Abseits des Flamenco: Hip-Hop und Rap in Andalusien

Andalusien ist musikalisch weit mehr als nur Flamenco. Wenn du dich für Hip-Hop und Rap interessierst, solltest du hier unbedingt weiterlesen. In diesem Genre gibt es einige großartige andalusische Künstler.

Graffiti in der Altstadt von Córdoba

Madrid City Breakers, Maqueteros, MCs, DJs „y mucha, mucha musica“

Die Anfänge und Wurzeln des Hip-Hop und Rap auf der Iberischen Halbinsel liegen ganz eindeutig in und um die spanische Hauptstadt Madrid, einfach weil dort zu Beginn der 1980er Jahre wie in vielen anderen Metropolen westeuropäischer Länder seinerzeit auch mit einer großen US-Army-Base (Torrejón de Ardoz) samt dort stationierten amerikanischen Hobbyrappern, einer multiethnischen und vor allem auch teils schwarzen lokalen Bevölkerung sowie einer musikalisch wie stilistisch aktiven offenen und aktiven Jugend zu Zeiten der sog. „Transición“ zwischen 1975 und 1982 die denkbar besten Bedingungen herrschten.

Nachdem auch „Graffiti“ und „Breakdance“ ab Mitte der 1980er Jahre erst Madrid und dann alle anderen großen Städte eroberten, sollte es jedoch nach dem Erscheinen der beiden ersten offiziellen spanischen Rapsampler „Madrid Hip Hop“ und „Rapin' Madrid“ im Jahr 1989 nicht allzu lange dauern, bis der neue aufregende Sound den Rest des Landes und damit auch den ohnehin nach jeglicher Musik verrückten andalusischen Süden erreichen sollte. Immer mehr Raubkopien und Demoaufnahmen („maquetas") erster Konzerte und Sessions kursierten ab Anfang der 1990er Jahre immer häufiger speziell in der Provinzhauptstadt Sevilla, ganz besonders hervor taten sich hierbei die bis heute existierende und von vielen als Pioniere des andalusischen Hip-Hop und Rap verehrte Band „SFDK“.

„Sevilla City“, Mala Rodríguez und „Siempre Fuertes De Konciencia“

Das seit jeher schon als musikalischer Schmelztiegel bekannte Sevilla mit seiner uralten Flamencotradition, in der charismatischer wie leidenschaftlicher Gesang mindestens genauso wichtig ist wie im Hip-Hop, war bereits in den 1970er Jahren der Geburtsort der in ganz Spanien seither sehr populären Musikrichtung „Rock andaluz“ gewesen. Dessen Instrumentierung aus akustischen und elektrischen Gitarren, Bass, Kastagnetten und diverser Percussion findet sich mitunter als Samples auch in den Songs damaliger Bands wie zum Beispiel „La Alta Escuela“ mit den bis heute ihre Solokarierren wie auch kreative Kooperationen eifrig verfolgenden Ex-Mitgliedern „ToteKing“, „Juaninacka“, „Juanma“ und „El Tralla“.

Noch deutlicher wird diese musikalische Orientierung am heimatlichen Erbe bei der 1979 in Jerez de la Frontera geborenen und Sevilla aufgewachsenen sowie heute durch Zusammenarbeit mit vielen Künstlern international bekannten Sängerin „Mala Rodríguez“. Bereits im Jahr 1999 nahm sie mit den oben erwähnten SFDK („Siempre Fuertes De Konciencia“/Immer stark im Bewusstsein) gemeinsam den Song „Una de piratas“ auf, wie deren Mitglieder „Zatu“ und „Acción Sánchez“ war und ist sie bis heute auch als Gast bei vielen andalusischen, spanischen und südamerikanischen Hip-Hop-Formationen sehr aktiv. So etwa schon 1998 in Sevilla mit den ebenfalls als einschlägige stilistische Wegbereiter angesehenen „La Gota que Colma“ rund um deren ursprünglich aus Argentinien stammenden Boss „Niko“, der wiederum seit 2001 mit weiteren bekannten sevillanischen Rappern, MCs und Hip-Hoppern wie „Zonah“ und „Hijo Pródigo“ sowie der noch immer sehr populären „Dogma Crew“ aus der kleinen Industrie- und Vorstadt Mairena del Aljarafe zusammenarbeitet.

Einen recht vollständigen Überblick über die Geschichte und Entwicklung des Hip-Hop und Rap in Sevilla vermittelt übrigens der im Jahr 2006 uraufgeführte Dokumentationsfilm „Sevilla City“.

„Yo Soy Del Málaga“, Sicario, Jefe de la M, „Nazión Sur“ und „Hablando en Plata“

Auch in Málaga als der mit heute gut 1,4 Millionen Einwohnern zweitgrößten Stadt Andalusiens stießen die eingängigen Rhythmen mit dem schnellen Sprechgesang nicht lange auf taube Ohren, ebenfalls schon Anfang der 1990er Jahre sorgten erste Musiker und MCs wie „Ijah“, „Jefe de la M“, „DJ Pera“ und vor allen die bis heute bekannte, aber nicht mehr existente Gruppe „Nazión Sur“ mit „Rayka“, „Elphomega“, „Spanish Fly“, „Mr Can“, „DJ Narko“ und „Second“ für Aufsehen unter der tanzwütigen Jugend in der lebendigen Hafenstadt am Mittelmeer. Deren Auftritte begeisterten dann nachhaltig die nächste Generation mit Baseballmützen und „Doggy Pants“, aus Fans und aus dem Umfeld der „südlichen Nation“ formierten sich dann eher kurzlebige Projekte wie „Triple XXX“, aber jedoch auch die bis heute für ihre dem Subgenre „Horrorcore“ zugerechneten Texte gefeierten „Hablando en Plata“. Die Formation, deren Namen man auf Deutsch in etwa „Klartext sprechen“ übersetzen könnte, wurde von den Sängern, MCs und Djs „Rayka“, „Sicario“, „Capaz“, „Dj Narko“ und „Big Hozone“ ins Leben gerufen, ihre erste Platte „Sr.Narko zerounoestilo“ veröffentlichten sie im Jahr 1998.

Ebenfalls recht einflussreich und umtriebig ist der aus dem Barrio Pedregalejo in Málaga stammende „MC Keyo“, der sich schon seit 1996 auf den Bühnen der Region bewegt und an den Plattentellern glänzt, das Gleiche gilt für die stark vom Reggae inspirierten „Pinnacle Rockers“ rund um „Ijah“, „Shabu One Shant“ und „Little Pepe“, der mit seinem Song „Yo soy de Málaga“ (Ich bin aus Málaga) später einige Bekanntheit erreichte. Auch von dem Projekt „Triada“ der alten andalusischen Hip-Hop-Hasen „Jefe de la M“, „El Niño“, „Ijah“ und „DJ Pera“ hört man seit dem Jahr 2005 immer wieder mal etwas Neues.

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