Die USA im Spanischen Bürgerkrieg

Die USA halten sich offiziell aus dem Spanischen Bürgerkrieg heraus, dennoch kämpfen zahlreiche Antifaschisten auf Seiten der Internationalen Brigaden. Viele der amerikanischen Freiwilligen werden ihren Einsatz mit dem Leben bezahlen.

USA Spanischer Bürgerkrieg
Madrid am Ende des Bürgerkrieges 1939
Everett Historical / Shutterstock.com

Die Beteiligung amerikanischer Freiwilliger am Spanischen Bürgerkrieg

Der amerikanische Präsident Theodore Roosevelt sympathisiert mit den spanischen Republikanern, will sich aber gegen seinen Außenminister nicht durchsetzen, der bei einem offiziellen Eingriff der USA in die Kampfhandlungen einen Weltkrieg befürchtet (der dann drei Jahre später dennoch entflammt). Außerdem glaubt Roosevelt, auf seine katholischen Wähler Rücksicht nehmen zu müssen. Daher verhängen die USA ein Waffenembargo gegen Spanien und niemand bekommt einen Pass, wenn er damit als Kriegsfreiwilliger nach Spanien reisen möchte. Daher versuchen die amerikanischen Antifaschisten es eben erfolgreich als Touristen, Journalisten oder Geschäftsleute.

Der typische amerikanische Freiwillige ist jung, ohne Job, Mitglied einer kommunistischen Organisation und abenteuerlustig. Einige sind Farbige, die sich freuen, dass sie in den Brigaden in Spanien als gleichberechtigte Menschen akzeptiert werden, während in der US-Armee noch strikt die Rassentrennung praktiziert wird. Fast niemand verfügt über militärische Erfahrung. Allen gemeinsam ist der Protest dagegen, wie in Deutschland mit den Juden umgegangen wird. Sie wollen durch ihre Kriegsteilnahme in Spanien die Ausbreitung des Faschismus in Europa aufhalten.

Die Pässe der Amerikaner tragen alle den Vermerk „ungültig für Spanien“. In Paris benötigen die einreisenden Amerikaner für den Aufenthalt in Frankreich einen Stempel der US Botschaft in ihrem Pass. Sie werden in der US Botschaft in Paris alphabetisch abgefertigt. Der amerikanische Konsularbeamte fragt einen der jungen Kerle, wie viel Geld er dabei hat. Die Antwort ist 5 Dollar. Wie er davon leben wolle? Er werde sich Geld nachschicken lassen. Dann solle er so lange auf den Stempel warten, bis das Geld da ist. Die anderen jungen Kerle, die im Alphabet später dran sind, legen daraufhin ihr Geld zusammen und der Nächste in der Reihe zeigt dieses Geld vor. Der Konsularbeamte durchschaut den Trick und lässt die Scheine, die ihm bereits vorgelegt wurden, markieren. Keiner bekommt seinen Stempel. Der Beamte bietet ihnen die kostenlose Heimreise binnen drei Tagen an. Alle bleiben trotzdem in Paris und suchen die geheimen Sammelstellen der Komintern auf.

Kanonenfutter für Francos Truppen

Man schickt sie mit dem Zug an die spanische Grenze, die seit dem 8. August 1936 von den Franzosen geschlossen ist. Schleuser führen die Freiwilligen durch Schnee und Eis über die Pyrenäen in die spanische Festung Figueras. Dort erhalten sie weder Waffen noch Uniformen, aber Kondome. Von Figueras geht es mit dem Zug durch Katalonien nach Albacete, dem militärischen Hauptquartier der Internationalen Brigaden. An jedem Bahnhof jubeln ihnen die Spanier zu. In Albacete werden ihnen ihre amerikanischen Pässe abgenommen und jeder bekommt eine 100-Peseten Banknote. In den Dörfern um Albacete erhalten sie eine militärische Grundausbildung und freuen sich über die Gastfreundschaft der armen Landbevölkerung. Zum Üben gibt es viel zu wenig Gewehre und Munition. Ein Freiwilliger, der in eine heruntergekommene 700 Jahre alte Festung im Ausbildungslager Tarazona einquartiert wurde, beschreibt diese so: In dieser Festung sind das Erbrochene und der Dünnschiss der vergangenen 700 Jahre allgegenwärtig. Das eklige Essen führt zu erneutem Erbrechen und Durchfall, was diese Unratberge weiter erhöht.

Die Amerikaner benutzen das deutsche Wort „Ersatzkaffee“, wenn sie über ihr Frühstück lästern. Ihre Versorgungslage empfinden die Amerikaner als trostlos. Sie vertragen das spanische Essen nicht, das meist aus Bohnen in ranzigem Olivenöl besteht. Fleisch ist eine Rarität und oft vom Pferd oder Esel. Ein US-Freiwilliger beschreibt Eselsfleisch als eine Art Kaugummi, das den ganzen Mund mit Gummi füllt, je mehr man davon zu sich nimmt.

