Die Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg

Die Internationalen Brigaden, kurz Interbrigaden, stellten einen großen und wichtigen Truppenverband ausländischer Soldaten im Spanische Bürgerkrieg von 1936 bis 1939.

Internationale Brigaden
Republikanische Truppen in den Bergen der Pyrenäen
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Schleuser und Notlügen

Im September 2016 wird Joachim Gerhard durch die deutschen Talkshows herumgereicht. Dort berichtet er seinen Zuhörern, wie ihn vor drei Jahren seine 16 und 21 Jahre alten Söhne aus Syrien anriefen, wo sie sich den Kämpfern des Islamischen Staats angeschlossen hatten. Ihrem Vater hatten sie erzählt, sie seien auf einem Wochenendtrip nach Wien.

So wie heute viele Eltern davon überrascht werden, dass ihre Kinder aus heiterem Himmel in den syrischen Krieg ziehen, ergeht es auch Eltern auf der ganzen Welt, als der Spanische Bürgerkrieg ausbricht und die Komintern, die Kommunistische Internationale, am 18. September 1936 in Paris ein Büro eröffnet, in dem sich Kriegsfreiwillige zur Unterstützung der linken spanischen Volksfrontregierung melden können. Viele Freiwillige melden sich aus Abenteuerlust, wegen familiärer Probleme oder fehlender Perspektive auf dem Arbeitsmarkt. Allerdings kommt die Mehrheit der Spanien-Freiwilligen eher aus politischen oder ideologischen Motiven nach Paris um der Ausbreitung des Faschismus in Europa mit der Waffe Einhalt zu gebieten.

Josip Broz alias „Tito“, der nach dem 2. Weltkrieg Präsident Jugoslawiens werden wird, leitet das Rekrutierungsbüro in Paris. Von dort werden die Freiwilligen mit einem speziellen Zug nach Spanien gebracht. Als das nicht mehr möglich ist, weil Frankreich die Grenze nach Spanien abriegelt, werden die Freiwilligen zu Fuß über die Pyrenäen geschleust. Den französischen Grenzpolizisten wird eine Liste mit spanischen Namen vorgelegt, die suggeriert, dass es sich bei den Männern um Spanier handelt, die nach Hause wollen.

Überhaupt haben Schleuser heute wie damals Konjunktur. Werden im Jahr 2015 IS Anhänger über die Türkei nach Syrien und in Gegenrichtung Flüchtlinge aus Syrien über die Ägäis und die Balkanroute nach Deutschland geschleust, so gibt es seit Ende 1936 in Mittel- und Osteuropa ein Schleusernetzwerk, das die internationalen Freiwilligen von Polen über die Tschechoslowakei, Österreich und die Schweiz bis nach Frankreich geleitet. Schleuser gelten den Herrschenden damals wie heute als Kriminelle, die aus der Not der Flüchtlinge Geld herausschlagen. In dem Bericht des Schweizer Bezirkshauptmanns von Feldkirch vom 19. Januar 1938 heißt es: „Noch im September 1937 trafen bereits wieder die ersten Gruppen von so genannten „Spanienfreiwilligen“ in Vorarlberg ein, wo sie mit der Bahn bis nach Götzis fuhren und sich dort im Gasthaus zur Hohen Kugel (Besitzer Tobias Feuerstein) unter dem Stichwort ‚Pichler’ meldeten. Anfang Dezember 1937 tauchte in Begleitung des Josef Foscht plötzlich eine jüdische Frauensperson auf, die sich nach ihrer Festnahme als die bekannte Wiener Kommunistin Tilly Spiegel entpuppte. Die Genannte hat auch wiederholt Geldbeträge sowohl an die Vorarlberger Mittelspersonen als auch an den Taxi-Unternehmer Scherrer aus St. Margarethen ausbezahlt. Tilly Spiegel und Josef Forscht wurden am 16. bzw. 17.Dezember 1937 von der Kantonalspolizei St.Gallen in St. Margarethen festgenommen. Durch die Zusammenarbeit schweizerischer und österreichischer Polizeiorgane konnten 12 österreichische Bürger gefasst und abgeurteilt werden.“

