Im Supermercado – Einkaufen in Spanien

Mittlerweile ist die Costa del Sol einkaufstechnisch fest in deutscher Hand: Alle 5 km ein Lidl oder Aldi. Die Marktposition, die bei uns Rewe einnimmt, wird an der Küste von der spanischen Mercadona repräsentiert. Dort kaufe ich auch meistens ein, wenn ich an der Costa urlaube. Allerdings öffnet Mercadona erst um 9:15 Uhr, was für die morgendlichen Brötchen fatal ist.

Das Sortiment ist beim Mercadona natürlich stark spanisch geprägt. Das hat durchaus Vorzüge. Meine Frau schwärmt von der Fischtheke, wo sie vom Lachs bis zum Tintenfisch zwischen Fischsorten und Schalentieren wählen kann, die man teilweise in Deutschland gar nicht kennt. Und das zu sehr zivilen Preisen. Wo kriegt man in Deutschland ein Kilo Gambas für 7 Euro? Ganz wild ist meine Frau auch auf die in Öl eingelegten Boquerones.

Gemeinsam schwärmen wir für die spanischen Fuji Äpfel, die nicht nur groß, sondern besonders aromatisch und saftig sind, für das Brot Pan de Nueces, welches mit Kastanien versetzt unwiderstehlich schmeckt und für die riesigen Eier der Größenklasse „grande“, die sich besonders gut als Frühstücksei eignen. Seit Jahrzehnten trinken wir den süffigen roten Rioja von Comportillo, die Flasche für 1,73 bis 2,47, je nach Jahrgang. Wir haben schon öfter wesentlich teurere Vino Tinto probiert, sind aber jedes Mal am Comportillo hängen geblieben. Auch unsere Gäste sind voll des Lobes.

Zu meinen Präferenzen gehören Trufas, die 200 Gramm Packung für 1,69. Meine Frau muss die leicht bitteren Schokoladenflöckchen dann immer verstecken, sonst wäre die Packung nach zwei Tagen leer. Die Trufas eignen sich auch hervorragend als Mitbringsel für die Daheimgebliebenen. Leider gibt es sie beim Mercadona nicht das ganze Jahr, sondern nur um Ostern und Weihnachten. Warum eigentlich?? Im Herbst freue ich mich immer auf die frischen Feigen und Kaki-Früchte. Gerne kaufe ich die Bitterorangen-Marmelade Naranjas amargas, während mir die anderen Marmeladensorten zu süß und in ihrer Konsistenz zu wabbelig sind. Wenn mir der Sinn nach deutscher Marmelade ist, gehe ich halt zum Lidl, wo ich auch ein reichhaltiges Sortiment an ofenfrischen Brötchen, Croissants, Brezeln und Vollkornbrot vorfinde.

Bei den harten Getränken merkt man die Konzession an die überwiegend englischen Urlauber. Während eine ganze Regalreihe nur auch verschiedenen Whisky Sorten besteht, gibt es unter den hochpreisigen spanischen Brandys nur noch den Cardenal Mendoza.

Schwierig wird es bisweilen bei Non-Food Artikeln. Wie heißt noch mal gleich auf Spanisch „Dunstabzugshaubenfilter“? Oder Schnürsenkel, Watte, Klobürste? Bei Duschgels und Haarshampoo gibt es nur Literflaschen. Die reichen dann locker für die nächsten drei Jahre.

Ich gehöre zu dem Typ Mensch, der sich grundsätzlich immer an der Kasse anstellt, an der es am längsten dauert. Dafür lohnt es sich, mit mir vor dem Lift zu warten. Meiner kommt garantiert immer zuerst. Vor der Mercadona Kasse muss ich immer besonders leiden. Die Wartezeiten entstehen dort nicht nur aus den üblichen Gründen wie: kein Preis an der Ware, kein Wechselgeld, Papierrolle der Kasse muss gewechselt werden, ein Kunde will etwas zurückgeben usw. Hier kommt auch noch eine „kommunikative Komponente“ hinzu. Die Kassiererin und ihre spanische Kundschaft verquatschen sich schon mal und nehmen dann gar nicht mehr wahr, dass da eine Schlange von Kunden an der Kasse steht. Oder die Kassiererin hilft den oft betagten Kunden wortreich beim Einpacken. Oder die Kreditkarte tut nicht, mit der hier auch kleine Beträge gerne bezahlt werden. Oder jemand hat sich beim Einkauf übernommen und zusammen mit der Kassiererin muss nun akribisch aussortiert werden, was im Laden bleiben soll. In solchen Momenten empfinde ich meine doch sehr bescheidenen Spanisch-Kenntnisse als Mangel. Denn sonst könnte ich die mir aufgezwungene Pause zu einem Schwätzchen mit den anderen Wartenden nutzen. ¡que lástima!

Von Wolfgang Zöllner

Verfasst am 23. April 2017
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