Die Rolle Deutschlands im Spanischen Bürgerkrieg

Das nationalsozialistische Deutschland unterstützte Francos Truppen, wenn auch nur inoffiziell, während des Spanischen Bürgerkriegs und half dem Diktator, an die Macht zu gelangen. Für Hitler war es vor allem ein Probelauf für den bald darauf beginnenden 2. Weltkrieg.

Deutschland Spanischer Bürgerkrieg
Nach dem Luftangriff auf Guernica am 26. April 1937 durch deutsche Kampfflugzeuge
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Der Spanische Bürgerkrieg - Testlauf für die Wehrmacht

Hitler hat kein Interesse an einer offiziellen Beteiligung Deutschlands am Spanischen Bürgerkrieg. Auf Druck Görings liefert er im Juli 1936 als Soforthilfe nur drei JU52 Transportmaschinen, die später durch die Deutsche Lufthansa auf 20 Maschinen aufgestockt werden, nach Nordafrika, um Francos Truppen auf das spanische Festland zu fliegen. Die deutsche Reichswehr ist für einen internationalen Einsatz noch zu schwach, insbesondere, da der offizielle Kriegseintritt Deutschlands zugunsten Francos unweigerlich den Kriegseintritt Frankreichs und Englands sowie vermutlich der Sowjetunion auf der Seite der Republikaner nach sich gezogen hätte.

Hitler ist in der Periode des Spanischen Bürgerkriegs vollauf damit beschäftigt, das Saarland einzugliedern, die Tschechoslowakei zu annektieren, den „Anschluss“ Österreichs vorzubereiten, die Welt mit den Olympischen Sommerspielen zu blenden und den Westwall gegen einen befürchteten französischen Angriff zu errichten.

„Legion Condor“

Die 20.000 Soldaten der Luftwaffeneinheit „Legion Condor“ mit ihren Flugzeugen werden daher nur als „Freiwilligenverband“ nach Spanien geschickt. Sie sollen den Nationalisten Luftunterstützung geben und die neuen Heinkel- und Messerschmidt-Flugzeuge im Kampfeinsatz zu testen. Die „Freiwilligen“ reisen in Zivilkleidung als Urlauber im Rahmen des „Kraft durch Freude“ Programms nach Spanien ein, hauptsächlich über Portugal.

Das 6. Panzerregiment der Reichswehr beteiligt sich ebenfalls am Spanieneinsatz mit 100 Panzern und Ausbildern. Im Verlauf des Krieges werden 25.000 deutsche Panzersoldaten in Spanien trainiert.

Ein deutsches Geschwader unter Führung des Panzerschiffs Admiral Scheer nimmt im Juni 1937 die Stadt Almería unter Beschuss und tötet dort viele Zivilisten. Dies ist die Vergeltung dafür, dass von russischen Piloten gesteuerte republikanische Flugzeuge Ende Mai vor Ibiza das deutsche Panzerschiff „Deutschland“ bombardiert hatten, welches im Mittelmeer das internationale Waffenembargo durchsetzen soll. Angriffe deutscher U-Boote im Mittelmeer auf Versorgungsschiffe der Republikaner bleiben allesamt erfolglos. Die dort gesammelten Erfahrungen sind aber sicher nützlich für den späteren deutschen U-Boot Krieg im Zweiten Weltkrieg.

In Miranda de Ebro wird ein Konzentrationslager nach deutschem Vorbild unter Leitung von SS Sturmbannführer Paul Winzer errichtet. Dort werden gefangene Republikaner, Homosexuelle und gewöhnliche Kriminelle inhaftiert.

Die Kosten des deutschen Einsatzes in Spanien werden auf 43 Millionen US Dollar beziffert.

Da die nationalistische Regierung über zu wenige Devisen verfügt, erhält Deutschland für seine Waffenlieferungen Schürfrechte in 122 spanischen Eisenerz- und Edelmetall-Minen.

Natürlich ist für Hitler neben dem Training seiner Soldaten unter Kriegsbedingungen die Tatsache interessant, dass er mit irregulären deutschen Truppen verdeckt an einem Stellvertreterkrieg des faschistischen Lagers gegen das kommunistische Lager in Europa teilnimmt.

Aber auch 5.000 ganz anders gestrickte Deutsche schaffen es über die deutsche Grenze bis nach Spanien, um dort in der Deutschen Brigade und in weiteren Internationalen Brigaden die Republikaner zu unterstützen. Die Kommunisten unter ihnen folgen der Weisung der Komintern. Für die nichtkommunistischen Hitlergegner unter ihnen, insbesondere für deutsche Juden, ist es die einzige Möglichkeit, den Nazis in Europa mit der Waffe entgegen treten zu können.

Nach der Niederlage der Republikaner 1939 verschwinden viele deutsche Spanienkämpfer der Internationalen Brigade in den deutschen Konzentrationslagern oder sie werden 1940 von der SS in Frankreich aufgegriffen und in die Lager deportiert. Andere geraten nach der Flucht in die Sowjetunion in die Fänge des NKWD und landen im Gulag. Einige, die das alles überleben, gelangen später in der DDR an die Schalter der Macht. Der Bekannteste unter ihnen ist Erich Mielke, der es bis zum Chef der Stasi bringt.

Von Wolfgang Zöllner

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