Allerdings befinden sich unter den Polizeiorganen auf der Reiseroute nicht nur Sympathisanten der Faschisten, sondern auch der Linken. Der jüdische Spanienfreiwillige Juliusz Hibner berichtet, wie er 1936 mit falschen Papieren aus Polen über die Tschechoslowakei nach Wien und von dort mit Skiern in die Schweiz geht. An der französischen Grenze wird er verhaftet und soll in die Schweiz abgeschoben werden. Der ihn begleitende französische Gendarm ballt unterwegs die Faust zum Rot-Front-Gruß und lässt Hübner nach Paris entkommen.

Die militärische Organisation der Internationalen Brigaden

Die Neuankömmlinge werden zunächst im Hauptquartier der Internationalen Brigaden in Albacete in der Region La Mancha ausgebildet. La Mancha bedeutet im Arabischen so viel wie „Trockenes Land“. Dort müssen sie oft mehrere Monate dahinvegetieren, bis sie in einen Kampfeinsatz geschickt werden. Der Kanadier Peter Frye schildert die Lage so: „Alle Uniformen, die man uns gab, rissen für gewöhnlich in der Mitte. Du ziehst dir eine Hose an, du knöpfst sie zu, die Naht gibt hinten nach und du stehst mit nacktem Arsch da. Wir nannten uns die „Eier- und Arsch Brigade“. Die Ausbildung wird an Geschützen aus dem Jahr 1874 durchgeführt. Im Kampf gelangen dann später sowjetische Waffen aus dem 1.Weltkrieg zum Einsatz.

Die Angaben über die Mannschaftsstärke der Internationalen Brigaden schwanken erheblich zwischen 12.000 und 100.000 freiwilligen Kämpfern. Die Zahl hängt davon ab, wann gezählt wird, wer zählt und wer dazu gezählt wird. Sicher scheint zu sein, dass zu keinem Zeitpunkt mehr als 12.000 internationale Brigadisten im aktiven Kampfeinsatz stehen. Diese Zahl muss man mindestens verdreifachen, da Gefallene, Verwundete, Kriegsgefangene und Heimkehrer ersetzt werden müssen.

Soll man ausländische Ärzte, Krankenschwestern, Fahrer, Dolmetscher und Ausbilder in der Basis der Internationalen Brigade in Albacete sowie Kriegsberichterstatter dazu zählen? Was ist mit den Ausländern, die nicht in den Internationalen Brigaden kämpfen, sondern wie z.B. George Orwell bei den katalanischen Arbeitermilizen? Oder die Freiwilligen aus Süd- und Mittelamerika, die in die 11. und 46. spanische Division eingegliedert werden? Die ca. 2.000 sowjetischen Militärberater, die meist als Kampfpiloten oder Panzerfahrer aktiv sind, werden mal den Brigaden zugeschlagen und mal nicht.

In Berichten geraten häufig die Begriffe Brigade und Bataillon durcheinander. Eine Brigade ist ein Truppenverband von ca. 2.000 bis 5.000 Kämpfern unter dem Kommando eines Generals oder Obristen. Die Brigade ist in der Regel einer spanischen Division zugeteilt und setzt sich aus mehreren Bataillonen zusammen, wobei ein Bataillon eine Mannschaftsstärke von 500 bis 1500 Soldaten aufweist und von einem Major oder Hauptmann befehligt wird. Ein Bataillon besteht aus mehreren Kompanien von 100 bis 200 Mann, die von einem Hauptmann angeführt werden. Um die Kommunikation zu erleichtern, strebt die Komintern an, Bataillone nach Nationalsprachen zusammenzustellen. Brigaden und Bataillone werden nach Persönlichkeiten oder Ereignissen der jeweiligen Heimatländer benannt. Nicht immer stehen genügend Soldaten für eine Brigade zur Verfügung, dann gibt es eben anstelle einer Brigade manchmal nur ein Bataillon. So erfahren wir einmal etwas über die amerikanische Lincoln Brigade, während in anderen Berichten vom Lincoln Bataillon die Rede ist. Brigaden, in denen mehrere Nationalitäten kämpfen, werden auch „Brigada mixta“ genannt. Im Lauf des Krieges sind die Verluste der Internationalen Brigaden so hoch, dass sie zu großen Teilen mit spanischen Soldaten aufgefüllt werden müssen. So besteht z.B. die XI. Brigade im Januar 1938 nur noch aus 841 Internationalen, aber 2574 Spaniern.

