafts- und Steuerkriminalität (Udef) auf, die Direktorin der Behörde für Energie und Minen María José Asencio Coto zu vernehmen.

In Huelva, woher wir in Deutschland im Februar die ersten Erdbeeren beziehen, betreibt die Firma Feritberia eine riesige Deponie mit 120 Millionen Tonnen Giftmüll und hat damit 1.200 Hektar Marschland verseucht. Dabei wird die zulässige Radioaktivität um 150% überschritten. Eigentümer der Müllkippe ist Juan Miguel Villar, ehemaliger Finanzminister und jetzt der sechstreichster Mann Spaniens. Vor kurzem wurde auch offenbar, dass die ungebremste Ausweitung der Erdbeerfelder dazu geführt hat, dass der Grundwassersspeicher des Nationalparks Doñana, dem wichtigsten Vogelschutz- und Feuchtgebiet Europas, sich um 50 % reduziert hat. Amerikanische Konzerne wie Coca Cola haben dagegen bei den andalusischen Umweltbehöprden protestiert. Dennoch sehen deutsche Handelskonzerne, die zwischen Februar undApril massenhaft Erdbeeren aus Huelva nach Deutschland importieren, keinen Handlungsbedarf. Denn alle ihre Lieferanten bzw. Produzenten seien zu 100% nach dem GlobalGAP Standard für eine "Gute Agrar Praxis" zertifiziert und zugelassen. Dumm ist nur, dass GlobalGAP nichts darüber aussagt, ob diese Produzenten bei ihrem Tun die Umwelt versauen. Sondern es geht nur um Lebensmittelsicherheit und akzeptable Arbeitsbedingungen.

In Sevilla werden im November 2015 zwei Fabriken für Tiernahrung geschlossen. Sie hatten aus Kadavern kranker Tiere 20.000 Tonnen Tierfutter hergestellt, das auch in die menschliche Nahrungskette gelangt ist. Und wer hat das ermöglicht?: Luis Vazquez, der Vorsitzende der andalusischen Behörde für das Wohl der Tiere!

In einem Naturschutzgebiet am Mittelmeerstrand in der Nähe von Almería kämpfen Umweltverbände seit Jahren darum, das 2005 illegal errichtete Hotel Algarrobo abzureißen. Mehrfach hat die Junta de Andalucía den Abriss verfügt, aber es geschieht nie etwas.

In Marbella sind 16.000 Häuser illegal errichtet worden, mit Duldung der damaligen Stadtverwaltung. Die jetzige Stadtverwaltung will die Schwarzbauten nun nachträglich legalisieren. Das wird vom obersten andalusischen Gerichtshof unterbunden. Die Stadt Marbella müsste nun alle 16.000 Gebäude abreißen lassen, weil sie nicht dem Bebauungsplan von 1983 entsprechen. Das kann schon wegen der vielen ausländischen Eigentümer niemand wagen.

Zwischen Antequera und Marchena wird eine 77 km lange Strecke für den AVE Hochgeschwindigkeitszug gebaut. Der wird dort nur niemals verkehren, denn nachdem bereits 279 Millionen Euro verbaut sind, hat EU Umweltkommissar Janis Potocnik das Projekt abbrechen lassen, weil gravierend gegen Umweltauflagen verstoßen wurde.

Die eigentlich sehr sinnvollen spanischen Umweltgesetze regeln, dass in Wäldern und Naturschutzgebieten nur "Geräteschuppen" mit einer maximalen Grundfläche von 12 qm errichtet werden dürfen. Wenn man sich auf Wanderungen in der schönen Natur so umschaut, trifft man allenthalben auf Protzbauten, die leicht das Zwanzigfache dieser Vorgabe ereichen. Niemand schreitet ein und die zuständigen lokalen Behörden haben offensichtlich beide Augen zugedrückt. Z.B. an der Bergstraße von Marbella nach Istán wurde mitten im UNESCO Biosphärenreservat Sierra de las Nieves auf einem bewaldeten Hügel mit schönem Blick auf den Stausee la Concepción die spektakuläre "Finca Sagittario" errichtet und so weitschweifig eingezäunt, dass der Wanderweg von Marbella nach Istán hier unterbrochen ist. In der Villa feiert der Jetset von Marbella in den späten Neunzigerjahren des 20. Jahrhunderts rauschende Partys.

In der gleichen Gegend hat 2007 die Schweizer Investorengruppe Swissmade Homes einen halben Berg weggesprengt um dort ein Dutzend Häuser einer neuen Urbanisation namens Marbella Country Club zu bauen. Als 2008 die spanische Immobilienkrise ausbricht, bleiben die Betongerippe der Häuser halbfertig stehen und verschandeln bis heute die schöne Landschaft am Cerros del Lago.

Immer wieder kommt es in den der Küste zugewandten Bergregionen zu verheerenden Waldbränden. Meist ist Brandstiftung die Ursache. Obwohl die andalusischen Gesetze offene Feuer in der Landschaft verbieten, fackeln viele Bauern weiterhin ungerührt ihre Feldabfälle auf den ausgedörrten Wiesen ab. Genauso häufig werden Flächen aber auch gezielt angezündet, damit sie anschließend in Bauland für weitere Golfplätze und Ferienwohnanlagen umgewidmet werden können. Im Jahr 2012 wütet ein derartig entstandener Waldbrand eine Woche lang zwischen dem Bergdorf Ojén und den Außenbezirken von Marbella. Mehrere Häuser werden ein Raub der Flammen. Ein Mensch stirbt im Feuer, fünf werden verletzt. Auf einer Fläche von 12 qkm bleiben nur noch verkohlte Stümpfe ehemaliger Bäume und Sträucher übrig.

In der Meerenge von Gibraltar sterben die Killerwale aus. Der Grund ist die hohe PCB Belastung der Gewässer, die von der chemischen Industrie und den ungeklärten Abwässern in der Bucht von Algeciras ausgeht. EU Mittel in Höhe von 120 Millionen Euro, die zur Verbesserung der Wasserqualität bereit gestellt wurden, sind von den lokalen Wasserbehörden nur zu einem Drittel für diesen Zweck verwendet worden. Wo die restlichen zwei Drittel geblieben sind, ist unklar.

Während du als Tourist sehr wohl die Folgen der kriminellen Energie in Andalusien zu Gesicht bekommen wirst, ist die Gefahr gering, dass du selbst direkt in ein Verbrechen involviert werden könntest. Genieße also deinen Urlaub!

Von Wolfgang Zöllner

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