El Gastor

El Gastor ist eines der weißen Dörfer in der Provinz Cádiz. Bekannt ist der Ort für seine Panaromaaussichten und bedeutenden Megalithanlagen.
El Gastor
Die weißen Häuser in El Gastor
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El Gastor - Balkon der weißen Dörfer

Gut 1.800 Einwohner zählt die ca. 27 km² große Gemeinde zwischen den beiden Flüssen Guadalete und Guadalporcún im äußersten Nordosten der Provinz Cádiz in Andalusien. In der Region und im Rest Spaniens ist der Ort wegen der tollen Sicht vom Berg El Algarín und den Gipfeln der Gebirgskette Grajas als „Balkon der weißen Dörfer“ bekannt.

El Gastor gehört auch zur populären Urlaubsroute „Ruta de los Pueblos Blancos“, die Nachbarorte sind Algodonales im Norden, Grazalema im Süden, Montecorto (Provinz Málaga) im Osten und Zahara de la Sierra im Westen. Bis in die Provinzhauptstadt Cádiz sind es 131 Kilometer.

Schon der prähistorische Mensch fand Gefallen an der fruchtbaren Gegend

Archäologische Funde im Gemeindegebiet wie die Felsdolmen mit dem Namen „Grab des Giganten“ lassen eine Besiedlung der Gegend bereits in prähistorischer Zeit vermuten, aus der Epoche der römischen Herrschaft um den Beginn der Zeitrechnung stammen hier gefundene Münzen mit einer Prägung des Kaisers Augustus.

Im 14. und 15. Jahrhundert war der Ort wiederholt Schauplatz von Kämpfen zwischen christlichen und maurischen Truppen. Mit dem Ende der Kampfhandlungen des „Guerra de Granada“ und erfolgreichen Abschluss der Reconquista gelangen der Ort und seine Umgebung nach der Schenkung durch die katholischen Könige 1490 in den Besitz des letzten Fürsten von Cádiz, Don Rodrigo Ponce de León y Núñez und damit unter die Herrschaft des Königreichs Kastilien.

Die Unabhängigkeit vom Nachbar gelang erst nach Jahrhunderten

Ausgehend von dem älteren Ort Zahara de la Sierra wird El Gastor ab Anfang des 16. Jahrhunderts nach und nach als Bauerndorf und Handelsstützpunkt entwickelt, wichtig hierfür war vor allem auch die Existenz einer ergiebigen und zuverlässigen Wasserquelle, welche die Gegend attraktiv machte. Bis ins 18. Jahrhundert wurden die politischen Belange des Dorfes jedoch mehr oder weniger alleinig in Zahara de la Sierra bestimmt, wo auch der Bürgermeister von El Gastor eingesetzt wird. Erst mit dem Ende des Unabhängigkeitskriegs gegen Napoleon im Jahr 1834 wird der Ort von Zahara autonom und erhält den offiziellen Titel „Villa“.

Im 20. Jahrhundert erlitt El Gastor ein typisches andalusisches Schicksal

Im Spanischen Bürgerkrieg zwischen 1936 und 1939 wird der Ort von den faschistischen Aufständischen beherrscht, in der Nachkriegszeit litt das Dorf unter Hunger und politischer Unterdrückung. In den 1970er Jahren verringerte sich die Einwohnerzahl von fast 3.000 auf nunmehr nur noch knapp 2.000. Wie auch anderenorts in Andalusien zogen vor allem die jungen Bewohner damals auf der Suche nach Arbeit in größere Städte oder in das europäische Ausland. Seither hat sich die Zahl der Einwohner auf niedrigem Niveau stabilisiert. Erst in den letzten Jahren sind durch den Fremdenverkehr wieder einige neue Arbeitsplätze vor Ort entstanden.

Hier werden seit jeher rustikale Sackpfeifen gebaut und geblasen

Bekannt ist El Gastor auch für die Produktion der „Gaita gastoreña“, eines Dudelsack ähnlichen Instruments aus Leder und Stierhörnern, welches traditionellerweise vor allem in der Vorweihnachtszeit von November bis Dezember gespielt wird.

Sehenswürdigkeiten im Dorf und dessen Umgebung sind neben der bereits erwähnten Megalithanlage „Dolmen del Gigante“ die im neoklassischen Stil erbaute Kirche Iglesia de San José aus dem 17. Jahrhundert, die alte, nach vorheriger Anmeldung zu besichtigende Ölmühle, die beiden Höhlen Cueva de Fariña und Cueva del Susto sowie das Heimat- und Regionalmuseum „Museo de Uso y Costumbres Populares José María `El Tempranillo‘“, direkt neben dem Rathaus in der Calle Alta.

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Sehenswürdigkeiten in El Gastor