Innerhalb des Spanischen Heeres der Volksfront-Regierung sind die Internationalen Brigaden mit römischen Ziffern XI bis XV durchnumeriert. Keine Regel ohne Ausnahme: Die 129. Internationale Brigade, die in der spanischen Levante-Armee an der Südfront kämpft. Und die „Agrupación“, ein Verband von 4.500 Internationalen, die nach der Auflösung der Internationalen Brigaden im Oktober 1938 bis zum Kriegsende weiter kämpfen, weil sie nicht ohne Gefahr für ihr eigenes Leben in ihre Heimatländer zurückkehren können.

In den Internationalen Brigaden befinden sich Freiwillige aus 50 Ländern, darunter vor allem Franzosen, Deutsche, Italiener, Polen, US-Amerikaner, Engländer, Belgier und Jugoslawen, aber auch eine Hand voll Chinesen.

Die Kampfnamen der Hauptakteure

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist es offenbar Mode, sich einen zweiten Namen zuzulegen. Der Russe Uljanow nennt sich Lenin, aus dem Georgier Dschugaschwili wird der Russe Stalin. Der Österreicher Schicklgruber findet den Namen Adolf Hitler schicker, aus Jisip Broz wird Tito und aus Herrn Fram wird Willi Brandt. Hätten diese Menschen in unserer Zeit gelebt, hätten sie sich vermutlich im Internet einen Avatar zugelegt. Allerdings haben wir es im Spanischen Bürgerkrieg mit einer realen Welt zu tun, in der die meisten Kommandeure der Internationalen Brigaden mit einem, meist spanisch klingenden, Zweitnamen auftreten, mit dem sie auch in die Militär-Geschichtsbücher eingehen.

Die erste einsatzfähige Internationale Brigade ist die XI. „Thälmann“ Brigade. Sie besteht aus dem deutschen „Thälmann“ Bataillon, dem skandinavischen „Edgar-André“ Bataillon, dem niederländischen „Hans Beimler“ Bataillon und dem österreichischen Bataillon „12. Februar“.

Diese XI. Brigade unter dem Kommando des sowjetischen Generals Manfred Stern alias „General Emilio Kléber“ wird bereits Anfang November 1936 nach nur fünftägiger Ausbildung in die Schlacht um Madrid geworfen.

Die XII. Brigade „Garibaldi“ besteht aus italienischen Soldaten und zeichnet sich besonders bei der Schlacht von Guadalajara aus, wo sie den italienischen Truppen Mussolinis, die auf der Seite von Franco kämpfen, eine vernichtende Niederlage beibringt. Ihr erster Kommandeur ist der ungarische Jude Béla Frankl, später bekannt als General Mate Zalka alias „General Lukacs“. Giuseppe di Vittorio alias „Genosse Nicoletti“, der es später noch bis zum Generalsekretär des kommunistischen Gewerkschaftsbundes Italiens bringen wird, ist der Politkommissar der Brigaden.

Die XIII. Brigade „Dombrowski“ umfasst als Brigada Mixta polnische, deutsche, österreichische, russische, bulgarische, ungarische und spanische Bataillone. Ihr erster Kommandeur ist der deutsche Kommunist Wilhelm Zaisser, alias „General Gomez“, der nach dem 2.Weltkrieg der erste Stasi-Minister in der DDR wird. Die XIII. Brigade wird im August 1937 aufgelöst, nachdem ihre Soldaten wegen schwerer Verluste an der Brunete-Front gemeutert haben. General Gomez wird Kommandeur der Zentrale der Internationalen Brigaden in Albacete. Am 4.August 1937 wird eine neue XIII. Brigade als „Dabrowski Brigade“ unter dem Polen Józef Strzelczyk alias „Jan Barwinski“ aufgestellt. Sie kämpft in den Schlachten bei Teruel und am Ebro.