Immerhin kommen hin und wieder Pakete mit Lebens- und Genussmitteln an, die von amerikanischen Unterstützungs-Organisationen wie der “Friends of the Abraham Lincoln Brigade“ gesammelt und zu den amerikanischen Freiwilligen nach Spanien geschickt wurden.

Nach drei Monaten werden sie zum Lincoln-Bataillon oder zum Washington-Bataillon an die Front bei Madrid versetzt als Ersatz für die dort gefallenen Kameraden der Internationalen Brigade. Sie erhalten russische Flinten und Maschinengewehre aus dem 1. Weltkrieg. Man hat ihnen gesagt, sie müssten bei einem Angriff laut schreiend mit aufgepflanztem Bajonett auf die nationalistischen Stellungen zu laufen. Das tun sie und werden von den Maschinengewehren der Faschisten niedergemäht. Die eigenen Maschinengewehre laufen bei Dauerfeuer heiß.

Die versprochene Unterstützung durch Kampfflugzeuge bleibt aus, was einiges darüber aussagt wie die republikanische Armeeführung die Bedeutung der von den amerikanischen Brigaden gehaltenen Frontabschnitte einschätzt. Die in den Augen der Amerikaner mickrig aussehenden russischen Panzer feuern nur im Rücken der Infanteristen. Bei einem Angriff auf Brunete bei Madrid werden an einem einzigen Tag acht der neun Kommandeure des Lincoln-Bataillons getötet oder verwundet. Neuer Kommandeur wird ein Schwarzer, auf dessen Grabplatte nach wenigen Tagen steht: „Hier ruht Oliver Law, der erste amerikanische Neger, der weiße Amerikaner in den Kampf führte“.

Heimweh und Fahnenflucht

In der drückenden Hitze verdursten die jungen verwundeten Amerikaner im Niemandsland zwischen den Fronten. Die wenigen, die es zurück in die eigenen Stellungen schaffen, frieren in den Nächten im nassen Schlamm der Befestigungsgräben. Sie erkennen, dass die gefallenen Faschisten in den von den Internationalen Brigaden eroberten Dörfern genauso junge Kerle sind wie sie selbst und eigentlich ganz harmlos und unschuldig aussehen. In den Kampfpausen singen die Spanier und Italiener beider Lager sich gegenseitig Lieder vor. In den republikanischen Schützengräben singen sie „Comrade Rojo“. Die Spanier und Italiener in den faschistischen Schützengräben singen „Comrade Soldado“. Faschistische Flugzeuge werfen Flugblätter ab, in denen den internationalen Brigadisten versprochen wird, dass sie in Ihre Heimatländer zurückkehren dürfen, falls sie zu den Nationalisten überlaufen. Heimweh macht sich unter den jungen Amerikanern breit. Wer lange an der Front war, wird einige Tage zur Erholung nach Madrid oder Barcelona geschickt, wo es reichlich Gelegenheiten gibt, die verdienten Peseten in Bordellen auszugeben.

Einige wenige amerikanische Deserteure verlassen das Lincoln-Bataillon unerlaubt, weil ihre Vorstellungen vom Krieg andere sind als die vorgefundene Realität oder weil sie anders eingesetzt worden sind, als sie es möchten. Die Deserteure schlagen sich zum amerikanischen Konsulat in Valencia durch, wo sie Fantasiegeschichten über ihren Aufenthalt in Spanien erzählen, da sie ja als Amerikaner offiziell gar nicht am Krieg in Spanien teilnehmen dürfen. Sie erhalten Papiere, mit denen sie nach Frankreich ausreisen und mit dem Schiff in die USA zurückkehren können. Ansonsten besteht die Regel, dass amerikanische Freiwillige, die mindestens 6 Monate an der Front waren, nach Hause zurückkehren dürfen. Später gilt das nur noch für Verwundete. Nach dem vom Völkerbund angeordneten Totalabzug der Internationalen Brigaden von der Front im Oktober 1938 werden die meisten amerikanischen Kriegsfreiwilligen im US-Konsulat in Valencia mit Papieren versorgt und über Frankreich in die USA geschickt.

„Wem die Stunde schlägt“

Der Film „Wem die Stunde schlägt“, mit Ingrid Bergmann als Maria und Gary Cooper als Robert Jordan in den Hauptrollen, wurde 1946 nach dem gleichnamigen Bestseller von Ernest Hemingway gedreht und hat die Vorstellung über die Spanien-Freiwilligen bei uns im Westen nachhaltig geprägt. Der amerikanische Jude Irving Goff aus Brooklyn bildet die lebende Romanvorlage für Hemingways Amerikaner Robert Jordan, der im Film nationalistische Eisenbahnzüge und Brücken in die Luft jagt.

