Andalusien als neues Ziel des Flüchtlingsstroms aus Afrika

Die Fluchtbewegungen aus Afrika über das Mittelmeer nach Europa schienen Spanien bisher weitgehend zu verschonen. Als eine der am besten bewachten Schifffahrtswege in der Welt fiel die Straße von Gibraltar als Fluchtroute von Marokko nach Andalusien weitgehend aus. Nur sporadisch gerieten Ceuta und Melilla, die spanischen Enklaven an der marokkanischen Küste, in die internationalen Schlagzeilen, wenn es mal wieder einer Handvoll Afrikaner gelungen war, die über 7 Meter hohen Stacheldrahtzäune zu überwinden.

Nachdem die Route über Griechenland durch das Türkei-Abkommen und die Route von Libyen nach Italien durch Vereinbarungen der EU mit libyschen Warlords weitgehend geschlossen ist, weichen die Schleuserbanden nun offenbar erfolgreich auf das westliche Mittelmeer aus.

Über die Alboran-See, also dem Bereich des Mittelmeeres zwischen Algerien und Andalusien, gelangten im Jahr 2012 etwa 3.300 Migranten mit 104 Booten nach Andalusien. Dieses Jahr sind es bereits 15.000, die die Überfahrt in 671 Booten geschafft haben. Immer mehr konsternierte Touristen erleben in ihrem Strandurlaub nun hautnah mit, wie Flüchtlingsboote anlanden und ihre verängstigten Insassen ins Landesinnere entlassen oder wie die spanische Polizei zu Rettungseinsätzen auf hoher See ausrücken muss.

Mit der Unterbringung und den Asylanträgen der sprunghaft gestiegenen Anzahl von Flüchtlingen sind die spanischen Behörden heillos überfordert. Wen sie zu fassen kriegen, den sperren sie erst einmal in Auffanglagern weg, die Gefängnissen ähneln. Den Schleusern gelingt es allerdings, viele Migranten dem Zugriff durch die Polizei zu entziehen. Ihre Klienten landen dann in der Prostitution oder im Drogenhandel oder werden als Hilfskräfte bei der Ernte oder in der Gastronomie ausgebeutet. Bestenfalls ergattern sie auf den Strandpromenaden einen Standplatz als fliegende Händler mit gefälschten Uhren, Taschen und DVDs. So haben sich die Afrikaner ihr neues Leben in Europa bestimmt nicht vorgestellt. Und angesichts der immer noch hohen Arbeitslosigkeit in Andalusien, bilden die neu angekommenen Habenichtse zusätzlichen sozialen Sprengstoff.

Von Wolfgang Zöllner

Verfasst am 28. November 2017
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