Die XIV. Brigade „Commune de Paris“ besteht aus vier französischen und belgischen Bataillonen. Ihr Gründungs-Kommandeur ist Karol Swierczewski alias „General Walter“, ein sowjetischer Offizier polnischer Abstammung. Die Brigade kämpft bei Córdoba, am Fluss Jarama bei Madrid und in der Schlacht um Toledo.

Die XV. Brigade „Abraham Lincoln“ umfasst US-amerikanische, kanadische, britische und irische Bataillone. Ihr erster Kommandeur ist General Vladimir Copic, ein kroatischer Jurist und Opernsänger. Die Brigade kämpft am Fluss Jarama, bei Belchite, Teruel und in der Ebro-Schlacht.

Die 129. „Slawische Brigade“ wird erst im Februar 1938 unter dem polnischen Juden Mendel Kossoy alias „Waclaw Komar“ aufgestellt und besteht aus Jugoslawen, Tschechen, Bulgaren, Polen, Ungarn, Balten, Finnen, Lateinamerikanern, Angelsachsen und Spaniern. Sie kämpft an der Extremadura-Andalusien Front im Südosten Spaniens. Die Reste der XV. Brigade werden im Herbst 1938 auf Schiffen nach Barcelona evakuiert, nachdem Francos Truppen das Mittelmeer erreicht und das republikanische Gebiet in zwei Hälften zerteilt haben.

Die stalinistische Repression in den Internationalen Brigaden

In jeder Brigade gibt es Politkommissare, die für die „richtige“ Gesinnung der Soldaten sorgen und Spione, Trotzkisten und andere „Linksabweichler“ aufspüren und liquidieren sollen. Zeitweise leitet der deutsche Kommunist Walter Ulbricht jene Abteilung, die in den Brigaden diese Aufgaben wahrnimmt. Ulbricht wird später erster SED Generalsekretär der DDR. Kommandeur aller Brigaden in Albacete ist André Marty, der Chefredakteur der Parteizeitung der französischen Kommunisten „l`Humanité“. Marty erwirbt sich innerhalb der Internationalen Brigaden wegen seiner rustikalen Methoden und seiner hysterischen Anfälle bald den Titel „Der Schlächter von Albacete“. Auf Befehl Ulbrichts und Martys wird der deutsche Sozialist Kurt Landau in Barcelona festgenommen und in einem spanischen GPU Gefängnis zu Tode gefoltert. Angeblich existiert in der Nähe von Albacete ein „Camp Lukasz“, in dem 4.000 internationale Kämpfer von Martys Schergen verhört und gemartert werden. Der britische Parlamentsabgeordnete John McGovern, der nach Spanien reist, um das Schicksal von entführten und ermordeten Sozialisten zu erforschen, berichtet: bringt es auf den Punkt: „Die Sowjetunion hat sich in Spanien eingekauft. Als Gegenwert für die sowjetische Waffenhilfe erhielt die Komintern die tyrannische Macht, die sie benutzt, um Sozialisten, die die kommunistische Linie nicht akzeptieren, zu verhaften, zu foltern und zu töten.“

Die Internationalen Brigaden im Bürgerkrieg

Die Internationalen Brigaden sind in größere Verbände der republikanischen Armee integriert. In der Armeegruppe A unter General Walter kämpfen die XII. und XIV. Brigade. In der Armeegruppe B befinden sich die XI. und XV. Brigade unter dem Ungarn Janos Galicz alias „General Gal“.

Um die Größenverhältnisse und die Bedeutung der Internationalen Brigaden richtig einschätzen zu können, muss man wissen, dass die republikanische Armee 1938 über 776 Bataillone verfügt, von denen nur 25 Bataillone zu den Interbrigaden gehören.