Irving Goffs Eltern kommen im Jahr 1900 aus der ukrainischen Stadt Odessa nach New York. Im gleichen Jahr wird ihr Sohn Irving geboren. Irving kann in der Wirtschaftskrise nicht studieren, da er zum Lebensunterhalt der Familie beitragen muss. Zuletzt arbeitet er als Akrobat in einem Zirkus und wird Mitglied der Kommunistischen Jugendliga Amerikas.

Ja, damals lebten in Amerika, dem Land der Kapitalisten, echte Kommunisten. Bis zur Kommunistenverfolgung der McCartney Ära ist ja noch zehn Jahre Zeit.

Als der spanische Bürgerkrieg ausbricht, gibt Irving vor, er wolle als Kabarett-Tänzer nach Paris reisen, tatsächlich kämpft er aber in Spanien als einfacher Frontsoldat. Später wird ihm das Kommando über den Fahrzeugpark des amerikanischen Lincoln-Bataillons in Albacete übertragen. Als es ihm dort zu langweilig wird, schließt er sich der neu gegründeten Sabotage-Einheit „Brigada Especial“ in Jaén an, die Sabotage-Operationen hinter den feindlichen Linien an der Südfront durchführt, darunter die Sprengung eines Zuges auf der Strecke Córdoba-Granada. Hemingway nimmt zwei Mal an solchen Aktionen unter dem Kommando des polnischen Hauptmanns Chrost teil und lässt sich auch in der Schlacht am Ebro und bei Madrid an vordester Front als Kriegsberichterstatter blicken.

Goffs spektakulärste Aktion, die er zusammen mit 34 anderen Partisanen durchführt, ist die Befreiung von 315 republikanischen Offizieren und Soldaten, die von den Nationalisten in der für uneinnehmbar gehaltenen Festung La Corchuña am Mittelmeer in der Nähe der Stadt Motril gefangen gehalten werden. 1939 kehrt Goff nach New York zurück.

Obwohl die Regierung der USA ehemaligen Spanienkämpfern verbietet, am Zweiten Weltkrieg teilzunehmen, schafft es Goff, in die Fallschirmtruppe der amerikanischen Sabotageeinheit OSS aufgenommen zu werden und kämpft erfolgreich bei der Eroberung Siziliens mit. In Italien knüpft er Kontakte zum kommunistischen Untergrund. Dort sammelt er wertvolle Hinweise über die deutschen Stellungen und Truppenbewegungen. Während der McCarthy Zeit wird Goff in den USA als Kommunist und Spanienkämpfer verfolgt und diskriminiert. Der Hauptvorwurf lautet „Verfrühter Antifaschist“.

Die Liebesgeschichte zwischen Maria und Robert in Hemingways Roman ist nicht aus der Luft gegriffen. Es kommt zu zahlreiche Romanzen vor allem zwischen Krankenschwestern und Ärzten. Die österreichische Krankenschwester Lisa Gavric und der amerikanische Chirurg Sidney Vogel, beide verheiratet, sind zwei ganz gegensätzliche Typen, verknallen sich aber dennoch ineinander. Gavric ist stramme Kommunistin, Vogel ein Lebemann, der seine Arbeit liebt und die dogmatischen Politkommissare hasst. Die Amerikanerin Ray Harris zieht sich mit einem Liebhaber in die Wäschekammer zurück, wird aber immer wieder unterbrochen, weil sie den Kollegen Material nach draußen reichen muss.

Sieben Amerikaner heiraten sogar in Spanien, wobei es in einigen Fällen nur darum geht, die Staatsangehörigkeit des amerikanischen Partners zu erlangen, dessen Rückkehr von seinem Heimatstaat nicht verweigert wird. Die Amerikaner können eine Ehe rechtsgültig schließen, indem sie im amerikanischen Konsulat in Valencia heiraten.

Nach der Rückkehr der desillusionierten amerikanischen Freiwilligen in die USA erwartet die amerikanische Öffentlichkeit Berichte über die Heldentaten dieser Truppen. Der amerikanische Kriegsfreiwillige Harry Fischer, der in Spanien als Fernmelder eingesetzt war, fasst es in seinem Buch „Comrades“ so zusammen: Ich hatte in Spanien nur selten mal ein eigenes Gewehr und wusste nicht mal, ob ich damit überhaupt jemanden getroffen hatte. Aber das wollte zuhause niemand hören. „Was zählte war, wie viel Böse du erschossen hattest, und wie toll es doch gewesen sein musste, sie umzubringen.“

Von Wolfgang Zöllner

Anzeige