Kunsthandwerk in Andalusien

Das Kunsthandwerk hat in Andalusien eine lange Tradition und viele Völker hinterließen ihre Spuren. Darunter Phönizier, Iberer, Römer und vor allem die Mauren. Aus diesen Einflüssen entwickelte sich ein buntes Gemisch an Stilen, wobei jede Stadt und jedes Dorf eine eigene Persönlichkeit entwickelte.

Kunsthandwerk Andalusien
In Andalusien findest du tolle Keramik
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Kunsthandwerk in Andalusien – Zauber des Handgemachten

Vor allem in der Keramik gibt es große regionale Unterschiede. Traditionelle Schmiedeeisenarbeiten sind allgegenwärtig im Ortsbild der andalusischen Pueblos als Balkongeländer, Blumentopfhalter oder kunstvolles Tor. Die Leidenschaft für Pferde macht das Leder- und Sattlerhandwerk zu einem blühenden Wirtschaftszweig. Córdoba ist für filigranen Silberschmuck bekannt, Granada für seine Gitarren und die Alpujarras für gewebte Teppiche und geflochtene Körbe.

Kunsthandwerk ist in Andalusien präsent auf den Märkten und in den Läden der Altstädte. Dort kaufst du schöne handgefertigte Erzeugnisse als Souvenir und Mitbringsel. Die Läden und Werkstätten sind von Montags bis Freitags bis zu 12 Stunden geöffnet. Dazu ist die Ladenöffnung an 7 Sonntagen im Jahr erlaubt. Da die Siesta in Spanien heilig ist, liegen die Öffnungszeiten zwischen 10.00 und 13.30 Uhr und 17.00 bis 20.30 Uhr. Viele Werkstätten bieten Kurse an und auch die Besichtigung etwa einer Weberei sind ein lohnendes Ausflugsziel.

Keramik

Die Keramik in Andalusien besticht durch eine unglaubliche Vielfalt. Gefäße mit schlichten Formen und aus dem typischen rotbraunem Ton oder mit blauen oder grünen Dekoren auf weißem Grund haben ihren Ursprung in der bäuerlichen Tradition. Früher fuhren Händler über Land und verkauften Teller, Tassen, Schüsseln und andere Gebrauchsgegenstände. Diese waren eng mit dem Leben auf dem Land verknüpft. Heutige Keramiken erfüllen vor allem dekorative Zwecke. Dennoch findest du eine große Auswahl an zeitlosen Bechern, Krügen oder Auflaufformen, die in jeden Haushalt und auf jeden Esstisch passen und südliches Flair verbreiten.

Ganz anders sind dagegen die barocken Gefäße aus Guadix: Die Jarras accitanas. Sie sind übersät mit phantasievollen und schmückenden Details – Blumen, Blätter und Tieren. Eine dritte Stilrichtung, bei der die Farbe und Textur eine Hauptrolle spielen, ist das Erbe der Nasriden. Sie erinnert an Keramiken aus Nordafrika. Schöne Keramiken kaufst du in Granada und Umgebung, in Sevilla im Stadtteil Triana und in der Umgebung von Córdoba, in Conil de la Frontera, Almería, Aracena (Provinz Huelva), Sanlúcar de Barrameda (Provinz Cádiz), Andújar und Níjar (Provinz Almería).

Lederwaren

Die Geschichte des Lederhandwerks ist eng mit der Pferdezucht, der Jagd und der Landwirtschaft verknüpft. Erstklassige Lederwaren bekommst du in Ubrique (Sierra de Grazalema) – der Ort besitzt europaweit die meisten lederverarbeitenden Kunsthandwerksbetriebe. Luxus-Marken wie Dior, Pierre Cardin und Loewe ordern hier Gürtel, Taschen und Schuhe. Gute handgefertigte Schuhe und Reitstiefel produzieren Handwerksbetriebe in Valverde del Camino (Huelva) und in Montoro in der Provinz Córdoba. Die Qualität von Lederwaren aus Córdoba war einmal so bekannt, dass man bei erstklassigem Leder vom Córdoban sprach. Aus Guadaecil kommt dagegen erstklassiges punziertes, bunt bemaltes und mit Blattgold oder Blattsilber verziertes Leder. Auch in Málaga nimmt die Zahl der Saffianwerkstätten wieder zu. Gute Einkaufsquelle für Reitlederwaren sind Jerez de la Frontera, Alcalá de los Gazules und Villamartín (Cádiz).

Holzmöbel und Musikinstrumente

Andalusien ist berühmt für seine Intarsienarbeit und die Holzschnitzereien. Letztere kamen mit den Mauren ins Land, erste Werkstätten in Spanien gibt es seit dem 12. Jahrhundert. Die geometrischen Strukturen und Ornamente siehst du wieder in der Alhambra. Du findest sie auf Möbeln, Kästchen, Truhen, Lederwaren, Schach- und Backgammonspielen.