Die Luftstreitkräfte der Internationalen Brigaden

Die internationalen Freiwilligen beteiligen sich auch am Aufbau von Luftstreitkräften für die spanische Republik und schließen sich im Verband der republikanischen Flieger „Asosación de Aviadores de la República“ zusammen.

Obwohl Frankreich seit August 1936 ein Waffenembargo über Spanien verhängt hat, wird der französische Schriftsteller André Malreaux beauftragt, für die spanische Regierung einen Deal mit Frankreich über die Lieferung französischer Kampfflugzeuge an die Volksfrontregierung zu verhandeln und umzusetzen. Zur Rechtfertigung für den Bruch des Embargos beruft sich die französische Regierung auf einen Geheimvertrag von 1935 zwischen Frankreich und Spanien, der die Lieferung von Kriegsmaterial im Wert von 20 Millionen Dollar vorsieht.

Auf dem zionistischen Kongress in Prag fungiert 1933 der palästinensische Jude Jecheskel Piekar als Leibwächter für Ben Gurion, den Führer des zionistischen Gewerkschaftsbundes Histradut. Danach geht Piekar nach England um den Pilotenschein zu machen. Die Ausbildung ist für Piekar nach 15 Flugstunden zu Ende, denn palästinensische Bürger dürfen aus Gründen der nationalen britischen Sicherheit an keiner Pilotenausbildung teilnehmen. Piekar meldet sich 1936 in Paris bei Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs bei der spanischen Botschaft, die ihn trotz seiner 15 Flugstunden als Pilot zu André Malreaux schickt, der in Spanien gerade die Flugstaffel „España“ aufbaut. Die 15 Piloten der Staffel kommen aus England, Italien, der Schweiz und Weißrussland. Piekar fliegt im November 1936 in der Schlacht um Madrid einen großen französischen Potez-Bomber aus Sperrholz mit 6 Mann Besatzung. Die musealen Ungetüme haben wenig Chancen gegen die wendigen Messerschmitt Jagdflugzeuge der deutschen Legion Condor.

Internationale Brigadisten in Gefangenschaft

Angehörige der Internationalen Brigaden, die von faschistischen Truppen gefangen genommen werden, erfahren unterschiedliche Behandlungen. Von 287 gefangenen amerikanischen Freiwilligen werden 187 sofort getötet. Nachdem die Republikaner den Ebro überschritten haben, befiehlt der faschistische General Yagüe, jeden Gefangenen zu erschießen, der aus den internationalen Einheiten kommt.

Über seine Gefangenschaft bei den Faschisten schreibt der Schweizer Freiwillige Konrad Schmidt: „Vierzig Kilometer außerhalb von Burgos führte man uns in das alte Kloster San Pedro de Cardeña, das in ein Konzentrationslager für Kriegsgefangene umgewandelt worden war. Es befanden sich darin ca. viertausend spanische und siebenhundert internationale Gefangene. Wenn die Faschisten an der Front Verluste hatten, wurden wir dafür geprügelt. Wenn sie Siegesfeiern veranstalteten, wurden wir ebenfalls geprügelt.“
Wer in die Hände italienischer Truppen fällt, hat gute Chancen, gegen italienische Gefangene ausgetauscht zu werden. Abgeschossene Flieger behandelt man auf beiden Seiten offenbar pfleglich. Einige gefangene Brigadisten gelangen mit ihren spanischen Kameraden in das von der deutschen SS betriebene Konzentrationslager in Miranda de Ebro, wo an ihnen „rassenhygienische Untersuchungen zur Erforschung der Minderwertigkeit der marxistischen Rasse“ vorgenommen werden.

