Semana Santa in Conil de la Frontera

Nein, es sind keine Anhänger des Ku Klux Clan. Die Kapuzenträger, die man zu Ostern in Andalusien allerorts auf den Straßen sieht, sind die Nazarenos und die Penitentes. Zu gut Deutsch sind es die Büßer, die während der weltbekannten Osterprozessionen prunkvoll geschmückte Heiligenfiguren durch die engen Gassen der andalusischen Orte tragen.

Den Ursprung haben diese Verkleidungen in Sevilla. Während der schlimmen Pest um 1348 trugen freiwillige Helfer diese Kapuzen, um sich beim Tragen der Opfer vor einer Ansteckung zu schützen. Heutzutage diene diese Capirotes vor allem dazu, dass die Anonymität der Träger gewährleistet wird. Obwohl die Semana Santa mit ihren Prozessionen ihren Ursprung in Sevilla hat, feiert so gut wie jede andalusische Stadt diese Osterprozessionen auf seine ganz eigene Art und Weise.

So auch der Touristen- und Fischerort Conil de la Frontera an der Costa de la Luz. Conil verfügt über insgesamt sieben Bruderschaften. Jede dieser religiösen Gemeinschaften organisiert ihren ganz eigenen Umzug mit einer eigenen Heiligenfigur. Dabei werden die Podeste jeweils von zwischen 40 und 130 Trägern durch die engen Gassen Conils getragen. Am Wegesrand stehen die begeisterten Einwohner Conils, welche den Trägern, die immerhin bis zu 100 Kilogramm auf ihren Schultern tragen, ihren Respekt zollen.

Die mit Abstand älteste und größte Bruderschaft in Conil ist die „Hermanidad de Jesús Nazareno y Nuestra Señora de los Dolores“. Seit ihrer Gründung im Jahr 1596 ist sie stetig gewachsen und kann mittlerweile auf 787 aktive Mitglieder blicken. Im Programm der Semana Santa von Conil ist für die Bruderschaft, die kurz einfach nur „Nazareno“ genannt wird, deshalb auch die größte und prunkvollste Prozession vorgesehen. In der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag wird die Prozession von der Capilla del Jesús bis zum heiligen Tempel der Parroquía de Santa Catalina stattfinden. Bis zu 130 Träger bewegen dabei eine gewaltige Christusstatue in einer lila Tonika mit Goldbordüre durch die Straßen Conils. Auch das Kreuz, welches die Christusstatue auf seinem Rücken schleppt, ist prunkvoll mit Goldspitzen verziert. Die gesamte Erscheinung dieses pompösen Podestes ist so gewaltig, dass man sich auch als Nichtgläubiger diesen Märschen mit Freuden und staunend anschließt und einfach nur die Atmosphäre genießt.

Auch die anderen sechs Prozessionen lassen an Prunk nichts zu wünschen übrig, sodass ein Besuch in Conil de la Frontera an der Costa de la Luz nur zu empfehlen ist. Auch wenn Sevilla die wohl größten Prozessionen hat, sind die Festlichkeiten in Conil doch eine Reise Wert. Vor allem wenn man eine familiäre Atmosphäre sucht und sich von den Massenveranstaltungen in den großen Städten erdrückt fühlt.

Verfasst am 28. März 2014
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