Die wichtigsten Schulen der Instrumentenbauer sitzen dagegen in Granada besonders im Viertel Albaicín. Neben Flamencogitarren und klassischen Gitarren fertigen die Handwerker erstklassige Geigen und Lauten und die Aufträge kommen aus aller Welt. Auch in Málaga, Sevilla, Córdoba, Andújar und in Algodonales haben empfehlenswerte Instrumentenbauer ihren Sitz.

Die Stile vieler Möbel entstammen der Renaissance, wobei heute der Geschmack in Richtung „á la Provence" geht bei Schränken, Tischen und Stühlen. In Spanien bestellen viele Privatkunden auch heute noch ihre Möbel bei Kunstschreinern. Verarbeitet werden Pinien-, Kirschbaum- und Eichenhölzer. Besonders um Ronda haben sich viele Tischler auf einen rustikalen Stil spezialisiert, der auch unter dem Begriff „spanischer" oder „granadinischer" Stil vertrieben wird. Die Werkstätten um Granada sind auf Einlegearbeiten spezialisiert, die von Sevilla auf markante Blumenmuster.

Holzartikel und Möbel kaufst du in Granada (Intarsien), Ronda (rustikal), Valverde del Camino, Galaroza und Zalamea la Real. Bei Gitarren sind Granada, Córdoba, Marmolejo (Provinz Jaén) und Algodonales (Provinz Cádiz) eine gute Wahl.

Schmiedehandwerk und Spengler

Schmiedeeiserne Geländer und Zäune sind emblematisch für Spanien. Sie begegnen dir auf Schritt und Tritt in den Dörfern und den Städten. Auch aus der Zeit der Römer, Westgoten und Mauren zeugen geschmiedete Werke von hoher Handwerkskunst. Derzeit erlebt das Metallkunsthandwerk in Andalusien in den Provinzen Córdoba und Granada eine Renaissance. Unter Verwendung moderner und traditioneller Handwerkstechniken entstehen dekorative Kunst-, Einrichtungs- und Gebrauchsgegenstände.

In Granada hämmert und zischt es in zahlreichen Essen und Schmieden in den Vierteln Albaicín und Sacromonte. Von den Wänden und Decken der Bars und Lokale hängen traditionelle Kessel, Tiegel und Kellen. Heute stehen Lampen, Türklopfer, Regenschirm- und Zeitungsständer im Vordergrund. Das traditionelle Kupfer ersetzen einfacher zu bearbeitendes Messing, Zinn und Eisen. Besonders attraktiv und ein Blickfang für jeden Flur und jede Diele sind die Granadinischen Laternen aus Metall mit farbigen Gläsern. Der arabische Ursprung ist unverkennbar – die Leuchten fangen den Zauber des Orients ein.

Gute Einkaufsquellen für Metallwaren sind außerdem Cortegana (Huelva), Arcos de la Frontera (Cádiz) und Estepona (Málaga).

Textilhandwerk

Andalusien hat eine lange Tradition in gewebten Stoffen, Stickereien, und Spitzenarbeiten. Letztere wurden von Frauen in mühseliger Heimarbeit hergestellt und Goldstickereien aus Andalusien waren in ganz Europa berühmt. Sie verzierten luxuriöse Trachten wie sie im Stierkampf getragen werden. Noch heute besticken Granadier Bettwäsche, Schärpen, Schleier und Wäsche. Das, was man im Laden kaufen kann, stammt allerdings meist aus industrieller Fertigung und Fernost. Handgefertigte Spitzen und Stickerein gibt es nur noch für den Eigenbedarf und für kirchliche Zeremonien. Auch die Stickereien aus Sevilla sind berühmt sowie die dortigen Flamencotrachten und Manilatücher. Auch in der Altstadt von Málaga triffst du noch an vielen Ecken pittoreske Läden mit Flamencokleidern, Stoffrosen und üppigem Schmuck sowie Stoffläden mit einer großen Auswahl.

Früher war die Weberei der wichtigste Wirtschaftszweig in Granada: Gegen Ende der maurischen Zeit zählte man 5.000 Webstühle in der Region. Heute klappern die mit Stoffen und Teppichen bespannten Webstühle noch in den Alpujarras und in Níjar. Dort gehören die bunten Teppiche, Wandbehänge und Wollstoffe fest zum Straßenbild. Die dicken handgewebten Stoffe "Jarapas" aus Níjar, zählen zu den wichtigsten textilen Produkten der Provinz Almería.

Gute Einkaufsmöglichkeiten für Teppiche und Stoffe bieten Córdoba (Hüte), Arcos de la Frontera (Cádiz), Antequera, Málaga (Dekoration, Flamenco-Trachten), Moguer (Huelva) und Sevilla (Spitzen, Manilatücher und Flamenco-Trachten), Bubión (Teppiche) und Níjar (Jarapas).

Kunsthandwerk hat in Andalusien eine lange Tradition und ist fest in der Gegenwart verankert und verzaubert nach wie vor mit Schönheit und edlen Materialien.

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