Das Ende der Internationalen Brigaden

Zu den bisher ungelösten Rätseln des Spanischen Bürgerkriegs gehört die von dem republikanischen Ministerpräsidenten Negrín am 21. September 1938 beim Völkerbund beantragte Auflösung der Internationalen Brigaden. Sie ist ganz im Sinne Stalins, der jetzt die Freundschaft Hitlers auf Kosten der westeuropäischen Demokratien sucht, was bald zum Hitler-Stalin Pakt führen wird. Negríns Anordnung führt dazu, dass die Internationalen Brigaden im Oktober 1938 mitten in der Ebro Schlacht von der Front abgezogen werden. Ein Grund für die Auflösung könnte sein, dass die zu diesem Zeitpunkt noch vorhandenen ca. 9.000 Kämpfer der Internationalen Brigaden keine entscheidende militärische Rolle mehr spielen können. Am 28.Oktober 1938 ziehen die Internationalen Brigaden in einer letzten Parade vor 200.000 Zuschauern durch die Hauptstraßen von Barcelona. Eigentlich sollen auch alle anderen ausländischen Verbände Spanien verlassen, aber die deutschen und italienischen Unterstützer Francos scheren sich nicht darum und kämpfen bis zum Kriegsende weiter.

Die nach der Demobilisierung der Brigaden am 26. Januar 1939 neu gebildete internationale Brigade „Agrupación Internacional“ besteht aus 4.500 internationalen Kämpfern, die nicht in ihre Heimatländer zurückkehren können und steht unter dem Kommando des polnischen Juden Henryk Torunczyk. Die Soldaten der Agrupación ermöglichen die Flucht von 470.000 Spaniern und Ausländern nach Frankreich. Francos Truppen kesseln den Verband der Agrupación zwar schließlich ein, greifen ihn aber nicht ernsthaft an, als sie erkennen, dass es sich um Kämpfer der ehemaligen Internationalen Brigaden handelt. Am 8. Februar marschieren 750 erschöpfte Kämpfer der Agrupación bei Le Pertus über die Grenze in die französischen Internierungslager Argelès sur Mer und St.Cyprien. Währenddessen rettet sich die Parteiprominenz nach Paris und begibt sich auf ein sowjetisches Schiff, das sie in die Sowjetunion bringt.

Die Franzosen sind auf den Flüchtlingsstrom aus Spanien genauso unvorbereitet wie die deutsche Regierung 2015 auf die massenhafte Ankunft syrischer Flüchtlinge. Der deutsche Brigadist Erich Weinert berichtet über die erste Nacht im französischen Stacheldraht-Camp: „Um die Karrees standen schwarze Wachtposten, aus den Ecken waren Maschinengewehre drohend auf uns gerichtet. Zu essen hatte es auch hier nichts gegeben. Nur ein paar Kochgeschirre voll Wasser konnten aufgetrieben werden. Wo sollten wir nun, auf flacher Sandsteppe, ohne jeden Windschutz, die Nacht verbringen?“

Da die meisten Länder ihren Bürgern verboten haben, sich als Freiwillige am Spanischen Bürgerkrieg zu beteiligen, gelten die Spanienrückkehrer in ihren Heimatländern oft als Straftäter und werden Schikanen ausgesetzt. Luxemburg z.B. hat seine Spanienkämpfer erst im Jahr 2003 rehabilitiert, die Schweiz folgt 2009. In der Sowjetunion kommen viele „Spanier“ im Gulag um. In Deutschland, Österreich, der Tschechoslowakei und Polen landen sie im KZ, in Frankreich in den Internierungslagern oder als Kämpfer der Résistance oder der französischen Fremdenlegion. In den USA müssen Spanien-Rückkehrer vor dem „Ausschuss für unamerikanische Umtriebe“ erscheinen und werden wegen „verfrühtem Antifaschismus“ zum Teil ins Gefängnis geworfen und mit Berufsverboten belegt.

Was den Spanienkämpfern bleibt, ist das Gefühl der internationalen Solidarität mit der „richtigen“ Seite in Spanien. Ernest Hemingway hat das in seinem Bestseller so beschrieben: „Kein Mensch ist eine Insel, vollständig in sich selbst, der Mensch ist ein Teil des Kontinents, ein Stück des Ganzen, wenn ein Klumpen Erde fortgespült würde, von der See, so wäre Europa ärmer, … jedes Menschen Tod zehrt auch an meinem Leben, denn ich bin verwoben mit der ganzen Menschheit; und deshalb frage nie, für wen die Stunde schlägt, sie schlägt für dich.“

Von Wolfgang Zöllner

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